{"id":9732,"date":"2012-10-13T00:00:00","date_gmt":"2012-10-12T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9732"},"modified":"2012-10-13T00:00:00","modified_gmt":"2012-10-12T22:00:00","slug":"der-irak-und-das-scheinkalifat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9732","title":{"rendered":"Der Irak und das Scheinkalifat"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Kalifat war f\u00fcr die Muslime von 622 bis 1924 n. Chr. Realit\u00e4t. Sie kannten f\u00fcr sich selbst keine andere Staatsform und zogen es auch nicht in Erw\u00e4gung, den islamischen Staat abzuschaffen und durch eine andere Staatsform zu ersetzen. Dieser Gedanke w\u00e4re f\u00fcr sie genauso abwegig gewesen wie die Frage nach der Abschaffung des Gebets oder des Fastens.<br>Die Abschaffung des Kalifats basierte daher nicht auf dem Mehrheitswillen der Umma, sondern ist als Zerst\u00f6rung durch wenige zu werten, die von den europ\u00e4ischen Kolonialm\u00e4chten zu diesem Zweck auf dem politischen Schachbrett positioniert wurden \u2013 an ihrer Spitze Mustafa Kemal. Deshalb versetzte das Ende des Kalifats die Umma in einen Schockzustand und zog ihr im wahrsten Sinne den islamischen Boden unter den F\u00fc\u00dfen weg.<br>Mit der Zeit gew\u00f6hnten sich die Muslime an ihren desolaten Zustand, wobei ihnen die Ursache ihrer Misere nicht mehr bewusst war. Die Abwesenheit des Kalifats wurde zur Realit\u00e4t der Muslime, und so verga\u00dfen sie das Kalifat als alternativlose islamische Staatsform. Dazu trugen auch die Kolonialm\u00e4chte tatkr\u00e4ftig bei, deren Ziel es war, nicht nur den islamischen Staat zu vernichten, sondern auch alle Daten dar\u00fcber von der Festplatte der Muslime dauerhaft zu l\u00f6schen. Die blo\u00dfe Idee vom Kalifat sollte aus dem islamischen Ged\u00e4chtnis verschwinden.<br>Allerdings \u00fcbersahen die Gegner des Kalifats, dass die Kalifatsidee im Gegensatz zum Kalifat unzerst\u00f6rbar ist und dem Vergessen ein Erinnern folgt. Die jahrzehntelangen Versuche des Westens k\u00f6nnen inzwischen als vollst\u00e4ndig gescheitert betrachtet werden, die Idee des Kalifats unwiderruflich zu vernichten. Heutzutage ist die Kalifatsidee weder den Muslimen noch den Nichtmuslimen fremd. Noch nie stand sie seit der Vernichtung des islamischen Staates so im Mittelpunkt.<br>Die erneute Gr\u00fcndung des Kalifats, die in den Offenbarungstexten angek\u00fcndigt wird, wird zu den gro\u00dfen politischen Ereignissen der Menschheit geh\u00f6ren. Die Machtverh\u00e4ltnisse, wie man sie heute kennt, werden sich grundlegend und dauerhaft ver\u00e4ndern, sobald die islamische Staatsmacht Form angenommen hat und der Westen den Muslimen nicht mehr als Kolonialmacht gegen\u00fcbersteht, sondern auf einen autonomen Gegner trifft. Die Schatzkammer der Muslime, aus der sich der Westen bislang freiz\u00fcgig bedient, wird sich nach langer Zeit schlie\u00dfen und den Westen vor existentielle Probleme stellen, ohne dabei auf ein Netz von Vasallen, das er in der islamischen Welt gekn\u00fcpft hat, zur\u00fcckgreifen zu k\u00f6nnen. Denn darum geht es dem Westen neben der grunds\u00e4tzlichen Ablehnung der islamischen Lebensordnung bei der Unterdr\u00fcckung aller Bestrebungen zur Gr\u00fcndung des Kalifats: den uneingeschr\u00e4nkten Zugriff auf die Ressourcen aufrechtzuerhalten.