{"id":9789,"date":"2013-07-19T00:00:00","date_gmt":"2013-07-18T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9789"},"modified":"2013-07-19T00:00:00","modified_gmt":"2013-07-18T22:00:00","slug":"viel-laerm-um-nichts-der-gezi-park","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9789","title":{"rendered":"Viel L\u00e4rm um nichts: der Gezi-Park"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Syrien begeht Bashar al-Assad die schlimmsten Verbrechen gegen das syrische Volk. Der Einsatz von Chemiewaffen stellt hierbei den Gipfel der Menschenrechtsverletzungen gegen die Bev\u00f6lkerung dar, die so genannte &#8222;rote Linie&#8220;, die nicht \u00fcberschritten werden d\u00fcrfe, die Assad jedoch nachweislich l\u00e4ngst durchbrochen hat.<br>Ein Aufschrei der Medien, wie er sonst \u00fcblich ist, blieb aber aus. Der Westen druckst trotz eindeutiger Fakten herum, weil er noch keine weitreichenden politischen Konsequenzen ziehen m\u00f6chte, ohne dass diese Hinhaltetaktik von den Medien als solche angeprangert wird. F\u00fcr Journalisten g\u00e4be es, was den Fall Syrien angeht, also genug zu berichten, ohne in das ber\u00fchmte Sommerloch zu fallen. Trotz dieser ungeheuerlichen politischen Ereignisse fehlt aber die ad\u00e4quate mediale Aufmerksamkeit in Deutschland, die dem Ausma\u00df der Verbrechen des syrischen Diktators auch nur ann\u00e4hernd gerecht wird. Viel lieber widmen sich die deutschen Medien ausgiebig ein paar B\u00e4umen in Istanbul, die einem Bauprojekt zum Opfer fallen sollen.<br>In Anlehnung an den Arabischen Fr\u00fchling hier von einem t\u00fcrkischen Fr\u00fchling zu sprechen, macht aus den Ereignissen in Istanbul mehr als sie tats\u00e4chlich sind. Auch wenn die Demonstranten von Freiheit sprechen und den t\u00fcrkischen Ministerpr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdogan als islamistischen Diktator bezeichnen, stellen ihre Proteste letztendlich nichts anderes dar als Aktionen f\u00fcr den Erhalt eines Parks. Von einer Revolution, wie sie in der arabischen Welt stattgefunden hat, kann hier keine Rede sein. Dies k\u00e4me dem Umstand gleich, die Proteste gegen Stuttgart 21 mit der Franz\u00f6sischen Revolution zu vergleichen und auf eine Stufe zu stellen. Die Ereignisse um den Gezi-Park wurden von Anfang an von den Medien aufgegriffen und aufgebauscht sowie politisch instrumentalisiert, so dass aus der anf\u00e4nglichen M\u00fccke der sprichw\u00f6rtliche Elefant wurde und Erdogan vor einem Problem stand.<br>Die Reaktion Erdogans auf die Proteste und die ergriffenen Ma\u00dfnahmen unterscheiden sich kaum von denen westlicher Staaten auf Demonstranten. So hat die Polizei in Deutschland seinerzeit gegen die Gegner von Stuttgart 21 ebenfalls Wasserwerfer, Tr\u00e4nengas und Schlagst\u00f6cke eingesetzt. Auch die Gegner des G-8-Gipfels erfahren in der Regel die gleiche Behandlung. So wurde im Jahr 2001 ein Gegner des G-8-Gipfels in Genua w\u00e4hrend der Proteste von der Polizei erschossen. Es ist also die \u00fcbliche Vorgehensweise eines demokratischen Staates bei Ausschreitungen wie auf dem Taksim-Platz. Hierbei geht es nicht um die Frage, ob das Vorgehen der t\u00fcrkischen Regierung richtig oder falsch ist, sondern ob sie westlichen Standards widerspricht oder nicht.<br>Der Ruf nach Freiheit wird im Westen nat\u00fcrlich besonders gern geh\u00f6rt \u2013 in diesem Fall in Europa \u2013, wenn er in einem islamischen Land ert\u00f6nt und sich gegen den Islam richtet. Um welche Freiheit geht es den Demonstranten auf dem Taksim-Platz aber? Die Frauen unterliegen weder einem Kopftuchzwang oder einer strengen Kleiderordnung, noch herrscht in der T\u00fcrkei ein Alkoholverbot. Das geplante Verkaufsverbot nach 22 Uhr ist alles andere als ein Alkoholverbot, wie es die deutschen Medien gerne bezeichnen. Gewisse Einschr\u00e4nkungen diesbez\u00fcglich findet man auch in westlichen Staaten wie etwa in den USA, wo das Trinken von Alkohol in der \u00d6ffentlichkeit verboten ist. Am Wochenende wird in manchen Staaten sogar gar kein Alkohol verkauft, ohne