{"id":9814,"date":"2009-12-26T00:00:00","date_gmt":"2009-12-25T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9814"},"modified":"2009-12-26T00:00:00","modified_gmt":"2009-12-25T23:00:00","slug":"kommentar-die-unaufgeklaerten-argumente-zur-einschraenkung-der-muslimischen-religionsfreiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9814","title":{"rendered":"Kommentar: Die (un)aufgekl\u00e4rten Argumente zur Einschr\u00e4nkung der muslimischen Religionsfreiheit"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wurde schon viel \u00fcber das Mineratt-Verbot in der Schweiz gesagt und geschrieben. Nat\u00fcrlich h\u00e4ngt die Praktizierung des Islam in Europa nicht vom Bau von Minaretten ab. Sie stellen keine islamische Pflicht dar, so dass die Muslime auf ihren Bau verzichten k\u00f6nnten. Das Problem liegt aber gar nicht so sehr darin, dass in der Schweiz lebende Muslime von nun an auf Minarette verzichten m\u00fcssen. Bei gerade einmal vier Minaretten, die es in der Schweiz gibt, sind die meisten Muslime ohnehin nicht an Moscheen mit Minaretten gew\u00f6hnt.<br>Nicht der Verzicht auf Minarette ist das Problem, sondern die Besorgnis erregende Entwicklung in Europa, der durch das Referendum in der Schweiz &#8222;demokratisch&#8220; zum Ausdruck gebracht wurde. Frankreichs Pr\u00e4sident Nicolas Sarkozy fasste diesen europ\u00e4ischen Trend gegen den Islam in der Zeitung &#8222;Le Monde&#8220; zusammen: &#8222;Anstatt das Schweizer Volk endg\u00fcltig zu verurteilen, sollten wir auch verstehen, was es ausdr\u00fccken wollte und was so viele V\u00f6lker in Europa f\u00fchlen, darunter das franz\u00f6sische Volk.&#8220;<br>Das Minarett-Verbot ist zum Pr\u00e4zedenzfall in Europa geworden und spiegelt das europ\u00e4ische Islambild wieder, denn in vielen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern fragte man sich, wie wohl bei ihnen ein solcher Volksentscheid ausfallen w\u00fcrde, anstatt Ansto\u00df an dem Verbot zu nehmen. Man kann vor allem sicher sein, dass dies nur der Anfang war. Es ist ein Vortasten, wie weit man \u00fcberhaupt gehen kann, die &#8222;Religionsfreiheit&#8220; der Muslime einzugrenzen. In Frankreich, das zur Zeit \u00fcber ein Verbot des Gesichtsschleiers nachdenkt, wurde durch das Minarett-Verbot eine Debatte \u00fcber neue Moscheebauten ausgel\u00f6st.<br>Die Muslime in Europa h\u00e4tten ohnehin nichts zu melden, weil Christen in der islamischen Welt ebenfalls unterdr\u00fcckt seien \u2013 so die Reaktion auf die Kritik der Muslime am Minarett-Verbot. Als Beispiel wird der Irak angef\u00fchrt, wo nach dem Sturz Saddam Husseins Christen get\u00f6tet wurden oder aber fl\u00fcchten mussten. Im heutigen Irak herrscht jedoch kein Normalzustand, um als Argument dienen zu k\u00f6nnen. Seit der Okkupation durch die USA starben ebenso unz\u00e4hlige Muslime \u2013 Sunniten und Schiiten gleicherma\u00dfen \u2013 oder mussten fliehen. Der Tod von Menschen ist dort noch immer an der Tagesordnung, und zwar unabh\u00e4ngig von ihrer Glaubenszugeh\u00f6rigkeit.<br>Weder der Muslim noch der Christ ist im Irak wirklich seines Lebens sicher. Auch die T\u00fcrkei und der Umgang mit den Christen dort wird gerne als Beispiel angef\u00fchrt. In der T\u00fcrkei kann allerdings niemand seine Religion richtig aus\u00fcben. So gilt an Universit\u00e4ten ein Kopftuchverbot f\u00fcr muslimische Frauen, das weitaus schlimmer wiegt als das Minarett-Verbot in der Schweiz, weil das Kopftuchverbot eine islamische Pflicht betrifft. Das hei\u00dft, selbst die Muslime sind gegen Diskriminierung und Unterdr\u00fcckung in der T\u00fcrkei nicht gefeit. Dar\u00fcber sollten sich die Muslime mehr Gedanken machen als \u00fcber das Minarett-Verbot in der Schweiz.