{"id":9951,"date":"2011-02-24T00:00:00","date_gmt":"2011-02-23T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9951"},"modified":"2011-02-24T00:00:00","modified_gmt":"2011-02-23T23:00:00","slug":"das-islamische-wissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9951","title":{"rendered":"Das Islamische Wissen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Glaubensbekenntnis des Islam hat weitreichende Konsequenzen f\u00fcr denjenigen, der es ausspricht, sofern es sich nicht blo\u00df um ein Lippenbekenntnis handelt. Es verlangt die vollst\u00e4ndige Ausrichtung des Verhaltens an den Vorschriften des Islam. Dies ist aber nur m\u00f6glich, wenn man die islamischen Gebote auch kennt.<br>Wer nicht wei\u00df, in welcher Form das Gebet im Islam verrichtet wird, ist durch seine Unkenntnis nicht automatisch von dieser Pflicht entbunden, sondern hat vielmehr die Verpflichtung, sich das Wissen anzueignen, um diesem Gebot nachkommen zu k\u00f6nnen. Die Pflicht zum Gebet macht das Wissen \u00fcber das Gebet zwangsl\u00e4ufig zu einer Pflicht, etwa die Kenntnis der Regeln der Gebetswaschung, der Anzahl und Zeiten der Gebete usw. Jemand, der die Pilgerfahrt vollziehen m\u00f6chte, muss sich zun\u00e4chst \u00fcber die Rituale und Regeln des Hadsch informieren, da er sonst zu dessen Durchf\u00fchrung nicht in der Lage w\u00e4re. Auch muss derjenige, der die Zakat entrichten m\u00f6chte, wissen, in welcher H\u00f6he sich diese bel\u00e4uft und welche Personengruppen \u00fcberhaupt Anspruch darauf haben. Ebenso muss ein Muslim wissen, welche Regeln zum Fasten gelten, wie Beginn und Ende des Fastenmonats zu bestimmen sind, wann er sein Fasten brechen darf und \u00c4hnliches, wenn er die Pflicht des Fastens erf\u00fcllen will.<br>Die Pflicht, sich das Wissen anzueignen, bezieht sich nicht nur auf die Grundpfeiler des Islam, sondern muss mindestens jene Handlungen umfassen, die entweder zur Pflicht erkl\u00e4rt oder aber kategorisch verboten wurden und mit seinem Verhalten im Zusammenhang stehen. Das Mindestma\u00df an islamischem Wissen muss also die Kategorien Haram (Verbotenes) und Fard (Pflicht) beinhalten, weil bei Nichteinhaltung dieser beiden Kategorien die Strafe Allahs (t) die Folge ist. Durch Nichtwissen l\u00e4uft der Muslim Gefahr, sich fehlerhaft zu verhalten und S\u00fcnden zu begehen. Im Falle des islamischen Wissens gilt daher folgendes islamische Rechtsprinzip: Was zur Erf\u00fcllung einer Pflicht notwendig ist, wird selbst zur Pflicht.<br>Das islamische Wissen darf allerdings nicht mit anderem Wissen vermischt werden. Denn die Pflicht zur Wissensaneignung beschr\u00e4nkt sich ausschlie\u00dflich auf die Kenntnis der islamischen Gesetze, weil dies die Voraussetzung ist, um den Islam praktizieren zu k\u00f6nnen. In anderen Bereichen stellt die Wissensaneignung keine Pflicht dar, so dass die Behauptung, Wissen im Allgemeinen sei eine islamische Pflicht, nicht zutrifft. So kann medizinisches, historisches, naturwissenschaftliches oder aber geisteswissenschaftliches Wissen zwar vorteilhaft sein, hat aber keinen Einfluss auf die Praktizierung des Islam. Beispielsweise ist ein muslimischer Arzt im Vergleich zum muslimischen Krankenpfleger kein besserer Muslim \u2013 jedenfalls nicht durch seine umfassenderen medizinischen Kenntnisse. Ein muslimischer Geschichtsprofessor, der sich in der islamischen Geschichte gut auskennt, ist durch seine historischen Kenntnisse nicht automatisch