{"id":9945,"date":"2011-02-25T00:00:00","date_gmt":"2011-02-24T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9945"},"modified":"2011-02-25T00:00:00","modified_gmt":"2011-02-24T23:00:00","slug":"die-entstehung-der-scholastiker-und-ihre-methode","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9945","title":{"rendered":"Die Entstehung der Scholastiker und ihre Methode"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus dem Buch &#8222;Die islamische Pers\u00f6nlichkeit Teil 1&#8220;<br>Die Muslime haben den Glauben an den Islam in einer Weise verinnerlicht, die nicht den geringsten Zweifel aufkommen lie\u00df. Ihr Iman war von solcher St\u00e4rke, dass keinerlei Fragen, die nur den Schein eines Zweifels in sich trugen, in ihnen geweckt wurden. Die Verse des Koran erforschten sie lediglich auf eine Art, die ihnen das reale Begreifen seiner in den Ideen verk\u00f6rperten Bedeutungen erm\u00f6glichte. Sie widmeten sich jedoch weder m\u00f6glichen Hypothesen, die sich daraus ergeben, noch logischen Resultaten, die man daraus schlie\u00dfen k\u00f6nnte. Sie zogen in die Welt hinaus und trugen diese islamische Botschaft an alle Menschen heran. Sie k\u00e4mpften um ihretwillen, er\u00f6ffneten L\u00e4nder und die V\u00f6lker unterwarfen sich ihnen.<br>Das Jahrhundert nach der Hidschra verging und der Sturm der islamischen Dawa riss alles mit, was sich ihm entgegenstellte. Die islamischen Ideen wurden den Menschen so vermittelt, wie sie die Muslime selbst aufgenommen hatten: in strahlendem Verst\u00e4ndnis, fester \u00dcberzeugung und erstaunlichem Bewusstsein. Das Tragen der islamischen Botschaft in den er\u00f6ffneten L\u00e4ndern f\u00fchrte allerdings zu einem intellektuellen Zusammensto\u00df sowohl mit jenen Anh\u00e4ngern anderer Religionen, die den Islam noch nicht angenommen hatten, als auch mit jenen, die in den Islam bereits eingetreten waren. Dieser geistige Zusammensto\u00df war sehr heftig, denn die Anh\u00e4nger andere Religionen waren in einigen philosophischen Ideen bewandert. Sie vertraten auch Ansichten, die sie aus ihren Religionen \u00fcbernommen hatten. Und so warfen sie Scheinargumente auf und f\u00fchrten mit den Muslimen einen Disput in den \u00dcberzeugungsfundamenten, da das \u00dcberzeugungsfundament (Aqida) und die mit ihr verbundenen Ideen die Basis der Botschaftsverk\u00fcndung bilden. Die Bedachtheit der Muslime auf die islamische Botschaft und ihr Bed\u00fcrfnis, ihren Gegnern zu antworten, verleitete viele von ihnen dazu, einige philosophische Ideen zu erlernen, um sie als Waffe gegen ihre Widersacher einzusetzen. Was ihnen au\u00dfer ihrer Bedachtheit auf das Tragen der Botschaft und das Abwehren der gegnerischen Angriffe die Erlernung dieser Ideen rechtfertigte und sie dazu anspornte, waren zwei Faktoren:<br>Erstens: Der Heilige Koran widmete sich \u2013 neben seinem Aufruf zur Einheit Gottes und zur Befolgung des Prophetentums \u2013 den wichtigsten Gruppen und Religionen, die in der Zeit des Propheten (s.) verbreitet waren. Er antwortete ihnen und widerlegte ihre Behauptungen. So widmete er sich der Vielg\u00f6tterei in all ihren Facetten und widerlegte sie. Zu den G\u00f6tzendienern geh\u00f6rten z. B. solche, die Planeten verg\u00f6tterten und sie zu Teilhabern Allahs machten, der Koran gab ihnen Antwort. Einige beteten Statuen an und stellten sie Allah zur Seite, der Koran antwortete ihnen. Andere negierten das Prophetentum, der Koran antwortete ihnen. Unter ihnen waren auch solche, die nur das Prophetentum Muhammads negierten, der Koran widerlegte auch sie. Einige negierten die Auferstehung und Versammlung (am J\u00fcngsten Tage), der Koran antwortete ihnen. Andere erhoben Jesus, Friede sei mit ihm, zu einem Gott oder zum Sohn Gottes, und der Koran antwortete ihnen. Damit nicht genug befahl er auch dem Gesandten (s.) einen Disput mit ihnen zu f\u00fchren:<br>\u201eUnd disputiere mit ihnen auf die beste Art!