{"id":9776,"date":"2013-12-07T00:00:00","date_gmt":"2013-12-07T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9776"},"modified":"2013-12-07T00:00:00","modified_gmt":"2013-12-07T00:00:00","slug":"ein-lachendes-und-ein-weinendes-auge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9776","title":{"rendered":"Ein lachendes und ein weinendes Auge"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es sind junge Menschen aus Migrantenfamilien, aber auch deutsche Konvertiten, die in der Moschee oder im Internet durch den Kontakt zu islamistischem Gedankengut radikalisiert werden. Sie schotten sich von ihrem nat\u00fcrlichen Umfeld ab und halten sich streng an islamische Gesetze: kein Schweinefleisch, kein Alkohol, keine Drogen und kein Kontakt zum anderen Geschlecht.<br>Ihre innere \u00dcberzeugung stellen sie bewusst zur Schau, indem sich die jungen M\u00e4nner B\u00e4rte wachsen lassen, sich anders kleiden und selbst vor den Augen ihrer Mitsch\u00fcler oder Arbeitskollegen das Gebet vollrichten. Die radikalsten unter ihnen trainieren ihre Muskeln und tragen martialisch anmutende Kampfwesten in Tarnfarben. Einige von ihnen pflegen enge Kontakte zu international agierenden islamistischen Netzwerken, welche die in der Leistungsgesellschaft gescheiterten M\u00e4nner f\u00fcr ihre Kampfeins\u00e4tze am Hindukusch, in Somalia, \u00c4gypten und derzeit vor allem auch in Syrien rekrutieren. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass die deutsche \u00d6ffentlichkeit von den Medien mit Beschreibungen dieser Art konfrontiert wird. Unter Berufung auf den Verfassungsschutz berichten sie \u00fcber jene Menschen, die sich entschieden haben, diesen Weg zu gehen und erzeugen so eine Atmosph\u00e4re voll Angst und Misstrauen.<br>Insbesondere der j\u00fcngste Fall von Burak Karan hat f\u00fcr viel Aufsehen gesorgt. Der 1987 in Wuppertal geborene Sohn einer t\u00fcrkischen Einwandererfamilie fiel schon in seinen jungen Jahren durch sein fu\u00dfballerisches Talent auf. Nachdem er bei zahlreichen Spitzenvereinen gespielt hat, wurde er im Alter von 17 Jahren in den Kader der deutschen Jugendnationalmannschaft berufen und vertrat in mehreren L\u00e4nderspielen die Bundesrepublik. Schon damals prophezeiten ihm Experten eine \u00e4hnlich eindrucksvolle Profikarriere, wie sie seine Mitspieler Sami Khedira, Dennis Aogo und Kevin-Prince Boateng sp\u00e4ter einschlagen sollten. Burak Karan winkten Millionenvertr\u00e4ge und das Leben eines Stars, dem seine Fans zu F\u00fc\u00dfen liegen w\u00fcrden. Doch im Alter von zwanzig Jahren beendete das gro\u00dfe Talent unerwartet seine Karriere und zog sich aus dem Profifu\u00dfball zur\u00fcck. Seitdem verschwand der inzwischen verheiratete Vater zweier Kinder aus den Schlagzeilen und f\u00fchrte das unauff\u00e4llige Leben eines gew\u00f6hnlichen Menschen.<br>Doch am 11. Oktober 2013 katapultierte eine Meldung aus Syrien Burak Karan in nie dagewesener Weise zur\u00fcck auf die Titelbl\u00e4tter. Der inzwischen Ausgewanderte ist best\u00e4tigten Angaben zufolge bei Kampfhandlungen in der im t\u00fcrkisch-syrischen Grenzgebiet liegenden Stadt Asas ums Leben gekommen. \u00dcber seine Todesumst\u00e4nde liegen bisher widerspr\u00fcchliche Berichte vor. W\u00e4hrend in den meisten Nachrichten die syrische Luftwaffe f\u00fcr seinen Tod verantwortlich gemacht wurde, hei\u00dft es aus Rebellenkreisen Burak habe sich Todesmutig gegen den syrischen Ableger der PKK (YPG) ins Gefecht gest\u00fcrzt und h\u00e4tte hierbei den M\u00e4rtyrertod erlangt. Familienangeh\u00f6rige wiederum betonten, dass Burak bei der Absicherung eines Hilfskonvois durch feindliche Angriffe verstarb. Sieben Monate zuvor sei er gemeinsam mit Frau und Kindern nach Syrien gereist um humanit\u00e4re Hilfe zu leisten und habe sich dabei zum Schutz selbstverst\u00e4ndlich auch bewaffnen m\u00fcssen. \u201eWenn er sich bewaffnet hat, dann um die Transporte zu sch\u00fctzen. Sollte er mit Steinen werfen?