{"id":9628,"date":"2012-03-31T00:00:00","date_gmt":"2012-03-30T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9628"},"modified":"2012-03-31T00:00:00","modified_gmt":"2012-03-30T22:00:00","slug":"1-die-persoenlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9628","title":{"rendered":"1. Die Pers\u00f6nlichkeit"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus dem Buch: &#8222;Die islamische Pers\u00f6nlichkeit Teil 1&#8220;<br><strong>Im Namen Allahs Des Erbarmungsvollen Des Barmherzigen<\/strong><br>Die Pers\u00f6nlichkeit eines jeden Menschen setzt sich aus seiner Denkweise (Aqliyya) und seiner Verhaltensweise (Nafsiyya[1] &#8211; Charakterseele) zusammen. Dabei spielen weder sein Aussehen noch sein K\u00f6rperbau noch sein \u00e4u\u00dferes Erscheinungsbild oder etwas Anderes eine Rolle. Dies alles sind \u00c4u\u00dferlichkeiten. Es w\u00e4re oberfl\u00e4chlich zu glauben, dass es sich dabei um Faktoren der Pers\u00f6nlichkeitsbildung handelt oder sie die Pers\u00f6nlichkeit beeinflussen. Denn der Mensch zeichnet sich durch seinen Verstand aus, und es ist sein Verhalten, das auf seine Erhabenheit oder Dekadenz hinweist. Da sich nun das menschliche Verhalten im Leben gem\u00e4\u00df seinen Konzeptionen (Mafahim) vollzieht, ist das Verhalten des Menschen unmittelbar und auf untrennbare Weise an seine Konzeptionen gebunden. Das Verhalten (Suluk) wird durch die Handlungen des Menschen verk\u00f6rpert, die er zur Befriedigung seiner Instinkte bzw. seiner organischen Bed\u00fcrfnisse vollzieht. Bei der Bed\u00fcrfnisbefriedigung folgt er unabdingbar seinen diesbez\u00fcglichen Neigungen (Muyul), die er in sich tr\u00e4gt. Seine Pers\u00f6nlichkeit wird daher sowohl von seinen Konzeptionen als auch von seinen Neigungen getragen.<br>Was aber sind diese Konzeptionen (Mafahim)? Woraus setzen sie sich zusammen und was resultiert aus ihnen? Und was sind nun diese Neigungen (Muyul)? Wodurch werden sie verursacht und welche Folgen haben sie? All dies bedarf der Kl\u00e4rung:<br>Die Konzeptionen (Mafahim) geben die Bedeutungen der Ideen und nicht der Wortbegriffe wieder. Der begriffliche Ausdruck ist ein Wort, welches Bedeutungen wiedergibt, die in der Realit\u00e4t existieren k\u00f6nnen oder auch nicht. Wenn der Dichter beispielsweise sagt:<br>&#8222;Unter M\u00e4nnern gibt es solche,<br>wenn du sie zerst\u00f6ren willst,<br>sind sie h\u00e4rter als der Fels.<br>Doch schleuderst du ihnen die Wahrheit entgegen,<br>ziehen sie sich vernichtet aus dem Schlachtfeld zur\u00fcck&#8220;<br>Diese Bedeutung findet sich in der Realit\u00e4t wieder. Sie ist sinnlich wahrnehmbar, auch wenn deren Wahrnehmung der tiefen und erleuchtenden Betrachtung bedarf. Wenn der Dichter jedoch sagt:<br>&#8222;Sie fragten: \u201eZwei Reiter durchdringt er mit einem Stich,<br>am Tage der Schlacht und erachtet es nicht als gewaltig?&#8220;<br>Da antwortete ich ihnen: \u201eUnd wenn sein Dolch eine Meile lang w\u00e4re,<br>h\u00e4tte er die Reiter meilenlang durchdrungen.