&#8220;[1]<br>\u201eUnd disputiert mit den Anh\u00e4ngern der Schrift[2] nur auf die beste Art!&#8220;[3] Auch war das Leben des Gesandten Allahs ein Leben der intellektuellen Auseinandersetzung mit allen Ungl\u00e4ubigen, seien es G\u00f6tzendiener oder Anh\u00e4nger der Schriften. Viele Ereignisse sind \u00fcber ihn berichtet worden, sowohl in Mekka als auch in Medina, in denen er (s.) mit den Ungl\u00e4ubigen \u2013 als Einzelpersonen, Gemeinschaften und Delegationen \u2013 disputierte und Streitgespr\u00e4che f\u00fchrte. Diese intellektuelle Auseinandersetzung, die in Koranversen sowie in Hadithen und Handlungen des Propheten deutlich hervorsticht, wurde von den Muslimen gelesen und geh\u00f6rt. Deshalb war es nur nat\u00fcrlich, dass sie mit den Anh\u00e4ngern anderer Religionen diskutierten und mit ihnen in eine intellektuelle Auseinandersetzung und einen weltanschaulichen Disput eintraten. Denn die Gesetze ihres Glaubens riefen sie zu diesem Disput auf. Auch macht die Natur der islamischen Botschaft eine Auseinandersetzung, einen Disput bzw. ein Streitgespr\u00e4ch unabdingbar, wenn diese mit dem Unglauben zusammenst\u00f6\u00dft. Was zu einem rationalen Verlauf der Auseinandersetzung f\u00fchrte, war die Tatsache, dass der Koran selbst zum Einsatz des Verstandes aufrief. Er kam mit rationalen Belegen und sinnlich wahrnehmbaren Beweisen. Die Einladung zu seiner Glaubens\u00fcberzeugung beruht auf dem Verstand und nicht auf die \u00dcberlieferung, deswegen war es unabdingbar, dass der Disput und die Auseinandersetzung einen rationalen Verlauf nahmen und sich durch diesen Aspekt auszeichneten.<br>Zweitens: Es schlichen sich philosophisch-theologische Fragen der Christen, Nestorianer und anderer in den Disput ein, und die aristotelische Logik wurde unter den Muslimen bekannt. Einige Muslime lasen philosophische Werke und viele B\u00fccher wurden aus dem Griechischen ins Altsyrische und danach ins Arabische \u00fcbersetzt. Sodann wurden die B\u00fccher direkt aus dem Griechischen ins Arabische \u00fcbertragen. Dies trug dazu bei, dass philosophische Ideen vorhanden waren. Manche Religionen, insbesondere das Juden- und Christentum, hatten sich mit der griechischen Philosophie gewappnet und philosophische Ideen in die (islamischen) L\u00e4nder eingeleitet. All das f\u00fchrte zur Existenz philosophischer Gedanken, was die Muslime dazu veranlasste, sie zu studieren.<br>Diese beiden Faktoren: die Gesetze des Islam, seine gedanklichen Argumente im Disput und die Existenz philosophischer Ideen, animierten die Muslime dazu, rationale Untersuchungen durchzuf\u00fchren und die philosophischen Ideen zu erlernen und sie zu einem Gegenstand ihrer Diskussionen und Streitgespr\u00e4che zu machen. Dies wurde auch damit gerechtfertigt. Jedoch stellte das alles noch kein umfassendes philosophisches Studium dar. Es war lediglich das Studium einiger philosophischer Ideen, um den Christen und Juden zu antworten. Den Muslimen war