&#8220;, so die Erkl\u00e4rung seines Bruders Mustafa.<br>Nachdem die Nachricht von Buraks Ableben durch die Medien ging, zeigten sich seine ehemaligen Weggef\u00e4hrten best\u00fcrzt und dr\u00fcckten der Familie ihr Beileid aus. In einem Kondolenzschreiben auf Twitter bezeichnete ihn Fu\u00dfballstar Boateng als \u201eBruder&#8220; und \u201ewahren Freund&#8220;. Sein ehemaliger Trainer Obmann Manfred Werner nannte ihn \u201eeinen sehr angenehmen, vern\u00fcnftigen Jungen&#8220;, \u00fcber den \u201e\u00fcberhaupt nichts Negatives&#8220; gesagt werden k\u00f6nne. Aussagen, die so gar nicht in das \u00fcbliche Bild eines \u201ein der Leistungsgesellschaft gescheiterten&#8220; und \u201edesillusionierten&#8220; jungen Mannes, der von \u201eradikalen Predigern&#8220; verf\u00fchrt wurde, passen. Auch der von den Medien immer wieder ins Feld gef\u00fchrte radikale Gesinnungs- und damit einhergehende Lebenswandel l\u00e4sst sich gerade in dem Fall Burak Karans nicht aufrechterhalten. Dies belegen die Erinnerungen eines weiteren seiner ehemaligen Trainer: \u201eBurak war schon sehr religi\u00f6s, betete f\u00fcnfmal am Tag gen Mekka und hielt sich an die Fastenzeit. Wenn wir im Trainingslager oder auf Fahrten waren, zog er sich zum Beten zur\u00fcck. Aber er war auch ein lebenslustiger Typ, mit dem man Spa\u00df haben konnte&#8220;, so Marcus Olm. Entgegen der medialen Darstellung eines fanatisierten Kriegers war Burak den Beschreibungen seiner Familie, Freunde und Weggef\u00e4hrten nach ein frommer, aufrichtiger und vern\u00fcnftiger junger Mann. Es sind gerade diese Charaktereigenschaften, die seine Sinne f\u00fcr die Ungerechtigkeit in Syrien gesch\u00e4rft haben. Seine ausgepr\u00e4gte Empathie und sein starkes Verantwortungsbewusstsein der leidenden Bev\u00f6lkerung Syriens gegen\u00fcber erzeugten in ihm ein Pflichtgef\u00fchl, den Notleidenden zur Hilfe eilen zu m\u00fcssen, ganz gleich ob letzteres nun in humanit\u00e4rer oder k\u00e4mpferischer Form geschehen ist. Diese besonderen Wesensz\u00fcge sind ebenfalls kennzeichnend f\u00fcr die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit f\u00fcr die bis zu 200 von Deutschland nach Syrien ausgewanderte Muslime. Denn obwohl die von Medien und dem Verfassungsschutz herabw\u00fcrdigend als Gef\u00e4hrder bezeichneten Auswanderer zwar nicht exakt denselben Werdegang wie Burak durchlebten, genossen sie in der Bundesrepublik nichts desto trotz finanzielle und existenzielle Sicherheit. Es handelt sich entgegen aller Darstellungen also nicht um Menschen ohne Perspektive und Lebensmut, sondern um willensstarke Pers\u00f6nlichkeiten, die bereit sind, f\u00fcr ihre Ideale ihr Leben zu opfern; Ideale, die \u2013 w\u00e4ren sie den K\u00f6pfen eines Kants, Hegels oder Voltaires entsprungen \u2013 Ruhm und Ehre f\u00fcr die K\u00e4mpfer nach sich ziehen w\u00fcrden.<br>Da es sich bei Burak jedoch um einen Menschen mit islamischer \u00dcberzeugung handelt, wird er nicht wie Prince Harry mit Lorbeerkr\u00e4nzen und Tapferkeitsmedaillen \u00fcbersch\u00fcttet. Letzterer wurde mit seiner Pastiche von Richard L\u00f6wenherz in der britischen Medienlandschaft gar zum Gesicht des \u201eKriegs gegen den Terror&#8220;. Keine einzige Zeitung bezeichnete ihn wegen seines freiwilligen Afghanistan-Einsatzes als totalen Versager, der des Lebens \u00fcberdr\u00fcssig gewesen und an der Leistungsgesellschaft gescheitert w\u00e4re. Ebenso werden am Hindukusch get\u00f6tete Bundeswehrsoldaten hierzulande nicht etwa als fanatisierte Opfer eines sinnlosen Krieges betrachtet. Viel mehr werden die bei ihren Todesmessen gehaltenen Reden der Bundeskanzlerin live im ganzen Land ausgestrahlt, um keinen Zweifel dar\u00fcber aufkommen zu lassen, dass sie im Dienst des Vaterlandes und der westlichen Werte und daher keineswegs umsonst ihr Leben gelassen h\u00e4tten.