{"id":9817,"date":"2011-01-05T00:00:00","date_gmt":"2011-01-04T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9817"},"modified":"2011-01-05T00:00:00","modified_gmt":"2011-01-04T23:00:00","slug":"kommentar-muslime-und-nichtmuslime-zwei-perspektiven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9817","title":{"rendered":"Kommentar: Muslime und Nichtmuslime &#8211; zwei Perspektiven"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wesltiche Politiker und Protagonisten m\u00fcssen einsehen, dass es auch eine andere als die westliche Sicht auf die Welt gibt. Ihre Konzeptionen vom Leben sind lediglich das Ergebnis ihrer spezifischen Geschichte. Das hei\u00dft, ihre Anschauungen sind allenfalls von jenen nachvollziehbar und auch nur jenen zumutbar, die in der europ\u00e4ischen Geschichte verwurzelt sind.<br>Wollen solche Leute jedoch ein objektives Bild vom Islam und den Muslimen gewinnen, m\u00fcssen sie sich bei ihrer Betrachtung von ihrer eigenen Geschichte l\u00f6sen, die von der Unterdr\u00fcckung der Menschen durch die christliche Kirche gepr\u00e4gt ist. Denn nur so kann ein unverf\u00e4lschtes Bild vom Islam und der islamischen Sicht auf die Welt entstehen.<br>Betrachtet man die aktuelle Islam- und Integrationsdebatte in Deutschland, erkennt man schnell, dass die Debatte zwar reich an Emotionen, aber arm an Fakten ist. Das Wissen \u00fcber den Islam l\u00e4sst hierbei sehr zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Es ist keine Auseinandersetzung mit dem Islam und seinen Inhalten, sondern eine Lawine von Vorw\u00fcrfen und Angriffen, die gegen die Muslime losgetreten wurde, um von den eigenen Problemen und dem Versagen der Politik abzulenken. Wie irrational die Debatte verl\u00e4uft, zeigt sich daran, dass diese Lawine keine Unterschiede macht zwischen den nach kapitalistischem Ma\u00dfstab \u201eguten&#8220; und \u201eschlechten&#8220; Muslimen. Sie rollt sowohl \u00fcber die unerw\u00fcnschten Muslime hinweg als auch \u00fcber die notwendigen Fachkr\u00e4fte. Dies geschieht in dem Selbstverst\u00e4ndnis, dass es nur die westliche Sicht auf die Welt geben kann. Die Muslime haben angesichts dieser politischen und medialen Lawine kaum eine Chance, in die Islamdebatte einzusteigen, das herrschende Islambild zu korrigieren und ihren Standpunkt darzustellen. Den Muslimen fehlt es keineswegs an Argumenten, aber das antiislamische Klima, das Politik und Medien geschaffen haben, macht es geradezu unm\u00f6glich, diese der breiten \u00d6ffentlichkeit nahe zu bringen.<br>Problematisch ist vor allem der Umstand, dass in der Debatte vieles vermengt wird, was nicht zusammengeh\u00f6rt. Deutschland ist ganz klar ein s\u00e4kularer Staat, der zwischen Religion und Politik trennt. Die st\u00e4ndigen Hinweise auf eine christlich-j\u00fcdische Tradition in Deutschland und die Aufforderung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, das Christentum wieder fr\u00f6hlichen Herzens zu verk\u00fcnden, hat in der Islamdebatte folglich nichts zu suchen. Daf\u00fcr hat die Aufkl\u00e4rung gesorgt, die alle religi\u00f6sen Werte aus der Politik ins Private verbannt hat. Deutschland steht nicht f\u00fcr christlich-j\u00fcdische, sondern f\u00fcr s\u00e4kulare kapitalistische Werte. Streng genommen existiert auch kein j\u00fcdischer Einfluss in Europa, da die Geschichte der Juden im europ\u00e4ischen Raum von Unterdr\u00fcckung und Verfolgung gekennzeichnet ist und die Juden nur knapp ihrer v\u00f6lligen Ausl\u00f6schung in Europa entgangen sind. Sich jetzt auf eine christlich-j\u00fcdische Tradition zu berufen, ist also mehr als scheinheilig. Die Juden mit ins Boot zu nehmen, dient vielmehr dazu, sich vom Vorwurf des Rassismus freizumachen. Somit nimmt Deutschland keine christliche, sondern eine s\u00e4kulare Perspektive im Leben ein. Alle Konzeptionen vom Leben basieren nicht auf einer religi\u00f6sen, sondern auf einer s\u00e4kularen \u00dcberzeugung.<br>Weil der S\u00e4kularismus aus der europ\u00e4ischen Geschichte hervorgegangen ist, ist er historisch ausschlie\u00dflich aus dieser ableitbar. Das Heraushalten der Religion aus dem \u00f6ffentlichen Leben und der Politik kann er nur damit begr\u00fcnden, dass die Kirche die Menschen \u00fcber Jahrhunderte hinweg unterdr\u00fcckt hat. Ein rationales Argument fehlt dem S\u00e4kularismus, um seine Existenz zu rechtfertigen und seine Grundlage zu verteidigen. Vor diesem Hintergrund erscheint die Perspektive des Westens auf die Welt rein zuf\u00e4llig aus seiner eingenen Geschichte hervorgegangen.