{"id":9790,"date":"2013-06-06T00:00:00","date_gmt":"2013-06-06T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9790"},"modified":"2013-06-06T00:00:00","modified_gmt":"2013-06-06T00:00:00","slug":"entscheidungsschlacht-3-0","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9790","title":{"rendered":"Entscheidungsschlacht 3.0"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDas Blatt in Syrien wendet sich. Mit der R\u00fcckeroberung der Stadt Kusair haben die Truppen und Milizen, die auf Seiten von Baschar al-Assad k\u00e4mpfen, eine beeindruckende Siegeswelle abgeschlossen. Die Schlacht um Kusair d\u00fcrfte r\u00fcckblickend als das Stalingrad der syrischen Rebellen eingehen: der Anfang vom langsamen Ende.&#8220;, so die dramatische Darstellung in einem Spiegel-Online Artikel vom 21.5.2013. In dasselbe Horn stie\u00df auch der Chef des Bundesnachrichtendienstes und konstatierte, dass es dem syrischen Regime in den letzten Wochen gelungen sei, das Kerngebiet seiner Macht \u2013 die Region von Damaskus \u00fcber Homs an die K\u00fcste \u2013 zu sichern. Ebenso gel\u00e4nge es den Assad-Truppen, die Rebellen aus mehreren Vororten von Damaskus zu dr\u00e4ngen und ihnen die Versorgungsroute nach S\u00fcden, sowie die Versorgungsrouten nach Westen abzuschneiden. Insgesamt zeichnet BND-Chef Schindler eine d\u00fcstere Prognose f\u00fcr die \u201eislamistischen&#8220; Rebellen Syriens. Letztere bef\u00e4nden sich im S\u00fcden des Landes in der Defensive und m\u00fcssten demn\u00e4chst in die vermeintlich kurdisch kontrollierten Gebiete Nord-Syriens fl\u00fcchten, so der Experte.<br>Alle Berichte und Analysen der vergangenen zwei Jahre, welche davon sprachen, dass das Assad-Regime in absehbarer Zeit kollabieren w\u00fcrde, sind laut der aktuellen Darstellung nur noch Makulatur. Wie der Phoenix aus der Asche scheint die syrische Armee auferstanden zu sein und geht nun in \u201enie dagewesener St\u00e4rke&#8220; dazu \u00fcber der Rebellion ein f\u00fcr alle Mal den Garaus zu machen. Die wundersame Reanimation der syrischen Streitkr\u00e4fte w\u00e4re dabei der \u201em\u00e4chtigsten Miliz&#8220; des Nahen Ostens zu verdanken. So war es der Leonidas des S\u00fcdlibanons, alias Hassan Nasrallah, welcher seine tapferen Krieger gegen die \u00fcberm\u00e4chtige zionistische Front, bestehend aus S\u00f6ldnern, Verbrechern und Terroristen in den Kampf geschickt hat. Die Hisbollah habe durch ihr Eingreifen \u201edas Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis gr\u00fcndlich verschoben&#8220;, auch wenn hierf\u00fcr mehr als 300 heroische K\u00e4mpfer vonn\u00f6ten waren.<br>Doch wer diesem M\u00e4rchen und \u00e4hnlicher Kriegspropaganda auf den Leim gegangen ist, dem sei gesagt, dass selbst in Marvel-Comics mehr Wahrheitsgehalt steckt, als in der aktuellen Darstellung, auf die sich die Medien eingeschossen haben.<br>Allein die Tatsache, dass die Hisbollah in der Vergangenheit immer auf die Schutzmacht Syrien angewiesen war, offenbart das eigentliche Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis beider Akteure. So hat die s\u00fcdlibanesische Miliz ihre Waffen und ihre logistische Unterst\u00fctzung stets \u00fcber syrische Kan\u00e4le erhalten. Ohne diese Lebensader w\u00e4re besagte Partei l\u00e4ngst zu einer unbedeutenden Bewegung verkommen. Um es in den Worten Nasrallahs auszudr\u00fccken ist das Schicksal der Hisbollah nicht von dem des Assad-Regimes zu trennen. Dass nun ausgerechnet libanesische