&#8220;&#8220;<br>Diese Bedeutung existiert (in der Realit\u00e4t) definitiv nicht. Weder hat der Gepriesene zwei Reiter mit einem Stich durchdrungen noch hat irgendjemand diese Frage gestellt noch k\u00f6nnen Reiter meilenlang (mit einem Stich) durchdrungen werden. Somit wird die Bedeutung dieser S\u00e4tze durch die Erl\u00e4uterung und Erkl\u00e4rung ihrer Begriffe erhalten. Was jedoch die Bedeutungen der Ideen anbelangt, so gilt Folgendes: Hat die Bedeutung, die der Begriff beinhaltet, eine sinnlich wahrnehmbare Realit\u00e4t oder kann sie sich der Verstand als etwas sinnlich Wahrnehmbares (Greifbares) vorstellen und glaubt er daran, dann stellt diese Bedeutung f\u00fcr denjenigen, der sie sinnlich wahrnehmen oder sich vorstellen kann und daran glaubt, einen Mafhum (Konzeption) dar. F\u00fcr denjenigen aber, der die Bedeutung nicht sinnlich wahrnehmen und sie sich nicht vorstellen kann, ist diese Bedeutung kein Mafh\u016em, auch wenn er die Bedeutung des Satzes, der ihm gesagt wurde oder den er gelesen hat, (sprachlich) verstanden hat. Demzufolge ist es f\u00fcr die Person unabdingbar, die Worte intellektuell (d. h. in ihrer realen, wahrnehmbaren Bedeutung) aufzunehmen, egal, ob die Aufnahme visuell oder akustisch erfolgt ist. Das hei\u00dft die Person muss die Bedeutungen der S\u00e4tze so verstehen, wie die Formulierung es darlegt, und nicht wie der Sprecher bzw. die Person selbst sie gern h\u00e4tte. Gleichzeitig muss sie mit ihrem Verstand die Realit\u00e4t dieser Bedeutungen derart begreifen, dass sie diese Realit\u00e4t (in ihrer Gestalt) pr\u00e4zise identifiziert. Auf diese Weise werden diese Bedeutungen bei ihr zu festen Konzeptionen (Mafahim). Folglich stellen die Mafahim die Bedeutungen dar, welche in der geistigen Vorstellung eine Realit\u00e4t besitzen, gleichg\u00fcltig ob es sich um eine Realit\u00e4t handelt, die \u00e4u\u00dferlich sp\u00fcrbar ist, oder um eine, auf die man sich \u2013 gest\u00fctzt auf eine sp\u00fcrbare Realit\u00e4t \u2013 als in der Au\u00dfenwelt existente Wirklichkeit verl\u00e4sst. Alles, was es dar\u00fcber hinaus an Bedeutungen der sprachlichen Ausdr\u00fccke und S\u00e4tze gibt, wird nicht als Mafhum bezeichnet, sondern ist als blo\u00dfe Information zu betrachten.<br>Die Herausbildung der Konzeptionen (Mafhum) erfolgt durch die Verkn\u00fcpfung der Realit\u00e4t mit den Informationen bzw. der Informationen mit der Realit\u00e4t, wobei sich dieser Prozess gem\u00e4\u00df der Grundlage bzw. den Grundlagen herauskristallisiert, an der bzw. an denen Informationen und Realit\u00e4t w\u00e4hrend des Verkn\u00fcpfungsprozesses gemessen werden, d. h. gem\u00e4\u00df des Erfassens der Realit\u00e4t und der Informationen w\u00e4hrend der Verkn\u00fcpfung, also gem\u00e4\u00df ihrer rationalen (verstandesm\u00e4\u00dfigen) Wahrnehmung. Bei der Person entsteht somit eine Denkweise (&#8218;Aqliyya), die die begrifflichen Ausdr\u00fccke und S\u00e4tze versteht, die Bedeutungen in ihrer genau bezeichneten bzw. identifizierten Wirklichkeit wahrnimmt und so ein Urteil dar\u00fcber f\u00e4llt. Demnach ist die Denkweise (&#8218;Aqliyya) die Methode, nach der das Erfassen einer Sache, also ihre verstandesm\u00e4\u00dfige