„Nichts anderes sagte ich zu ihnen, als das, was Du mich geheißen hattest: ‚Betet Allah an, meinen Herrn und euren Herrn.‘ Und ich war ihr Zeuge, solange ich unter ihnen weilte, doch nachdem Du mich abberufen hattest, bist Du ihr Wächter gewesen; und Du bist der Zeuge aller Dinge.“ (5:117)
Allah (t) erwähnt im Qur’an aus dem Munde Isa:
„Nichts anderes sagte ich zu ihnen, als das, was Du mich geheißen hattest: ‚Betet Allah an, meinen Herrn und euren Herrn.‘ Und ich war ihr Zeuge, solange ich unter ihnen weilte, doch nachdem Du mich abberufen hattest, bist Du ihr Wächter gewesen; und Du bist der Zeuge aller Dinge.“ (5:117)
In diesem Vers unterrichtet Allah (t) die Menschen unter anderem über Seinen Namen „Ar-Raqib“, welcher in etwa mit „Überwacher“, „wachender Beobachter“ oder „Wächter“ übersetzt werden kann.
An anderer Stelle erläutert Allah (t) genauer, was der Mensch über diese Eigenschaft wissen muss: „[…] Derjenige, Der über alles wacht, was jede Seele erwirbt […]„.(13:33) Dies bedeutet, dass Allah (t) in Kenntnis über alles ist, d. h. über jede einzelne Handlung eines Menschen, so gering oder gewaltig sie einem auch erscheinen mag. Das Wort „alles“ schließt sowohl gute als auch schlechte Taten ein.
Doch was bedeutet dies für den Menschen? Die Tatsache, dass Allah (t) jegliches Handeln eines Menschen hört und sieht und die Engeln es aufzeichnen, damit es ihm am Tage der Auferstehung vorgetragen und er dafür zur Verantwortung gezogen wird, sollte ihm einen Denkanstoß geben.
Usama Ibn Scharik berichtet: „Der Gesandte Allahs sprach: ‚Was Allah verabscheut, dass du tust, so tue es nicht im Verborgenen.“ (Ibn Hibban)
Denn vor Allah (t) gibt es keine Verborgenheit, mit welchen Mitteln man auch versuchen wollte, es vor Ihm (t) zu verbergen. So ist es dem Menschen oft wichtiger, was andere Menschen von ihm denken und über ihn reden, als was Allah (t) von ihm hält. Der Mensch zerbricht sich den Kopf darüber, was ein anderer wohl von ihm halten würde, wenn er dieses oder jenes über ihn wüsste. Dabei ist Allah (t) der Einzige, vor Dem er am Jüngsten Tag stehen wird, um Rechenschaft über seine Taten abzulegen. So sagt der Erhabene (t): „So fürchtet nicht die Menschen, sondern fürchtet Mich.“ (5:44)
Nur Allah (t) hat die Macht, den Menschen mit dem Feuer zu bestrafen oder mit dem Paradies zu belohnen. Alsdann muss der Maßstab seines Handelns Allahs diesbezügliche Meinung sein und keinesfalls die Meinung irgendwelcher Menschen.
Abu Huraira (r) berichtet: „Ich hörte den Gesandten Allahs (s) sagen: ‚Zu den Ersten unter den Menschen, über die am Tage der Auferstehung gerichtet wird, gehört ein Mann, der als Märtyrer starb. Er wird vorgeführt. […] Allah spricht dann zu ihm: Was hast du damit gemacht? Er antwortet: Ich kämpfte für Dich bis ich als Märtyrer fiel. Allah spricht: Du lügst, vielmehr hast du gekämpft, damit die Leute dich als mutig bezeichnen, und so geschah es auch. Darauf wird der Befehl gegen ihn erteilt, und er wird auf seinem Angesicht fortgeschleift und ins Feuer geworfen. Ferner ein Mann, der Wissen erwarb, es anderen lehrte und den Koran rezitierte. Er wird vorgeführt. […]Allah spricht dann zu ihm: Was hast du damit gemacht? Er antwortet: Ich habe Wissen erworben und es anderen gelehrt, und ich rezitierte Deinetwegen den Koran. Allah spricht: Du lügst, vielmehr hast du das Wissen erworben, damit die Leute dich als gelehrsam bezeichnen, und du rezitiertest den Koran, damit die Leute dich als Korankenner bezeichnen, und so geschah es auch. Darauf wird der Befehl gegen ihn erteilt, und er wird auf seinem Angesicht fortgeschleift und ins Feuer geworfen. Ferner ein Mann, dem Allah reichliche Gabe bescherte und von allen Arten der Güter gab. Er wird vorgeführt. […]. Allah spricht dann zu ihm: Was hast du damit gemacht? Er antwortet: Ich habe keine Gelegenheit versäumt, in welcher Du das Spenden liebst, ohne Deinetwegen gespendet zu haben. Allah spricht: Du lügst, vielmehr hast du es getan, damit die Leute dich als wohltätig bezeichnen, und so geschah es auch. Darauf wird der Befehl gegen ihn erteilt, und er wird auf seinem Angesicht fortgeschleift und ins Feuer geworfen.‚“ (Muslim, Tirmithy, Nassa’iy)
Dieser Hadith macht deutlich, dass Allah (t) den Menschen besser kennt als dieser sich selbst. Zwar blieb den Menschen die wirkliche Absicht der erwähnten Männer unerkannt, doch wurde die Heuchelei in ihrem Handeln vor Allah aufgedeckt. So endeten die vermeintlich tugendhaften Muslime in den lodernden Tiefen der Hölle als Strafe für das angestrebte Ansehen unter den Menschen, anstatt das Wohlgefallen des Herrn der Welten anzustreben.
Man darf vor diesem Hintergrund aber auch nicht vergessen, dass eine Tat, ungeachtet wie gering sie vom Menschen auch empfunden wird – mag sie sogar in Vergessenheit geraten –, bei Allah (t) keineswegs verloren geht und belohnt wird, vor allem die gute Tat, von der ausschließlich Allah (t) weiß. Jedes noch so kleine Stäubchen an Gutem kann die Rettung vor dem Feuer bedeuten.
Der Mensch hat die Gewissheit, dass Allah (t) den Menschen unentwegt beobachtet, einerseits als Warnung vor der Ausführung verbotener Handlungen, andererseits als Trost, dass der Mensch in jedem Fall den Lohn für das Einhalten der Gebote Allahs (t) – wenn nicht im Diesseits, so im Jenseits – mit Sicherheit erhalten wird.
Wer diese Eigenschaft Allahs (t) verinnerlicht und sich dessen ständig bewusst ist, wird achtsam durch das Leben schreiten, am Verbotenen mit Leichtigkeit vorüberziehen und die Pflichten mit Gehorsam und Ergebenheit erfüllen. Der Muslim, der um Allahs (t) wachendes Auge weiß, wird demgemäß alle seine Taten im Lichte des Islam vollziehen und somit das höchste aller Ziele erreichen: das Wohlgefallen Allahs (t).