H\u00f6flinge zur Hilfe ihres ungl\u00e4ubigen Gebieters eilen m\u00fcssen, zeugt nicht gerade von der neugewonnenen Stabilit\u00e4t und St\u00e4rke des Regimes. Tats\u00e4chlich handelt es sich bei der Intervention der Hisbollah um eine der letzten Karten, die das Regime ausspielen kann. Dabei geht es selbst das Risiko ein, die strategisch wichtige Stabilit\u00e4t des Libanon aufs Spiel zu setzen. Obwohl Analysten bereits seit langer Zeit prognostizieren, dass der Konflikt auf den Zedernstaat \u00fcbergreifen w\u00fcrde, werden immer mehr Kr\u00e4fte nach Syrien verlagert, um die letzten Bastionen des Regimes zu verteidigen. Weder die immer wieder aufflammenden Scharm\u00fctzel in Tripolis, noch der j\u00fcngste Raketenbeschuss auf libanesischem Gebiet, scheint die Hisbollah davon abzuhalten mehr und mehr K\u00e4mpfer aus ihren traditionellen Hochburgen abzuziehen und letztere ihrem Schicksal zu \u00fcberlassen. Dies \u00e4u\u00dferte sich auch in dem freudschen Versprecher Hassan Nasrallahs, als er in seiner j\u00fcngsten Rede die ihm feindlich gesinnten Str\u00f6mungen dazu aufrief, den Libanon zu verschonen und stadtessen den Kampf ausschlie\u00dflich in Syrien auszutragen. Frei nach dem Lied des Rumpelstilzchen: \u201eAch wie gut das niemand wei\u00df&#8230;&#8220; enth\u00fcllte er damit seine Achillesverse, welche in einer zweiten Front im Libanon besteht.<br>Im Grunde stellen die jungen K\u00e4mpfer der Hisbollah in Syrien nichts weiter als Kanonenfutter des Assad-Regimes dar, schlie\u00dflich stehen sie einer schier unl\u00f6sbaren Aufgabe gegen\u00fcber, welche nicht einmal die Eliteneinheiten der syrischen Armee gewachsen waren. Dies \u00e4u\u00dfert sich in ungewohnt hohen Verlusten, denn entgegen der anf\u00e4nglichen Darstellung leisteten die Rebellen zu jenem Zeitpunkt immer noch heftigen Widerstand. In einem Spiegel-Artikel vom 30.5.2013 hie\u00df es diesbez\u00fcglich: \u201eSeit das syrische Regime am 19. Mai eine schwere Offensive gegen das Provinznest an der libanesischen Grenze gestartet hat, ist die Schlacht um die 30.000-Einwohner-Stadt schon oft f\u00fcr beendet erkl\u00e4rt worden. Doch ein ums andere Mal haben sich die Erfolgsmeldungen des Regimes in Damaskus letztlich als falsch entpuppt. Kusair k\u00e4mpft. Noch immer.&#8220; Als besonders Fatal f\u00fcr die Miliz entpuppt sich ihre neue Rolle als Offensivkraft, wurden ihre K\u00e4mpfer in den letzten Jahrzehnten doch ausschlie\u00dflich in Guerilla-Taktiken geschult, welche darauf ausgelegt waren, die eigenen Gebiete zu verteidigen.<br>Davon abgesehen handelt es sich bei den besagten K\u00e4mpfen keineswegs um eine Entscheidungsschlacht f\u00fcr die Mujahedin, kontrollieren sie doch zahlreiche strategisch wichtige Gebiete im gesamten syrischen Raum. F\u00fcr das Assad-Regime hingegen, handelt es sich bei Kusair tats\u00e4chlich um einen \u00fcberlebenswichtigen Korridor, welcher Damaskus mit der alawitisch dominierten Ostk\u00fcste des Landes verbindet. Es ist somit das Assad-Regime, das sich versucht mit aller Macht aus der Umklammerung durch die islamischen Kr\u00e4fte zu befreien. Auch f\u00fcr die Hisbollah stehen laut den Ausf\u00fchrungen des Think-Tanks Stratfor Versorgungslinien auf dem Spiel, welche um das Gebiet um Kusair verlaufen. In der Retroperspektive wird somit klar, dass es den Aufst\u00e4ndischen durch ihre Eroberungen gelungen ist, dem Regime und seinem verl\u00e4ngerten Arm in S\u00fcdlibanon einen taktischen Schlag zu