{"id":9611,"date":"2015-01-10T00:00:00","date_gmt":"2015-01-09T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9611"},"modified":"2015-01-10T00:00:00","modified_gmt":"2015-01-09T23:00:00","slug":"das-osmanische-reich-von-der-weltmacht-zur-sehenswuerdigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9611","title":{"rendered":"Das Osmanische Reich: Von der Weltmacht zur Sehensw\u00fcrdigkeit"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Kalifat fand unter den Osmanen eine gro\u00dfe Ausdehnung. Unter dem Kalifen Suleiman I. beispielsweise stie\u00dfen die Muslime in Osteuropa vor. Sie brachten Belgrad und die Insel Rhodos unter ihre Herrschaft, f\u00fchrten Feldz\u00fcge gegen Ungarn, dessen gr\u00f6\u00dfter Teil den Muslimen zufiel, und belagerten 1529 erstmals Wien.<br>Die Regierungszeit Suleimans I. gilt als H\u00f6hepunkt der Macht des Osmanischen Reiches. Es kam aber auch schon zuvor zu wichtigen Ereignissen wie zur Er\u00f6ffnung Konstantinopels im Jahr 1453, die bereits vom Propheten (s) angek\u00fcndigt wurde. Angesichts dieser Erfolge und dieser milit\u00e4rischen St\u00e4rke ist es schwer vorstellbar, dass der Osmanische Staat zerst\u00f6rt werden konnte, war er doch \u00fcber Jahrhunderte die Weltmacht.<br>Erst der Osmanische Staat als Weltmacht brachte das verfeindete christliche Europa dazu, die eigenen Konflikte und Kriege beizulegen und sich auf den islamischen Staat als Hauptfeind zu konzentrieren. Der Westf\u00e4lische Frieden im Jahr 1648 spiegelt die Macht des Osmanischen Staates wider. Denn mit dem Friedensvertrag beendeten die europ\u00e4ischen Staaten den Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg unter anderem auch, um dem \u00fcberlegenen osmanischen Staat entgegentreten zu k\u00f6nnen. Einem einzelnen europ\u00e4ischen Staat, der in Religionskriege verwickelt war, war dies nicht m\u00f6glich. Deshalb musste zun\u00e4chst eine Friedensbasis in Europa geschaffen werden. Europa musste aber noch nahezu drei Jahrhunderte warten, bis der islamische Staat tats\u00e4chlich zerst\u00f6rt war.<br>Die territoriale Ausdehnung des Osmanischen Reiches f\u00fchrte dazu, dass die islamischen Gesetze auf die verschiedensten V\u00f6lker mit unterschiedlichem Glauben Anwendung fanden, ohne diese jedoch zu unterdr\u00fccken oder einer Zwangsbekehrung zu unterziehen, wie es die Christen mit Andersgl\u00e4ubigen zu tun pflegten. Der vom Islam vorgegebene Toleranzspielraum erm\u00f6glichte beispielsweise den Christen in Konstantinopel, auch nach der Er\u00f6ffnung durch die Muslime in der Stadt zu bleiben und ihre religi\u00f6sen Angelegenheiten selbst zu verwalten. Griechen und Juden wurden sogar zum Dableiben bewegt. Die griechisch-orthodoxe wie auch die armenische Kirche fanden unter der islamischen Herrschaft Schutz. Der osmanische Staat k\u00fcmmerte sich nicht nur um die Belange der Muslime. Als Muslime und Juden in Spanien verfolgt, zwangsbekehrt, get\u00f6tet oder vertrieben wurden, schickte der Kalif Bayezid II. 1492 die osmanische Flotte nach Spanien, um Muslime und Juden, die sich nicht bekehren lassen wollten, zu retten und ihnen Zuflucht zu gew\u00e4hren. 50.000 Juden fanden Asyl im Osmanischen Reich. Bis heute findet man Juden und ihre Synagogen in der T\u00fcrkei.