{"id":9637,"date":"2012-01-14T00:00:00","date_gmt":"2012-01-14T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9637"},"modified":"2012-01-14T00:00:00","modified_gmt":"2012-01-14T00:00:00","slug":"wir-hoeren-und-gehorchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9637","title":{"rendered":"Wir h\u00f6ren und gehorchen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Islam erzeugt im Muslim eine ganz bestimmte Haltung, die sich aus folgendem Koranvers ergibt:<br><strong>&#8222;Doch die Rede der Gl\u00e4ubigen, wenn sie zu Allah und Seinem Gesandten gerufen werden, damit Er zwischen ihnen richten m\u00f6ge, ist nichts Anderes als &#8218;Wir h\u00f6ren und gehorchen.&#8216; Und sie sind es, die Erfolg haben werden.&#8220;<\/strong> (24:51)<br>Der Befehl Allahs (t) duldet kein Wieso und Warum, sondern erwartet den unmittelbaren Gehorsam. F\u00fcr die Muslime aus der Zeit des Propheten (s) war es eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, sich der Offenbarung zu f\u00fcgen, ohne mit dem Gesandten Allahs (t) um die islamischen Gesetze zu feilschen und die Umsetzung hinauszuz\u00f6gern oder ganz oder teilweise zu umgehen. Das Wir-h\u00f6ren-und-gehorchen schlie\u00dft jede Form des Widerwillens und des offenen Protestes aus und erwartet im Grunde auch nicht die innere Zustimmung eines jeden. Ausschlaggebend ist nur, nach dem jeweiligen islamischen Gesetz zu handeln, ob es nun dem pers\u00f6nlichen Willen des Einzelnen entspricht oder nicht. Gehorsam bedeutet n\u00e4mlich nicht, etwas zu tun, das man auch ohne Aufforderung von sich aus tun w\u00fcrde, sondern eine Handlung zu vollziehen, die nicht dem eigenen Willen entspricht. Darin liegt der Kern des Gehorsams: einem Befehl zu entsprechen, der nicht mit dem eigenen Verlangen \u00fcbereinstimmt. Der Mensch, der gehorsam sein will, muss seine pers\u00f6nlichen Neigungen zur\u00fcckstellen. So wird ein Muslim in der Fastenzeit viele Dinge begehren und sich in Einhaltung seiner Gehorsamspflicht davon fern halten. Ausnahmslos alle islamischen Gesetze erwarten diesen Gehorsam, ohne dass sich der Muslim die einzelnen Gesetze herauspicken k\u00f6nnte, bei denen er gehorsamswillig ist.<br>Man darf den Gehorsam nicht mit blinder H\u00f6rigkeit verwechseln. Denn dem Gehorsam gegen\u00fcber Allah (t) geht die Frage nach Seinen Gesetzen und damit nach der Wahrheit voraus. Blinde H\u00f6rigkeit fragt im Gegensatz dazu nicht nach wahr und falsch. Daher nimmt der menschliche Verstand im Islam eine obligatorische Rolle ein, da nur er es erm\u00f6glicht, das islamische Gesetz zu erkennen und aus den Offenbarungstexten herauszulesen. Es ist durchaus auch zul\u00e4ssig, dass Rechtsgelehrte untereinander einen Disput f\u00fchren, wenn es darum geht, die islamischen Beweise auszulegen, um zum Gesetz Allahs (t) zu gelangen. Ebenso kann es in manchen F\u00e4llen vorkommen, dass zwei Rechtsgelehrte in ein und derselben Frage zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen und dadurch zwei verschiedene Rechtsmeinungen entstehen, weil die Beweise von unterschiedlichen Rechtsauslegern anders ausgelegt werden. Auf den Gehorsam hat dies jedoch keinen Einfluss, denn der Muslim ist in jedem Fall dazu angehalten, eine Rechtsmeinung anzunehmen und seine Gehorsamspflicht wahrzunehmen, sei es nun die Rechtsmeinung des einen oder des anderen Rechtsgelehrten. Dass es in dem einen oder anderen Fall unterschiedliche Rechtsmeinungen gibt, entbindet den Muslim nicht von der Pflicht, eine Rechtsmeinung anzunehmen und nach dem entsprechenden islamischen Gesetz zu handeln. Sobald n\u00e4mlich der Befehl Allahs (t) ersichtlich ist, hei\u00dft es nur noch: Wir h\u00f6ren und gehorchen.