Mit seiner 45-minütigen Rede vom 05.08.2013 wandte sich Bashar al-Assad an die Öffentlichkeit und gab zu verstehen, dass jede Form von Verhandlung mit den Aufständischen außzuschließen sei und die einzige Lösung darin bestehe, gegen die Rebellion im Land militärisch vorzugehen.
Mit seiner 45-minütigen Rede vom 05.08.2013 wandte sich Bashar al-Assad an die Öffentlichkeit und gab zu verstehen, dass jede Form von Verhandlung mit den Aufständischen außzuschließen sei und die einzige Lösung darin bestehe, gegen die Rebellion im Land militärisch vorzugehen. Wörtlich sagte Assad: „Ich denke nicht, dass jemand mit gesundem Menschenverstand glaubt, dass dem Terrorismus durch polititische Lösungen beizukommen ist“ und dass „keine Lösung für den Terror [exisitiert], außer ihn mit eiserner Faust niederzuschlagen“.
Westliche Medien und Politiker störten sich nicht an der Tatsache, dass Assad den Aufstand als „Terrorismus“ bezeichnete und sich nunmehr als Vorkämpfer im Krieg gegen den internationalen Terror präsentierte. Viel mehr interpretierten sie die Ansprache als Zeichen der Stärke und sahen sich so in ihrer Einschätzung der vergangenen Monate bestätigt. Schließlich erfolgte diese Rede im Kontext der vermeintlichen Siegeswelle des Regimes. So habe laut den Ausführungen von „Zeit“, „Spiegel“ und Co. die regimetreue Armee die Rebellen an mehreren Fronten regelerecht überrannt. Selbst BND-Chef Henning reihte sich bereits Ende Mai in das Orchester apokalyptischer Verheißungen ein und prophezeite den Untergang der Revolution.
Als es Mitte Juli zu einer Schießerei zwischen zwei Rebellengruppen kam, interpretierten westliche Beobachter auch dies als weiteren Sargnagel für die Rebellion. So titelte der Spiegel am 13.07.2013 „Kämpfe zwischen Rebellen und Dschihadisten eskalieren“ und zeichnete ein Bild voller „Gewalt, Zerstörung und Chaos“. Zudem werde die Situation „immer unübersichtlicher, weil sich die Opposition aufspaltet […]. So haben selbsternannte Gotteskrieger aus dem Irak einen führenden Kommandeur der Freien Syrischen Armee getötet. Daraufhin sind nun in der nördlichen Provinz Idlib im Nordwesten des Landes Kämpfe zwischen den Oppositionskämpfern und radikal-islamischen irakischen Milizionären ausgebrochen.“ Laut diesen Ausführungen tue sich eine neue Front zwischen den säkularen und islamistischen Revolutionären auf, was den Vormarsch der Assad-Truppen zusätzlich begünstige. Überdies werde der Aufstand durch die jüngsten Entwicklungen im kurdisch dominierten Nordosten des Landes zurückgeworfen. In dieser Region kam es in den vergangenen Monaten zu Kampfhandlungen zwischen dem syrischen Ableger der PKK (YPG) und den islamistischen Rebellen. Laut einer Analyse des amerikanischen Thinktanks Stratfor existiere ohnehin ein hohes Konfliktpotential zwischen diesen Gruppen, welches sich nun jedoch immer häufiger durch besagte Kämpfe äußere; ein „Trend welcher den Erfolg der gesamten Revolution gefährdet“. Obwohl die Gruppen laut dieser Einschätzung ein gemeinsames Interesse im Sturz des Assad-Regimes besäßen, „seien ihre Vorstellungen für das Syrien ohne Assad gegensätzlich“. Während die kurdischen Fraktionen separatistische Tendenzen aufwiesen, stehe für die Rebellen die Integrität Syriens an höchster Stelle, so die Einschätzung Stratfors.