<br>Die hier offenkundig ambivalente Beurteilung freiwilliger Kampfeins\u00e4tze offenbart, dass sich die substantielle \u00c4quivalenz beider Handlungen angesichts der ideologischen Differenzen v\u00f6llig aufl\u00f6st. Weder ist das Risiko des Kampfeinsatzes entscheidend, noch das aufgebrachte Opfer, auch wenn es darin best\u00fcnde, ein Leben in Saus und Braus hinter sich zu lassen. Einzig und allein die zugrunde liegende Motivation entscheidet dar\u00fcber, ob die betroffenen Personen zu Helden hochstilisiert oder als Terroristen stigmatisiert werden. Selbst das so oft suggerierte Argument, nur regul\u00e4re Truppen bes\u00e4\u00dfen eine Kampfberechtigung, scheint im Syrienkonflikt seitens der westlichen Journaille nur einseitig Erw\u00e4hnung zu finden. Denn w\u00e4hrend die Unterst\u00fctzer der Hisbollah und der PKK von Staat und Medien v\u00f6llig unbehelligt logistische, materielle und personelle Beihilfe leisten k\u00f6nnen, werden die Unterst\u00fctzer der islamischen Revolution auf Schritt und Tritt verfolgt und \u00f6ffentlich diskreditiert.<br>Selbst nach dem Ableben jener Unterst\u00fctzer werden diese ideologischen Differenzen deutlich. Denn anstatt sich mit ihrem Tod zu begn\u00fcgen, tanzen Politik, Verfassungsschutz und Medien schadenfroh auf den Gr\u00e4bern der Betroffenen herum. W\u00e4hrend ihre trauernden Familienangeh\u00f6rigen von hiesigen Nachrichtendiensten heimgesucht werden, muss sich das gesamte soziale Umfeld der Verstorbenen eine Flut von Bespitzelungen und Einsch\u00fcchterungen gefallen lassen. In den Kommentarspalten selbst renommierter Online-Plattformen wie dem Spiegel- oder dem Focus-Forum lassen die Administratoren durch ihre Erlaubnis den Obsz\u00f6nit\u00e4ten und dem abgrundtiefen Hass ihrer gesch\u00e4tzten Leserschaft gegen\u00fcber Menschen wie Burak freien Lauf; Kommentare dieser Art, w\u00e4ren sie gegen einen get\u00f6teten Bundeswehrsoldaten gerichtet, harte Konsequenzen nach sich ziehen w\u00fcrden.<br>Burak Karan zog mit seiner Frau und seinen zwei Kindern nach Syrien aus, um seinen Geschwistern in ihrem Kampf gegen einen ungerechten Tyrannen beiseite zu stehen. W\u00e4hrend in der Umgebung Millionen Soldaten mit ihren polierten Stiefeln Truppenparaden abhalten, um danach brav in ihre Kasernen zur\u00fcckmarschieren, musste Burak mit ansehen, wie das Blut unschuldiger Muslime tausendfach vergossen wurde. Deshalb sah er sich gezwungen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und auf eigene Faust mit bescheidenen Mitteln seinen Beitrag zu leisten. Die Geschichte Buraks sollte mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachtet werden. So sehr sein Heldenmut die Ummah auch ehrt, so besch\u00e4mend ist die Tatsache, dass sie seinem Anspruch als K\u00e4mpfer nicht gerecht geworden ist. Menschen seines Formats verdienen es, in der Armee des islamischen Staates zu dienen, in deren Reihe er die Muslime gut ausger\u00fcstet und ausgebildet effektiv verteidigen k\u00f6nnte. Als Teil der islamischen Armee h\u00e4tten die Menschen, welche jetzt noch als Radikale beschimpft werden, sogar die Aussicht, in die Fu\u00dfstapfen eines Tariq bin Ziyad oder Muhammad al-Fatih zu treten und auch nichtmuslimische V\u00f6lker von der Tyrannei zu befreien, um ihnen ein Leben in W\u00fcrde zu erm\u00f6glichen. Die Hinterbliebenen der M\u00e4rtyrer k\u00f6nnten erhobenen Hauptes ihre H\u00e4user verlassen, ohne der widerw\u00e4rtigen Schikane westlicher Medien, sogenannter Sicherheitsorgane und der Politik ausgeliefert zu sein. Die Muslime sollten sich mit all ihrer Kraft f\u00fcr die Errichtung des Kalifats einsetzen, auf dass solch gro\u00dfartige Menschen wie Burak Karan und ihre Familien nicht auf sich alleine gestellt sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es sind junge Menschen aus Migrantenfamilien, aber auch deutsche Konvertiten, die in der Moschee oder im Internet durch den Kontakt zu islamistischem Gedankengut radikalisiert werden. 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