<br>Angesichts der Tatasche, dass die Gr\u00fcndung des Kalifats die einzige Hoffnung der Muslime darstellt, w\u00e4hrend der Westen darin seinen gr\u00f6\u00dften Albtraum sieht, \u00fcberraschte die Reaktion beider Seiten, als am 29. Juni das Kalifat im Irak ausgerufen wurde und Abu Bakr al-Baghdadi sich der Welt\u00f6ffentlichkeit als Kalif vorstellte. Sowohl der Jubel der Muslime als auch der Aufschrei des Westens waren verhalten. Vor allem die auff\u00e4llige Zur\u00fcckhaltung des Westens irritierte, da er die Muslime schon f\u00fcr viel weniger mit seiner Kriegsmaschinerie \u00fcberrollte und ihr Blut vergoss. Schnell dr\u00e4ngte sich daher die Frage auf, was mit der Ausrufung des Kalifats nicht stimmt.<br>US-Pr\u00e4sident Barack Obama wirkte geradezu gelassen. Die politische Brisanz der Ausrufung eines islamischen Staates im Irak und die Reaktion Obamas divergierten. Hier h\u00e4tte man die h\u00f6chste Terrorwarnstufe erwarten m\u00fcssen. Bereits das Vorr\u00fccken und der rasante Gebietsgewinn der ISIS im Irak schien die USA nicht aus der Ruhe zu bringen. Ihr Verhalten war also mehr als verd\u00e4chtig.<br>Der Ausrufung des Kalifats gingen bereits andere bedeutende Ereignisse voraus, bei denen man von den USA weitaus mehr Drohgeb\u00e4rden und milit\u00e4risches Engagement erwartet h\u00e4tte. Am 10. Juni nahm die ISIS fast kampflos die Stadt Mosul ein, die die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt im Irak ist. Etwa 30.000 Soldaten der irakischen Armee flohen und lie\u00dfen Waffen und Uniformen zur\u00fcck, obwohl die Zahl der ISIS-K\u00e4mpfer lediglich einige Hundert betragen haben soll. Nur einen Tag sp\u00e4ter nahm die ISIS Baidschi und Tikrit ein. In Baidschi befindet sich die gr\u00f6\u00dfte \u00d6lraffinerie des Irak. Sp\u00e4ter kam Tal Afar, das sich im Grenzgebiet zu Syrien befindet, hinzu. Dar\u00fcber hinaus \u00fcbernahm die ISIS am 21. Juni die Kontrolle \u00fcber den wichtigsten Grenzpunktes al-Qa&#8217;im zwischen dem Irak und Syrien.<br>Erstaunlich ist hierbei zum einen das Tempo der ISIS-Erfolge, zum anderen \u00fcberrascht die kampflose Gebiets\u00fcbergabe durch die irakischen Soldaten in nahezu allen Regionen, die von der ISIS eingenommen wurden. Den Berichten irakischer Soldaten zufolge kam der R\u00fcckzugsbefehl von den Offizieren selbst, was ebenfalls Fragen zum blitzartigen Vormarsch der ISIS aufwirft, die sich im Zuge der Ausrufung des Kalifats in Islamischer Staat (IS) umbenannte.<br>Bewertet man die Situation anhand der Gebietsgewinne und der scheinbaren \u00dcbermacht des IS, d\u00fcrfte die islamische Gefahr f\u00fcr die Welt nie gr\u00f6\u00dfer gewesen sein. Dennoch hatte Obama die Entsendung von Bodentruppen von Anfang an ausgeschlossen und nur gezielte Milit\u00e4raktionen in Betracht gezogen, um die ISIS aufzuhalten, falls die Lage dies \u00fcberhaupt erfordere. Das Kalifat wurde als inner-irakisches Problem behandelt. Die Entsendung von US-Soldaten sollte lediglich dem Schutz der US-Botschaft und der US-B\u00fcrger dienen. Denn die USA k\u00f6nnten, so das Argument, die Probleme des Irak nicht durch US-amerikanische Kampftruppen l\u00f6sen. Lediglich 300 Milit\u00e4rberater sollten entsandt werden und die irakische Regierung unterst\u00fctzen. Dieses Verhalten ist f\u00fcr die USA h\u00f6chst untypisch, wenn tats\u00e4chlich eine islamische Gefahr im Irak droht.<br>Es ist davon auszugehen, dass die USA mit ihrem engmaschigen Geheimdienstnetz \u00fcber den Verlauf im Irak schon im Voraus genau unterrichtet waren. Die Beh\u00e4bigkeit ihrer Reaktion und die anf\u00e4ngliche Ablehnung einer milit\u00e4rischen Intervention deuteten darauf hin, dass die US-amerikanischen Pl\u00e4ne f\u00fcr den Irak durch die Gebietsgewinne der ISIS nicht gef\u00e4hrdet schienen. Vielmehr liegt die Spaltung zwischen Schiiten und Sunniten ganz in ihrem Interesse, welches darin besteht, den Irak zu teilen. Daher wird bei der derzeitigen Irakkrise die konfessionelle Problematik stark hervorgehoben. Denn schon lange streben die USA danach, den Irak aufzuteilen.