<br>So sagt Allah (t):<strong> &#8222;Weder einem gl\u00e4ubigen Mann noch einer gl\u00e4ubigen Frau bleibt, wenn Allah und Sein Gesandter etwas entschieden haben, in ihrer Angelegenheit noch eine Wahl. Und wer Allah und Seinem Gesandten nicht gehorcht, der ist in einen offensichtlichen Irrtum gegangen.&#8220;<\/strong> (33, 36)<br>Es gibt Muslime, die zwar den Befehl Allahs (t) kennen und sich dessen bewusst sind, jedoch den Gehorsam auf einen unbestimmten Zeitpunkt verlagern. Sie tragen eine zukunftsorientierte Umsetzungsabsicht mit sich, ohne dass die Handlung tats\u00e4chlich stattfindet. Der Gehorsam l\u00e4sst allerdings keinen zeitlichen Verzug zu, sondern erwartet die sofortige Umsetzung. Das Wir-h\u00f6ren-und-gehorchen beinhaltet bereits in der Formulierung, dass der Gehorsam unmittelbar auf das Begreifen des g\u00f6ttlichen Befehls folgen muss. Dies kann in manchen F\u00e4llen gro\u00dfe \u00dcberwindung und Selbstdisziplin kosten, wie das folgende Beispiel zeigt, in welchem Salama Ibn al-Akwac berichtete:<br>&#8222;Wir kamen in Khaibar an. Wir belagerten die Leute von Khaibar, bis uns \u00e4u\u00dferster Hunger plagte. Da sagte der Prophet: &#8218;<strong>Allah hat es euch ge\u00f6ffnet.<\/strong>&#8218; Am Abend bevor ihnen Khaibar ge\u00f6ffnet wurde, z\u00fcndeten die Muslime viele Feuer an. Da sagte der Gesandte Allahs (s): &#8218;<strong>Warum dieses Feuer? Was kocht ihr<\/strong>?&#8216; Sie erwiderten: &#8218;Wir kochen Fleisch.&#8216; Der Prophet sagte: &#8218;<strong>Welches Fleisch?<\/strong>&#8218; Sie erwiderten: &#8218;Wir kochen das Fleisch der zahmen Esel.&#8216; Da sagte der Prophet: &#8218;<strong>Sch\u00fcttet es weg und brecht die T\u00f6pfe, in denen es gekocht wird!<\/strong>&#8218; Ein Mann sagte zum Propheten: &#8218;D\u00fcrfen wir das Fleisch wegwerfen und die T\u00f6pfe waschen?&#8216; Der Prophet sagte: &#8218;Ja, das geht.&#8216; Danach reihten sich die Leute zu dem Kampf ein.&#8220; (Muslim)<br>Abdullah Ibn Abi Aufa berichtete \u00fcber dasselbe Ereignis in Khaibar:<br>&#8222;W\u00e4hrend wir am Tage der Schlacht von Khaibar mit dem Gesandten Allahs (s) waren, litten wir gro\u00dfen Hunger. Wir erbeuteten dem Gegner geh\u00f6rende zahme Esel au\u00dferhalb der Stadt und schlachteten sie. W\u00e4hrend wir ihr Fleisch in unseren T\u00f6pfen kochten, rief der Rufer des Gesandten Allahs (s): &#8218;<strong>Vergie\u00dft den Inhalt der T\u00f6pfe und esst nicht davon!&#8216;<\/strong> Da fragte ich: &#8218;Inwiefern hat es der Prophet verboten?&#8216; Er erwiderte: &#8218;Wir haben dar\u00fcber einen Disput gef\u00fchrt: Die einen sagten, er habe es endg\u00fcltig verboten. Die anderen glauben, er habe es verboten, weil ein F\u00fcnftel von den erbeuteten Eseln nicht an Allah und Seinen Gesandten abgegeben wurden.&#8220; (Muslim)<br>Sobald der Befehl des Propheten (s) ergangen war, wurde das Fleisch, das bereits kochte, von den ausgehungerten K\u00e4mpfern, die den Kampf noch vor sich hatten und der St\u00e4rkung bedurften, weggesch\u00fcttet, ohne dass sie sich in dieser Extremsituation ihren organischen Bed\u00fcrfnissen ergaben. Die Nachfrage, ob das Eselfleisch grunds\u00e4tzlich oder nur in dieser Situation verboten wurde, hatte keinen Einfluss auf den Gehorsam, der von den M\u00e4nnern geleistet wurde.