{"id":9773,"date":"2014-02-01T00:00:00","date_gmt":"2014-02-01T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9773"},"modified":"2014-02-01T00:00:00","modified_gmt":"2014-02-01T00:00:00","slug":"mein-kampf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9773","title":{"rendered":"Mein Kampf"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sicherlich, Eingest\u00e4ndnisse sind eine hohes Gut, vor allem dann wenn sie Reue und Besserung nach sich ziehen. Doch welchen Wert hat ein ungewolltes Eingest\u00e4ndnis, dass nichts weiter als ein argumentativer Kollateralschaden ist und unangenehme Fragen aufwirft? Einen wahren Leckerbissen dieser Art bot der Nachrichtensender n-tv seinen Zuschauern, als er die Dokumentation mit dem Titel \u201eBesucher aus dem All: Die geheimen Notfallpl\u00e4ne&#8220; ausstrahlte und sich damit als gl\u00fchender Verfechter asymmetrischer Kriegsf\u00fchrung pr\u00e4sentierte.<br>In der 80-min\u00fctigen Sendung, die von National Geographics produziert wurde, droht der Erde die Kolonialisierung und Ausbeutung durch eine extraterrestrische Zivilisation. Mit einem \u00fcberm\u00e4chtigen Aufgebot von Raumschiffen starten die Invasoren einen globalen Angriff auf alle Metropolen, Industriegebiete und milit\u00e4rischen Einrichtungen. Der US-Pr\u00e4sident ruft die Menschheit angesichts der fremden Bedrohung zu Geschlossenheit auf und aktiviert milit\u00e4rische Notfallpl\u00e4ne. Das gesamte Aufgebot von konventionellen Luft-, See- und Landstreitkr\u00e4ften erh\u00e4lt den Befehl, die Heimat vor den Aggressoren zu verteidigen. Doch die \u201eShock and Awe&#8220;-Taktik der Angreifer scheint Wirkung zu zeigen. Neben der allgemeinen Zerst\u00f6rung sind insbesondere die Kommando- und Kommunikationsstrukturen empfindlich getroffen worden und so ger\u00e4t der koordinierte Gegenschlag zu einem verlustreichen Desaster. Versprengte Einheiten, die trotz der un\u00fcbersichtlichen Lage den Feind unter Beschuss nehmen, scheitern kl\u00e4glich an der \u00fcberlegenen Technologie der intergalaktischen Eroberer. Nachdem die Milit\u00e4rs zunehmend zu der Erkenntnis gelangt sind, dass dem Angriff mit konventionellen Mitteln nicht beizukommen ist, empfehlen sie dem US-Pr\u00e4sidenten den Einsatz von Nuklearwaffen, in der Hoffnung die Raumschiffe zu vernichten, welche direkt \u00fcber dem Stadtzentrum von Washington DC und allen anderen Hauptst\u00e4dten der Welt in Stellung gegangen sind. Da sich die Bev\u00f6lkerung jedoch nach wie vor in besagten St\u00e4dten aufh\u00e4lt, w\u00fcrde der Atomeinsatz Millionen Menschen das Leben kosten. Nach kurzem Z\u00f6gern entschlie\u00dft sich der F\u00fchrer der freien Welt dennoch den Angriffsbefehl zu erteilen und einen Teil des Volkes f\u00fcr ein h\u00f6heres Ziel zu opfern. Es geh\u00f6re zum Selbstverst\u00e4ndnis einer jeden Nation, dass in entsprechenden Situationen auch solch radikale Ma\u00dfnahmen zum Erhalt der eigenen Kultur angebracht seien und so war der Atomschlag nicht mehr abzuwenden. Kurz darauf wurde das sich \u00fcber Washington befindliche Raumschiff von acht Gefechtsk\u00f6pfen mit einer Sprengkraft von mehreren Megatonnen TNT getroffen. Die gewaltige Explosion, welche die US-amerikanische Hauptstadt samt Einwohnern binnen weniger Sekunden ausl\u00f6schte, zeigte beim Kriegsger\u00e4t der feindlichen Invasoren jedoch keinerlei Wirkung.