<br>Der Nordirak hat bereits als Autonome Region Kurdistan einen Autonomiestatus, der durch die zwischen 1991 und 2003 von den USA und Gro\u00dfbritannien eingerichtete Flugverbotszone im Nordirak erm\u00f6glicht wurde. Die Einnahme Mosuls durch die ISIS wurde von den Kurden zum Anlass genommen, die Stadt Kirkuk und die umliegenden Gebiete unter ihre Kontrolle zu bringen. Eine diplomatische L\u00f6sung des Konflikts stand gar nicht zur Debatte. Das Gegenteil ist der Fall, denn der Westen suggerierte der Welt\u00f6ffentlichkeit, dass die einzige Hoffnung, den IS aufzuhalten, die Bewaffnung der Peschmerga sei, d. h. der kurdischen Einheiten.<br>Der Zustand der Spaltung, wie er sich heute im Irak darstellt, ist nicht neu und keineswegs ein Resultat des Vorsto\u00dfes der IS-K\u00e4mpfer. Er ist auch nicht das alleinige Ergebnis der Innenpolitik des zur\u00fcckgetretenen irakischen Ministerpr\u00e4sidenten Nuri al-Maliki. Dieser war vielmehr das Instrument der USA, einen Zustand der Spaltung zu forcieren. Denn die Aufteilung des Irak ist ein lange gehegter Plan der USA und ist Teil ihres sogenannten Greater-Middle-East-Projekts, das f\u00fcr den Irak die Spaltung in einen sunnitischen, einen schiitischen und einen kurdischen Staat vorsieht. Wer will da noch an einen Zufall glauben, wenn der IS ausgerechnet jenen Teil unter seine Kontrolle brachte, der als sunnitischer Staat vorgesehen ist, w\u00e4hrend die Peschmerga jene Gebiete eroberten, die zum kurdischen Staat geh\u00f6ren sollen. Dies alles geschah innerhalb weniger Tage, ohne dass die irakische Armee etwas h\u00e4tte ausrichten k\u00f6nnen bzw. sollen.<br>Die Pl\u00e4ne der USA f\u00fcr den Nahen Osten erlauben die Schlussfolgerung, dass die Eroberungen des IS durchaus im Sinne der USA waren und konform gingen mit dem Projekt der Aufteilung des Irak. Die Vermutung liegt sogar nahe, dass die USA Einfluss auf die Offiziere der irakischen Armee nahmen und ihren R\u00fcckzug veranlassten, um dem IS den Weg freizumachen. Der IS wurde in den US-amerikanischen Plan integriert und leistete sozusagen f\u00fcr die geplante Aufteilung die Vorarbeit im sunnitischen Teil des Irak. Nur so erkl\u00e4rt sich die anf\u00e4ngliche milit\u00e4rische Zur\u00fcckhaltung der USA, den Vormarsch des IS aufzuhalten.<br>Die beabsichtigte Krise im Irak hat ihre Wirkung nicht verfehlt, denn die Stimmen nach Regionalautonomie werden immer lauter. Bereits Anfang Juli forderte Muhammad Taha al-Hamdun im Namen der sunnitischen Protestbewegung die Autonomie jener Provinzen, die mehrheitlich von Sunniten bewohnt werden. Andernfalls werde man einen unabh\u00e4ngigen Staat ausrufen. &#8222;Es gibt nur eine L\u00f6sung: drei Autonomieregierungen unter einer Flagge \u2013 eine der Kurden, eine der Schiiten und eine der Sunniten&#8220;, sagte Hamdun und diente damit, bewusst oder unbewusst, als Sprachrohr der USA.