{"id":9661,"date":"2012-10-14T00:00:00","date_gmt":"2012-10-14T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9661"},"modified":"2012-10-14T00:00:00","modified_gmt":"2012-10-14T00:00:00","slug":"salah-ad-din","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9661","title":{"rendered":"Salah ad-Din"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jede Gesellschaft hat ihre eigenen Vorbilder und Pers\u00f6nlichkeiten. Sie sind die Personifizierung der Weltanschauung einer Gesellschaft. Es sind Vorbilder, die durch ihre Handlungen die Ideen einer Gesellschaft zum Leben erwecken.<br>Vorbild sein hei\u00dft, anderen Menschen durch sein Handeln, sein Festhalten an der Ideologie eine Orientierung zu geben und deshalb als nachahmenswert zu gelten. Aus der islamischen Umma gingen die besten Vorbilder hervor, denn sie setzten die islamischen Gesetze als umfassendes System in ihrem Leben um. Diese Vorbilder finden sich nicht nur in den Reihen der Gef\u00e4hrten des Propheten. Wer die islamische Geschichte gr\u00fcndlich studiert, wird auf viele dieser Vorbilder sto\u00dfen, deren Leben ausschlie\u00dflich Allah (t) gewidmet war und die ihre Spuren in der islamischen Geschichte hinterlassen haben. Sie haben zwar nicht den Status der Sahaba, aber ihr islamischer Eifer hat sie zu starken islamischen Pers\u00f6nlichkeiten aufsteigen lassen.<br>Die Biographien von islamischen Vorbildern d\u00fcrfen nicht zu falscher Verherrlichung der Vergangenheit f\u00fchren. Die Erinnerung an islamische Vorbilder, vergangene Gr\u00f6\u00dfe und vergangene Pracht darf nicht \u00fcber Einschr\u00e4nkungen und Schw\u00e4chen der Gegenwart hinwegtr\u00f6sten. Es geht n\u00e4mlich nicht darum, sich mit Vorbildern zu br\u00fcsten, sondern von ihnen zu lernen und ihnen nachzueifern. Die Erinnerung an diese &#8222;Idealgestalten&#8220; ist wichtig, weil sie als Leitbild f\u00fcr die eigene Entwicklung und Lebensgestaltung dienen sollen.<br>Vor diesem Hintergrund sollte auch die Biographie des Mannes gelesen werden, nach dessen Tod man nichts fand, womit seine S\u00f6hne sein Grabtuch h\u00e4tten kaufen k\u00f6nnen, weil er alles im Namen Allahs ausgegeben hatte. Seine S\u00f6hne waren auf Spenden angewiesen. Das Begr\u00e4bnis dieses Mannes, der am 4. M\u00e4rz 1193 nach der Stunde des Morgengebets starb und zum Nachmittagsgebet des gleichen Tages ins Grab gesenkt wurde, fiel mehr als bescheiden aus, auch wenn jeder seinen Namen und sein Wirken in der Geschichte kennt. Diejenigen, die trauerten wussten um den enormen Verlust jener Pers\u00f6nlichkeit: Sie trauerten um Salah ad-Din Yussuf ibn Ayyub, der sowohl den Muslimen als auch den Nichtmuslimen in Erinnerung geblieben ist, da er Jerusalem 1187 aus den H\u00e4nden der Kreuzfahrer befreien konnte. Die Pers\u00f6nlichkeit Salah ul-Din faszinierte nicht nur die Muslime, sondern auch das so genannte Abendland, denn er zeichnete sich nicht nur durch seine diplomatische Vorgehensweise und milit\u00e4rische Gewalt aus, sondern galt auch in Europa als Idealbild eines gerechten Herrschers. Trotz seines Kampfes gegen die Ungl\u00e4ubigen hatte er in Europa den Ruf eines &#8222;edlen Ritters&#8220;. Sowohl die islamische als auch die europ\u00e4ische Geschichte zeichnet ein positives Bild von Salah ad-Din.