{"id":9763,"date":"2014-05-16T00:00:00","date_gmt":"2014-05-15T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9763"},"modified":"2014-05-16T00:00:00","modified_gmt":"2014-05-15T22:00:00","slug":"die-kapitalistische-luege-demokratie-versus-islamismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9763","title":{"rendered":"Die kapitalistische L\u00fcge: Demokratie versus &#8222;Islamismus&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Offiziell steht der Westen f\u00fcr demokratische Werte, und die \u00d6ffentlichkeit zweifelt kaum daran, dass sich westliche Staaten innen- wie au\u00dfenpolitisch strikt an diesen Werten orientieren. So einfach dieses Prinzip auf den ersten Blick erscheint, so inkonsequent sieht die politische Praxis bez\u00fcglicher dieser Werte jedoch aus, ohne dass die \u00d6ffentlichkeit die Widerspr\u00fcche darin erkennt oder erkennen will, obwohl sie so offensichtlich sind.<br>Diese Widerspr\u00fcche liegen im eigentlichen Grundsatz westlicher Politik begr\u00fcndet: Jede Alternative zum Islam und den sogenannten &#8222;Islamisten&#8220; muss forciert werden, mag sie dem Prinzip von Demokratie und Freiheit noch so widersprechen. Denn die Demokratie ist nur eine Begleiterscheinung des Kapitalismus, der Triebfeder westlicher Politik, die den Profit in den Mittelpunkt des politischen Handelns r\u00fcckt. Der kapitalistische Westen muss sich gegen den Islam durchsetzen, weil er sonst seinen Einfluss in den ressourcenreichen und strategisch wichtigen Regionen der Welt verliert. F\u00fcr seine kapitalistischen Motive verkauft er seine demokratische Seele.<br>Die Komplizenschaft von Politik und Medien hat dazu gef\u00fchrt, dass selbst der klassische Diktator zu einer vertretbaren Option werden konnte, sofern er die Altnative zu den &#8222;Islamisten&#8220; darstellt. So blieb der zu erwartende \u00f6ffentliche Aufschrei im demokratischen Westen aus, als die falschen &#8222;Freunde Syriens&#8220; die Mitbeteiligung des syrischen Diktators Bashar al-Assad an einer \u00dcbergangsregierung f\u00fcr alternativlos erkl\u00e4rten. Die USA machten sich nicht einmal die M\u00fche, Bashar al-Assad ein demokratisches Kost\u00fcm \u00fcberzuziehen. Dies w\u00e4re angesichts seiner \u00f6ffentlich gewordenen Gr\u00e4ueltaten ohnehin nicht m\u00f6glich. Solange er ihren politischen Einfluss in der Region garantiert, darf er Bomben auf das Prinzip von Demokratie und Freiheit abwerfen.<br>Warum sich der Iran von Anfang an auf die Seite Bashar al-Assads schlug und ihn aktiv in seinen Kriegsverbrechen gegen das syrische Volk unterst\u00fctzte, wenngleich er noch nicht einmal den islamischen Glauben tr\u00e4gt, sollte ebenfalls Fragen aufwerfen. Damit befand sich der Iran auf der gleichen politischen Linie wie die USA, und zwar lange vor dem Atomabkommen zwischen beiden Staaten. Diese Tatsache l\u00e4sst bestimmte R\u00fcckschl\u00fcsse zu, dass n\u00e4mlich schon seit Jahren ein Einvernehmen zwischen den USA und dem Iran besteht, offiziell aber das Bild des radikalen Iran gezeichnet wurde, der Israel vernichten will, um die Grenze zwischen dem fingierten demokratischen Guten und dem islamischen B\u00f6sen nicht zu verwischen.<br>2009 hatten die USA nach den iranischen Pr\u00e4sidentschaftswahlen, aus denen Mahmud Ahmadinedschad als Sieger hervorging, bewiesen, dass sie gar kein Interesse an einem F\u00fchrungswechsel im Iran hatten, obwohl Ahmadinedschad immer als radikaler &#8222;Islamist&#8220; galt, der offiziell in Feindschaft zu den USA stand. Die Wahlen wurden von heftigen Protesten und Demonstrationen begleitet, in denen die Menschen Demokratie und Freiheit forderten. Dennoch unternahmen die USA nichts, um Ahmadinedschads Herausforderer Mir-Hussein Mussawi zu unterst\u00fctzen. Vielmehr kommentierte Barack Obama den Wahlausgang seinerzeit damit, dass die Unterschiede zwischen Ahmadinedschad und Mussawi nicht so gro\u00df seien wie vielfach angenommen. Was er aber eigentlich damit sagen wollte, war, dass die USA kein Interesse an einem Machtwechsel im Iran hatten, weil der Iran unter Ahmadinedschad inoffiziell mit ihnen kooperierte.<br>Waren es nicht auch die USA, die Osama bin Laden und die Mudschahidin in Afghanistan in ihrem Kampf gegen die Sowjetunion ausgebildet und finanziert hatten? Damals waren es nicht &#8222;Islamisten&#8220;, sondern gefeierte Freiheitsk\u00e4mpfer. Inzwischen sind diese ehemaligen Freiheitsk\u00e4mpfer die gr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr die freiheitlich-demokratische Welt.