gottesf\u00fcrchtiger als der muslimische Gem\u00fcseverk\u00e4ufer. Akademisches Wissen steht in keinem Zusammenhang mit der Umsetzung des Islam im t\u00e4glichen Leben. Hierzu ist ausschlie\u00dflich islamisches Wissen notwendig. Der Islam spornt zwar insgesamt zur Wissensaneignung an, aber er erkl\u00e4rt lediglich die Aneignung des islamischen Wissens zur Pflicht. Allah (t) erw\u00e4hnt diejenigen im Koran, die das Wissen zu Seiner Anbetung nicht besitzen: &#8222;Sie kennen nur die Au\u00dfenseite des diesseitigen Lebens; das Jenseits aber beachten sie nicht.&#8220; (30:7) Die betreffenden Muslime wissen zwar um die Dinge des Diesseits und des Lebens und um das, was Nutzen und Profit bringt, aber ihnen fehlt das islamische Wissen. Allah (t) macht ihnen in dem erw\u00e4hnten Koranvers ihr mangelndes islamisches Wissen zum Vorwurf und verurteilt sie daf\u00fcr.<br>Der Islam weist darauf hin, dass die Gottesfurcht mit dem islamischen Wissen w\u00e4chst. Je gr\u00f6\u00dfer der Einblick in die Gesetze des Islam ist, desto gottesf\u00fcrchtiger wird der Muslim. So hei\u00dft es im Koran: &#8222;Sprich: &#8218;Sind solche, die wissen, denen gleich, die nicht wissen?&#8216; Allein nur diejenigen lassen sich warnen, die verst\u00e4ndig sind.&#8220; Allah (t) unterscheidet zwischen jenen Muslimen, die \u00fcber Wissen verf\u00fcgen, und solchen, denen es an islamischen Kenntnissen mangelt, weil man Allah (t) nur gehorsam sein kann, wenn man seine Befehle kennt, und nur gottesf\u00fcrchtig sein kann, wenn man um die Strafe des Jenseits wei\u00df. Ein Muslim, der sich der Strafe nicht bewusst ist und nicht wei\u00df, dass Allah (t) hart im Strafen ist, wird eine niedrigere Hemmschwelle f\u00fcr S\u00fcnden haben als jemand, der beispielsweise folgenden Koranvers kennt: &#8222;Wahrlich, Allah ist streng im Strafen.&#8220; (3:11) In gleicher Weise ist die Motivation eines Muslim gr\u00f6\u00dfer, Allahs Wohlgefallen zu erlangen, der umfangreiches Wissen \u00fcber die Belohung und das Paradies besitzt.<br>Der Gesandte Allahs (s) sagte: &#8222;Der Rang des Gelehrten dem Betenden gegen\u00fcber ist wie mein Rang gegen\u00fcber dem gew\u00f6hnlichsten Menschen unter euch.&#8220; (at-Tirmithi) Das hei\u00dft, die islamischen Gelehrten stehen auf einer h\u00f6heren Stufe als der Rest der Muslime. Sie gelten sogar als die &#8222;Erben der Propheten&#8220;, wie aus dem folgenden Hadith hervorgeht: &#8222;Wer einen Weg beschreitet, um Wissen zu erlangen, dem wird Allah einen Weg zum Paradies erleichtern. Die Engel senken ihre Fittiche auf denjenigen, der nach Wissen strebt, aus Billigung seiner M\u00fche. Wahrlich, alle Bewohner der Himmel und der Erde, sogar die Lebewesen des Wassers, bitten Allah um Vergebung f\u00fcr den Wissenden. Der Rang des Gelehrten dem Betenden gegen\u00fcber ist wie der Rang des Mondes den Sternen gegen\u00fcber. Wahrlich, die Gelehrten sind Erben der Propheten, und die Propheten haben weder Dinar noch Dirham hinterlassen, sondern hinterlie\u00dfen das Wissen. Wer dieses Wissen erwirbt, hat ein reichliches Gl\u00fcck verdient.&#8220; (Abu Dawud und at-Tirmithi) Die Gelehrten, d. h. die Wissenden, nehmen somit im Islam eine bevorzugte Stellung ein.