<br>Nach fast neunzigj\u00e4hriger Unterbrechung ging Jerusalem wieder in islamische Herrschaft \u00fcber. Anhand der Eroberung Jerusalems durch die Europ\u00e4er 1099 und der Er\u00f6ffnung durch die Muslime im Jahr 1187 wird der Unterschied zwischen den Eroberungsz\u00fcgen der Ungl\u00e4ubigen und den Er\u00f6ffnungen der Muslime offenkundig. In Europa war es nach einer erfolgreichen Eroberung \u00fcblich, Zivilisten zu massakrieren, Kriegsgefangene zu foltern und pl\u00fcndernd seine Eroberung zu feiern. Als die Kreuzfahrer Jerusalem eroberten, konnten sie massakrieren und in aller Ruhe grausame Psalmen singen: &#8222;Erhebe Dich, Herr, tritt entgegen dem Frevler und wirf ihn zu Boden, mit Deinem Schwert entrei\u00dfe ihm seine Seele!&#8220; (Ps. 17, 13) Obwohl das 5. Buch Mose eine &#8222;Ethik der t\u00e4tigen Liebe&#8220; lehre, so steht dort dennoch: &#8222;Und Sihon zog aus uns entgegen mit seinem ganzen Kriegsvolk zum Kampf nach Jahaz. Aber der HERR, unser Gott, gab ihn vor unsern Augen dahin, dass wir ihn schlugen mit seinen S\u00f6hnen und seinem ganzen Kriegsvolk. Da nahmen wir zu der Zeit alle seine St\u00e4dte ein und vollstreckten den Bann [d. h. t\u00f6ten] an allen St\u00e4dten, an M\u00e4nnern, Frauen und Kindern, und lie\u00dfen niemand \u00fcbrigbleiben.&#8220; (5. Buch Mose, II, 32-34) Dies nahmen die Kreuzfahrer w\u00f6rtlich. Ihr Einfall wird folgenderma\u00dfen beschrieben: &#8222;Die Sieger breiten sich in den Stra\u00dfen aus und rufen laut: Das ist Gottes Wille! Gottes Wille. Die Mohammedaner werfen die Waffen weg und fliehen in alle Richtungen; das in Jerusalem versammelte christliche Heer gibt sich dem gr\u00f6\u00dften Freudenrausch hin. So wurde am Freitag um drei Uhr nachmittags dieser denkw\u00fcrdige Sieg davongetragen; es war der tag und die Stunde der Passion unseres Retters.<br>Die Christen aufgebracht durch die Beleidigungen der Sarazenen und deren z\u00e4hen Widerstand, r\u00e4chten sich f\u00fcr ihre gefallenen Br\u00fcder mit der Niedermetzelung von siebzigtausend Sarazenen.&#8220; Unter den siebzigtausend waren M\u00e4nner, Frauen und Kinder, die sich schuldig gemacht hatten, Muslime zu sein. Jedoch scheint dies den Autor nicht wesentlich zu interessieren. Gest\u00fctzt auf die dreifache Zugeh\u00f6rigkeit \u2013 die christliche, die franz\u00f6sische und die europ\u00e4ische \u2013, kam der Historiker Fran\u00e7ois Valentin dann zu dem Schluss: &#8222;Der erste Kreuzzug hat wunderbare Heldentaten vollbracht. Das alte Frankreich ist dabei zu Ruhm gelangt, und die Erinnerung an die Tapferkeit ist dem Vaterland h\u00f6chst kostbar. Auf die innereurop\u00e4ische Lage hatte der Kreuzzug eine g\u00fcnstige Auswirkung, die Kleinkriege h\u00f6rten auf und es hatte ein Ende mit der Pflege der feudalen Anarchie. Aller Hass ging in einem einzigen auf: im Hass gegen die \u201eFeinde des Christentums&#8220;. Diese allen gemeinsame Grundeinstellung f\u00f6rderte somit den Frieden und die Zivilisation.&#8220; Dies schrieb Valentin nicht im tiefsten Mittelalter. Stolz beschreibt der Autor das Massaker an den Muslimen 1870 in seinem Buch Abr\u00e9g\u00e9 de l\u00b4 Histoire des croisades.