<br>Der selbsternannte Kalif Abu Bakr al-Baghdadi gilt seit 2010 als F\u00fchrer der ISIS. Auff\u00e4llig hierbei ist, dass er diese Position nicht lange nach seiner Entlassung aus vierj\u00e4hriger US-Gefangenschaft im Gefangenenlager Bucca Camp im S\u00fcdirak einnahm. Merkw\u00fcrdigerweise soll er ausgerechnet in US-Gefangenschaft mit al-Qaida-K\u00e4mpfern trainiert haben. Von ihm existierten bis zur Ausrufung des Kalifats nur zwei verifizierte Fotos: das eine von den USA, das andere vom irakischen Innenministerium \u2013 dies wurde zumindest behauptet. Dies wirft nat\u00fcrlich viele Fragen zur Person von al-Baghdadi auf, die undurchsichtig bleibt. Ein regelrechter Mythos wurde um al-Baghdadi aufgebaut, woran die USA nicht ganz unbeteiligt waren. Sein Bekanntheitsgrad bei den Geheimdiensten und sein Status als Topterrorist sagen nichts \u00fcber seine wahren Absichten aus. Was seine Entscheidung angeht, das Kalifat auszurufen, obwohl die islamrechtlichen Bedingungen hierzu nicht gegeben waren, so ergeben sich daraus zwei M\u00f6glichkeiten, seine Absichten zu beurteilen: Entweder hatte er keinerlei Vorstellung vom Kalifat, so dass die Ausrufung des islamischen Staates aus reiner Unwissenheit erfolgte, da al-Baghdadi die islamischen Voraussetzungen zu diesem Akt nicht bekannt waren, oder aber er ist im US-amerikanischen Plan f\u00fcr den Irak involviert. Denn er hat den USA damit gute Dienste geleistet.<br>Was die Beurteilung des Kalifats angeht, bleiben jedoch keine Fragen offen, denn aus der Scharia geht ganz klar hervor, was das Rechtgeleitete Kalifat ist und wie es zustande kommt. Die Gr\u00fcndung des Kalifats muss der Methode des Propheten (s) zwingend folgen. Abweichungen l\u00e4sst das islamische Recht nicht zu. Das bedeutet, dass die Anwendung von Gewalt, Zwang und Terror kategorisch ausgeschlossen ist. Der Kalifatsvertrag ist ein Vertrag, der auf beidseitigem Einverst\u00e4ndnis zustande kommt. Abu Bakr al-Baghdadi ist weder von den Muslimen zum Kalifen gew\u00e4hlt worden, noch haben sie ihm gehuldigt.<br>Die richtige Methode w\u00e4re im letzten Schritt vor der Ausrufung des Kalifats Talab ul-Nusra gewesen, wie es schon der Prophet (s) bei der Gr\u00fcndung des islamischen Staates in Medina vorgemacht hat. Es ist die Anfrage um Unterst\u00fctzung bei jenen, die entscheidende Positionen im Staat und in der Gesellschaft besetzen, mit Befugnissen ausgestattet sind und Autorit\u00e4t besitzen. Hierzu z\u00e4hlen z. B. Offiziere und Gener\u00e4le der Armee sowie einflussreiche Pers\u00f6nlichkeiten in der Gesellschaft. Die Gr\u00fcndung des rechtgeleiteten Kalifats kann nur mit dem milit\u00e4rischen R\u00fcckhalt und dem klaren Einverst\u00e4ndnis der Bev\u00f6lkerung erfolgen.<br>Man braucht kein islamischer Rechtsgelehrter zu sein, um zu erkennen, dass die Ausrufung des Kalifats im Irak eine Farce ist. Wenn es denn tats\u00e4chlich ein Kalifat w\u00e4re, so w\u00e4re es ein islamischer Staat ohne K\u00f6rper. Es fehlen jegliche staatlichen Strukturen, um von einem Kalifat sprechen zu k\u00f6nnen. Das Ergebnis ist, dass das vermeintliche Kalifat im Irak gar nicht in der Lage ist, die staatlichen Aufgaben wahrzunehmen und die Scharia in allen Bereichen anzuwenden. Es bedarf also viel mehr als einer Person, die quasi aus dem Nichts auftaucht, in einer Audiobotschaft einen islamischen Staat ausruft und sich dann wieder zur\u00fcckzieht.<br>Al-Baghdadi und sein Scheinkalifat bieten den Muslimen im Irak keinerlei Schutz. Vielmehr hat sich al-Baghdadi nach der Ausrufung des Kalifats aus der \u00d6ffentlichkeit zur\u00fcckgezogen und die Sicherheitslage in einem noch chaotischeren Zustand zur\u00fcckgelassen. Das belegt, dass er sich in seinem eigenen Kalifat nicht sicher f\u00fchlt und die \u00d6ffentlichkeit meiden muss. Ein rechtgeleiteter Kalif muss aber pr\u00e4sent sein und den Schutz und die Sicherheit seiner B\u00fcrger gew\u00e4hrleisten.