n\u00e4mlich das Antworten nicht m\u00f6glich, ohne vorher die Aussagen der griechischen Philosophen gelesen zu haben, insbesondere jene, die mit Logik und Theologie zusammenhingen. Und so preschten sie vor, um die nichtmuslimischen Gemeinschaften mit ihren Aussagen und Argumenten zu erfassen. Die islamischen L\u00e4nder wurden somit zu einem Schauplatz, an dem man alle Ideen und Religionen er\u00f6rterte und ausdiskutierte. Zweifelsohne erfordert der Disput das genaue Betrachten und Nachdenken. Er wirft zahlreiche Fragen auf, die der genauen Untersuchung bed\u00fcrfen und jede Gruppe dazu veranlassen, das zu \u00fcbernehmen, was sie f\u00fcr richtig erkannt hat. Dieser Disput und dieser Denkprozess hatten einen gro\u00dfen Einfluss auf das Auftreten von Personen, die einen neuen Weg beim Untersuchen, Disputieren und Diskutieren einschlugen. Die philosophischen Ideen, die sie erlernt hatten, beeinflussten ihre Vorgehensweise bei der Beweisf\u00fchrung in sehr starkem Ma\u00dfe, ebenso hatten sie einen gro\u00dfen Einfluss auf einen Teil ihres Gedankenguts. Daraus entwickelte sich die Scholastik (Ilm al-Kalam), die zu einem eigenen Wissenszweig wurde, und in den islamischen L\u00e4ndern entstand so die Gruppe der Scholastiker (al-Mutakallimun).<br>Nachdem diese Scholastiker den Islam verteidigten, seine Gesetze erkl\u00e4rten und das Gedankengut des Koran erl\u00e4uterten, waren sie vom Koran fundamental beeinflusst. Er stellte die Grundlage dar, auf der sie ihre ganzen Untersuchungen aufbauten. Weil sie aber die Philosophie erlernt hatten, um den Koran zu verteidigen, und sich mit ihr gegen\u00fcber ihren Gegnern wappneten, entwickelten sie eine eigene Methode beim Untersuchen, Bestimmen und Beweisf\u00fchren, die der Methode des Koran, der Hadithe und der Aussagen der Prophetengef\u00e4hrten widersprach. Auch widersprach sie der Methode der griechischen Philosophen bei ihren Untersuchungen, Bestimmungen und Beweisf\u00fchrungen.<br>Was den Widerspruch zur Methode des Koran anbelangt, so st\u00fctzt sich der Koran bei der Da&#8217;wa einerseits auf die menschliche Natur. Er machte sie zur Grundlage seiner Argumentation und sprach die Leute in einer Weise an, die dieser Natur entsprach. Gleichzeitig st\u00fctzt er sich auf die rationale Grundlage, indem er seine Argumentation auf den Verstand aufbaut und die Vernunft der Menschen anspricht. So sagt der Erhabene:<br>\u201eWahrlich, jene, die ihr an Allahs Statt anruft, werden es niemals verm\u00f6gen, eine Fliege zu erschaffen, auch wenn sie sich daf\u00fcr zusamment\u00e4ten. Und wenn die Fliege ihnen etwas raubte, k\u00f6nnten sie es ihr nicht entrei\u00dfen. Schwach ist der Suchende wie das Gesuchte (73).&#8220;[4] Und Er sagt:<br>\u201eM\u00f6ge der Mensch denn betrachten, woraus er erschaffen (5). Erschaffen ward er aus einem sich ergie\u00dfenden Wasser (6). Zwischen Lenden und Rippen kommt er hervor (7).&#8220;[5], und sagt:<br>\u201eSo betrachte der Mensch doch seine Nahrung (24). Siehe, Wir gossen das Wasser in F\u00fclle aus (25). Sodann spalteten Wir die Erde in wunderbarer Weise (26) und lie\u00dfen Korn in ihr wachsen (27) und Reben und Gezweig (28) und \u00d6lb\u00e4ume und Palmen (29) und dicht bepflanzte Gartengehege (30) und Obst und Futtergras (31).&#8220;[6] Auch sagt Er:<br>\u201eBetrachten sie nicht die Kamele, wie sie erschaffen sind (17); und den Himmel, wie er emporgehoben ward (18); und die Berge, wie sie aufgerichtet wurden (19); und die Erde, wie sie ausgebreitet ward? (20)&#8220;[7] Und Er sagt:<br>\u201eUnd in euch selber (sind Zeichen), wollt ihr denn nicht sehen (21)?