<br>W\u00e4hrend die Muslime inzwischen einer vollst\u00e4ndig abgeschlossenen Offenbarung gegen\u00fcberstehen, wurden die Muslime zu Lebzeiten des Propheten (s) von einem Augenblick auf den n\u00e4chsten mit neuen Offenbarungen konfrontiert und \u00fcberrascht, denen sie trotz ihres pl\u00f6tzlichen Auftretens selbst in den ungew\u00f6hnlichsten Lagen Folge leisten mussten. So verhielt es sich etwa, als der Befehl erging, das Gebet nach Mekka zu wenden. Einige der Ansar befanden sich gerade mitten im Gebet, als sie \u00fcber diese \u00c4nderung informiert wurden, und drehten sich, ohne das Gebet zu unterbrechen, in die angewiesene Richtung. So berichtete al-Bara&#8216; ibn cAzib: &#8222;Ich betete mit dem Propheten (s) sechzehn Monate lang Richtung Jerusalem, bis der Koranvers in der Sure al-Baqara &#8218;und wo ihr seid, so kehrt eure Gesichter in ihre Richtung&#8216; herabgesandt wurde. Dieser Koranvers wurde dem Propheten (s) offenbart, nachdem er das Gebet schon beendet hatte. Ein Mann machte sich auf den Weg, bis er an einigen Leuten der Ansar vorbeikam, die gerade beteten. Er benachrichtigte sie. Da wandten sie sich Richtung Kaaba.&#8220; (Muslim) Man wartete nicht das Ende des Gebets ab, sondern nahm den g\u00f6ttlichen Befehl unmittelbar an, ohne sich bei dem \u00dcbermittler genauer zu erkundigen, weshalb es zu dieser \u00c4nderung kam.<br>Ebenso \u00fcberraschend und unerwartet erging das Alkoholverbot. Hier\u00fcber berichtete Anas Ibn Malik: &#8222;Ich schenkte Abu Talha al-Ansari, Abu Ubaida ibn al-Dscharrah und Ubai ibn Kab gerade ein Rauschgetr\u00e4nk aus Datteln ein, als jemand zu ihnen kam und sagte: &#8218;Rauschgetr\u00e4nke sind verboten worden.&#8216; Da sprach Abu Talha: &#8218;Anas, steh auf und zerbrich die Kr\u00fcge.&#8216; Anas sagte: &#8218;Ich stand auf, ging zu einem M\u00f6rser und schlug damit gegen die Unterseite der Kr\u00fcge, bis sie zerbrachen.'&#8220; (Buchari) Man konnte sehen, wie der Wein in den Stra\u00dfen Medinas floss. Jene, die noch Wein im Mund hatten, spuckten ihn aus. Die Gef\u00e4\u00dfe, in denen der Alkohol aufbewahrt wurde, wurden zerbrochen, ohne R\u00fccksicht auf den entstehenden materiellen Schaden. Zudem muss man bedenken, dass auch die Menschen damals vom Alkohol abh\u00e4ngig sein konnten. Nichtsdestotrotz hielten sie sich an das Verbot.<br>Die Muslime hatten das Wir-h\u00f6ren-und-gehorchen so sehr verinnerlicht, dass sie dem materiellen Schaden und der Eitelkeit keinerlei Rechnung trugen, wenn es um den Gehorsam gegen\u00fcber Allah (t) ging. Vorbildlich handelten die muslimischen Frauen, als der Befehl erging, das Kopftuch zu tragen. Sie rissen ihre Gew\u00e4nder auseinander und bedeckten sich damit. Auch die muslimischen M\u00e4nner handelten nach dem Prinzip des Wir-h\u00f6ren-und-gehorchen. Als eine Delegation von Kinda zum Propheten (s) kam, sprach dieser sie auf ihre Kleidung an, deren Obergew\u00e4nder mit Seide ges\u00e4umt war:<br>&#8222;&#8218;<strong>Habt ihr nicht den Islam angenommen?<\/strong>&#8218; Sie antworteten: &#8218;Gewiss!&#8216; Da sprach er: &#8218;<strong>Was macht dann diese Seide noch an eurem Nacken?<\/strong>&#8218; Er (al-Zuhari) erz\u00e4hlte: &#8218;Sie rissen sie daraufhin heraus und warfen sie weg.'&#8220;<br>Die Reaktion der Muslime folgte stets direkt auf den Befehl, ohne dass sie lange mit sich ringen mussten.<br>Zu h\u00f6ren und zu gehorchen ist die einzig ad\u00e4quate Reaktion auf einen Befehl Allahs (t), sobald man diesen realisiert und Kenntnis davon hat, selbst wenn man das eine oder andere verabscheuen sollte. Auch die Gef\u00e4hrten des Propheten waren nicht immer mit den Entscheidungen des Propheten (s) einverstanden, etwa im Falle des Vertrages von al-Hudaibiyya. Trotz ihres Widerwillens f\u00fcgten sie sich jedoch, weil der Islam den Gehorsam abverlangt. Dieser Gehorsam ist nichts Geringeres als die Loyalit\u00e4t zu Allah (t) und Seinem Gesandten (s) und das Tor zum Paradies.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man darf den Gehorsam nicht mit blinder H\u00f6rigkeit verwechseln. Denn dem Gehorsam gegen\u00fcber Allah (t) geht die Frage nach Seinen Gesetzen und damit nach der Wahrheit voraus. 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