Wahrnehmung, erfolgt. Anders ausgedr\u00fcckt ist es die Methode, nach der das Verkn\u00fcpfen der Realit\u00e4t mit den Informationen bzw. der Informationen mit der Realit\u00e4t erfolgt, indem sie an einer bzw. an bestimmten mehreren Grundlagen gemessen werden. Daraus resultiert die Unterschiedlichkeit der Denkweisen (&#8218;Aqliyyat), wie die islamische, die kommunistische, die kapitalistische, die chaotische oder die monotone Denkweise. Die Resultate dieser Mafahim bestimmen ihrerseits das Verhalten des Menschen gegen\u00fcber der wahrgenommenen Realit\u00e4t und bestimmen ebenso die Art der Neigung (Mayl) gegen\u00fcber dieser Realit\u00e4t \u2013 ob man sich nun zu ihr hin- oder von ihr abwendet. Sie weisen dem Menschen eine spezifische Neigung und einen bestimmten Geschmack zu.<br>Was die Neigungen (Muyul) betrifft, so sind sie die Triebkraft (Dafi&#8216;), die den Menschen zur Befriedigung der Bed\u00fcrfnisse bewegt, verkn\u00fcpft mit seinen Konzeptionen (Mafahim) \u00fcber die Dinge, welche der Befriedigung dienen sollen. Die Triebkraft wird beim Menschen durch die Lebensenergie, welche ihn zur Befriedigung seiner Bed\u00fcrfnisse und Instinkte antreibt und durch den Verkn\u00fcpfungsprozess zwischen dieser Energie und seinen Konzeptionen verursacht.<br>Es sind allein diese Neigungen (Muyul), also die mit den Konzeptionen \u00fcber das Leben verkn\u00fcpfte Triebkraft, die die Nafsiyya des Menschen bilden. Die Nafsiyya ist die Methode, nach der die Befriedigung der Instinkte und organischen Bed\u00fcrfnisse erfolgt. Anders ausgedr\u00fcckt ist es die Methode, nach der die Triebkraft zur Befriedigung mit den Mafahim verkn\u00fcpft wird. Sie ist also eine Zusammensetzung aus der nat\u00fcrlich ablaufenden unabdingbaren Verbindung, die sich im Innern des Menschen zwischen seiner Triebkraft und seinen Konzeptionen \u00fcber die Dinge abspielt, verkn\u00fcpft mit seinen Konzeptionen \u00fcber das Leben.<br>Aus dieser Denkweise (Aqliyya) und dieser Handlungsweise (Nafsiyya) setzt sich demnach die Pers\u00f6nlichkeit (\u0160ahsiyya) zusammen. Auch wenn der Verstand bzw. das rationale Begreifen dem Menschen angeboren ist und in jedem Menschen notwendigerweise existiert, so formt sich die Denkweise dennoch durch die Einwirkung des Menschen aus. Und auch wenn die Neigungen dem Menschen angeboren sind und in jedem Menschen unabdingbar existieren, so entsteht die Nafsiyya durch das Eingreifen des Menschen selbst. Durch die Tatsache, dass aufgrund der Existenz einer bzw. mehrer Grundlagen, anhand derer sowohl die Informationen als auch die Realit\u00e4t w\u00e4hrend des Verkn\u00fcpfungsprozesses gemessen werden, sich die Bedeutung (irgendeiner Aussage) zu einer Konzeption herauskristallisiert, und durch die Tatsache, dass die Verschmelzung zwischen Triebkraft und Konzeptionen zur Herauskristallisierung der Neigung aus der Triebkraft f\u00fchrt, kommt dieser Grundlage bzw. diesen Grundlagen, auf deren Basis der Mensch die Informationen und die Realit\u00e4t w\u00e4hrend der Verkn\u00fcpfung misst, die gr\u00f6\u00dfte Rolle bei der Herausbildung