&#8220;[8], und sagt:<br>\u201eWer antwortet denn dem Bedr\u00e4ngten, wenn er Ihn anruft?&#8220;[9]<br>Auf diese Weise geht der Koran vor, um die Macht Allahs, Sein Wissen und Seinen Willen auf der Grundlage der menschlichen Natur und des Verstandes zu beweisen. Diese Methode entspricht der Natur des Menschen und l\u00e4sst jeden in seinem tiefsten Inneren ihr folgen und ihr seine Aufmerksamkeit widmen. Sogar der Atheist versteht sie und f\u00fcgt sich ihr. Es ist eine Methode, die jedem Menschen entspricht, ob er nun zu den erlauchten Personen oder zur Allgemeinheit z\u00e4hlt, gebildet oder ungebildet ist.<br>Was die mehrdeutigen Koranverse anbelangt, die allgemein gehalten sind und f\u00fcr den Untersuchenden Unklarheiten beinhalten, so sind sie in genereller, undetaillierter Form ergangen. Sie beinhalten allgemeine Beschreibungen von Dingen oder Erw\u00e4hnungen von Ereignissen, ohne diese genauer untersuchen, ausf\u00fchren oder belegen zu wollen. Der Leser wird davon nicht abgesto\u00dfen, er kann jedoch ihren eigentlichen Sinn nur in dem Ma\u00dfe erkennen, wie es die Bedeutung ihrer Ausdr\u00fccke zul\u00e4sst. Deshalb ist es nur nat\u00fcrlich, sie ohne weitere Begr\u00fcndung oder Er\u00f6rterung zu akzeptieren, wie es auch bei der Beschreibung irgendeiner Realit\u00e4t und der Anerkennung irgendeiner Wahrheit der Fall ist. So beschreiben Verse den einen Bereich menschlicher Handlungen und weisen auf den zwanghaften Charakter hin. Andere beschreiben den zweiten Bereich dieser Handlungen und belegen ihrerseits die freie Wahl. So sagt Allah, der Erhabene:<br>\u201eAllah will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen.&#8220;[10] Auch sagt Er:<br>\u201eUnd Allah will nicht ungerecht zu den Diener sein.&#8220;[11] Gleichwohl findest du Ihn sagen:<br>\u201eWen Allah aber rechtleiten will, dem weitet Er die Brust f\u00fcr den Islam; und wen Er irreleiten will, dem macht Er die Brust eng und bedr\u00fcckt,&#8220;[12]<br>Auch sind Verse offenbart worden, die Allah, dem Erhabenen, ein Antlitz (\u201eGesicht&#8220;) und eine \u201eHand&#8220; zuschreiben bzw. Ihn als \u201edas Licht der Himmel und der Erde&#8220; bezeichnen. Sie erw\u00e4hnen auch, dass Er sich im Himmel befinde:<br>\u201eW\u00e4hnt ihr euch sicher vor Dem, Der im Himmel ist, dass Er die Erde euch nicht verschlingen l\u00e4sst?&#8220;<br>\u201eUnd dein Herr kam, und die Engel in Reihen auf Reihen&#8220;[13]<br>\u201eUnd es verbleibt das Antlitz deines Herrn&#8220;[14]<br>\u201eSeine H\u00e4nde sind weit offen&#8220;[15] Andere Verse belegen hingegen Seine Unvergleichbarkeit:<br>\u201eNichts ist gleich Ihm&#8220;[16]<br>\u201eKeine geheime Unterredung zwischen dreien gibt es, bei der Er nicht vierter w\u00e4re, noch zwischen f\u00fcnfen, bei der Er nicht sechster w\u00e4re, noch zwischen weniger oder mehr als diesen, ohne dass Er mit ihnen w\u00e4re, wo immer sie sein m\u00f6gen.&#8220;[17]<br>\u201eHocherhaben ist Allah \u00fcber das, was sie Ihm beigesellen.&#8220;[18]<br>\u201eGepriesen sei Allah hoch \u00fcber all das, was sie beschreiben&#8220;[19] Auf diese Art sind im Koran Verse enthalten, die bestimmte Aspekte ansprechen, die scheinbar widerspr\u00fcchlich sind. Der Koran nannte sie \u201eMutaschabihat&#8220; (mehrdeutige). Der Erhabene sagt:<br>\u201eDarin sind eindeutig klare Verse, sie sind die Grundlage des Buches, und andere, die mehrdeutig sind.