{"id":9780,"date":"2013-11-04T00:00:00","date_gmt":"2013-11-04T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9780"},"modified":"2013-11-04T00:00:00","modified_gmt":"2013-11-04T00:00:00","slug":"russisch-roulette","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9780","title":{"rendered":"Russisch Roulette"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vladimir Putin ist laut der aktuellen Rangliste des Forbes Magazine noch vor Barack Obama der m\u00e4chtigste Mann der Welt. Das renommierte Blatt begr\u00fcndete seine Entscheidung damit, dass der russische Pr\u00e4sident sich sowohl im Syrienkonflikt, als auch in der Snowden-Aff\u00e4re gegen die Vereinigten Staaten durchgesetzt h\u00e4tte. Im Gegensatz zur \u201elahmen Ente&#8220; Obama vermochte es Putin, seine Macht \u00fcber Russland zu konsolidieren und international an Reputation zu gewinnen.<br>Doch bereits diese Begr\u00fcndung offenbart das eigentliche Terrain des Wirtschaftsblattes, welches sich in aller Regel mit Glanz und Glamour sowie den Kontost\u00e4nden der Superreichen besch\u00e4ftigt. Geblendet von Marmorfassaden und polierten Rolls Royce Limousinen, verkl\u00e4rt es nicht nur Putin zum international bedeutendsten Politiker, sondern z\u00e4hlt selbst Vasallen wie den saudi-arabischen K\u00f6nig mit Platz sieben zu den einflussreichsten Menschen \u00fcberhaupt. Dies, obwohl sich der Tyrann von Riad anders als sein Artgenosse Pinoccio noch nicht einmal die M\u00fche macht, sein Marionettendasein zu kaschieren und selbst in der arabischen Welt eher den Ruf eines unterw\u00fcrfigen K\u00f6ters, als den eines charismatischen Staatsmannes genie\u00dft. Selbstverst\u00e4ndlich geh\u00f6rt der Kremlchef zu den weltweit einflussreichsten Staatsm\u00e4nnern, der sich aber mit seinem narzisstischen Gehabe regelm\u00e4\u00dfig selbst \u00fcberh\u00f6ht. So l\u00e4sst er keine Gelegenheit aus, sich in kitschiger Manier mal mit einer Raubkatze ringend und mal im Kampfanzug auf der Judomatte tobend der Welt\u00f6ffentlichkeit zu pr\u00e4sentieren. Groteske Auftritte dieser Art sind ausschlaggebend, um ein Magazin hinters Licht zu f\u00fchren, in dem das politische Ressorts nur als triviales Intermezzo neben den gewohnten Wirtschaftsthemen erscheint. So verwundert es nicht, dass die Forbes-Redakteure neben zahlreichen anderen Experten und Analysten nicht in der Lage zu sein scheinen, die Wichtigkeit und die politische Substanz eines Putin korrekt einzuordnen. Auch in realpolitischen Angelegenheiten kombiniert der Pr\u00e4sident Russlands seine tats\u00e4chliche Autorit\u00e4t als Staatschef mit intriganter aber dennoch raffinierter Selbstdarstellung.<br>Am 22. Oktober dieses Jahres \u00fcberraschte Vladimir Putin mit seinen Ausf\u00fchrungen \u00fcber die gesellschaftliche Rolle des Islam. \u201eDer Islam wurde zu einem gewichtigen Faktor des gesellschaftspolitischen Lebens und leistete einen unsch\u00e4tzbaren Beitrag zur geistigen und kulturellen Entwicklung unserer Gesellschaft&#8220; und so w\u00fcrdigte Putin den Islam in einer Art und Weise, wie sie aus Moskau selten zu h\u00f6ren ist. Aufgabe der islamischen Organisationen bestehe gem\u00e4\u00df seiner Vorstellung in der \u201eHerbeif\u00fchrung des positiven Bildes des traditionellen Islam als einer wichtigen geistigen Komponente der allrussischen Identit\u00e4t&#8220;. Worte die angesichts der russischen Geschichte ein absolutes Novum darstellen, schlie\u00dflich zeichnete sich bereits das zaristische Russland durch eine ausgepr\u00e4gte Feindseligkeit gegen\u00fcber den Muslimen aus und sah sich selbst stets in der