<br>Es geht jedoch nicht darum, zu einem wandelnden islamischen Lexikon zu werden. Mit zunehmendem islamischen Wissen steigt vielmehr die Verantwortlichkeit im Islam. Zum einen ist derjenige, der \u00fcber Wissen verf\u00fcgt, dazu verpflichtet, nach diesem Wissen zu handeln, zum anderen ist er dazu angehalten, dieses Wissen weiterzugeben. Die Weitergabe des islamischen Wissens stellt an sich eine Pflicht zur Gen\u00fcge dar, so dass es ausreicht, wenn ein Teil derjenigen, die \u00fcber Wissen verf\u00fcgen, dieses an andere Muslime weitergeben. Die Pflicht ist damit erf\u00fcllt, dass den Muslimen der Zugang zum islamischen Wissen m\u00f6glich gemacht wird, ohne dass jeder einzelne Gelehrte dieser Pflicht pers\u00f6nlich nachkommen muss. Allah (t) spornt nat\u00fcrlich dazu an, das Wissen weiterzugeben. Der Gesandte Allahs (s) sagte \u00fcber denjenigen, der dies tut: &#8222;Wahrlich, Allah, Seine Engel und all die Gesch\u00f6pfe der Himmel und der Erde, sogar die Ameise in ihrem Loch und der Fisch, beten f\u00fcr solche Lehrer, die die Menschheit das Verrichten des Guten lehren.&#8220; (at-Tirmithi) In einem anderen Hadith hei\u00dft es: &#8222;Wer zur Rechtleitung aufruft, bekommt einen Lohn, wie die Gesamtl\u00f6hne aller, die ihm folgen, ohne Verminderung ihrer L\u00f6hne.&#8220; (Muslim)<br>Mit den Gelehrten steht und f\u00e4llt das islamische Wissen bei den Muslimen: &#8222;Allah wird das Wissen nicht an Sich nehmen, indem Er es den Menschen entrei\u00dft. Aber Er wird es an Sich nehmen, indem Er die Gelehrten zu sich nimmt. Schlie\u00dflich, wenn Er keinen Gelehrten am Leben lassen wird, werden sich die Menschen Unwissende zu F\u00fchrern nehmen. Diese werden gefragt und ohne Wissen antworten, so dass sie selbst irren und andere in die Irre f\u00fchren.&#8220; (Buchari und Muslim) Die echten Gelehrten, die tats\u00e4chlich \u00fcber islamisches Wissen verf\u00fcgen, bewahren die Muslime davor, in die Irre zu gehen. Daher ist es f\u00fcr die Umma existentiell, viele Gelehrte zu haben, um das Wissen zu erhalten. Der beste Weg hierzu ist nat\u00fcrlich der, sich um Wissen zu bem\u00fchen, um selbst auf den Rang des Gelehrten aufzusteigen.<br>Der Rang des Gelehrten bedeutet nicht nur, dass Allah (t) ihm den Vorzug vor anderen Muslimen gibt, sondern auch, dass er der Wahrheit mehr als alle andere verpflichtet ist. Er darf die Wahrheit nicht verbergen oder gar verf\u00e4lschen. So sagte der Prophet (s): &#8222;Wer ein Wissen, das er hat, verschweigt, dem wird am Tage der Auferstehung ein Zaumzeug aus Feuer aufgesetzt.&#8220; (Ahmad) Allah (t) sagt diesbez\u00fcglich im Koran: &#8222;Diejenigen, die verbergen, was Wir an klaren Beweisen und an Rechtleitung herabsandten, nachdem wir es den Menschen im Buch erkl\u00e4rt hatten, diese verflucht Allah, und diese verfluchen auch die Verfluchenden.&#8220; (2:159) An anderer Stelle sagt Allah (t) im Koran: &#8222;Sie sch\u00e4tzen Allah nicht richtig nach Seinem Wert, wenn sie sagen. &#8218;Allah sandte keinem Menschen etwas herab.&#8216; Sprich: &#8218;Wer sandte das Buch nieder, das Moses als ein Licht und eine F\u00fchrung f\u00fcr die Menschen brachte \u2013 macht ihr es zu Papyrusbl\u00e4ttern, die ihr kundtut, w\u00e4hrend ihr viel verbergt \u2013, wo euch das gelehrt wurde, was weder ihr noch eure V\u00e4ter wussten?&#8216; Sprich: &#8218;Allah&#8216; Dann lass sie sich weiter vergn\u00fcgen an ihrem eitlen Geschw\u00e4tz.&#8220; (6:91) Auch demjenigen, der nicht nur die Wahrheit verschweigt, sondern sogar verf\u00e4lscht, wird im Koran gedroht: &#8222;Doch wehe denen, die das Buch mit ihren eigenen H\u00e4nden schreiben und dann sprechen: &#8218;Dies ist von Allah&#8216;, um daf\u00fcr einen geringen Lohn zu erlangen! Wehe ihnen also um dessentwillen, was ihre H\u00e4nde schrieben, und wehe ihnen um dessentwillen, was sie erwarben!