versetzen. Aus diesem Grund nahmen die Regierungstruppen samt ihren Unterst\u00fctzern enorm hohe Verluste in Kauf und nannten den taktischen R\u00fcckzug der Rebellen in der Nacht zum 6.7.2013 eine verheerende Niederlage f\u00fcr die Revolution\u00e4re. Kein Wort dar\u00fcber, dass sich letztere nur aufgrund Munitionsmangels aus den umk\u00e4mpften Gebieten zur\u00fcckzogen und nicht etwa an der Frontlinie besiegt wurden. Noch w\u00e4hrend das Assad-Regime und seine libanesischen Verb\u00fcndeten der Welt mit Trompeten und Pauken den vermeintlich entscheidenden Triumph vorgaukelten, konnten die Rebellen Gebietsgewinne an den Golanh\u00f6hen und im Umkreis Damaskus verzeichnen.<br>Viel wichtiger als die milit\u00e4rischen Details sind jedoch die politischen Ziele, die im Kontext der aktuellen Offensive verfolgt werden. So dient die aktuelle Eskalation, welche mit hohen Opferzahlen einhergeht, dazu, dem kompromissbereiten Teil der Opposition einen Vorwand zu liefern sich mit dem Regime im Rahmen zuk\u00fcnftiger Konferenzen an den Verhandlungstisch zu setzen. Die FSA werde sich nicht an Verhandlungen beteiligen, solange die Hisbollah in Syrien aktiv ist, so Salim Idris. Hierdurch wird suggeriert, dass das gr\u00f6\u00dfte Problem in der j\u00fcngsten Eskalation liege und nicht in dem urspr\u00fcnglichen Konflikt mit dem Regime. Das brutale Vorgehen gegen die Zivilbev\u00f6lkerung und die entmutigende Berichterstattung, welche mit Lobeshymnen auf die Assad-Truppen einhergehen, sind reinste psychologische Kriegsf\u00fchrung, darauf ausgelegt die aufrichtigen K\u00e4mpfer zu desillusionieren und bei der Bev\u00f6lkerung Kriegsm\u00fcdigkeit hervorzurufen.<br>Die fl\u00e4chendeckende und einheitliche Berichterstattung wiederum, entlarvt das internationale Komplott gegen die Muslime Syriens. Keine Medienanstalt hielt es f\u00fcr n\u00f6tig ein realistisches Bild der Lage zu zeichnen. Stattdessen wurden die K\u00e4mpfe in Kusair unisono zur Entscheidungsschlacht der Revolution hochstilisiert, zu einer Schicksalsfrage, welche \u00fcber den gesamten Ausgang der Revolution entscheiden w\u00fcrde. An dieser Stelle sei daran erinnert, dass in der Vergangenheit bereits \u00e4hnliche T\u00f6ne angeschlagen wurden, haben die Medien doch bereits die K\u00e4mpfe in Homs im Februar 2012 und in Aleppo im Juli desselben Jahres immer wieder als Entscheidungsschlachten bezeichnet. Inzwischen jedoch scheint das Regime kleinere Br\u00f6tchen backen zu m\u00fcssen, verlegt es mittlerweile seine Entscheidungsschlachten von Metropolen in 30.000 Seelen Orte. Diesen Ort als Z\u00fcnglein an der Waage f\u00fcr die gesamte regionale Dynamik darzustellen, welche unl\u00e4ngst den Nordlibanon und den Westirak ergriffen hat, offenbart den konspirativen Charakter der internationalen Gemeinschaft.<br>Jeder der durch die vermeintliche Schlagkraft der Hisbollah und der \u201ewiedergewonnen St\u00e4rke&#8220; Bashar al-Assads beunruhigt ist, sei daran erinnert, dass der Schwanz nicht mit dem Hund wedelt, sondern immer noch der Hund mit dem Schwanz und ein Hund der sich im Kampf mit echten L\u00f6wen befindet, wird auch von seinem Schwanz nicht gerettet werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Allein die Tatsache, dass die Hisbollah in der Vergangenheit immer auf die Schutzmacht Syrien angewiesen war, offenbart das eigentliche Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis beider Akteure. 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