Insgesamt zeichne sich also ein mehrdimensionaler Konflikt ab, in dem gemäß westlicher Lesart die politischen Bruchlinien zwischen den verschiedenen Ethnien, Religionen, Konfessionen und Ideologien verlaufen. Darüber hinaus erhöhe das hegemoniale Tauziehen zwischen den USA und Russland die Komplexität des „Bürgerkrieges“, in welchem sich die islamistischen Kräfte auf der Verliererstraße befänden. Dies, da letztere von der syrischen Armee, den säkularen Kräften der FSA, den kurdischen Milizen und der internationalen Gemeinschaft in die Zange genommen würden.
Vor diesem Hintergrund wäre Assads „eiserne Faust“ also die einzig logische Konsequenz, schließlich kristallisiere sich immer deutlicher heraus, dass dieser den Kampf durchaus für sich entscheiden könnte.
Obwohl die in den Berichten aufgegriffenen Szenarien eine gewisse Realität beschreiben, wird ihnen seitens der internationalen Gemeinschaft eine unverhältnismäßig hohe Relevanz zugestanden. Denn es sei daran erinnert, dass sich diese Revolution weder kurdischer Autonomie, noch ethnischen Säuberungen verschrieben hat. Bei der seit neuestem erwähnten Balkanisierung Syriens wurden ohnehin entscheidende Faktoren nicht berücksichtigt. Zum einen kann die Kurdenfrage nur in der Türkei gelöst werden und zum anderen besteht keine Parität zwischen den verschiedenen Ethnien und Konfessionen Syriens. So machen die Alawiten höchstens 10% der Bevölkerung aus, während die Christen und Drusen aufgrund ihrer verschwindend geringen Zahl nicht einmal politisch-separatistische Ambitionen entwickelt haben. Somit handelt es sich bei Syrien im Vergleich zu Ex-Jugoslawien um einen kulturell und ethnisch relativ homogenen Staat. Bereits daraus lässt sich ableiten, dass der Aufstand von anderen Motiven geleitet wird. Die Tatsache, dass sich auf den Schlachtfeldern Syriens hauptsächlich Menschen gleicher Ethnie und Konfession gegenüberstehen, belegt die ideologische Natur der Auseinandersetzung. Die absolut dominierende Bruchlinie verläuft nach wie vor zwischen dem säkularen System und den islamischen Kämpfern, welche die Errichtung des Kalifats anstreben. Dies spiegelt sich selbst in der westlichen Berichterstattung wieder, schließlich können alle der hier erwähnten Fraktionen eindeutig diesen beiden Lagern zugeordnet werden. So vereint das syrische Regime, die säkulare Strömung der FSA, die YPG und die internationale Gemeinschaft der gemeinsame Nenner des Säkularismus und des Kampfes gegen die ca. 1200 islamischen Rebellengruppen. Dies bestätigte selbst der syrische Außenminister Waleed al-Muallim auf einer live im syrischen Staatsfernsehen übertragenen Pressekonferenz. „Wir haben bereits zu Beginn der Krise gesagt, dass das was in Syrien geschieht eine Gefahr für die gesamte Region ist […]. Diejenigen, welche die Etablierung eines islamischen Kalifats verlangen, werden nicht an den Grenzen Syriens halt machen. Wir verteidigen im Moment sogar Jordanien, Libanon und die Türkei.“ sagte der Außenminister und warnte vor der Zerstörung der postkolonialen säkularen Ordnung im Nahen Osten.
