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Konzeptionen Jenseits des Alltags? Taqwa – Ein Konzept des Islams

So weist Allah, der Erhabene, oftmals mit Nachdruck auf die Belohnung im Diesseits und im Jenseits hin, die für diejenigen bereitsteht, die gottesfürchtig sind. Es sind die Gottesfürchtigen, die Muttaqiin, denen Allah der Erhabene, seinen Beistand, seine Fürsorge und den Sieg verspricht.

Taqwa, die Gottesfurcht, ist eines der tiefgreifendsten Konzepte des Islams. Ihre außerordentliche Bedeutung für Muslime wird durch eine immer wiederkehrende Ansprache im Qur’an und in der Sunna des Gesandten (s) hervorgehoben.
So weist Allah, der Erhabene, oftmals mit Nachdruck auf die Belohnung im Diesseits und im Jenseits hin, die für diejenigen bereitsteht, die gottesfürchtig sind. Es sind die Gottesfürchtigen, die Muttaqiin, denen Allah der Erhabene, seinen Beistand, seine Fürsorge und den Sieg verspricht. Demnach ist das korrekte Verständnis von Taqwa, der Gottesfurcht, für jeden Muslim obligatorisch und von vitalem Interesse.
Bedauerlicherweise ist es ausgerechnet dieses elementare Konzept, das viele Muslime heute als Folge einer fehlerhaften Persönlichkeitsbildung, zumeist unbewusst, hinter sich gelassen haben. Die Bestreiter der Wahrheit und diejenigen, die den Islam und die Muslime bekämpfen, erkannten bereits früh, dass die Gottesfurcht als ein Konzept des Islams das Leben der Muslime grundlegend mitbestimmt und daher hervorragend geeignet ist, die muslimische Gemeinschaft in ihrem Denken und in ihrem Handeln zu beeinflussen. Sie verstanden zudem, dass die Gottesfurcht, die aus der islamischen Grundüberzeugung (Aqida) hervorgeht, die Quelle der Kraft der Muslime darstellt und begannen daher das korrekte Verständnis von Gottesfurcht durch die Einführung von griechischen, persischen und hinduistischen Ideen zu verzerren und aufzuweichen. So übernahmen viele Muslime die falsche Philosophie von der Trennung von Körper und Seele in ihre Ideenwelt auf und kompromittierten damit das vormals reine Konzept von Gottesfurcht.
Als Konsequenz dieses intellektuellen Überfalls sprechen die Muslime insbesondere demjenigen eine tiefliegende Gottesfurcht zu, der leise spricht und ausgeglichen und andächtig erscheint. Kurzum, einer durch und durch spirituellen Persönlichkeit, die von einer heiligen Aura umgeben zu sein scheint. Die Gottesfurcht manifestiere sich in übertriebenen gottesdienstlichen Handlungen, den regelmäßigen Spenden an die örtliche Moschee und einem zurückgezogenen und isolierten Leben – selbst dann noch, wenn dieselbe Person Zinsgeschäfte tätigt oder Alkohol verkauft. So gelang die Deformierung eines der wichtigsten Konzepte des islamischen Lebens durch die Konstruktion und Implementierung einer falschen Version von Gottesfurcht.
Diesem pervertierten Verständnis steht das reine Bild der Gottesfurcht in Qur’an und Sunna gegenüber. Taqwa wird dort als ein Konzept dargelegt, welches die Muslime vor dem Höllenfeuer bewahrt, indem sie die Befehle Allahs, des Erhabenen, befolgen, seine Anweisungen ausführen und sich von dem fernhalten, was Er uns untersagt hat. Denn Allah der Erhabene sagt:
„Und Allahs ist, was in den Himmeln und was auf Erden ist. Und wir haben jenen, denen vor euch die Schrift gegeben wurde, und euch selbst auferlegt, Allah zu fürchten. Wenn ihr jedoch ungläubig werdet, dann ist Allahs, was in den Himmeln und was auf Erden ist; und Allah ist auf keinen angewiesen und des Lobes würdig.“ (Sura An-Nisa, Aya 131).