&#8220;[20]<br>Als diese Verse herabgesandt wurden, der Gesandte sie den Menschen verk\u00fcndete und die Muslime an sie glaubten und sie auswendig lernten, warfen sie keinerlei Er\u00f6rterungen oder Diskussionen bei ihnen auf. Sie sahen darin keineswegs irgendeinen Widerspruch, der \u00fcberwunden werden m\u00fcsste. Vielmehr verstanden sie diese Verse jeweils in dem durch sie beschriebenen bzw. dargelegten Aspekt. Somit f\u00fcgten sie sich in der Realit\u00e4t als auch in ihrem Herzen harmonisch zusammen. Sie vollzogen Iman dar\u00fcber, glaubten an sie, verstanden sie in allgemeiner Weise und begn\u00fcgten sich mit diesem Verst\u00e4ndnis. Diese Verse beschrieben f\u00fcr sie eine gewisse Realit\u00e4t oder legten bestimmte Wahrheiten dar. Viele von ihnen, die sich durch Klugheit und Vernunft auszeichneten, hatten keinen Gefallen daran, diese \u201eMutaschabihat&#8220; genauer zu er\u00f6rtern und dar\u00fcber einen Disput zu f\u00fchren. Sie befanden, dass dies nicht im Interesse des Islam sei. Das Verstehen der allgemeinen Bedeutung f\u00fcr jeden, der es verstehen m\u00f6chte, auch nach seinem eigenen Verst\u00e4ndnisgrad, gen\u00fcgt und erspart ihm das Eintreten in Einzelheiten und Verzweigungen. Auf diese Art haben die Muslime die Methode des Koran begriffen und seine Verse aufgenommen. Sie folgten diesem Weg in der Zeit des Gesandten und danach, bis das ganze erste Jahrhundert vergangen war.<br>Ihr Widerspruch zur Methode der Philosophen ergab sich daraus, dass die Philosophen sich ausschlie\u00dflich auf den (verstandesm\u00e4\u00dfigen) Beweis st\u00fctzen und diesen in einer logischen Abfolge entwickeln: aus einem \u201eBegriff&#8220;, einem \u201eUrteil&#8220; und einem \u201eSchluss&#8220;. Sie verwenden bestimmte Ausdr\u00fccke und Termini f\u00fcr Dinge, wie \u201eInhalt&#8220;, \u201eForm&#8220; und \u00e4hnliche, und werfen verstandesm\u00e4\u00dfige Fragen auf, die sie logisch &#8211; nicht aber sinnlich wahrnehmbar oder real &#8211; weiterentwickeln.<br>Die Untersuchungsmethode der Scholastiker hingegen ist anders, denn die muslimischen Scholastiker glaubten an Allah und Seinen Gesandten (s.) und an das, womit der Gesandte gekommen war. Dies wollten sie nun mit rational-logischen Darlegungen beweisen. Danach begannen sie sich mit der Zeitlichkeit der Welt zu besch\u00e4ftigen und der Beweisf\u00fchrung, dass alle Dinge zeitlich (d. h. begrenzt) sind. Sie fingen an, diese Untersuchungen auszudehnen. Und so \u00f6ffneten sich ihnen neue Themenbereiche samt all ihren Zweigfragen, die sie bis zum Ende ihrer logischen Schlussfolgerungen untersuchten. Sie untersuchten nicht etwa die Koranverse, um sie zu verstehen, wie es die Methode der ersten Muslime war und es vom Koran auch beabsichtigt ist. Vielmehr glaubten sie daran und begannen, Beweise f\u00fcr das aufzustellen, was sie aus diesen Versen verstanden haben. Dies war der eine Aspekt ihrer Untersuchungen. Was den zweiten Aspekt anbelangt, n\u00e4mlich die Betrachtung der mehrdeutigen Koranverse (Mutaschabihat), so gaben sich die Scholastiker mit dem Allgemeinverst\u00e4ndnis dieser Ayat ohne detaillierter Untersuchung nicht zufrieden. Sie gingen allen Versen nach, zwischen denen ein Widerspruch auftreten k\u00f6nnte, wie die Frage von Zwang und freiem Willen oder jene Ayat, die eventuell auf eine Verk\u00f6rperung