Der vorherrschende Zeitgeist ist wie in jeder geschichtlichen Epoche von bestimmten Meinungsmachern beeinflusst. Umso gefährlicher ist es, wenn sich diese institutionalisieren, um stärkeren Einfluss über die Bevölkerung zu erlangen. In der heutigen Zeit wird sowohl das Internet, digitale soziale Netzwerke, als auch Filmproduktionsstätten wie Hollywood zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung genutzt. Jene Beeinflussung umfasst alle Bereiche des menschlichen Lebens.
Einleitung
Der vorherrschende Zeitgeist ist wie in jeder geschichtlichen Epoche von bestimmten Meinungsmachern beeinflusst. Umso gefährlicher ist es, wenn sich diese institutionalisieren, um stärkeren Einfluss über die Bevölkerung zu erlangen. In der heutigen Zeit wird sowohl das Internet, digitale soziale Netzwerke, als auch Filmproduktionsstätten wie Hollywood zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung genutzt. Jene Beeinflussung umfasst alle Bereiche des menschlichen Lebens. So sagte Edward Bernays, der Gründervater der Public Relation, einst: „Wir werden regiert, unser Verstand geformt, unsere Geschmäcker gebildet, unsere Ideen größtenteils von Männern suggeriert, von denen wir nie gehört haben.“ (Propaganda, erstes Kapitel: Organising Chaos, Seite 1). Die USA haben es durch die Globalisierung, den freien Welthandel und durch die immense Vernetzung der Welt geschafft, ihren Lebensstil zu glorifizieren und somit Generationen kreiert, die den sogenannten „American Way of Life“ anstreben. Dieser manifestiert sich primär im Streben nach materiellem Reichtum. Dies zeigt sich deutlich in zahlreichen amerikanischen Filmen. Als Beispiel sei an dieser Stelle der Film „Das Streben nach Glück genannt“. Er handelt von einem Familienvater, welcher in ärmlichen Verhältnissen lebt und durch das Streben nach Vermögen viel Drangsal erleiden muss. Schließlich gelangt es dem Protagonisten einen lukrativen Job in einer Aktiengesellschaft zu ergattern, wodurch sich ihm und seiner Familie der ultimative Traum erfüllt. Der Film zeigt also das jämmerliche Leben einer amerikanischen Durchschnittsfamilie auf ihrem Weg zum vermeintlichen Glück und illustriert der Welt, dass letzteres eben darin besteht, reich zu werden. Es sind solche Filme, die als Ausdruck der kapitalistischen Kultur dazu beigetragen haben, dass sich Begriffe wie Vermögen, Besitz oder Reichtum als Synonyme für den Begriff Glück etabliert haben und die Menschen dadurch ihr Glück eben dort suchen.
Durch all diese propagandistischen Anstrengungen wird deutlich, dass das Glück ein wesentliches Konzept der kapitalistischen Gesellschaft ist. Es existieren diesbezüglich sowohl wissenschaftliche, als auch philosophische Erklärungsmodelle. In dieser Abhandlung soll dieses Konzept näher untersucht werden. Hierzu werden wissenschaftliche Ausführungen und einige Ansichten der antiken Philosophie genauer dargelegt. Wesentliche Bestandteile der Vorstellung über das Glück stellen dabei der „Genuss“ und die „Glückseligkeit“ dar. Im Rahmen dessen soll daher auch eine Differenzierung zwischen Genuss und Glückseligkeit vorgenommen werden, um im Weiteren diese Begriffe näher zu untersuchen.