Zudem sprach unser Prophet (s) in seiner letzten Ansprache:
„Ich befehle euch Ihn zu fürchten, hört Ihm zu und gehorcht.“
Sowohl die Aussage Allahs, des Erhabenen, im Qur’an als auch die Ansprache des Propheten (s.) beinhalten den Befehl an die Muslime, gottesfürchtig zu sein. Der Muslim verinnerlicht die Gottesfurcht und errichtet damit eine Barriere, die sich zwischen dem Menschen und dem Zorn und dem Missfallen seines Schöpfers manifestiert. Gottesfurcht, Taqwa, führt zum Streben nach Gehorsam seinem Gebieter gegenüber und hält den Menschen von den Restriktionen seines Herrn fern.
Alis (r.a.) Sohn, Al-Hasan (r.a.), sprach einst: „Die Menschen mit Gottesfurcht (al-Muttaqun) sind diejenigen, die sich von all dem fernhalten, was immer Allah, der Erhabene, verboten hat und all das ausführen, was immer Allah, der Erhabene, angeordnet hat.“
Umar ibn Abdul Aziz (r.a.) sagte zudem: „Gottesfurcht wird nicht durch das Fasten am Tage und das Gebet bei Nacht ausgeübt, noch durch die Vermischung von beidem, sondern Gottesfurcht bedeutet sich von dem zu entfernen, was Allah, der Erhabene, zum Haram (Verbotenen) erklärt hat und das Ausführen dessen, was Allah, der Erhabene zum Fard (Pflicht) erklärt hat. Nachdem ein Mensch dieses vollzogen hat, wird Allah, der Erhabene, ihm Gutes gewähren.“
Also strebt der wahrhaftig gottesfürchtige Muslim zu jeder Zeit nach einem profunden Verständnis der islamischen Lebensordnung, die Allah, der Erhabene, den Menschen über den Qur’an und die Sunnah übermittelt hat. Denn nur das korrekte Verständnis der islamischen Gesetzgebung versetzt einen Muslim in die Lage zu erkennen, was sein Schöpfer von ihm erwartet. Der gottesfürchtige Muslim setzt die Lebensordnung seines Herrn vollständig um und verfolgt dabei stets die Absicht, das Wohlgefallen seines Schöpfers zu erlangen.
Imam Ahmad erwähnt einen von einem Gefährten überlieferten Hadith, in dem eine Person einst fragte: „Oh Gesandter Allahs, erteile mir Rat“. Der Prophet (s.) antwortete: „Ich rate dir, Allah zu fürchten, denn das ist das oberste von Allem.“ Bei einer weiteren Gelegenheit antwortete er (s.): „Fürchte Allah, denn das ist die Gesamtheit alles Guten“.
Allah, der Erhabene verspricht denjenigen beizustehen, die gottesfürchtig sind. Allah, der Erhabene, sagt:
„Wahrlich, Allah ist mit denen, die gottesfürchtig sind und Gutes tun.“ (Sura An-Nisa, Aya 128)
Außerdem verkündet Allah (t) den Gottesfürchtigen, die großes Leid erfahren, seine frohe Botschaft, nämlich ihnen den Weg aus ihrer Erschwernis zu weisen. So sagt Er, der Erhabene:
„ …und dem, der Allah fürchtet, verschafft Er einen Ausweg.“ (Sura at-Talaq, Aya 2)
Schließlich erkennt der Diener seines Herrn über das, was Allah, der Erhabene, ihm mitgeteilt hat, dass Gottesfurcht keineswegs ein abgeschottetes Leben bedeuten darf, in dem lediglich die gottesdienstlichen Handlungen und der gute Charakter aufrechterhalten bleiben. Vielmehr ist derjenige gottesfürchtig, der Allah, den Erhabenen, fürchtet, den Zorn seines Schöpfers vermeidet und das Wohlgefallen seines Herrn sucht, indem er sein Leben vollständig nach dem ausrichtet, was Allah, der Erhabene, offenbart hat. Das sind diejenigen Muslime, die sich aktiv in der Gesellschaft bewegen und sich um die Angelegenheiten der Gemeinschaft der Muslime kümmern. Gleichwohl fastet und betet der gottesfürchtige Muslim, während er die Vervollkommnung seines guten Charakters anstrebt.
Allah, der Erhabene, sagt:
„O Prophet, fürchte Allah und gehorche nicht den Ungläubigen und den Heuchlern. Wahrlich, Allah ist Allwissend, Allweise. Und folge dem, was dir von deinem Herrn offenbart wird. Wahrlich, Allah ist wohl all dessen kundig, was ihr tut. Und vertraue auf Allah. Denn Allah genügt als Beschützer.“ (Sura Al-Ahzab, Ayat 1-3)