dass die USA daf\u00fcr international an den Pranger gestellt werden. In der T\u00fcrkei herrschen diesbez\u00fcglich viel lockerere Gesetze, obwohl es ein islamisches Land ist. Da es sich hier um einen klassischen laizistischen Staat handelt, dessen Gesetzgebung nicht vom Islam bestimmt wird, leben jene, die sich vom Islam abgewandt haben, ein westliches Leben, ohne dass der Staat sich einmischt oder dagegen vorgeht. Der islamische Wirbel, den Erdogan hin und wieder macht, soll lediglich dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass er eigentlich den laizistischen Vorgaben unterliegt. Dar\u00fcber hinaus wurde er auf demokratischem Wege gew\u00e4hlt und hat durchaus gro\u00dfen Zuspruch in der Bev\u00f6lkerung. Seine Tage an der Macht w\u00e4ren gez\u00e4hlt, h\u00e4tte er wirklich vor \u2013 dar\u00fcber wachen die USA \u2013, die Scharia einzuf\u00fchren. Vielmehr ist Erdogan die Garantie f\u00fcr die Nichtpraktizierung des Islam in der T\u00fcrkei. Nur deshalb hat er die Wahlen gewinnen d\u00fcrfen. Es ist also kaum vorstellbar, dass Unterdr\u00fcckung und mangelnde Freiheit die Menschen auf den Taksim-Platz \u2013 nicht zu verwechseln mit dem Tahrir-Platz \u2013 getrieben haben.<br>Die Freiheit als Motiv f\u00fcr die Ausschreitungen erscheint unglaubw\u00fcrdig. In der T\u00fcrkei herrschen nicht die syrischen Zust\u00e4nde einer Diktatur. Sind es also vielleicht doch die B\u00e4ume im Gezi-Park, um die es geht? Angesichts der Proteste und der Ausma\u00dfe, die sie angenommen haben, k\u00f6nnte man meinen, der Gezi-Park sei der einzige Park in ganz Istanbul. Auch ist er von keinem historischen Wert, dessen Erhalt von besonderer Bedeutung f\u00fcr die Geschichte Istanbuls w\u00e4re. Vielmehr hat an seiner Stelle die Top\u00e7u-Kaserne gestanden, deren erstes Geb\u00e4ude bereits 1780 gebaut wurde. In den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts wurde das Gel\u00e4nde dann zu einem Fu\u00dfballstadion umfunktioniert. Erst nachdem das ganze Kasernengeb\u00e4ude 1940 abgerissen wurde, kam dort der Gezi-Park hin, der von dem Franzosen Henri Prost gestaltet wurde und 1951 fertig gestellt war. Das Bauprojekt Erdogans zerst\u00f6rt demnach kein historisches Wahrzeichen Istanbuls, sondern m\u00f6chte ein kulturelles Erbe wieder entstehen lassen, n\u00e4mlich die alte osmanische Kaserne. Geplant ist der originalgetreue Aufbau des Kasernengeb\u00e4udes, das zum Teil als Einkaufszentrum genutzt werden soll. Dieser Plan, dessen Umsetzung nicht mehr sicher ist, macht nicht den Eindruck, als wollte die t\u00fcrkische Regierung die Freiheit ihrer B\u00fcrger beschneiden.<br>Gerne verschweigen die Medien, dass der Gezi-Park einen \u00e4u\u00dferst schlechten Ruf hat. Nachts tummeln sich dort Drogendealer, Prostituierte, Betrunkene und Liebespaare. Vielleicht ist es bei den Gegnern des Bauprojekts gerade die Sorge um den Verlust eines solchen Ortes, der sie auf den Taksim-Platz treibt.<br>Die Medien, die ausgiebig \u00fcber die Ausschreitungen auf dem Taksim-Platz berichtet haben, m\u00f6chten die Ereignisse als Volksaufstand gegen einen Diktator und gegen eine vermeintliche Islamisierung der T\u00fcrkei verstanden wissen, w\u00e4hrend sie die landesweite Revolution in Syrien gegen den Diktator Assad zunehmend als islamistische Verschw\u00f6rung diffamieren. Ihre Berichterstattung kann Krawalle zu einer Revolution aufbauschen, w\u00e4hrend sie die syrischen Widerstandsk\u00e4mpfer zu Terroristen herabsetzt. Der Einsatz f\u00fcr den Erhalt eines unbedeutenden Parks in Istanbul ist den deutschen Medien eher einen Bericht wert als die Massaker in Syrien, die Assad begehen l\u00e4sst, so dass die breite \u00d6ffentlichkeit den v\u00f6llig falschen Eindruck erh\u00e4lt, in Istanbul werde gerade Geschichte geschrieben, w\u00e4hrend in Syrien ein gew\u00f6hnlicher B\u00fcrgerkrieg herrsche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Syrien begeht Bashar al-Assad die schlimmsten Verbrechen gegen das syrische Volk. 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