Die Instrumentalisierung der Wissenschaft
Die westlichen Aufklärer nutzten die wissenschaftliche Methode, um die Welt zu entmystifizieren und die Menschen von – ihrer Ansicht nach – falschen Dogmen zu befreien. Im dunklen Mittelalter Europas litten die Menschen unter der Unrechtsherrschaft der feudalen Staaten, welche ihre Legitimität im Königtum von Gottesgnaden begründeten. Die Philosophen und Denker bemühten sich um Alternativen, welche alle Lebensbereiche abdecken sollten. Sie fanden in der Wissenschaft das ideale Werkzeug um ihre, dem Christentum widersprechenden Vorstellungen zu begründen. Die Wissenschaft und ihre Befürworter galten der Kirche als Ketzer und Abtrünnige. Doch trotz der starken Verfolgung wurden europaweit Bücher publiziert, um vermeintlichen Aberglauben zu zerstören. Eines dieser Bücher war die Encyclopedie aus Frankreich, welche von Gallionsfiguren der Aufklärung wie Denis Diderot (1713-1784) und anderen publiziert wurde. Sie sollte der europäischen Bevölkerung zeigen, dass Menschen, vollkommen unabhängig von der Kirche, in der Lage seien, die Welt rational zu erklären. Das Ergebnis dieses Prozesses war eine neue Weltanschauung, die grundlegende Fragen des Menschen zu beantworten vermochte. In diesem Kontext wurde die wissenschaftliche Methode vornehmlich dazu genutzt, um gesellschaftliche Veränderungen zu generieren.
Im Islam hingegen dient die wissenschaftliche Untersuchung der Materie dazu, die perfekte Harmonie des Universums und die Allmacht des Schöpfers zu verdeutlichen und um den Menschen darüber hinaus die Natur dienstbar zu machen, so wie es Allah s.w.t. in den sogenannten Versen über die Dienstbarkeit (Ayat at-taskheer) anspricht.
So sagt Allah s.w.t. beispielsweise:
„Habt ihr denn nicht gesehen, dass Allah euch alles dienstbar gemacht hat, was in den Himmeln und was auf der Erde ist, und (dass Er) Seine Wohltaten reichlich über euch ergossen hat […]“ (Sure 31, Aya 20)
Im Westen jedoch ist die Naturwissenschaft zum Instrumentarium des Unglaubens verkümmert und dient des Öfteren als Motor der Wirtschaft, indem ihre Hauptaufgabe darin besteht, Innovationen hervorzubringen, um Unternehmen Marktvorteile zu sichern. Hierdurch wird ersichtlich, dass die Wissenschaft in der industrialisierten Welt ideologisch begründet ist und dass der Außenstehende vor der Übernahme von vermeintlich wissenschaftlichen Theorien ihren Wahrheitsgehalt kritisch analysieren sollte. Genauso verhält es sich mit den übrigen akademischen Disziplinen. Denn jeder wissenschaftliche Zweig in den Universitäten Londons, Paris, Berlins oder Washingtons ist durch die westliche Geschichte beeinflusst und hat innerhalb kapitalistischer Gesellschaftsmechanismen zu funktionieren. Darüber hinaus wurde die wissenschaftliche Methode verallgemeinert und verabsolutiert, sodass jedes erdenkliche Problem als Objekt ihrer Untersuchung zugelassen wird. Fragen wie „Was ist der Ursprung der Materie?“ oder „Was ist Gerechtigkeit?“ wurden unter das Mikroskop gelegt und konnten dementsprechend nicht korrekt beantwortet werden. Deshalb verwundern auch Aussagen nicht, welche von namhaften Physikern wie Stephen Hawking (geb. 1942) getroffen wurden, in denen er sagt „Die Philosophie ist tot“ (Stephen Hawking/Leonard Mlodinow, Der große Entwurf). Daraus lässt sich schließen, dass die rational-metaphysische Erklärung der Welt nicht möglich, ja sogar unnötig sei; denn die experimentelle Physik biete seiner Meinung nach geeigneten Ersatz. So wird ersichtlich, warum auch Fragen wie „Was ist Glück?“ oder „Wie äußert sich das Glück?“ zum Untersuchungsgegenstand der Wissenschaft erhoben wurden.