<br>Paradox ist auch die Haltung des Westens zu der politischen Situation in \u00c4gypten, hatte man doch den demokratisch gew\u00e4hlten Muhammad Mursi durch einen Milit\u00e4rputsch, wie er im Buche steht, gest\u00fcrzt und ins Gef\u00e4ngnis geworfen. Seine Anh\u00e4nger sind der Verfolgung, Folter und Ermordung ausgesetzt. \u00c4gypten ist damit zur klassischen Milit\u00e4rdiktatur geworden, ohne dass der Westen diese politische Entwicklung kritisiert oder gar Drohungen ausgesprochen h\u00e4tte, um den demokratisch gew\u00e4hlten Mursi wieder freizubekommen. Anstelle des Protestes kam von westlicher Seite die Begr\u00fcndung, dass die islamische Welt noch nicht reif sei f\u00fcr die Demokratie. Zudem sch\u00fcrten die Medien die Angst vor den &#8222;Islamisten&#8220;, die in \u00c4gypten die unsichere politische Lage ausgenutzt und Armee und Polizei angegriffen h\u00e4tten.<br>Der Grund f\u00fcr die Haltung des demokratischen Westens zur Milit\u00e4rdiktatur in \u00c4gypten liegt klar auf der Hand: Diese braucht keine R\u00fccksicht auf demokratische Werte zu nehmen und kann mit aller H\u00e4rte gegen die Muslime vorgehen, um den Islam, der im Vormarsch ist, zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. Mursi w\u00e4re dazu nicht geeignet gewesen, und so musste er einen undemokratischen Abgang von der politischen B\u00fchne machen und den Platz f\u00fcr eine Milit\u00e4rdiktatur r\u00e4umen. Daher verwundert es nicht, dass Armeechef Abdel Fattah al-Sisi, der in \u00c4gypten die Z\u00fcgel in H\u00e4nden h\u00e4lt, nicht nur gute Verbindungen zur F\u00fchrung der US-Armee hat, sondern auch zum Pentagon.<br>Wie unreflektiert die Medien das politische Geschehen wiedergeben und die \u00d6ffentlichkeit die Berichterstattung aufnimmt, zeigt sich auch am Beispiel Saudi-Arabiens. K\u00fcrzlich wurde dar\u00fcber berichtet, dass \u00c4gypten mit mehreren Milliarden Dollar von Saudi-Arabien unterst\u00fctzt werde. Entweder wurde die Absurdit\u00e4t saudischer Finanzspritzen an \u00c4gypten bewusst ignoriert, oder niemandem ist das Widerspr\u00fcchliche darin aufgefallen, was noch viel schlimmer w\u00e4re. Warum sollte Saudi-Arabien, ein Land, das aus offizieller westlicher Sicht die Scharia umsetzt und vom Westen immer wieder beschuldigt wird, al-Qaida, Salafisten und &#8222;Islamisten&#8220; finanziell zu unterst\u00fctzen, gleichzeitig \u00c4gypten mehrere Milliarden Dollar zukommen lassen, nachdem das \u00e4gyptische Milit\u00e4r Mursi gest\u00fcrzt hat, eine Hetzjagd gegen Muslime betreibt und sich zur Trennung von Politik und Religion bekennt? Die Finanzhilfe macht nur Sinn, wenn Saudi-Arabien sich in die Schlange jener L\u00e4nder in der islamischen Welt einreiht, die als westliches Bollwerk gegen den Islam fungieren.<br>Diese Beispiele belegen zweierlei: zum einen, dass den kapitalistischen Staaten im Westen hinter ihrem demokratischen Vorhang jedes Mittel recht ist, um ihre Interessen in der Welt durchzusetzen. Zum anderen wird deutlich, dass die &#8222;islamistische&#8220; Welt eine Erfindung des Westens ist, um ein Bild von guter Demokratie auf der einen und gef\u00e4hrlichem &#8222;Islamismus&#8220; auf der anderen Seite zu zeichnen, um hinter dieser Fassade auf gewissenlose Weise kapitalistisch agieren zu k\u00f6nnen. Anders ausgedr\u00fcckt, pfeift der Westen auf Demokratie und Freiheit, wenn es darum geht, wirtschaftlichen und politischen Einfluss in der Welt zu gewinnen, diesen aufrechtzuerhalten und auszuweiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder stellt man fest, dass die breite \u00d6ffentlichkeit im Westen das politische Geschehen in der Welt unreflektiert \u00fcber die Medien aufnimmt. Der intellektuelle Durchschnitt \u2013 westliche Journalisten inbegriffen \u2013 hat kein Interesse an politischen Hintergr\u00fcnden und an der politischen Wahrheit. Vielmehr gibt man sich mit der Schwarz-Wei\u00df-Malerei zufrieden, die westliche Staaten, allen voran die USA, betreiben. Es ist schlichtweg bequem, von einer Welt auszugehen, die sich in gut und b\u00f6se unterteilt und in welcher der globale B\u00f6sewicht klar definiert ist.<\/p>\n","protected":false},"author":20,"featured_media":1838,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[25],"tags":[606,1348,1716],"class_list":["post-9763","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ausland","tag-demokratie","tag-islamismus","tag-medien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9763","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/20"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9763"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9763\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1838"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9763"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9763"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9763"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}