Kapitalistische Gesellschaften, in denen keine festen Werte existieren, ändern permanent ihre Einstellung. Was früher entschieden verurteilt wurde, kann mit der Zeit legal und zum universellen Konzept erhoben werden, das allen Menschen aufgezwungen wird.
Kapitalistische Gesellschaften, in denen keine festen Werte existieren, ändern permanent ihre Einstellung. Was früher entschieden verurteilt wurde, kann mit der Zeit legal und zum universellen Konzept erhoben werden, das allen Menschen aufgezwungen wird. Die Zustimmung aller – auch der Muslime – wird erwartet. In diesem Sinne darf niemand das kapitalistische Konzept der Geschlechterbeziehung ablehnen, das gleichgeschlechtliche und bisexuelle Beziehungen einschließt und alle Formen der geschlechtlichen Identifikation und Ausdrucksweise zulässt. Die LGBTQ-Bewegung ist Ausdruck dieses Konzepts, das die Realität der Geschlechter ignoriert. Die Bewegung legt wie kein anderes Phänomen des Kapitalismus offen, dass das kapitalistische System keine festen Werte kennt. In einer Ideologie, deren Maßstab Nutzen und Profit sind, kann es zwangsläufig keine absoluten Werte geben, weil im Kapitalismus Werte immer wieder aufgegeben werden, sobald sie den Nutzen einschränken. Die Werte müssen sich dem kapitalistischen Freiheitsbegriff unterordnen. Eine Ablehnung des kapitalistischen Konzepts der Geschlechterbeziehung mit all seinen Erscheinungsformen wird als Angriff auf die freiheitlich demokratischen Werte verstanden.
Das Aussortieren von Werten ist typisch kapitalistisch, weil der Mensch seine Gesetze selbst entwirft und diese nur seine persönliche Sichtweise wiedergeben, ohne sich an richtig und falsch zu orientieren. Deshalb gibt es keine absoluten Gesetze im kapitalistischen System, auch wenn das bei einigen Gesetzen suggeriert wird. Jedes einzelne Gesetz kann verändert oder ganz zurückgenommen werden, weil der Mensch sich als Gesetzgeber betrachtet. Was sollte ihn daran hindern, Gesetze, die er selbst formuliert hat, wieder zu verwerfen? Deutlich wird dies an der Einstellung zur Homosexualität, die in Deutschland als Straftat galt und mit Gefängnis bestraft wurde. Der Paragraph 175 des Strafgesetzbuchs, der sich darauf bezieht, wurde im Jahr 1994 gestrichen. Seit die westlichen Länder Homosexualität als Teil ihrer Idee von Freiheit betrachten, wird jeder verurteilt, der sich gegen Homosexualität ausspricht.
Der Islam hat einen festen Maßstab und auch feste Werte, die nicht von den Launen einer Gesellschaft abhängen oder davon, was sie zum aktuellen Zeitpunkt für richtig oder falsch hält. Deshalb hat so etwas wie die LGBTQ-Bewegung keinen Platz im Islam und bei den Muslimen. Was Allah (t.) für verboten erklärt hat, bleibt bis zum Jüngsten Tage verboten. Erlaubtes und Verbotenes sind keine Frage der persönlichen Einstellung, sondern werden von der Offenbarung festgelegt. Zu dem, was die kapitalistische Gesellschaft heute unter LGBTQ zusammenfasst, nehmen die Muslime die gleiche Position ein, die schon der Prophet Muḥammad (s.) einnahm. Der Islam verbietet jede Form der gleichgeschlechtlichen Beziehung oder die Nachahmung des anderen Geschlechts. Jede Handlung, die die Identifikation mit dem anderen Geschlecht zum Ausdruck bringt, ist islamisch untersagt. Das Verbot der gleichgeschlechtlichen Beziehung ist kategorisch und unter Muslimen so bekannt wie das Verbot von Schweinefleisch oder Alkohol. Es gehört zum islamischen Allgemeinwissen.
Das einhellige Verständnis der Muslime zum Thema LGBTQ, das auf dem Islam beruht, soll aus dem Bewusstsein eliminiert werden. Es ist ein Angriff auf den Islam und die Muslime, der eine neue Dimension erreicht hat und sich beispielsweise von der Kopftuchdebatte und dem Kopftuchverbot unterscheidet. Einer muslimischen Lehrerin, der man das Tragen des Kopftuchs in der Schule verbietet, versucht niemand weiszumachen, dass das Ablegen des Kopftuchs islamisch erlaubt sei. Man untersagt ihr die Ausübung einer islamischen Pflicht und begründet das Verbot mit dem Neutralitätsgebot. Anders verhält es sich mit dem Thema LGBTQ. Man will die Muslime nicht nur motivieren, sich dafür zu öffnen und gleichgeschlechtliche Beziehungen sowie alle Formen geschlechtlicher Identifikation und Ausdrucksweise zu tolerieren und zu praktizieren, sondern all das als Teil des Islam anzuerkennen und als ḥalāl zu betrachten. Wem die gefährliche Dimension dessen nicht klar ist, sollte sich einfach vorstellen, jemand käme auf die Idee, das Essen von Schweinefleisch für ḥalāl zu erklären, nur weil einige Muslime Schweinefleisch essen oder das Verlangen danach haben. Wir sind nicht mehr an dem Punkt, dass ein islamisches Gesetz „nur“ kritisiert wird, sondern dass in ein Gesetz eingegriffen und es verfälscht wird. Da jeder weiß, dass Muslime sich in ihren Handlungen am islamischen Maßstab von ḥalāl und ḥarām orientieren, kennzeichnet man eine verbotene Handlung wie die gleichgeschlechtliche Beziehung einfach als ḥalāl, damit die Muslime in die Falle tappen und denken, LGBTQ gehe konform mit dem Islam.
