{"id":9791,"date":"2013-05-27T00:00:00","date_gmt":"2013-05-27T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9791"},"modified":"2013-05-27T00:00:00","modified_gmt":"2013-05-27T00:00:00","slug":"der-anblick-des-todes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9791","title":{"rendered":"Der Anblick des Todes"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Tod stellt ein definitives Ereignis im Leben eines jeden Menschen dar. Die Auseinandersetzung mit der Thematik des Todes ist konsequenterweise eine nat\u00fcrliche Angelegenheit f\u00fcr jedes Individuum und f\u00fcr jede Gesellschaft. Diese beinhaltet sowohl die Untersuchung der Frage \u201eWas passiert nach dem Tod?&#8220;, als auch den Umgang mit toten und sterbenden Mitmenschen.<br>Alle Zivilisationen und Kulturen setzten sich mit diesen Fragen auseinander und kamen zu h\u00f6chst unterschiedlichen Ergebnissen. Ganz gleich, ob Vorstellungen \u00fcber Reinkarnation, einem weiteren Leben nach dem Tod, oder dem endg\u00fcltigen Sterben des Menschen in den verschiedenen Kulturen dominierten, ist stets ein gemeinsamer Nenner zu erkennen. Letzterer bestand darin, dass die Gesellschaft darum bem\u00fcht war, Antworten bez\u00fcglich der Thematik zu erlangen. Auch was den Umgang mit den Toten anbelangt, so kamen die Menschen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Ob die K\u00f6rper der Verstorbenen nun verbrannt, einbalsamiert oder begraben wurden, \u00e4ndert nichts an der Tatsache, dass ein gesellschaftlicher Konsens dar\u00fcber bestand, wie mit sterbenden Mitmenschen umzugehen sei. Sowohl staatliche Mechanismen \u2013 vorausgesetzt diese existierten in der jeweiligen Epoche und Region bereits \u2013 als auch famili\u00e4re Angeh\u00f6rige nahmen sich der sterbenden Mitmenschen an und k\u00fcmmerten sich um diese.<br>Die westliche Zivilisation stellt dabei eine \u00e4u\u00dferst bemerkenswerte Ausnahme dar. Waren im 19. und bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts noch bekannte Vorstellungen bez\u00fcglich des Todes und des Umganges mit Sterbenden zu erkennen, vollzieht sich immer offensichtlicher eine stetige Degeneration der sozialen Strukturen in den kapitalistischen Gesellschaften der westlichen Welt.<br>Zun\u00e4chst l\u00e4sst sich feststellen, dass das Thema des Todes systematisch tabuisiert wird. In der Erziehung \u2013 sei es im famili\u00e4ren oder im staatlich- schulischen Rahmen \u2013 wird der Tod bestenfalls am Rande thematisiert. So ist ein Gespr\u00e4ch \u00fcber dieses Thema mit den meisten Mitb\u00fcrgern ein nahezu unm\u00f6gliches Unterfangen. W\u00fcrde in einer gem\u00fctlichen Runde der Tod angesprochen, w\u00e4ren beklommenes Schweigen und Unverst\u00e4ndnis f\u00fcr diese Taktlosigkeit wohl das Mindeste. Hastiges Ablenken auf triviale Themen, sinnloses Gerede und R\u00fcckbesinnung auf scheinbar wichtigere Themen wie Fu\u00dfball, Austausch obsz\u00f6ner Erlebnisse oder \u00e4hnliche Niveaulosigkeiten w\u00fcrden unweigerlich folgen.<br>Dem nicht genug, hat der Kapitalismus innovative und strukturelle Leistungen auch im Rahmen der visuellen Auseinandersetzung mit dem Tod vorzuweisen. Sahen sich die vorigen Generationen noch mit dem Problem sterbender Gro\u00dfeltern in den eigenen Haushalten konfrontiert, bleibt unseren Zeitgenossen ein solches Szenario durch die brillante Erfindung des Altenheims erspart. Sind die eigenen Eltern oder Gro\u00dfeltern nicht mehr in der Lage die Herausforderungen des Alltags eigenst\u00e4ndig zu meistern, werden sie problemlos in ein solches Heim eingewiesen, in denen sie dann von fremden Pflegern betreut werden und friedlich vor sich hinvegetieren k\u00f6nnen. All dies ohne der Familie zur Last zu fallen, vorausgesetzt eine solch intakte Struktur existiert \u00fcberhaupt noch. Eine \u00e4hnliche Einrichtung stellt das sogenannte Hospiz dar. Bei der erw\u00e4hnten Pflegeeinrichtung geht es speziell um \u201eSterbebegleitung&#8220;. Wird bemerkt, dass sich ein \u00e4lterer Mitb\u00fcrger in einem kritischen Zustand befindet, besteht die elegante M\u00f6glichkeit, ihn in ein solches Hospiz einzuweisen, in welchem er dann hinter verschlossenen T\u00fcren darauf warten darf, das Zeitliche zu segnen.