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Konzeptionen Das Streben nach Glück – Teil 2

Der Genuss (al-ladha) ist ein Gefühl, dass der Mensch durch die Wahrnehmung eines ganz bestimmten Umstandes verspürt. Sie äußert sich in einem Reiz, welcher, angeregt durch seine Umwelt, einen oder mehrere seiner Instinkte und organischen Bedürfnisse befriedigt. Diese Befriedigung bewirkt ein angenehmes Gefühl bzw. Wohlbefinden, das jedoch allmählich abklingt. So kommt im Menschen beispielsweise der Wunsch auf, sich ein schönes Auto zu kaufen, eine Frau zu heiraten oder andere Ziele zu realisieren.

Der Genuss (al-ladha)
Die Natur des Genusses


Der Genuss (al-ladha) ist ein Gefühl, dass der Mensch durch die Wahrnehmung eines ganz bestimmten Umstandes verspürt. Sie äußert sich in einem Reiz, welcher, angeregt durch seine Umwelt, einen oder mehrere seiner Instinkte und organischen Bedürfnisse befriedigt. Diese Befriedigung bewirkt ein angenehmes Gefühl bzw. Wohlbefinden, das jedoch allmählich abklingt. So kommt im Menschen beispielsweise der Wunsch auf, sich ein schönes Auto zu kaufen, eine Frau zu heiraten oder andere Ziele zu realisieren. Verwirklicht der Mensch nun seinen Wunsch, erfreut er sich dessen einer kurzen Zeit. Dieses Gefühl nimmt jedoch langsam ab und übrig bleiben unter Umständen bloß die schönen Erinnerungen über die vergangene Zeit.


Die Gefahren des Genusses


Der Mensch nimmt einen steinigen Weg auf sich, um sich seine Wünsche zu verwirklichen. Nachdem jedoch die Freude über die Verwirklichung und der Genuss abnehmen, setzt eine innere Leere ein. Er versucht diese mit der Verwirklichung neuer Wünsche zu kompensieren. Um eine möglichst wirkungsvolle Kompensation zu erzielen, wählt er einen Reiz, der in seiner Art noch intensiver ist und unter Umständen immer weiter ins Extreme führt. So sind die westlichen Gesellschaften von Überreizung und Exzessen geprägt. Gemäß dem altbekannten Motto „Sex, Drugs and Rock´n Roll“ stürzt sich das Individuum von einem Übel ins Nächste. Der Mensch versucht, die immer wiederkehrende Leere durch verschiedene Genüsse, insbesondere durch intime Beziehungen zum anderen Geschlecht, zu kompensieren. Jedoch führt die daraus resultierende Lebensweise dazu, dass Kinder nicht mehr wissen, wer ihre eigentlichen Väter sind, Ehemänner ihren Frauen nicht mehr trauen und dadurch die von den Europäern einst als „heiliger Bund“ beschriebene Ehe ihren Wert verliert. Eine hochgradig individualistische Gesellschaft, geprägt von Egoisten, welche bei der ständigen Jagd nach dem nächsten emotionalen Hochgefühl nur ihr eigenes Wohlbefinden betrachten, ist die natürliche Folge solcher Vorstellungen. Anstatt sich um die Bedürfnisse der Mitmenschen zu kümmern, werden die Ellenbogen ausgefahren, da es ja darum gehe, selbst den größtmöglichen Genuss zu erlangen. Das Sprichwort „und nach mir die Sintflut“ ist eine treffliche Beschreibung dieses bemitleidenswerten Zustandes. So verwundert es auch nicht, dass Werte wie Selbstlosigkeit, Bescheidenheit oder Zurückhaltung ihren Glanz verloren haben und sogar mit Schwäche und Naivität in Verbindung gebracht werden. Auch Suizidversuche, Drogenabhängigkeit, Spielsucht, Prostitution und allerlei sexuelle Perversionen sind Früchte der Glorifizierung des Genussgefühls.