Das Glück als Untersuchungsgegenstand
Um den Fragen wissenschaftlich auf den Grund zu gehen, was „das Glück“ bzw. „das glücklich sein“ bedeutet, wurden weltweit Fakultäten und Institute gegründet. Beispielsweise hält das Institut für europäische Glücksforschung (IFEG) ein jährliches Symposium ab, um das „glücklich sein“ genauer zu erörtern. Laut ihrer Definition sei Glück „Ein Gemütszustand, der den Wunsch impliziert, es möge einem auch in Zukunft so zumute sein“ (www.ifeg.at). Allgemeinhin wird das Thema Glück in der Bevölkerung auch dem Sinn des Lebens gleichgestellt, wodurch es in den kapitalistischen Staaten enorme Bemühungen gibt, diese Frage endgültig zu klären. Dabei existiert jedoch stets die implizite Bedingung, die Religion als mögliche Alternative außen vor zu lassen, denn bekanntermaßen sitzt die dunkle Geschichte Europas und der Bezug zum Christentum als normgebende Gewalt tief im kollektiven Gedächtnis der Europäer. Unter diesen Vorzeichen wird die Wissenschaft der Welt als eine Art universelle Formel präsentiert, welche dazu imstande sei, die Menschheit mit einer objektiven und korrekten Antwort zu beglücken.
Um das Phänomen Glück ausreichend erklären zu können, wird behauptet, dass es einer interdisziplinären Forschung bedarf. D.h. das Glück sei an einer Art Schnittstelle von Biologie, Psychologie und Sozialwissenschaften festzumachen. Mit anderen Worten fließen die Gene, das Verhalten eines Menschen und die gesellschaftlichen Randbedingungen in die Betrachtung mit ein. So bestehe eine mögliche Methode, das Glücksniveau zu erfassen, beispielsweise im Erstellen von Fragebögen und die anschließende Befragung von Menschen aus verschiedenen Schichten der Gesellschaft. Einer der bekanntesten Fragebögen ist der Satisfaction With Life Scale (SWLS). Dieser wurde vom amerikanischen Professor für Psychologie Ed Diener (geb. 1946) entwickelt. Die Fragebögen nehmen Bezug auf Freundschaft, Familie und Beruf, sowie über die allgemeine Zufriedenheit mit dem Leben. Vorgegebene Antworten können je nach Zutreffen ausgewählt und anschließend durch ein simples Benotungssystem beurteilt werden, bei dem die Möglichkeit besteht, durch eine Skala von 1 (stimme überhaupt nicht überein) bis 7 (stimme vollkommen überein) zu bewerten. Darüber hinaus gibt es auch Verfahren im Labor. Dabei wird zunächst festgestellt, welche Gefühle mit welchen Gehirnarealen korrelieren, indem bestimmte Ausganssituationen geschaffen und parallel dazu die Durchblutung des Gehirns mit Verfahren wie der Magnetresonanztherapie (MRT) gemessen werden. Dadurch wird ein genaues Bild über die Reaktionen im Gehirn generiert. Auf dieser Basis kann erkannt werden, welcher Teil des Gehirns, in seiner Eigenschaft als Steuerungsorgan, aktiv wird.
Das Problem bei all diesen Verfahren ist jedoch, dass ihnen eine bestimmte Doktrin zugrunde liegt, nämlich dass das Glück eine bloße Emotion sei bzw. ein Emotionshoch. Die wissenschaftliche Methode bringt zwar Erkenntnisse zu gewissen Zuständen, in denen sich der Mensch glücklich fühlt. Sie gibt auch Aufschluss über die biochemischen Prozesse, die im Körper während des Glücksgefühls stattfinden. Dies jedoch ist lediglich eine Bestandsaufnahme und führt keineswegs zur Kenntnis über die Ursache dieses Wohlbefindens. Dem Menschen wird suggeriert, dass das Glück in externen Faktoren zu suchen sei und somit stets nach neuen Reizen Ausschau gehalten werden muss. Dies ist ein gefährliches Verständnis, da es den Menschen zu immer gewagteren Extremen treibt, um dieses emotionale Hochgefühl wieder zu erlangen.