{"id":9687,"date":"2012-09-23T00:00:00","date_gmt":"2012-09-22T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9687"},"modified":"2012-09-23T00:00:00","modified_gmt":"2012-09-22T22:00:00","slug":"new-sudan-wie-die-deutsche-regierung-und-christliche-institutuionen-die-abspaltung-des-suedsudans","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9687","title":{"rendered":"&#8222;New Sudan&#8220; &#8211; wie die deutsche Regierung und christliche Institutuionen die Abspaltung des S\u00fcdsudans"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei ihren Bem\u00fchungen um Abspaltung des S\u00fcdsudan findet die dortige Regionalverwaltung in Berlin Unterst\u00fctzung und entsendet eine Ministerin zu Verhandlungen in die deutsche Hauptstadt.<br>Gespr\u00e4chspartner sind das Ausw\u00e4rtige Amt und deutsche Firmenvertreter, die der \u201eAfrika Verein&#8220; betreut. Der S\u00fcdsudan verf\u00fcgt \u00fcber bedeutende Rohstoffvorkommen (Erd\u00f6l, Gold), deren Verkauf an ausl\u00e4ndische Konzession\u00e4re die geplante Abspaltung finanzieren soll; um entsprechende Infrastrukturma\u00dfnahmen k\u00fcmmert sich ein deutsch gef\u00fchrtes Konsortium. Die Zerst\u00f6rung der staatlichen Einheit liegt im Interesse internationaler Rohstoffinteressenten und wird deswegen durch Druck auf die sudanesische Zentralregierung in Khartum gef\u00f6rdert. Bundeswehrsoldaten sind im S\u00fcden des Landes als \u201eMilit\u00e4rbeobachter&#8220; aktiv und haben bereits afrikanische Truppen nach Darfur gebracht; die USA verlangen seit neuestem den Einmarsch einer \u201ekleinen Anzahl&#8220; an Bodentruppen. Wie in fr\u00fcheren Kolonialzeiten folgen dem Milit\u00e4r kirchliche Organisationen. So intensiviert die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ihre Einflussarbeit in den sezessionswilligen Landesteilen des Sudan. Der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber verlangt, Deutschland m\u00fcsse \u201eeine neue, st\u00e4rkere Rolle in Afrika spielen&#8220;. Die Berliner Bem\u00fchungen um eine f\u00fchrende Position werden im Sudan auf allen Ebenen ausgeweitet. Als zentrale Einflussorganisation gilt die s\u00fcdsudanesische Sezessionsbewegung SPLM, die sich dem Ausw\u00e4rtigen Amt in dieser Woche f\u00fcr strategische Gespr\u00e4che zur Verf\u00fcgung stellt. Die SPLM-Delegation wird von der Transportministerin des abtr\u00fcnnigen Landesteils angef\u00fchrt. Es handelt sich um Rebecca Garang, die Witwe des im vergangenen August ums Leben gekommenen Sezessionisten-Chefs John Garang. Das von der SPLM beanspruchte Territorium, aber auch andere Landesteile geh\u00f6ren wegen gr\u00f6\u00dferer Erd\u00f6llager und Goldvorkommen zu den international umk\u00e4mpften Ressourcengebieten und haben politische Begehrlichkeiten angefacht. Dabei setzen die ausl\u00e4ndischen Rohstoffkonkurrenten auf unterschiedliche B\u00fcndnispartner.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><br>Ankerplatz<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Die Volksrepublik China kooperiert mit der sudanesischen Zentralregierung, die sich der Abspaltung zu widersetzen versucht.<br>Peking konnte erheblichen Einfluss auf Erd\u00f6lf\u00f6rderung und \u2013logistik im Sudan nehmen. Demgegen\u00fcber unterst\u00fctzt die deutsche Au\u00dfenpolitik seit geraumer Zeit das sezessionistische Lager der SPLM und damit den Bruch der staatlichen Einheit. Die deutschen Aktivit\u00e4ten beim \u201eNation Building&#8220; zielen insbesondere auf logistische Ma\u00dfnahmen, um die im SPLM-Gebiet lagernden Rohstoffe m\u00f6glichst umgehend f\u00f6rdern und abtransportieren zu k\u00f6nnen. Das Transportkonsortium wird von dem Unternehmen \u201eThorm\u00e4hlen Schwei\u00dftechnik&#8220; angef\u00fchrt, dem weitere deutsche Firmen zugeordnet sind. Priorit\u00e4t hat ein Eisenbahnprojekt von 4.100 km L\u00e4nge mit einem Auftragsvolumen von ca. 2,5 Milliarden US Dollar \u201ealleine f\u00fcr den Gleisoberbau. Insgesamt ist mit einem Investitionsvolumen von ca. acht Milliarden US Dollar f\u00fcr diesen Bereich zu rechnen&#8220;, teilt Thorm\u00e4hlen mit.