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Politik Rosarote Henker

Angesichts der amerikanischen Kriegsrhetorik gibt es auch unter westlichen Kommentatoren immer wieder kritische Stimmen, die den bevorstehenden Militäreinsatz in Syrien vehement ablehnen. Besonders unter den Muslimen stoßen jene amerikakritischen Töne auf fruchtbaren Boden, repräsentieren sie doch scheinbar das bitter benötigte Sprachrohr der islamischen Welt.

Angesichts der amerikanischen Kriegsrhetorik gibt es auch unter westlichen Kommentatoren immer wieder kritische Stimmen, die den bevorstehenden Militäreinsatz in Syrien vehement ablehnen. Besonders unter den Muslimen stoßen jene amerikakritischen Töne auf fruchtbaren Boden, repräsentieren sie doch scheinbar das bitter benötigte Sprachrohr der islamischen Welt.
Einer der bekanntesten Apologeten unter ihnen ist der Buchautor und ehemaliges CDU-Mitglied Jürgen Todenhöfer. Bereits durch sein Buch „Warum tötest du, Zaid“ sorgte er im Jahre 2008 für Furore und avancierte zur Gallionsfigur auf einem Schiff, gefüllt mit vermeintlichen Israel- und Amerikafeinden. Gerade in muslimischen Kreisen wurde besagtes Buch zu einem regelrechten Verkaufsschlager und so wurde sein Pamphlet auf etlichen islamischen Veranstaltungen, Konferenzen, Informationsständen und Internetseiten in den höchsten Tönen gelobt. Todenhöfer ist seitdem ein gern gesehener Interviewpartner und so werden ihm zahlreiche Auditorien geboten, um seine Kommentare zu aktuellen Ereignissen zu verbreiten, in denen er regelmäßig die westliche Besatzungspolitik im Irak und Afghanistan scharf kritisiert. In einem Gespräch mit der „Sueddeutschen Zeitung“ sagte er: „Die USA haben sich wie im Irak aus der Rolle des Befreiers in die Rolle des Besatzers bombardiert. […] Wir, das heißt die Bundeswehr und die gesamte Nato, sollten sehr bald mit einem stufenweisen Abzug aus Afghanistan beginnen. Wir haben in Afghanistan militärisch nichts zu suchen.“
Auch in der jüngsten Debatte über die drohende US-Intervention warnt er insbesondere die Westmächte vor einem weiteren Desaster im Nahen Osten. Seiner Ansicht nach gebe es keinerlei Beweise für den Chemiewaffeneinsatz seitens des Assad-Regimes und selbst wenn sich dies bestätigen würde, sei eine Verhandlungslösung einem Waffengang vorzuziehen. Die dafür notwendige Gesprächsbereitschaft habe ihm Assad höchstpersönlich in einer der vielen Privataudienzen zugesichert. Abgesehen vom Führungsstil des syrischen Diktators müsse berücksichtigt werden, dass selbiger lange Zeit in der Lage war die zerstörerischen und sektiererischen Kräfte des Landes in Zaum zu halten; zweifelsfrei ein Ergebnis seiner laizistischen Gesinnung. Dagegen gehe die eigentliche Gefahr von den radikalen Islamisten aus, welche den Syrien-Konflikt für ihre eigene Agenda missbrauchen würden. Laut Todenhöfer kämen gerade jene Kräfte für den verheerenden Chemiewaffeneinsatz in Frage, da sie seiner Auffassung nach ohnehin für die allermeisten Menschenrechtsverletzungen in diesem Krieg verantwortlich seien. Außerdem wären al-Qaida und Jabhat al-Nussrah die größten Nutznießer einer US-Intervention und würden diesen lautstark „beklatschen“, so Todenhöfer. Mit dieser abenteuerlichen Erklärung unterstellt er den besagten Fraktionen das stärkste Motiv für den jüngsten Massenmord und vermutet ein spektakuläres Komplott, mit dem sie das Assad-Regime endgültig über die Grenzen und „roten Linien“ Obamas drängen wollen. Infolgedessen sähen sich die USA genötigt ihren Ankündigungen in Form von Luftangriffen Taten folgen zu lassen, die den Islamisten zum Sieg verhelfen würden. Dass bisweilen dieser Logik folgend niemand auf die Idee kam, die säkularen Kräfte der Opposition zu verdächtigen, ist ein Buch mit sieben Siegeln. Schließlich sind es jene Gruppen, die seit dem Ausbruch der Kämpfe offen für ein Eingreifen ausländischer Truppen werben. Selbst diese absurde Erklärung wäre also weitaus wahrscheinlicher als Todenhöfers Ausführungen, in denen die größten Feinde des Westens einen massiven US-Militärschlag in der islamischen Welt zunächst provozieren und anschließend bejubeln würden.