<br>An dieser Stelle wird in der Dokumentation die zentrale Frage aufgeworfen, wie einer technologisch weit \u00fcberlegenen Invasionsarmee zu begegnen sei und welche Strategien sich der Widerstand zu Eigen machen m\u00fcsse, um \u00fcberhaupt Aussicht auf Erfolg zu haben. Die Antwort darauf lieferten renommierte Milit\u00e4rstrategen der US-Army, indem sie den Zuschauer in bereits existierende Gefechtspl\u00e4ne f\u00fcr den Fall einer feindlichen Invasion einweihten. Zun\u00e4chst m\u00fcssten alle Truppen einen taktischen R\u00fcckzug antreten, um der \u00fcberlegenen Feuerkraft des Gegners zu entkommen. Regul\u00e4re Streitkr\u00e4fte m\u00fcssten ihre Formationen aufl\u00f6sen, sich unter die \u00fcberlebende Zivilbev\u00f6lkerung mischen und sich mit ihnen in unwegsame Gebiete zur\u00fcckziehen. Nur so k\u00f6nne der Verlust von ausgebildeten Milit\u00e4rs zerstreut werden. In den W\u00e4ldern und Gebirgen m\u00fcsse nun der Aufbau einer geschlechts- und alters\u00fcbergreifenden Widerstandsbewegung begonnen werden. Besonders betont der Dokumentarfilm hier die Rolle der Frau, welche darin bestehe, viele Kinder zu geb\u00e4ren, um die eigene Kampfkraft langfristig aufrechtzuerhalten. Den Frauen m\u00fcssten zum Zwecke einer m\u00f6glichst hohen Geburtenrate selbst Hormonpr\u00e4parate verabreicht werden. Bemerkenswert ist zudem die Tatsache, dass die US-Spezialisten in diesem Kontext wie selbstverst\u00e4ndlich eine \u201eWehrpflicht&#8220; mit 14 Jahren f\u00fcr angemessen halten. In provisorischen Ausbildungslagern w\u00fcrden dann alle kampff\u00e4higen Personen in klassischen Guerillataktiken ausgebildet. Neben dem Umgang mit Schusswaffen seien insbesondere die Herstellung und das Legen von Sprengfallen, sowie die Durchf\u00fchrung von \u00fcberfallartigen Partisanenangriffen von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung. In riskanten Operationen m\u00fcssten darauf die Schwachpunkte der feindlichen Armee ausgemacht werden, um bei k\u00fcnftigen Angriffen maximale Zerst\u00f6rung erzielen zu k\u00f6nnen. Hier erreicht die Dramaturgie der Dokumentation ihren Scheitelpunkt und es keimt erste Hoffnung auf, die anfangs sicher geglaubte Apokalypse abwenden zu k\u00f6nnen. Hochmotivierte Guerillas erkennen durch zahlreiche Operationen die Achillesferse der interstellaren Besatzer, welche darin besteht, dass ihre Technologie lediglich regul\u00e4res Kriegsger\u00e4t erkennen und vernichten kann. N\u00e4hern sich den Invasoren hingegen Lebewesen, schlagen ihre Verteidigungssysteme kein Alarm und gehen nicht in den Angriff \u00fcber. Was der Zuschauer durch diese Erkenntnis von n-tv serviert bekommt, ist das unverhoffte Eingest\u00e4ndnis, dass unter diesen Vorrausetzungen mit Sprengstoff beladene Freiwillige das einzig effektive Mittel sind und dass das Schicksal der eigenen Zivilisation von der Opferbereitschaft heroischer K\u00e4mpfer abh\u00e4ngt. Daraufhin folgen melodramatische Szenen, in denen sich die gefeierten Helden von ihren Freunden und Angeh\u00f6rigen verabschieden und todesmutig auf ihre Himmelfahrtskommandos begeben. Gebannt verfolgt die Menschheit voller Hoffnung die Operationen, von denen es f\u00fcr die K\u00e4mpfer keine R\u00fcckkehr mehr geben wird. Nach einem Moment der Stille ereignen sich heftige Explosionen am Himmel und zerst\u00f6ren die feindlichen Raumschiffe, welche begleitet von Jubel und Freudent\u00e4nzen der Menschen auf die Erde st\u00fcrzen. Nachdem die Invasoren immer \u00f6fter Verluste dieser Art hinnehmen mussten, entschlie\u00dfen sie sich angesichts der Unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit der eigenen Opfer, gemessen an den Kriegszielen, ihre Mission abzubrechen und den R\u00fcckzug anzutreten.<br>Wer angesichts dieses Dokumentarfilmes ein D\u00e9j\u00e0-vu zu haben glaubt und sich fragt warum ihm die erz\u00e4hlte Geschichte so bekannt vorkommt, der muss sich lediglich bis zu den n\u00e4chsten Nachrichten von n-tv gedulden, um des R\u00e4tsels L\u00f6sung zu erfahren. Hier k\u00f6nnte er n\u00e4mlich von \u201efeigen&#8220; Selbstmordanschl\u00e4gen in Kunduz auf die Bundeswehr oder die US-Streitkr\u00e4fte erfahren und sich fragen, warum der noch bis vor wenigen Minuten gepriesene Modus Operandi pl\u00f6tzlich als Innenbegriff von Irrationalit\u00e4t, Fanatismus und Terror dargestellt wird. Die Parallelen zwischen dem Film und der Realit\u00e4t