[1] Die Streckenf\u00fchrung umgeht das n\u00f6rdliche Staatsterritorium und soll den Sitz der s\u00fcdsudanesischen Sezessionisten (Juba) mit der K\u00fcste Kenias verbinden &#8211; zuk\u00fcnftiger Ankerplatz der \u00d6ltanker mit s\u00fcdsudanesischer Fracht auf dem Weg nach Europa. Thorm\u00e4hlen strebt die Fertigstellung des wohl gr\u00f6\u00dften Schienenprojekts in Afrika bis zum Jahr 2011 an. Genau zu diesem Zeitpunkt wollen die jetzt in Berlin weilenden SPLM-Funktion\u00e4re ihren neuen Staat auch offiziell aus der Taufe heben: \u201eNew Sudan&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><br>Wirtschaftskolonie<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Neben dem Eisenbahnbau, dessen Beginn wiederholt verschoben werden musste und der nun f\u00fcr diesen Monat angek\u00fcndigt ist, \u00fcbernehmen deutsche Firmen weitere Gro\u00dfprojekte: Wiederaufbau der SPLM-Hauptstadt Juba, grundlegende Ma\u00dfnahmen f\u00fcr die \u201eEnergieerzeugung (insbesondere Wasserkraft)&#8220;, \u201eAufbau der Telekommunikation&#8220; und \u201eAufbau einer Fluggesellschaft&#8220;.[2] Damit w\u00e4ren fast s\u00e4mtliche infrastrukturellen Bestandteile des neuen Staates in deutscher Auftragshand. Selbst die Nilschifffahrt soll unter deutscher Leitung modernisiert werden. Um die notwendigen Investitionen in zweistelliger Milliardenh\u00f6he abzusichern, hat sich die deutsche Konsortialf\u00fchrung eines probaten Gegenwerts versichert: \u00d6l aus der Produktion im s\u00fcdsudanesischen SPLM-Gebiet. Nach Umfang und Art der Auftragsnahme handelt es sich bei \u201eNew Sudan&#8220; um Planungen f\u00fcr eine afrikanische Wirtschaftskolonie, der \u00f6rtliche Funktion\u00e4re vorstehen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><br>Richtung Kongo<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Deutsche Staatsagenturen erg\u00e4nzen die privatwirtschaftlichen Aktivit\u00e4ten. So hat die bundeseigene Gesellschaft f\u00fcr Technische Zusammenarbeit (GTZ) bereits im vergangenen Jahr logistische Zulieferarbeit geleistet und eine grenz\u00fcberschreitende Stra\u00dfenzuf\u00fchrung (\u201eHilfsprojekt&#8220;) in das SPLM-Gebiet um Juba ausgebaut. Das Berliner Bundesministerium f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung k\u00fcndigte im November an, mit Zahlungen f\u00fcr den S\u00fcdsudan zu beginnen. Weitere Infrastrukturprojekte lotete der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Schockenhoff mit SPLM-Vertretern aus. Die Planungen n\u00e4hern sich dem seit Jahrzehnten umk\u00e4mpften Ressourcengebiet im Osten der Demokratischen Republik Kongo.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><br>Gewaltaufsicht<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Die wirtschaftspolitische Einflussarbeit wird milit\u00e4risch \u00fcberlagert und f\u00fchrt zu Forderungen, die Zentralregierung in Khartum mit dem Einsatz von NATO-Truppen im westsudanesischen Darfur st\u00e4rker unter Druck zu setzen. Anlass ist eine erneute Zunahme kriegerischer Gewalt, die nach Angaben der Afrikanischen Union (AU) ma\u00dfgeblich auf Angriffe der westsudanesischen Sezessionistentruppe Sudanese Liberation Army (SLA) zur\u00fcckgeht. [3] Die SLA verf\u00fcgt ihrerseits \u00fcber enge Beziehungen zur SPLM. \u00dcber beide Milizen hei\u00dft es, sie h\u00e4tten \u201eT\u00f6tungen, Pr\u00fcgel, Vergewaltigung, Raub, Zerst\u00f6rung von Privateigentum, Zwangsrekrutierungen, die Einschr\u00e4nkung der Bewegungsfreiheit der von ihnen kontrollierten Bev\u00f6lkerung, Entf\u00fchrungen und die T\u00f6tung von Mitarbeitern von Nichtregierungsorganisationen&#8220; zu verantworten.