Die Vergänglichkeit des Genusses


Die Erkenntnis über die Vergänglichkeit der Genüsse des diesseitigen Lebens veranschaulicht uns Allah s.w.t. in etlichen Versen im Qur’an. So sagt Er s.w.t. beispielsweise:
„Das Gleichnis des irdischen Lebens ist nur wie das Wasser, das Wir aus den Wolken herab senden, damit vermischen sich dann die Gewächse der Erde, wovon Mensch und Vieh sich nähren, bis zu ihr – wenn die Erde ihren Prunk angelegt und sich schön geschmückt hat und ihre Bewohner glauben, sie hätten Macht über sie – Unser Befehl in der Nacht oder am Tage kommt und Wir sie zu einem niedergemähten Acker machen, als wäre sie nicht am Tage zuvor gediehen. So machen Wir die Zeichen für die Leute klar, die nachdenken.“ (Sure 10, Aya 24)
Die Verwirklichung der Genüsse setzen in der Regel Mühen und Anstrengungen voraus. Als Ergebnis folgt ein Hochgefühl, jedoch von nur kurzer Dauer. Allah s.w.t. beschreibt diese Wirklichkeit im Qur’an wie folgt:
„Wisset, dass wahrlich das diesseitige Leben nur ein Spiel und ein Zeitvertreib ist und ein Prunk und Geprahle unter euch und ein Wettrennen um Vermehrung von Gut und Kindern. Es gleicht dem reichlichen Regen, dessen Pflanzenwuchs den Säern gefällt. Dann verdorrt er, und du siehst ihn vergilben, hierauf wird er brüchig. Und im Jenseits gibt es eine strenge Strafe, aber auch Vergebung von Allah und Wohlgefallen. Und das diesseitige Leben ist nur trügerischer Genuss.“ (Sure 57, Aya 20)
Ferner wird der Mensch über die Genüsse des Diesseits bei Allah s.w.t. am Tag der Abrechnung Rechenschaft ablegen müssen. Schließlich trifft er für jede Bedürfnisbefriedigung eine Entscheidung, auf Grundlage derer er zur Rechenschaft gezogen wird. So wird von Mu’adh ibn Jabal überliefert, dass der Gesandte Allahs s. sprach: „Der Sohn Adams wird vor Allah s.w.t. gebracht und muss Antwort auf vier Fragen geben: Über seine Lebenszeit – womit er sie verbracht hat, über seine Jugend – wofür er sie genutzt hat, über sein Besitz – woher er es hat und wofür er es ausgab, über sein Wissen – was er damit angestellt hat.“ (Tabarani)


Die Genüsse des Diesseits und der korrekte Umgang mit ihnen


Die Quintessenz des Genusses im Diesseits (Dunya) äußert sich in drei wesentlichen Bestandteilen: Geld, Gesundheit und Zeit. Dem Muslim sollte bewusst sein, dass er seine Lebensenergie nicht gänzlich in die Verwirklichung dieser Genüsse investieren sollte. Denn einerseits muss der Muslim stets auf der Hut sein, den Reizen des Diesseits (Dunya) nicht zu erliegen, indem er – von diesen übermannt – das vermeintliche Glück vergeblich im diesseitigen Leben sucht. Andererseits darf er das diesseitige Leben auch nicht vernachlässigen und zum Asketen werden. Denn Allah s.w.t. gebietet den Menschen, die den Iman verinnerlicht haben, ihre Statthalterschaft auf Erden anzutreten und anschließend diese Dunya zu besiedeln und zu gestalten. Allah s.w.t. sagt:
„Verheißen hat Allah denen, die von euch glauben und gute Werke tun, dass ER sie gewiss zu Nachfolgern auf Erden machen wird. […]“ (Sure 24, Aya 55)
Auch sagt Er s.w.t.:
„ER hat euch aus der Erde hervorgebracht und ließ euch darauf ansiedeln. So erfleht Seine Vergebung, dann bekehrt euch zu Ihm. […]“ (Sure 11, Aya 61)
Das Verständnis der hier erwähnten Worte „und ließ euch darauf ansiedeln“ (ista’marakum fiha) deuten Exegeten wie at-Tabari als „zivilisieren“ bzw. „die Erde zu erforschen und zu bebauen“. Daraus wird ersichtlich, dass der Islam keineswegs die Reize des Diesseits (Dunya) verboten hat. Diesbezüglich sagt Allah s.w.t. im Qur’an:
„Sprich: „Wer hat die schönen Dinge Allahs verboten, die Er für Seine Diener hervorgebracht hat und die guten Dinge der Versorgung? […]“ (Sure 7, Aya 32)
Dem Menschen wird durch die Offenbarung bewusst gemacht, welchen Stellenwert das Diesseits in seinem Leben einnehmen soll. Er hat sie als Mittel zum Zweck zu nutzen und sich ihrer anzunehmen. Er isst, trinkt und heiratet gemäß den Gesetzen Allahs s.w.t. und wendet sich nicht von der Dunya ab.