<br>Das Kalifat fand unter der Herrschaft der Osmanen allerdings nicht nur seine gr\u00f6\u00dfte Ausdehnung, sondern auch sein Ende. Es endete in der heutigen T\u00fcrkei, so dass die Geschichte der T\u00fcrkischen Republik immer auch mit der Geschichte des osmanisch-islamischen Staates verkn\u00fcpft bleibt, auch wenn die T\u00fcrkei nicht mit dem Islam oder dem islamischen Staat in Verbindung gebracht werden m\u00f6chte. Wer sich mit der Geschichte der T\u00fcrkischen Republik besch\u00e4ftigt, kommt aber nicht umhin, sich mit der Geschichte des islamischen Staates zu befassen, dessen Existenz 1924 endete und dessen letzter osmanischer Kalif Abduldmajid II. war. Die T\u00fcrkische Republik bleibt somit das Symbol der Zerst\u00f6rung des Kalifats.<br>Was von der einstigen osmanischen Weltmacht \u00fcbrig blieb, sind Sehensw\u00fcrdigkeiten, die in der ehemaligen Kalifenstadt Istanbul die Touristen anlockt. Der Topkapi-Palast, \u00fcber Jahrhunderte sowohl Wohn- als auch Regierungssitz der Kalifen, wurde bereits 1923 zum Museum umfunktioniert, wodurch man das Kalifat noch in der Phase seiner Zerst\u00f6rung symbolisch f\u00fcr Geschichte erkl\u00e4rte. Touristen dr\u00e4ngen sich in Massen an islamischen Ausstellungsst\u00fccken wie den Schwertern des Propheten (s) und seiner Gef\u00e4hrten vorbei, die einst bei den islamischen Er\u00f6ffnungen zum Einsatz kamen. Das vermeintliche Gewand von Muhammad II., der als Er\u00f6ffner Konstantinopels in die islamische Geschichte einging, kann bestaunt werden, ohne dass es seine islamische Leistung in irgendeiner Form zum Ausdruck bringt. Alte osmanische Moscheen wie die ber\u00fchmte Blaue Moschee, die Sultan Ahmad Anfang des 17. Jahrhunderts erbauen lie\u00df, werden als Sehensw\u00fcrdigkeit von Nichtmuslimen besucht, deren Zahl die der Betenden fast \u00fcbersteigt. Alles, was die osmanischen Kalifen einst erbauen lie\u00dfen, ist vor allem in Istanbul zur Sehensw\u00fcrdigkeit verkommen.<br>[Topkapi-Palast in der ehemaligen Hauptstadt des Kalifats] Doch der Zustand ist keineswegs unumkehrbar. Verfolgt man die Geschichte des Osmanischen Staates, so gehen seine Wurzeln zur\u00fcck auf den islamischen Staat, den Muhammad (s) in Medina im Jahr 622 gr\u00fcndete. Aus diesem kleinen Samenkorn wurde schlie\u00dflich eine Weltmacht. Dies kann sich wiederholen, denn w\u00e4hrend alte Moscheen und Pal\u00e4ste im Laufe der Geschichte zu Sehensw\u00fcrdigkeiten verkommen k\u00f6nnen, kann der Islam niemals zu einem Museumsst\u00fcck in einem Glaskasten werden. Solange es Muslime gibt, bleibt das Potential zur Erneuerung des Kalifats vorhanden.<br>Dass das islamische Potential noch immer vorhanden ist, zeigte sich erst k\u00fcrzlich an der Solidarit\u00e4t der t\u00fcrkischen Muslime mit den Muslimen im Gazastreifen, denen sie nicht nur mit Hilfskonvois beistanden, sondern auch mit ihrem Leben. Das islamische Herz schl\u00e4gt also noch immer unbeirrt zwischen all den osmanischen Sehensw\u00fcrdigkeiten weiter, so dass die Regeneration des islamischen Staates nicht aufzuhalten ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Kalifat fand unter den Osmanen eine gro\u00dfe Ausdehnung. Unter dem Kalifen Suleiman I. beispielsweise stie\u00dfen die Muslime in Osteuropa vor. 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