[4] Westliche Staaten nutzen die von der SLA provozierten Unruhen, um den Druck auf Khartum weiter zu versch\u00e4rfen. Dabei versuchen gegenw\u00e4rtig die USA, \u00fcber ein entsprechendes UN-Mandat die Gesamtkontrolle der westlichen Milit\u00e4roperationen im Sudan zu \u00fcbernehmen. Damit droht der deutsche Wirtschaftseinfluss unter die hegemoniale Gewaltaufsicht des st\u00e4rksten NATO-Partners zu geraten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><br>St\u00e4rkere Rolle<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Wie in s\u00e4mtlichen Expansionsgebieten deutscher Au\u00dfenpolitik sind die christlichen Kirchen auch im Sudan zur Stelle. \u00dcber die von Berlin gef\u00f6rderten SPLM-Sezessionisten hei\u00dft es in einer Erkl\u00e4rung, die der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am 30. Januar verabschiedet hat, sie bed\u00fcrften \u201emassiver und umfassender Unterst\u00fctzung (&#8230;) beim Aufbau der Verwaltung und bei den vielf\u00e4ltigen Entwicklungsaufgaben&#8220;. [5] Dabei sollen Mittel der evangelischen Hilfswerke zum Einsatz kommen. \u201eBrot f\u00fcr die Welt&#8220; und EED werden von h\u00f6chster Stelle aufgefordert, \u201eihre Arbeit im Sudan zu verst\u00e4rken&#8220;. Wie german-foreign-policy.com aus EKD-Kreisen erf\u00e4hrt, ist im M\u00e4rz eine Delegationsreise der evangelischen Entwicklungsorganisationen in den Sudan geplant. Stie\u00dfen deutsche Einflussorganisationen christlicher Pr\u00e4gung (\u201eMissionswerke&#8220;) zu Kolonialzeiten auf britische Konkurrenz und konnten sich im Sudan nicht durchsetzen, so scheint die kirchliche Begleitung deutscher Soldaten jetzt ein besseres Gelingen zu versprechen. An die gemeinsame Zielsetzung erinnerte der Ratsvorsitzende der EKD, Wolfgang Huber, nach einer offiziellen EKD-Delegationsreise in den Sudan. \u201eIch bin in der Ansicht best\u00e4tigt worden&#8220;, erkl\u00e4rte der evangelische Bischof im vergangenen November, \u201edass wir in Deutschland und in der EU eine neue, st\u00e4rkere Rolle in Afrika spielen m\u00fcssen.&#8220;[6]<br>Dieser Artikel erschien auf http:\/\/www.german-foreign-policy.com\/de. Wegen seiner Seri\u00f6sit\u00e4t und seines immensen Informationsgehalts wurde er hier unver\u00e4ndert wiedergegeben.<br>[1] Gro\u00dfauftrag in Afrika &#8211; Neubaustrecke S\u00fcdsudan-Kenia-Uganda; www.thormaehlen-schweisstechnik.de<br>[2] Gro\u00dfauftrag in Afrika &#8211; Neubaustrecke S\u00fcdsudan-Kenia-Uganda; www.thormaehlen-schweisstechnik.de<br>[3] Dies best\u00e4tigt der Leiter der Africa Union Mission in Sudan (AMIS), Baba Gana Kingibe. AU condemns Darfur attacks, demands disarmament of militias; www.irinnews.org 03.02.2006<br>[4] \u201eAntigovernment insurgent groups and associated militia forces also committed numerous, serious abuses. The SPLM\/A, the Sudanese Liberation Army (SLA), and the Justice and Equality Movement (JEM) were guilty of abuses including killings, beatings, rape, robbery, destruction of property, forced conscription, restricting freedom of movement of populations under their control, kidnapping, restricting access of relief workers and supplies, and killing of NGO workers.&#8220;<br>Country Report on Human Rights Practices 2004, US Department of State 28.02.2005<br>[5] EKD will verst\u00e4rkt mit Kirchen im Sudan zusammen arbeiten; Pressemitteilung der EKD 30.01.2006<br>[6] Bischof Huber sieht noch keinen sicheren Frieden im S\u00fcdsudan; epd 27.11.2005<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei ihren Bem\u00fchungen um Abspaltung des S\u00fcdsudan findet die dortige Regionalverwaltung in Berlin Unterst\u00fctzung und entsendet eine Ministerin zu Verhandlungen in die deutsche Hauptstadt.<\/p>\n","protected":false},"author":20,"featured_media":1984,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[83,541,638,1917,2315],"class_list":["post-9687","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kommentar","tag-abspaltung","tag-christliche-institutionen","tag-deutschland","tag-new-sudan","tag-suedsudan"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9687","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/20"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9687"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9687\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1984"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9687"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9687"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9687"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}