Besch\u00fctzerrolle der Christenheit. Dies \u00e4u\u00dferte sich in einer \u00fcber dreihundertj\u00e4hrigen Feindschaft mit dem osmanischen Kalifat, welche mit kontinuierlichen Scharm\u00fctzeln und elf Kriegen einherging. Allein der von 1877 bis 1879 andauernde \u201eOsmanisch-Russische Krieg&#8220;, dem tausende Muslime zum Opfer fielen, belegt die Bedeutung des Zarenreiches hinsichtlich der erbitterten Bek\u00e4mpfung der islamischen Expansion. So beendete er die 500-j\u00e4hrige osmanische Herrschaft \u00fcber Bulgarien und leitete den milit\u00e4rischen Niedergang des Kalifats ein. Diese tief verwurzelte Aversion \u00fcberstand selbst den Sturz der russischen Monarchie und blieb als einziges Relikt vergangener Zeiten in der sozialistischen Gesellschaft erhalten. So verleibte sich die UDSSR im Jahre 1921 Tschetschenien als sogenannte Sowjetische Gebirgsrepublik ein und erkl\u00e4rte Aserbaidschan, Turkmenistan, Kasachstan, Usbekistan, Kirgisien und Tadschikistan zu Unionsrepubliken, welche sich fortan unter der Herrschaft des kommunistischen Zentralkomitees befanden. Hierauf folgte ein regelrechter Vernichtungsfeldzug gegen den Islam, in dessen Zuge tausende von Moscheen zerst\u00f6rt und hunderttausende Muslime get\u00f6tet wurden. Allein im Jahre 1944 wurden laut den Angaben des verstorbenen Sowjetexperten Theodore Shabads 408.000 Tschetschenen und 92.000 Inguschen auf Veranlassung des sowjetischen Innenministeriums in Viehwaggons nach Zentralasien deportiert. Sch\u00e4tzungen zufolge fielen den Deportationen und Massakern dieser Zeit mindestens 50% der Gesamtpopulation Tschetscheniens zum Opfer. Durch Repressalien dieser Art zielte die Kommunistische Partei v\u00f6llig unverbl\u00fcmt darauf ab, die islamische Identit\u00e4t dieser V\u00f6lker f\u00fcr immer auszurotten. Auch nach dem Zusammenbruch des Sozialismus im Jahre 1989 geh\u00f6rte die Islamfeindlichkeit zur Staatsr\u00e4son des nunmehr kapitalistischen Russlands. Besonders deutlich wurde dies durch die unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig harte Reaktion der russischen F\u00fchrung auf die tschetschenischen Autonomiebestrebungen in den fr\u00fchen 90er Jahren. W\u00e4hrend die separatistische Politik der baltischen Staaten faktisch hingenommen wurde, \u00fcberfielen 1994 russische Truppen die junge Kaukasusrepublik und legten ihre Hauptstadt Grosny in Schutt und Asche. Dieser Aggression fielen bis zum Ende des ersten Tschetschenienkrieges im Jahre 1996 sch\u00e4tzungsweise 80.000 Zivilisten zum Opfer. Nachdem sich allm\u00e4hlich der islamische Widerstand im Kaukasus formierte und er die russischen Besatzer immer \u00f6fter in verlustreiche K\u00e4mpfe verwickelte, begann Vladimir Putin einen vernichtenden Feldzug, in dem international ge\u00e4chtete Brand-, Multisplitter- und Vakuumbomben zum Einsatz kamen. Die Zivilbev\u00f6lkerung Tschetscheniens geriet buchst\u00e4blich unter die Ketten der russischen Panzer und wurde zum zweiten Mal in seiner Geschichte auf die H\u00e4lfte ihrer Anzahl dezimiert. Den aufopferungsvollen Widerstand der Muslime gegen die russischen Aggressoren bezeichnete Putin herabw\u00fcrdigend als Terrorismus und \u201ePest des 21. Jahrhunderts&#8220;. Im Jahre 2007 installierte der Kreml schlie\u00dflich ein Marionettenregime unter der F\u00fchrung Ramsan Kadyrows, dessen Blutdurst bis heute Fl\u00fcchtlinge nach Westeuropa treibt. F\u00fcr Russland war der Feldzug 2009 offiziell beendet, hatte es doch einen h\u00f6rigen Handlanger gefunden, welcher den Krieg gegen den \u201epolitischen Islam&#8220; im Interesse Russlands fortsetzt.