Die „Halalisierung“ verbotener Handlungen erfolgt mit Unterstützung des deutschen Staates und den üblichen islamfeindlichen Protagonisten. Das Projekt der „Halalsierung“ von Homosexualität und uneingeschränkter sexueller Entfaltung ist an den Namen Seyran Ateş geknüpft, die bekannt ist für ihre unislamischen Hirngespinste und die stets an vorderster Front gegen den Islam kämpft. Mit Unterstützung des Bundesfamilienministeriums hatte Ateş im Mai dieses Jahres eine Kampagne gestartet, die die Überschrift „Liebe ist halal“ trägt, wobei das verwendete Symbol das Ḥalāl-Zertifikat imitiert, das normalerweise Produkte erhalten, die ḥalāl sind. Zu der Kampagne gehört eine Plakataktion, bei der Muslime auf Plakaten abgebildet sind – zumindest sollen die abgebildeten Personen Muslime darstellen –, die sich zu ihrer unislamischen sexuellen Neigung und Identität bekennen und gleichzeitig zum Ausdruck bringen, dass dies nicht im Widerspruch zum Islam stehe. So ist auf einem Plakat ein junger Mann abgebildet mit dem Zitat: „Ich bin Muslim, gläubig und habe trotzdem Sex. Mit Männern!“ Die Botschaft soll lauten, dass ein praktizierender Muslim gleichzeitig schwul sein könne, ohne dass es eine Sünde sei, seine sexuelle Neigung auszuleben. Alle Plakate drücken eine ähnliche Botschaft aus. In ihrer Scheinmoschee hat Ateş sogar die Anlaufstelle Islam & Diversity eingerichtet. Mit dieser Kampagne haben Ateş und der deutsche Staat ihre Kompetenzen deutlich überschritten, indem sie sich herausnehmen, den Muslimen vorzuschreiben, was ḥalāl und ḥarām ist. Die Behauptung, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen und die sogenannte sexuelle Vielfalt ḥalāl seien, wird nicht einmal mit Scheinargumenten untermauert, sondern einfach in den Raum geworfen. Wer als Muslim Homosexualität ablehnt, verstieße damit nicht nur gegen freiheitlich demokratische Werte, sondern gegen den Islam, wenn man die antiislamische Perspektive von Ateş einnimmt, zu deren Unterstützern Islamgegner wie Susanne Schröter gehören.
Die Kampagne belässt es nicht dabei, Muslime zu sündhaftem Verhalten zu motivieren. Sie macht vielmehr aus jenen, die ihr folgen, Nichtmuslime, weil sie dazu aufruft, ein islamisches Gesetz abzulehnen. Denn die Personen handeln nicht in dem Bewusstsein, dass sie ein Gesetz Allahs übertreten, sondern dass dieses Verbot gar nicht existiert, obwohl die islamischen Beweise diesbezüglich eindeutig sind. Es geht diesmal nicht darum, Muslime dazu zu animieren oder zu zwingen, islamische Gesetze zu übertreten, wie wir es von den Angriffen auf das Kopftuch kennen, sondern darum, ein islamisches Gesetz komplett abzulehnen. Davor warnt Allah (t.) im Koran, wenn Er sagt:
﴿ وَلَنْ تَرْضَى عَنْكَ الْيَهُودُ وَلَا النَّصَارَى حَتَّى تَتَّبِعَ مِلَّتَهُمْ قُلْ إِنَّ هُدَى اللَّهِ هُوَ الْهُدَى وَلَئِنِ اتَّبَعْتَ أَهْوَاءَهُمْ بَعْدَ الَّذِي جَاءَكَ مِنَ الْعِلْمِ مَا لَكَ مِنَ اللَّهِ مِنْ وَلِيٍّ وَلَا نَصِيرٍ ﴾
Weder die Juden noch die Christen werden mit dir zufrieden sein, bis du ihrem Glaubensbekenntnis folgst: Sprich: „Gewiss, Allahs Rechtleitung ist die (wahre) Rechtleitung.“ Wenn du jedoch ihren Neigungen folgst nach dem, was dir an Wissen zugekommen ist, so wirst du vor Allah weder Schutzherrn noch Helfer haben.[2:120]
Man wird die Muslime in Zukunft vermehrt mit Themen wie diesem konfrontieren und zu ködern versuchen, indem man ihnen suggeriert, Verbotenes sei ḥalāl. Es ist eine Strategie, die sich von den bisherigen Versuchen unterscheidet, die Muslime von der Praktizierung des Islam abzuhalten. Die „Halalisierung“ von islamisch Verbotenem zielt darauf ab, die Muslime zu täuschen und ihren Maßstab von ḥalāl und ḥarām von der Offenbarung zu trennen und der Willkür des Menschen zu unterwerfen. Es ist eine neue Form der Manipulation von Muslimen, um sie vom islamischen Weg abzubringen. Dass es ausgerechnet das Thema LGBTQ ist, zeigt, dass die Islamgegner in ihrem Kampf gegen die Muslime jede Hemmung verloren haben.