Afghanistans, des Irak und anderer besetzter L\u00e4nder machen die Dokumentation im Grunde v\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssig. Schlie\u00dflich wurden besagte L\u00e4nder ebenfalls von einer \u00fcberm\u00e4chtigen Armee einer fremden Zivilisation heimgesucht und zun\u00e4chst mit der sogenannten \u201eShock-and-Awe&#8220;-Taktik in die Steinzeit zur\u00fcckgebombt. Hierauf folgte eine Invasion mit allerlei Kriegsger\u00e4t, dessen Feuerkraft die milit\u00e4rischen Kapazit\u00e4ten der angegriffenen L\u00e4nder um ein vielfaches \u00fcberstieg. Anstatt sich auf eine direkte Konfrontation auf dem Schlachtfeld einzulassen, die in einem einseitigen Gemetzel geendet w\u00e4re, gingen die einheimischen K\u00e4mpfer aus der Schusslinie und zogen sich in unwegsame und d\u00fcnn besiedelte Gebiete zur\u00fcck. Dort organisierten sie den Widerstand und schulten ihre Soldaten in besagten Guerilla-Taktiken, durch welche sie den Besatzern seit nunmehr zehn Jahren empfindliche Verluste zuf\u00fcgen. Auch sie folgen der einfachen Formel, den Kriegsaufwand der Besatzer durch ihre Anschl\u00e4ge als nicht mehr lohnenswert erscheinen zu lassen und machen laut den Ausf\u00fchrungen der hier zitierten Milit\u00e4rexperten somit alles richtig.<br>Dass n-tv in seiner Dokumentation \u201eSelbstmordattentate&#8220; als Wunderwaffe der asymmetrischen Kriegsf\u00fchrung r\u00fchmt, diese im Falle der Mujahedin jedoch zur menschenverachtenden Barbarei erkl\u00e4rt, ist nichts weiter als der Ausdruck eines kulturellen \u00dcberlegenheitswahns, der aus Goebbels Feder h\u00e4tte stammen k\u00f6nnen. Die Losung \u201e\u201aMein Kampf&#8216; ist heilig und jeder Gefallene ein M\u00e4rtyrer, \u201aDein Kampf&#8216; ist unmoralisch und jeder Verblichene eine Bestie&#8220; ist die eigentliche Erkenntnis, durch die sich die Doppelz\u00fcngigkeit des Nachrichtensenders erkl\u00e4ren l\u00e4sst. Angesichts der deutschen Geschichte sollte dies allerdings nicht verwundern, werden in der Bundesrepublik doch gewisse \u201eSelbstmordattent\u00e4ter&#8220; und \u201eTerroristen&#8220; allseits gesch\u00e4tzt und gar als Volkshelden verehrt. So wurde Freiherr von Gersdorff, welcher am 21.03.1943 ein Selbstmordattentat auf den demokratisch gew\u00e4hlten Reichskanzler Adolf Hitler plante, in der BRD mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Auch der deutschen liebster Widerstandsk\u00e4mpfer Carl Schenk Graf von Stauffenberg, der zumindest Zeitweise erwog, sich mit einem Sprengsatz in Gegenwart seines F\u00fchrers selbst in die Luft zu sprengen, wird in einem regelrechten M\u00e4rtyrerkult von Gesinnungsgenossen wie der Bundeskanzlerin geehrt. Dass es sich dabei nicht etwa um eine strafbare Verherrlichung von Terrorismus handelt, liegt auch hier an der ideologischen Artverwandschaft des T\u00e4ters und seiner Verehrer, schlie\u00dflich lie\u00df Stauffenberg durch seine letzten Worte \u201eEs lebe das heilige Deutschland&#8220; keinen Zweifel an seiner national-ideologisch und somit aufgekl\u00e4rten Einstellung.<br>Abschlie\u00dfend sollte der, wenn auch ungewollte Dienst von n-tv nicht unerw\u00e4hnt bleiben. Es ist die Diskrepanz zwischen diesem Dokumentarfilm und der darauffolgenden Berichterstattung, welche den Muslimen zu verstehen gibt, dass es in erster Linie nicht um die gew\u00e4hlten Mittel der milit\u00e4rischen Auseinandersetzung, sondern viel mehr um die ihr zugrunde liegende Motivation geht. W\u00e4hrend der kapitalistischen G\u00f6tze Menschenopfer dargebracht werden m\u00fcssen, existieren f\u00fcr ihre Feinde oktroyierte moralische Fesseln, die nicht einmal durch den Einsatz von Uranmunition zerst\u00f6rt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sicherlich, Eingest\u00e4ndnisse sind eine hohes Gut, vor allem dann wenn sie Reue und Besserung nach sich ziehen. 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