Aus diesen Aussagen wird deutlich, gegen wen sich die Aversionen der gefeierten Antiamerikaner und Semipazifisten in Wahrheit richten. Anstatt ihre Balsamtexte zu verherrlichen, sei den Muslimen geraten zwischen den Zeilen zu lesen, um die eigentliche Quintessenz zu erfassen. Denn wer tatsächlich glaubt, es handle sich bei Todenhöfer um einen edlen Ritter, der einen Halbmond im Schilde führt, der muss eines Besseren belehrt werden. Tatsächlich hat er mit den Opfern seiner Kritik mehr gemeinsam, als all den blauäugigen Dialoggalanen lieb ist, bekennt er sich doch offen zu allen westlichen Werten und betont deren Überlegenheit und universellen Anspruch. Die Militäreinsätze in der islamischen Welt sieht Todenhöfer als ein Hindernis für die effektive Propagierung eben jener Werte an, schließlich sei es nicht möglich Kulturen auf dem Rücken von Bomben zu transportieren. Sein diesbezüglicher Lösungsansatz besteht darin, die Beziehung zu den arabischen Ländern ähnlich zu gestalten, wie zu Israel. Durch wirtschaftliche Kooperation, Technologietransfer, Förderprogramme und ähnliche Gefälligkeiten soll die in vielen islamischen Regionen grassierende antiwestliche Stimmung der Sympathie und Bewunderung weichen. Auf diese Weise könnte westliches Gedankengut effektiv propagiert und langfristig die Herzen und Köpfe der Muslime erobert werden. Besonders deutlich wird dies in dem oft von Muslimen im Internet verbreiteten Interview Todenhöfers bei Johannes B. Kerner. „Al Qaida sind für mich keine Widerstandskämpfer, keine Freiheitskämpfer, keine Mujahedin, sie sind Mörder. Aber der amerikanische Präsident hat im Irak nicht 5000 Zivilisten getötet, er hat mehrere hunderttausend Zivilisten getötet. Und es gehört schon eine unglaubliche Überheblichkeit dazu, zu sagen, das Problem unserer Zeit sei das Problem der Gewalt der islamischen Welt […] Wir haben die muslimische Welt, wir haben auch andere Welten im Grunde behandelt wie, ja wie Untermenschen oder wie Sartre sagt, wie der berühmte französische Philosoph sagt wie Halbaffen“, so Todenhöfer. Nachdem er mit einem ohnehin überfälligen Schuldbekenntnis bezüglich der Kreuzzüge, des Kolonialismus, der beiden Weltkriege und des Holocausts vollends die Sympathie der Muslime anvisiert, geht er dazu über, wahre irakische „Freiheitskämpfer“ zu loben, welche entgegen den „mörderischen“ islamisch-ideologischen Fraktionen lediglich gegen die Besatzungspolitik der Amerikaner kämpfen würden. Auch in seinem frenetisch gefeierten Buch „Warum tötest du, Zaid“ erzählt er von dem Schicksal eines irakischen Jungen, dessen Lebensziel nach kapitalistisch vorbildlicher Manier in der eigenen Nutzenmaximierung besteht. Selbst nachdem sein älterer Bruder auf tragische Weise durch amerikanische Marines „von hinten erschossen“ wird, schließen sich Zaid und sein Bruder Karim nicht dem Befreiungskampf an. Doch nachdem auch Karim kurze Zeit später in einem Feuergefecht tödlich verletzt wird, beschließt er seinen Beitrag zur nationalen Verteidigung des Vaterlandes zu leisten. Mit dieser und ähnlich verlogenen Anekdoten zeichnet der überzeugte Demokrat das Bild eines legitimen Befreiungskampfes, motiviert durch westliche Konzepte des Nationalismus und Patriotismus und grenzt dieses stets vor der angeblich menschenverachtenden Ideologie der islamischen Terroristen ab. Letztere seien ohnehin nur an Zerstörung, Mord und Totschlag interessiert, getrieben durch blinden Hass gegen die westliche Kultur. Das Gewaltmonopol liege laut der Ideenwelt Todenhöfers somit ausschließlich bei säkularen Kräften, während der islamischen Ideologie durch systematische Verleumdung jegliche Legitimation abgesprochen wird. Paradoxerweise akzeptiert er auch das postkoloniale Staatengebilde der islamischen Welt und vertritt die Maxime „Irak den Irakern, Syrien den Syrern und Afghanistan den Afghanen“. Immer wieder betont er das Problem der „ausländischen Kämpfer“, die allzeit bereit sind ihre Geschwister auf der ganzen Welt zu verteidigen und so wird besonders der islamische Kollektivgedanke einer geeinten Identität und Nation zum Hassobjekt seiner westlichen Gesinnung.
Die rosaroten Henker übernehmen so die niederträchtigste Aufgabe im ideologischen Kampf. Sie strecken den Muslimen die Hand aus, um ihnen anschließend den Taumelkelch zu reichen. Ihre „Kritik“ der westlichen Außenpolitik bezieht sich lediglich auf die gewählten und in ihren Augen unproduktivem Mittel der militärischen Aggression. Ganz gleich ob Jürgen Todenhöfer, Gerorge Galloway oder Norman Finkelstein, sie alle widmen sich mit Leib und Seele der Verbreitung westlichen Gedankenguts und arbeiten aktiv daran, die bestehende Ordnung aufrecht zu erhalten. Angesichts dieser Tatsache, sei die islamische Ummah dazu angehalten diese Bauernfänger als das zu erkennen was sie tatsächlich sind: Wölfe in Schafspelzen, die mit ihrer Methode an den Serienmörder John Wayne Gacy erinnern, der mit seinem liebenswürdigen Clownskostüm die Herzen seiner Mitmenschen eroberte und so seine nichtsahnenden Opfer zur Strecke bringen konnte.