Unterdessen erklärte der CIA-Vizechef Michael Morell am 06.08.2013 gegenüber dem Wall Street Journal, dass der Sturz Assads und die Übernahme des Landes durch islamische Extremisten momentan die größte Gefahr für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten sei und offenbarte damit die enorme Diskrepanz zwischen der amerikanischen Rhetorik und ihren tatsächlichen Interessen. Diese bemerkenswerte Aussage demaskiert die eigentliche US-Politik in der Syrienfrage, welche darin besteht, die Revolution zum Scheitern bringen zu wollen, indem sich alle Kräfte, einschließlich der „Achse des Bösen“ gegen die islamischen Fraktionen verschwören. Dass die Revolution eben mit diesen Fraktionen steht und fällt geht implizit aus dem Narrativ der westlichen Medien hervor, welche trotz ihrer Behauptung, dass die Revolution gegen den Willen des syrischen Volkes von Islamisten gekapert wurde, nun ungewollt zugeben, wer die eigentliche Hauptlast der Kämpfe trägt und wer den Geist Revolution verkörpert. So haben alle Berichte das vermeintlich militärische Scheitern der Islamisten mit dem Niedergang der gesamten Revolution verbunden. An dieser Stelle sei exemplarisch an den militärischen Rückschlag der islamischen Kräfte im libanesisch-syrischen Grenzgebiet erinnert, welcher unisono zum Anfang vom Ende der Rebellion hochstilisiert wurde.
Während diese Berichterstattung ein verzerrtes Bild der Lage Syriens vermittelt, haben die Kämpfer in den vergangenen Wochen militärische Tatsachen geschaffen. So haben die islamischen Brigaden Anfang August südlich von Damaskus ein Waffenlager der syrischen Armee erobert und erbeuteten dabei eine beachtliche Menge an panzerbrechender Munition, manueller Flugabwehrraketen und Boden-Boden-Raketen. Nur wenige Tage zuvor sprengten Rebellen das größte Waffendepot der Regierung in Homs und zwangen dadurch die Assad-Truppen ihre Offensive gegen die Stadt einzustellen. Im Norden des Landes gelang es den Mujahedin, regimetreue Kämpfer von überlebenswichtigen Versorgungslinien abzuschneiden und leiteten damit die Eroberung des seit über einem Jahr umkämpften und strategisch wichtigsten Flughafen in der Region um Aleppo, Menagh, ein. Unter der Führung Abu Omar al-Shishanis nahmen die Rebellen den Fliegerhorst unter hohen Verlusten der Regierungssoldaten am 5. August ein und schufen dadurch die Grundlage für die bevorstehende Befreiung des Westteil Aleppos. Seit einigen Tagen besitzt die Brigade Liwa al-Islam sogar ein eigenes Panzerbataillon; ein eindeutiger Beweis für den militärischen Erfolg der Revolutionäre. Am 5. August begann ebenfalls die Offensive in der alawitisch dominierten Region Latakia, mit dem Ziel, einen Keil zwischen die Westküste und Zentralsyrien zu treiben, wodurch die Versorgung über den Seeweg ins Landesinnere massiv beeinträchtigt zu werden droht. Beachtenswert ist die Tatsache, dass ausgerechnet die ISIS (Islamischer Staat Irak und Scham) mit über 1000 Kämpfern diesen Vorstoß auf die Heimatregion des Assad-Clans anführt. Damit werden alle Lügen gestraft, die noch vor kurzem einen „offenen Krieg“ zwischen den al-Qaida nahen Kämpfern und den säkularen FSA-Kräften prognostizierten. Am Morgen des 08.08.2013 wurde selbst Bashar al-Assad zum Ziel eines Angriffs mitten in Damaskus, dem er nur knapp entging.
Assads öffentliche Rede ist somit nur Teil eines verzweifelten Versuchs der internationalen Gemeinschaft und ihrer Medien, die Angst- und Schweigespirale wieder in Gang zu setzen, mit dem Ziel, die aufrichtigen Revolutionäre, das syrische Volk und die islamische Ummah zu entmutigen und ihre Kampfmoral zu brechen. Ein armseliger Versuch, der an den militärischen Tatsachen und dem immer stärker werdenden islamischen Geist der Revolution scheitern wird. Den Unterstützern Assads sei gesagt, dass sie seine Rede noch einmal in vollen Zügen genießen sollten. Schließlich könnte es seine letzte gewesen sein! Der „Dead Man Walking“, welcher in seiner ignoranten Ansprache jegliche Verhandlung mit den „Terroristen“ ausschloss, wird am Ende selbst zum Verhandlungsobjekt der Sieger, die vor Entscheidung stehen werden, ob er eine Kugel oder den Strick verdient.