der Denkweise und der Handlungsweise zu. Das hei\u00dft, der spezifische Aufbau einer Pers\u00f6nlichkeit wird durch diese Grundlage bzw. Grundlagen am st\u00e4rksten beeinflusst. Handelt es sich bei dem Fundament bzw. den Fundamenten, auf deren Grundlage die Bildung der Denkweise (&#8218;Aqliyya) erfolgt, um genau dieselben, denen auch die Bildung der Handlungsweise (Nafsiyya) zugrunde liegt, so entsteht aus dem Menschen eine spezifische, hervorstechende Pers\u00f6nlichkeit. Unterscheiden sich jedoch die Grundlagen auf deren Basis sich Denk- und Handlungsweise herausbilden, so ist die Denkweise des Menschen von seiner Handlungsweise verschieden. In diesem Fall misst er n\u00e4mlich seine Neigungen auf einer Grundlage, die sich in seinem tiefsten Inneren befindet, so dass er seine Triebkraft mit anderen Konzeptionen verkn\u00fcpft als die, durch die sich seine Denkweise herausgebildet hat. Somit wird er zu einer ungleichf\u00f6rmigen, widerspr\u00fcchlichen Pers\u00f6nlichkeit ohne charakteristisches Spezifikum. Seine Ideen entsprechen nicht seinen Neigungen, da er die Ausdr\u00fccke und S\u00e4tze auf eine Weise versteht und die Realit\u00e4t in einer Form wahrnimmt, die nicht mit seinen Neigungen zu den Dingen im Einklang steht.<br>Dementsprechend bestehen Korrektur und Aufbau einer Pers\u00f6nlichkeit darin, eine f\u00fcr Denk- und Handlungsweise gleiche Grundlage zu schaffen. Das hei\u00dft, das Fundament, auf dessen Grundlage Informationen und Realit\u00e4t w\u00e4hrend der Verkn\u00fcpfung gemessen werden, muss das gleiche Fundament sein, auf dessen Grundlage die Verbindung zwischen Triebkraft und Konzeption erfolgen. Dadurch wird die Pers\u00f6nlichkeit auf Basis einer Grundlage und nach einem Ma\u00dfstab aufgebaut, woraus sich eine charakteristische Pers\u00f6nlichkeit entwickelt.<br>[1] Der Begriff Nafsiyya leitet sich aus dem arabischen Wort Nafs ab, was Seele, Geist bzw. menschliches Innere bedeutet. Mit Nafsiyya ist die innere Einstellung des Menschen gemeint, seine \u201eCharakterseele&#8220;, die sich ja in seinem Verhalten \u00e4u\u00dfert. Deswegen wurde das Wort Nafsiyya zumeist mit Verhaltensweise \u00fcbersetzt, weil es der sp\u00e4ter folgenden Definition am ehesten entspricht. Wie so oft trifft das deutsche Wort den arabischen Begriff aber nicht wirklich und liefert nicht immer ein befriedigendes \u00dcbersetzungsergebnis. Deswegen erlaubt sich der \u00dcbersetzer f\u00fcr den Begriff Nafsiyya an manchen (passenden) Stellen das Wort Charakterseele zu verwenden, was der w\u00f6rtlichen Bedeutung des arabischen Begriffes am n\u00e4chsten kommt. Auf alle F\u00e4lle handelt es sich sowohl beim arabischen als auch beim deutschen Begriff um einen so genannten Terminus Technicus, der einer entsprechenden Definition bedarf, um dem Leser ein klares Verst\u00e4ndnis zu vermitteln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Pers\u00f6nlichkeit eines jeden Menschen setzt sich aus seiner Denkweise (Aqliyya) und seiner Verhaltensweise (Nafsiyya[1] &#8211; Charakterseele) zusammen. 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