<br>Doch wer meint, dass der Gipfel westlicher Dekadenz bereits erreicht sei, wurde im Februar 2012 eines Besseren belehrt. So sorgten die Pl\u00e4ne des Deutschen Roten Kreuzes ein Hospiz im S\u00fcden Hamburgs einzurichten f\u00fcr \u00c4rger. Der Grund f\u00fcr die Aufregung bestand darin, dass das besagte Sterbezentrum inmitten eines Wohnviertels eingerichtet zu werden drohte. Negative Reaktionen seitens der Anwohner folgten, wobei \u00c4ngste vor m\u00f6glichen Wertminderungen der hiesigen Immobilien noch eher harmlos waren. W\u00e4hrend \u2013 laut der Berichterstattung des Magazins \u201eDer Spiegel&#8220; \u2013 zwei Anwohner bereits einen Anwalt eingeschaltet hatten, um gegen die Einrichtung des Hospiz rechtlich vorzugehen, beschwerte sich eine Anwohnerin folgenderma\u00dfen: \u201eIch w\u00fcrde meinen Kindern gern den Anblick des Todes ersparen&#8220;. Eine andere B\u00fcrgerin machte ihrem \u00c4rger Luft, indem sie erkl\u00e4rte, dass sie nicht wolle, dass ihr \u201edie Wurst im Halse&#8220; stecken bleibe, wenn sie morgens beim Fr\u00fchst\u00fcck aus dem Fenster schaue. Auf einer von dem DRK gehaltenen Informationsveranstaltung, welche zum Ziel hatte, die besorgten Einwohner zu beruhigen, wurde endg\u00fcltig klar, worin das eigentliche Problem bestand: Niemand wolle mit dem Anblick des Todes konfrontiert werden, denn dieser f\u00fchre jedem vor Augen, dass man auch irgendwann sterben m\u00fcsse, so ein DRK-Mitarbeiter.<br>Diese fast schon kindlich und l\u00e4cherlich anmutenden Reaktionen der B\u00fcrger Hamburgs m\u00f6gen auf den ersten Blick f\u00fcr Unverst\u00e4ndnis sorgen, jedoch handelt es sich um ein v\u00f6llig nat\u00fcrliches Resultat kapitalistischer Indoktrination. Durch letztere werden systematisch verantwortungslose Individualisten hervorgebracht, deren oberstes Ziel im Leben darin besteht, den eigenen Nutzen zu maximieren. Die daraus resultierende, oft hedonistische Lebensweise, l\u00e4sst keinen Platz f\u00fcr soziales Verhalten, welches nicht dem eigenen Vorteil dient. Auch f\u00fcr die Untersuchung von Fragen, ob das Universum von einem Sch\u00f6pfer erschaffen wurde und was oder ob nach dem Tod \u00fcberhaupt etwas folge, solle man nat\u00fcrlich keine Zeit verschwenden. Findet jedoch pl\u00f6tzlich eine Konfrontation mit dem Tod statt, herrscht Unsicherheit, Unbehagen und Ratlosigkeit.<br>Im Gegensatz zum Kapitalismus hat der Islam das unumg\u00e4ngliche Ereignis des Todes als solches anerkannt und keineswegs tabuisiert.<br>So sagt Allah (s.w.t.):<br>\u201eSprich: \u201aDer Tod, vor dem ihr flieht, wird euch sicher ereilen. Dann werdet ihr zu Dem zur\u00fcckgebracht werden, Der es kennt, das Verborgene und das Sichtbare; und Er wird euch verk\u00fcnden, was ihr zu tun pflegtet.'&#8220; (Sura 62, Aya 8)<br>Neben den vielen Versen im edlen Qur&#8217;an existieren zudem zahlreiche \u00dcberlieferungen des Propheten Muhammad (s.a.s.), in denen er die Menschen dazu anspornt, dem Tod zu gedenken und sich auf diesen durch gute Taten vorzubereiten. Bereits beim Erwachen erinnert sich der Muslim stets daran, dass er irgendwann \u2013 ob heute oder morgen \u2013 den Tod kosten wird, indem er sagt:<br>\u201eAlles Lob geb\u00fchrt Allah, Der uns Leben gab, nachdem Er uns den Tod gegeben hat, und zu Ihm ist die Auferstehung.&#8220;<br>Ebenso zeigt die islamische Schari&#8217;a den korrekten Umgang mit bereits Verstorbenen und das richtige Zusammenleben mit den Alternden und Sterbenden. Sowohl die Gesellschaft, als auch die Familie k\u00fcmmern sich pflichtbewusst um diese Menschen und integrieren sie liebevoll in ihr Zusammenleben. Eine Vernachl\u00e4ssigung dieser ist strengstens verboten. Dies pr\u00e4gte die muslimischen V\u00f6lker derart, dass dies im famili\u00e4ren Rahmen selbst ohne die Existenz eines islamischen Staates stets zu beobachten ist. So werden die Alten respektiert und liebevoll von ihren eigenen Kindern und Enkelkindern auf die bestm\u00f6gliche Art und Weise betreut, ein Zustand, den sich viele der Vergessenen w\u00fcnschen, die in eines der hiesigen Sterbezentren abgeschoben wurden und die letzten Momente dort verleben, w\u00e4hrend die Verwandten zeitgleich ihrer Gel\u00fcste fr\u00f6nen und sich k\u00f6stlich am\u00fcsieren.<br>Doch wieder einmal hindert ma\u00dfloser Hochmut und beispiellose Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung die meisten kapitalistisch gepr\u00e4gten Menschen daran, den Islam als Alternative und L\u00f6sung f\u00fcr ihr Leben in Betracht zu ziehen. Stattdessen wird von der Mehrheitsgesellschaft immer deutlicher gegen den Islam agitiert, w\u00e4hrend die eigene Kultur einen rapiden Niedergang erf\u00e4hrt. Den Menschen, die dem Islam feindlich gesonnen sind, sei an dieser Stelle gesagt, dass sie besser daran t\u00e4ten, zur Besinnung zu kommen und sich einmal Gedanken \u00fcber ihr inhaltsloses Leben zu machen, denn auch sie werden fr\u00fch genug den Anblick des Todes ertragen m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Tod stellt ein definitives Ereignis im Leben eines jeden Menschen dar. 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