<br>Man kann von Menschen, die nicht dieselbe historische Erfahrung gemacht haben, nicht erwarten, dass sie dieselbe Perspektive einnehmen und die Lebenskonzeptionen des Westens einfach \u00fcbernehmen, zumal die in Deutschland lebenden Muslime allein durch die Tatsache, dass sie andere Ansichten vertreten, nicht gegen deutsches Recht versto\u00dfen. Nimmt man ein f\u00fcr den Westen extremes Beispiel wie die Strafe f\u00fcr au\u00dferehelichen Geschlechtsverkehr, so glauben die Muslime an die Richtigkeit dieser Strafe, aber sie haben keine Ambitionen, das islamische Strafsystem im Besonderen und die Scharia im Allgemeinen in Deutschland einzuf\u00fchren, wie es ihnen oftmals unterstellt wird. F\u00fcr westliche Gesellschaften, in denen das Fremdgehen, der Seitensprung und der One-Night-Stand \u00fcblich sind, ist die Bestrafung f\u00fcr au\u00dferehelichen Geschlechtsverkehr nat\u00fcrlicherweise schockierend und inakzeptabel. Im Gegensatz dazu werden Muslime, M\u00e4nner wie Frauen, vom Islam zur Keuschheit angehalten und erzogen. Dadurch haben sie eine andere Meinung zum au\u00dferehelichen Geschlechtsverkehr und auch kein Problem mit dem diesbez\u00fcglichen Strafgesetz, denn ihr Blickwinkel ist ein v\u00f6llig anderer. Wer allerdings damit aufw\u00e4chst, dass die au\u00dfereheliche geschlechtliche Beziehung in einer Gesellschaft \u00fcblich ist, der kann die Ansicht der Muslime nicht teilen. F\u00fcr Muslime stellt die au\u00dfereheliche Beziehung jedoch nicht den Normalfall, sondern eine f\u00fcr M\u00e4nner wie Frauen kategorisch abzulehnende Sch\u00e4ndlichkeit dar.<br>Besonders deutlich werden die unterschiedlichen Standpunkte von Muslimen und Nichtmuslimen in Bezug auf das Frauenbild. So herrscht im Westen ein durchgehend s\u00e4kulares kapitalistisches Frauenbild, das sich mit einer Sendung wie \u201eGermany&#8217;s Next Topmodel&#8220; explizit beschreiben l\u00e4sst. Model Heidi Klum, selbst ein Produkt des Kapitalismus, hat das Frauenbild, wie es ihre Sendung vermittelt, nicht erfunden, aber sie verk\u00f6rpert und propagiert es: die Frau als Ware. Der Westen ignoriert den Intellekt der Frau und fokussiert auf ihren K\u00f6rper, den sie f\u00fcr seine wirtschaftlichen Interessen zur Verf\u00fcgung stellen muss. Die Freiz\u00fcgigkeit der Frau ist eine Voraussetzung und findet in den Medien Verbreitung. Die westliche Frau w\u00e4chst mit diesem Frauenbild auf und \u00fcbernimmt es automatisch, so dass sie ihren K\u00f6rper quasi freiwillig bereitstellt. So rei\u00dfen sich die jungen M\u00e4dchen darum, Topmodel zu werden, und lassen daf\u00fcr jede Erniedrigung \u00fcber sich ergehen. Diese Sicht auf die Frau ergibt sich zwangsl\u00e4ufig aus dem Kapitalismus, den der Westen vertritt.<br>Der Ausgangspunkt der Muslime ist ein anderer, denn sie tragen die islamische Glaubens\u00fcberzeugung. Sie k\u00f6nnen also nicht das gleiche Frauenbild vertreten wie der Westen. Das ganze Anliegen der Muslime besteht darin, das Wohlgefallen Allahs (t) zu erreichen, sei es durch das Gebet, durch das Fasten oder aber durch das Tragen einer bestimmten Kleidung. Die Einhaltung der islamischen Gebote erfolgt nicht aus Zwang, sondern aus intellektueller \u00dcberzeugung heraus. Das Gebot bez\u00fcglich der islamischen Kleidung der Frau wird von der muslimischen Frau daher nicht als Unterdr\u00fcckung begriffen, weil sie nicht den westlichen, d. h. den kapitalistischen Standpunkt einnimmt. Der Westen kann also getrost davon ablassen, die muslimische Frau befreien zu wollen, da sie aufgrund des islamischen Standpunktes, den sie einnimmt, kein Interesse daran hat, ihren K\u00f6rper zu entbl\u00f6\u00dfen und zur Schau zu stellen. Ihr Interesse besteht einzig und allein darin, das Wohlgefallen Allahs (t) zu erlangen. Als Muslim darf man nicht erwarten, dass der Westen ein Gebot wie die islamische Kleidervorschrift nachvollziehen kann, denn hierzu fehlt ihm die entsprechende Glaubens\u00fcberzeugung und das sich daraus ergebende Frauenbild, das die Frau n\u00e4mlich keine Ware, sondern ein w\u00fcrdevolles Wesen ist, das es zu sch\u00fctzen gilt. Aber man kann durchaus erwarten, dass er die Entscheidung der muslimischen Frau respektiert, das Kopftuch zu tragen.<br>Nichtmuslime k\u00f6nnen nat\u00fcrlich eine eigene Meinung zum Islam und seinen Gesetzen haben, und ihre Ablehnung des Islam ist nur die logische Konsequenz ihrer kapitalistischen Grund\u00fcberzeugung, die ihre Perspektive festlegt. Aber sie k\u00f6nnen nicht automatisch davon ausgehen, dass Muslime, deren Perspektive von der islamischen Glaubens\u00fcberzeugung festgelegt wird, in gleicher Weise \u00fcber den Islam denken und seine Gesetze als Unterdr\u00fcckung begreifen. Noch viel weniger d\u00fcrfen sie davon ausgehen, dass die Muslime vom Islam befreit werden wollen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wesltiche Politiker und Protagonisten m\u00fcssen einsehen, dass es auch eine andere als die westliche Sicht auf die Welt gibt. Ihre Konzeptionen vom Leben sind lediglich das Ergebnis ihrer spezifischen Geschichte. 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