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Politik Europas neuer Wettlauf um Afrika

Nordafrika und die Sahelzone erhalten weltweite Aufmerksamkeit, seit die europäischen Staats- und Regierungschefs ihre Pläne, für Jahrzehnte in der Region zu verbleiben, offengelegt haben.

Seit der Invasion Malis durch französische Truppen, wurde die Welt gezwungen, sich mit der westafrikanischen Nation auseinanderzusetzen, die fortlaufend für weltweite Schlagzeilen sorgt.
Nordafrika und die Sahelzone erhalten weltweite Aufmerksamkeit, seit die europäischen Staats- und Regierungschefs ihre Pläne, für Jahrzehnte in der Region zu verbleiben, offengelegt haben. Als diese jüngste Intervention außer Kontrolle geriet und nach Algerien überschwappte, war die Aussage des britischen Premierministers David Cameron deutlich: „Dies ist eine globale Bedrohung, die eine globale Antwort erfordert. Es bedarf einer Antwort in Form von Jahren, sogar Jahrzehnten, im Gegensatz zu Monaten.“[1] Am Vorabend der französischen Intervention in Mali hob der französische Präsident François Hollande den Kontext der Intervention hevor: „Die Leute fragen stets, wie lange dies dauern wird. Und ich antworte:’Solange, wie es dauert. Die Zeit, die es braucht, den Terrorismus in dieser Region zu bezwingen.'“[2] Europas Schwergewichte haben nun Nordafrika und die Sahara zu den jüngsten Haltestellen in ihrem Kampf gegen den Terror gemacht.
Afrika, wie es heute mit seinen ethno-konfessionelle Grenzlinien übergreifenden Landesgrenzen besteht, war das Ergebnis des irrsinnigen Wettlaufs um Afrika durch konkurrierende europäische Mächte im 19. Jahrhundert. Zwecks Vermeidung weiterer Konflikte zwischen den europäischen Mächten, versammelten sie sich 1884 auf der Berliner Konferenz, um Regeln für die Aufteilung Afrikas unter sich festzulegen.[3] Dennoch blieb die Konkurrenz zwischen ihnen erhalten, welche zu beiden Weltkriegen führte. Der 2. Weltkrieg beeinträchtigte den europäischen Heldenmut und Europas Fähigkeit, ihre kolonialen Besitztümer zu erhalten, was wiederum zu einer Neuordnung der globalen Machtverhältnisse führte. Während die Franzosen einen großen Teil von West- und Zentralafrika kolonialisierten, übernahm Großbritannien den Großteil Ost- und Südafrikas. Beide Nationen hinterließen eine herrschende Klasse an der Macht, die über Jahrzehnte hinweg genährt wurde, um die europäischen Interessen zu sichern, als den afrikanischen Staaten formell die Unabhängigkeit verliehen wurde.
Der ursprüngliche Wettlauf um Afrika drehte sich um Afrikas begehrte Ressourcen, was sich bis heute nicht geändert hat. Die Europäischen Staaten haben einzelne Beziehungen zu Diktatoren aufrechterhalten, sich vorteilhafte Handelsabkommen sichernd. Der heutige Unterschied besteht darin, dass nun sowohl die USA als auch China als Akteure auf dem Kontinent auftreten. Die Hälfte der europäischen Energieversorgung ist von Importen abhängig, 35% des Erdgases wird aus Afrika (30% allein aus Algerien) importiert. Insbesondere Algerien, Angola, Ägypten, Libyen und Nigeria sind zu sehr wichtigen Energielieferanten für die Europäische Union geworden. Frankreich zum Beispiel ist der größte EU-Importeur des angolanischen Erdöls. Die 27 EU-Mitgliedsstaaten zusammengenommen kaufen 66% des exportierten algerischen Flüssig-Erdgases. Fast 80% der französischen Energieversorgung, erzeugt in Frankreichs 60 Kernkraftwerken, sind wiederum vom afrikanischen Uran abhängig.