<br>Es geht hier aber gar nicht so sehr darum, die Frage zu er\u00f6rtern, ob Christen in der islamischen Welt unterdr\u00fcckt werden und inwiefern sie ihre Religion aus\u00fcben k\u00f6nnen. Vielmehr geht es um die Argumentationsweise selbst, weil Europa im Gegensatz zu den islamischen L\u00e4ndern die Demokratie als Aush\u00e4ngeschild hat und Freiheit als eine wesentliche Idee der Demokratie propagiert \u2013 auch die Religionsfreiheit. Aus dem angef\u00fchrten Argument ist zu verstehen, dass es legitim sei, die Muslime in Europa zu diskriminieren, weil Christen in der islamischen Welt ebenfalls unterdr\u00fcckt seien. Das &#8222;aufgekl\u00e4rte&#8220; Europa argumentiert mit islamischen L\u00e4ndern, die durchweg Diktaturen darstellen.<br>Bef\u00fcrworter des Minarett-Verbots, die zur gleichen Zeit Vertreter der Demokratie sind, beziehen sich auf Diktaturen, um das Vorgehen gegen die Muslime in Europa zu rechtfertigen bzw. die Kritik der Muslime zu unterdr\u00fccken. F\u00fcr Europa ist diese Argumentationsweise ein absolutes Armutszeugnis. Denn entweder ist man von der Demokratie \u00fcberzeugt und wendet seine \u00dcberzeugung ohne Unterschied auf alle Menschen an, oder aber man gibt offen zu, dass man nicht gewillt ist, den Muslimen die Religionsfreiheit zuzugestehen, ohne dabei irgendwelche demokratischen Scheinargumente vorzubringen, wie etwa, dass das Verbot auf der Basis einer demokratischen Mehrheitsentscheidung zustande kam.<br>Im Unterschied zu den Nichtmuslimen, deren Verh\u00e4ltnis zu den Muslimen immer von ihrem jeweiligen Islambild und dem Grad ihres Islamhasses abh\u00e4ngt und nicht von ihren demokratischen \u00dcberzeugungen, ist der Umgang der Muslime mit Christen und anderen Nichtmuslimen islamisch genau festgelegt, und zwar unabh\u00e4ngig von ihrer pers\u00f6nlichen Einstellung zum Christentum oder der politischen Situation. Das Verh\u00e4ltnis zwischen Muslimen und Christen h\u00e4ngt nicht von irgendwelchen politischen oder gesellschaftlichen Umst\u00e4nden ab, sondern von den Vorgaben des Islam, um die sich beispielsweise ein Staat wie die T\u00fcrkei nicht schert.<br>Unter der islamischen Herrschaft sah es selbstverst\u00e4ndlich anders aus als in der T\u00fcrkei. Beispielhaft ist das Edikt, bekannt als Ahdnama, das Sultan Muhammad al-Fatih, der Er\u00f6ffner Konstantinopels, 1463 erlie\u00df, worin er den Christen Bosniens garantierte, in Freiheit und Frieden im Kalifat leben zu k\u00f6nnen. Das Problem der Christen in der islamischen Welt besteht folglich in der fehlenden Umsetzung des Islam und weniger in der Einstellung der Muslime zu den Christen. Es w\u00e4re behoben, wenn der Westen nicht st\u00e4ndig die Umsetzung des Islam in der islamischen Welt verhindern w\u00fcrde. Anders stellt es sich f\u00fcr die Muslime in Europa dar. Ihr Problem besteht haupts\u00e4chlich in der ablehnenden Haltung der Menschen gegen\u00fcber dem Islam.<br>Hass und Ablehnung spiegeln sich in den Argumenten wider, die von der Islamisierung eines Landes wie der Schweiz \u00fcber die Diskriminierung der Christen in der islamischen Welt bis hin zur Ver\u00e4nderung des Ortsbildcharakters durch Minarette reichen. Letzteres dient der FP\u00d6 inzwischen als Argument, denn die Partei plant nach dem Vorbild der Schweiz auch in \u00d6sterreich einen Antrag zum Minarett-Verbot einzureichen, um mit dem europ\u00e4ischen Anti-Islam-Trend mitzuhalten. Bei Argumenten wie diesen macht ein Disput zwischen Muslimen und Nichtmuslimen keinen Sinn. Denn was erwartet man von den Muslimen? Sollen sie einr\u00e4umen: &#8222;Ja, wir unterdr\u00fccken die Christen in der islamischen Welt&#8220;? Welche Konsequenzen z\u00f6ge dann das &#8222;aufgekl\u00e4rte&#8220; Europa? Ist dies tats\u00e4chlich eine Rechtfertigung daf\u00fcr, die Muslime in Europa zunehmend zu unterdr\u00fccken?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es wurde schon viel \u00fcber das Mineratt-Verbot in der Schweiz gesagt und geschrieben. Nat\u00fcrlich h\u00e4ngt die Praktizierung des Islam in Europa nicht vom Bau von Minaretten ab. Sie stellen keine islamische Pflicht dar, so dass die Muslime auf ihren Bau verzichten k\u00f6nnten. 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