Allahs des Erhabenen schlie\u00dfen lie\u00dfen, und stellten diese zusammen. Sie lie\u00dfen ihrem Verstand dar\u00fcber freien Lauf und wagten, was niemand au\u00dfer ihnen gewagt hat. Die Untersuchung jeder Angelegenheit f\u00fchrte bei ihnen zu einer Ansicht. Wenn sie nun zu einer Ansicht gelangt waren, gingen sie an jene Verse heran, die ihrer Ansicht zu widersprechen schienen und begannen, sie umzuinterpretieren. Somit war die Uminterpretation (At-Ta&#8217;wil) das erste Merkmal der Scholastiker. Wenn ihre Untersuchung sie dahin leitete, dass Allah \u00fcber Richtung und Ort erhaben ist, interpretierten sie jene Ayat, die erkennen lassen, dass Er sich im Himmel befindet, um. Ebenso interpretierten sie das \u201eSich-Niederlassen&#8220; (Allahs) auf dem Thron um. Wenn ihre Untersuchung sie dahin f\u00fchrte, dass das Ausschlie\u00dfen einer Richtungsbehaftung im Falle Allahs es notwendig macht, dass die Augen der Menschen ihn unm\u00f6glich sehen k\u00f6nnen, interpretierten sie jene Berichte um, die erw\u00e4hnen, dass die Menschen Allah sehen werden. Somit war die Uminterpretation ein Wesensmerkmal der Scholastiker, das sie am deutlichsten von den fr\u00fcheren Muslimen unterschied.<br>Diese Untersuchungsmethode, die dem Verstand die Freiheit gibt, alles zu untersuchen &#8211; was er erfassen und was er nicht erfassen kann, die Natur und das, was sich hinter der Natur befindet, das sinnlich Wahrnehmbare und Nichtwahrnehmbare &#8211; macht den Verstand unweigerlich zur Grundlage f\u00fcr den Koran und nicht den Koran zur Grundlage f\u00fcr den Verstand. In so einem Fall ist das Aufkommen solcher Interpretationsformen nur nat\u00fcrlich. Ebenso nat\u00fcrlich ist es, dass diese Leute jede Richtung einschlagen, die sie als richtig ansehen, da der Verstand es ihrer Meinung nach so sieht. Dies f\u00fchrt unweigerlich zu gro\u00dfen Meinungsverschiedenheiten unter ihnen. Wenn die logische Betrachtung einige von ihnen zur Feststellung des freien Willens und der Uminterpretation des Zwanges f\u00fchrt, so kann sie andere zur Feststellung des Zwanges und der Uminterpretation des freien Willens f\u00fchren. Dritte wiederum kann sie dazu bringen, zwischen den Meinungen beider mit einer neuen Meinung vermitteln zu wollen. Bei allen Scholastikern stachen zwei Merkmale hervor: Erstens: In ihren Beweisf\u00fchrungen st\u00fctzten sie sich auf die Logik und die Weiterentwicklung ihrer Thesen, nicht aber auf die sinnlich wahrnehmbaren Dinge. Zweitens: Sie pflegten die Uminterpretation jener Koranverse, die ihren Schlussfolgerungen widersprachen.<br>[1] An-Nahl 16, Aya 125<br>[2] die Anh\u00e4nger fr\u00fcherer Offenbarungsreligionen: Juden und Christen<br>[3] Al-Ankabut 29, Aya 46<br>[4] Al-Hajj 22, Aya 73<br>[5] At-Tariq 86, Aya 5-7<br>[6] Abasa 80, Aya 24-31<br>[7] Al-Ghaschiya 88, Aya 17-20<br>[8] Adh-Dhariyat 51, Aya 21<br>[9] An-Naml 27, Aya 62<br>[10] Al-Baqara 2, Aya 185<br>[11] Gafir 40, Aya 31<br>[12] Al-An&#8217;am 6, Aya 125<br>[13] Al-Fagr 89, Aya 22<br>[14] Ar-Rahman 55, Aya 27<br>[15] Al-Ma&#8217;ida 5, Aya 64<br>[16] Al-Schura 42, Aya 11<br>[17] Al-Mugadalah 58, Aya 7<br>[18] An-Naml 27, Aya 63<br>[19] As-Safat 37, Aya 159<br>[20] Al-Imran 3, Aya 7<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Muslime haben den Glauben an den Islam in einer Weise verinnerlicht, die nicht den geringsten Zweifel aufkommen lie\u00df. 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