&#8220; (2:79) Der Gelehrte darf die Wahrheit also weder bewusst verschweigen noch zu irgendeinem Nutzen verf\u00e4lschen.<br>Die Realit\u00e4t in der islamischen Welt zeigt aber, dass es Gelehrte gibt, die den Regenten nach dem Mund reden und ihre Herrschaft islamisch zu legitimieren versuchen, obwohl diese nicht mit den Gesetzen Allahs regieren und es eine Pflicht darstellt, ihre Regentschaft zu beenden. Das Paradebeispiel f\u00fcr einen solchen Gelehrten ist Muhammad Sayyid Tantawi. Er steht der al-Azhar-Universit\u00e4t vor. Bereits die Tatsache, dass er im Westen als liberal gilt, sollte zu Denken geben. Im Jahr 2003 erkannte er das Recht Frankreichs an, das Kopftuch zu verbieten, anstatt die franz\u00f6sische Regierung f\u00fcr dieses Unrecht zu verurteilen und auf Seiten der muslimischen Frau zu stehen. Erst im Oktober dieses Jahres holte er erneut gegen die muslimische Frau aus und zwang eine Studentin der Azhar-Universit\u00e4t, den Gesichtsschleier abzunehmen, und beleidigte sie dar\u00fcber hinaus.<br>Es liegt aber gerade in der Verantwortung der Gelehrten, d. h. jener Muslime, die \u00fcber das meiste islamische Wissen verf\u00fcgen, zum Rechten aufzurufen und das Unrecht anzuprangern. Das Anprangern der Herrscher, die die Gesetze Allahs (t) \u00fcbertreten, geh\u00f6rt sogar zu den bedeutendsten Taten eines Gelehrten. Der Prophet (s) sagte diesbez\u00fcglich:<\/p>\n\n\n\n<section class=\"wp-block-kommy-hadith-block\"><p class=\"hadith-block-arabic\"><span class=\"hadith-block-arabic-content\"><\/span><\/p><p class=\"hadith-block-trans-ref\"><span class=\"hadith-block-translation\">Der Herr der M\u00e4rtyrer ist Hamza ibn Abdilmuttalib und ein Mann, der sich gegen einen ungerechten Herrscher erhebt, ihm das Rechte gebietet und sein Unrecht anprangert und daf\u00fcr von ihm get\u00f6tet wird.&#8220;<\/span><span class=\"hadith-block-reference\"><span>[<\/span><span class=\"hadith-block-reference-content\">Hakim und Abu Dawud<\/span><span>]<\/span><\/span><\/p><\/section>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Derjenige, der \u00fcber umfangreiches Wissen verf\u00fcgt, darf sich nicht allein darauf beschr\u00e4nken, andere in den gottesdienstlichen Handlungen (Ibadat) zu unterrichten. Er muss die Wahrheit verk\u00fcnden und das Unrecht klar und deutlich benennen. Da das gr\u00f6\u00dfte Unrecht derzeit von den Regenten in der islamischen Welt ausgeht, die mit nichtislamischen Gesetzen regieren und dem Westen das Ausbeuten und T\u00f6ten der Muslime erm\u00f6glichen, m\u00fcssen die Gelehrten genau hier ansetzen, das Unrecht anzuprangern und zum Rechten aufzurufen. Die Regenten in der islamischen Welt stehen zudem als Hindernis zwischen den Muslimen und dem islamischen Wissen, weil sie daf\u00fcr sorgen, dass immer mehr nichtislamische Ideen das islamische Wissen verdr\u00e4ngen, um die Muslime zunehmend vom Islam zu entfernen und den westlichen Ideen anzun\u00e4hern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Glaubensbekenntnis des Islam hat weitreichende Konsequenzen f\u00fcr denjenigen, der es ausspricht, sofern es sich nicht blo\u00df um ein Lippenbekenntnis handelt. Es verlangt die vollst\u00e4ndige Ausrichtung des Verhaltens an den Vorschriften des Islam. 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