<br>In den L\u00e4ndern Zentralasiens ist die regressive Politik gegen den Islam ebenfalls deutlich sp\u00fcrbar. So kann sich der Schl\u00e4chter von Taschkent, Kadirov, auf seinen Gesinnungsgenossen Vladimir Putin stets verlassen. Letzterer spielte durch die Entsendung von Spezialeinheiten bei der Niederschlagung des Aufstandes von Andischan, in dem mehrere tausend Muslime get\u00f6tet wurden, eine aktive Rolle. Auch die j\u00fcngsten \u00c4u\u00dferungen des Vorsitzenden des Ausw\u00e4rtigen Ausschusses der Staatsduma Alexej Puschkow, in denen er vor der Herausbildung eines \u201eZentrums des radikalen Islamismus&#8220; in der Ukraine warnt, machen die Moskauer Geisteshaltung gegen\u00fcber der islamischen Ideologie offenkundig. In diesem Kontext betonten die Medien besonders die starken Aktivit\u00e4ten der politischen Partei Hizb ut Tahrir, die bereits durch ihre T\u00e4tigkeit im Dreil\u00e4ndereck von Kirgisien, Usbekistan und Tadschikistan die russische F\u00fchrung auf den Plan rief und deren Mitglieder samt ihrer Familien gnadenloser Verfolgung ausgesetzt wurden.<br>Der Pr\u00e4sident Russlands hat in der Vergangenheit nie ein Hehl aus seiner Feindseligkeit gegen\u00fcber dem Islam gemacht und warnte bereits im Jahre 2002 den Westen vor der \u201et\u00f6dlichen Gefahr&#8220;, die von ihm ausgehe. Mit dieser \u00c4u\u00dferung offenbarte Putin sein Selbstverst\u00e4ndnis als Verteidiger der abendl\u00e4ndischen Kultur und kn\u00fcpfte damit an die zaristische Tradition Russlands an. Vor diesem Hintergrund kann seine aktuelle Lobpreisung des \u201etraditionellen Islam&#8220; getrost zu seinen inszenierten und kitschigen Auftritten gez\u00e4hlt werden. Anstatt zu warten, bis die Mikrofone abgestellt waren und hinter vorgehaltener Hand zu sagen, was er tats\u00e4chlich im Schilde f\u00fchrt, plauderte Putin unverbl\u00fcmt aus, dass es bei dieser Initiative prim\u00e4r darum gehe, \u201edie Verbreitung destruktiver und extremistischer Literatur zu verhindern&#8220;. Schlie\u00dflich sei das \u201estaatliche Verbot radikalislamischer Literatur [&#8230;] bei weitem nicht immer wirksam&#8220; und so komme den staatlich sanktionierten Islamverb\u00e4nden eine Schl\u00fcsselrolle in der Bek\u00e4mpfung \u201eextremistischer Str\u00f6mungen&#8220; zu. Somit sind Putins vermeintlich positive \u00c4u\u00dferungen nur Teil eines jahrhundertealten Kampfes an dessen Ende die Erben Byzanz am liebsten die Taufe ihrer Kinder in der Hagia Sophia vollziehen w\u00fcrden.<br>All diesen Tatsachen zum Trotz finden sich unter den Muslimen erstaunlicherweise immer noch Menschen, die glauben, dass Russland ihre Interessen gegen\u00fcber den USA verteidigen w\u00fcrde und es f\u00fcr einen wichtigen Verb\u00fcndeten halten. W\u00e4hrend sie voller Stolz ihre Haut in Moskau zu Markte tragen, versuchen sie die Mujahedin Syriens durch ihren an den Haaren herbeigezogenen Vorwurf der Kollaboration mit den USA an den Pranger zu stellen. Doch allen russlandtreuen H\u00f6flingen sei gesagt, dass sie mit ihrer Unterst\u00fctzung Putins Russisch Roulette spielen und sich nach dem Sieg der Muslime garantiert eine Kugel f\u00fcr sie im Lauf befinden wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vladimir Putin ist laut der aktuellen Rangliste des Forbes Magazine noch vor Barack Obama der m\u00e4chtigste Mann der Welt. Das renommierte Blatt begr\u00fcndete seine Entscheidung damit, dass der russische Pr\u00e4sident sich sowohl im Syrienkonflikt, als auch in der Snowden-Aff\u00e4re gegen die Vereinigten Staaten durchgesetzt h\u00e4tte. 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