Afrika ist die Region, in der Frankreich seinen größten Einfluss ausübte und über den längsten Zeitraum agierte. Der ehemalige Präsident Charles de Gaulle und alle darauffolgenden Regierungen haben Afrika als „Stützpunkt“ für die Unterstützung der französischen Führungsposition gesehen, indem die französischen Interessen in den französischsprachigen Ländern Afrikas aufrechterhalten wurden. Wie in einer Analyse der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in der Aussage der Analystin Katrin Sold hervorgehoben wurde: „Langfristig hat Frankreich ein Interesse daran, Bodenschätze in der Sahelzone zu sichern, insbesondere Erdöl und Uran, das der französische Atomkonzern Areva im Nachbarland Niger bereits seit Jahrzehnten fördert.“[4] Heute hat sich das politische Machtgefüge auf dem afrikanischen Kontinent verschoben, da Amerika nun als neue Weltführungsmacht den europäischen Einfluss ersetzt. Die französische Intervention in Mali geschah aufgrund des Putsches junger Militäroffiziere, die zuvor durch die USA ausgebildet wurden. In Libyen, dem Sudan, Kongo und Algerien bemühen sich die USA, sowohl britischen als auch französischen Einfluss durch pro-amerikanische Führungen zu ersetzen.
Für die USA ist die Variierung ihrer Energieimporte eine Schlüsselpolitik, da sich der Nahe Osten im letzten Jahrzehnt als instabil erwies. Während es Schätzungen gibt, dass das Schiefergas die USA bis 2020 autark machen würde, laufen jedoch derzeit alle US-Autos, Eisenbahnen und Flugzeuge noch auf Rohöl, weshalb die USA die Ölreserven Afrikas seit langem im Visier haben. Walter Kansteiner, US-Vizeaußenminister für afrikanische Angelegenheiten, zitierend: „Das afrikanische Erdöl ist für uns von national-strategischem Interesse, und es wird zunehmend wichtiger und an Bedeutung gewinnen, wie wir voranschreiten.“[5]
Was wir miterleben, ist nur der jüngste Wettlauf um Afrika. Der Unterschied liegt allein darin, dass verschiedene Länder aus verschiedenen Teilen der Welt um den begehrten Mineralreichtum Afrikas wetteifern, anstatt dass alle europäischen Staaten untereinander konkurrieren. Der Terrorismus wurde wieder einmal als Vorwand benutzt, um zu intervenieren und Truppen auf dem Kontinent zu stationieren, welche die Interessen ihrer Regierungen in den Gastgeberländern für die absehbare Zukunft schützen sollen. Die USA haben Afrika seit einiger Zeit auf ihrem Radarschirm, wie es bereits der ehemalige demokratische Kongressabgeordnete William J. Jefferson andeutete: „Afrika bietet das Erdöl, hilft uns mit Erkenntnisgewinnung aus menschlichen Quellen (Human Intelligence), hilft uns beim unserem Zugang zum Nahen Osten, sodass wir uns eine sichtbare Präsenz leisten können. Im Gegenzug müssen wir bei der Entwicklung Afrikas mit dem behilflich sein, was unser Land zum Laufen bringt: Transport- und Informationstechnologien. Das ist der neue Deal, den wir hoffentlich für Afrika und die Vereinigten Staaten rausschlagen können. Darin liegen meines Erachtens unsere nationalen Sicherheitsinteressen.“[5] Die wichtige Frage verbleibt, wie lange die USA und die EU-Staaten unter dem Vorwand des Terrorismus ihre Interventionspolitik in Afrika aufrechterhalten können, um ihre Interessen dort zu wahren, bevor sich Afrika als der nächste instabile „Nahe Osten“ entpuppt.
[1] http://www.bbc.co.uk/news/uk-21112189
[2] http://www.presstv.ir/detail/2013/01/19/284458/mali-action-to-last-as-long-as-needed/
[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Kongokonferenz
[4] http://www.dw.de/frankreichs-interessen-in-mali/a-16523727
[5] http://www.israeleconomy.org/strategic/africawhitepaper.pdf