<br>Hingegen wird sowohl von muslimischen wie von westlichen Autoren immer wieder hervorgehoben, dass die Muslime sich bei der Er\u00f6ffnung Jerusalems durch ihre Gerechtigkeit auszeichneten. Als sich die Franken am 2. Oktober 1187 nach zweiw\u00f6chiger Belagerung und harten Verhandlungen ergaben, unterschied Salah ad-Din ganz klar zwischen den einheimischen zivilen B\u00fcrgern, die nach der Er\u00f6ffnung islamrechtlich als Schutzbefohlene galten, und den feindlichen Personen. Letztere konnten sich freikaufen und erhielten nach Bezahlung des L\u00f6segeldes freien Abzug. Wer die Mittel zur Bezahlung des L\u00f6segeldes nicht besa\u00df, wurde zun\u00e4chst in die Sklaverei gef\u00fchrt, dann aber meist nach kurzer Zeit ohne Gegenleistung freigelassen. Verschiedene Quellen geben an, dass Salah ad-Din bei vielen \u00e4lteren oder sehr armen B\u00fcrgern teilweise das L\u00f6segeld aus seinem eigenen Budget bezahlte. Die Grabeskirche konnte ihre christliche Funktion behalten. Auch das Hospital der Johanniter blieb bestehen, und die dort dienenden Br\u00fcder durften mit der ausdr\u00fccklichen Genehmigung von Salah ad-Din die dort stationierten Kranken gesund pflegen.<br>Die Er\u00f6ffnung Jerusalems durch Salah ad-Din war der Anlass zum dritten Kreuzzug, der von dem deutschen Kaiser Friedrich I. Barbarossa, dem franz\u00f6sischen K\u00f6nig Philipp August und dem englischen K\u00f6nig Richard L\u00f6wenherz angef\u00fchrt wurde. Dabei verloren die Muslime im Jahre 1189 Akkon. Die ca. 3000 Muslime, die gefangen genommen wurden, wurden auf Befehl von Richard L\u00f6wenherz allesamt hingerichtet. Diese aus westlicher Sicht &#8222;moralische Integrit\u00e4t&#8220; von Salah ad-Din l\u00e4sst sich aber nur aus der f\u00fcr ihn allein g\u00fcltigen islamischen Lebensordnung erkl\u00e4ren und nicht aus der Aufkl\u00e4rung oder der modernen westlichen Vorstellung von Menschenrechten. Er setzte lediglich islamisches Recht um.<br>Gerne erinnern sich die Muslime augrund der gegenw\u00e4rtigen Schw\u00e4che an Salah ad\u2013Din als den Befreier, und oft sehnt man sich nach einem &#8222;neuen Salah ad-Din&#8220;, der die Muslime erneut vom Joch der Ungl\u00e4ubigen befreien soll. In dieser Form ist er aber f\u00fcr sie kein Vorbild, sondern nur ein Held, zu dem die Menschen in der Not aufblicken. Ein Vorbild ist aber ein Mensch, der zur Nachahmung anregt, so auch Salah ad-Din. Es geht nicht darum, auf einen neuen Salah ad-Din zu warten, der Pal\u00e4stina, den Libanon, den Irak und den Rest des islamischen Bodens befreit, sondern selbst ein Salah ad-Din zu werden, die Initiative zu ergreifen und zu handeln, wie er gehandelt hat. Die Muslime damals waren keine \u00dcbermenschen. Was sie getan haben, war nichts anderes, als den Islam umzusetzen. Allein daraus resultierte das Heldentum von Muslimen wie Salah ad-Din. Und auch heute bringt der Islam noch Helden und Vorbilder hervor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jede Gesellschaft hat ihre eigenen Vorbilder und Pers\u00f6nlichkeiten. Sie sind die Personifizierung der Weltanschauung einer Gesellschaft. 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