<br>Der Westen hat es nicht geschafft, die Kalifatsidee auszul\u00f6schen. Deshalb versucht er, eine vollkommen falsche Vorstellung vom Kalifat zu vermitteln. Ihm kommt es zugute, dass das Scheinkalifat im Irak nicht als solches hinterfragt wird und die Frage nach seiner Konformit\u00e4t mit der Scharia \u00f6ffentlich nicht aufgeworfen wird. Das Scheinkalifat im Irak l\u00e4sst Muslime wie Nichtmuslime glauben, dass das Kalifat eine Schreckensherrschaft der Gewalt und des Terrors sei. Weil es ein Scheinkalifat ohne Staatsapparat und ohne Macht ist, das im Irak keine positive Ver\u00e4nderung herbeigef\u00fchrt hat, entsteht der Eindruck, dass das Kalifat nichts Besonderes und Erstrebenswertes sei. Den Muslimen wird suggeriert, dass das Kalifat ihre Situation nicht zu verbessern und ihre Probleme nicht zu l\u00f6sen vermag. Damit will man sie von der Kalifatsidee wegf\u00fchren. An ihrer Zerst\u00f6rung sind die Nichtmuslime gescheitert. Daher versuchen sie diese zu verf\u00e4lschen, indem sie eine Realit\u00e4t schaffen, die das Versagen des Kalifats vorf\u00fchrt, wie es im Irak der Fall ist. Das Scheitern liegt jedoch nicht im Kalifat als Staatsform begr\u00fcndet, sondern darin, dass das, was al-Baghdadi ausgerufen hat, gar kein islamischer Staat ist. Es ist noch nicht einmal irgendein Staat.<br>Im Irak \u2013 und nicht nur dort \u2013 sollten die Muslime durch die Entt\u00e4uschung \u00fcber das Scheinkalifat dazu gebracht werden, die Kalifatsidee aufzugeben. Dar\u00fcber hinaus sollte die Teilung des Irak, von der die USA nicht abr\u00fccken werden, bei den Menschen etabliert werden. Das Teilungsprojekt der USA ist so lange nicht gef\u00e4hrdet, solange die Krisen und Konflikte im Irak regional eingegrenzt bleiben. Deshalb lie\u00dfen Sie die Organisation IS im Sunnitengebiet gew\u00e4hren und das Scheinkalifat entstehen. Dies \u00e4nderte sich aber, als der IS erstmals kurdisches Gebiet angriff und dar\u00fcber hinaus den Mosul-Staudamm am 9. August unter seine Kontrolle brachte. Hier reichte es nicht mehr aus, die Kurden mit modernen Waffen auszustatten. Nun kam es doch zu US-Luftangriffen, um den IS aus der Region zur\u00fcckzudr\u00e4ngen, in der die Sunniten laut US-amerikanischem Plan f\u00fcr den Irak nichts zu suchen haben. Bereits durch die Entsendung von US-Soldaten zum Schutz der US-Botschaft wurde ein deutliches Zeichen gesetzt, dass Bagdad ebenfalls f\u00fcr den IS eine Tabuzone darstellt.<br>Die US-amerikanische Irakpolitik muss vor dem Hintergrund ihres Teilungsvorhabens f\u00fcr den Irak gesehen und bewertet werden. Wie engagiert oder wie zur\u00fcckhaltend der Kampf der USA gegen den IS im Irak ist, h\u00e4ngt immer davon ab, welche Ma\u00dfnahme gerade angebracht ist, um die Teilung des Irak voranzutreiben. Dies kann sich von Zeit zu Zeit \u00e4ndern. Eine bewaffnete Miliz wie der IS ist nicht in der Lage, eine Einheit im Irak zu schaffen und die Zerst\u00fcckelung des Irak aufzuhalten. Ihre Erfolge sind im Grunde nur ein Trug. Sie basieren darauf, dass die USA sie gew\u00e4hren lie\u00dfen, bis sie schlie\u00dflich den Fehler der regionalen \u00dcberschreitung machten. Der US-Plan ist einzig durch ein Rechtgeleitetes Kalifat zu durchkreuzen, das nicht nur die Einheit im Irak wiederherstellt, sondern die Zerst\u00fcckelung der gesamten islamischen Welt r\u00fcckg\u00e4ngig macht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Kalifat war f\u00fcr die Muslime von 622 bis 1924 n. Chr. Realit\u00e4t. 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