{"id":9559,"date":"2013-08-18T00:00:00","date_gmt":"2013-08-18T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9559"},"modified":"2013-08-18T00:00:00","modified_gmt":"2013-08-18T00:00:00","slug":"die-indische-philosophie-und-ihr-einfluss-auf-den-islam-teil-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9559","title":{"rendered":"Die Indische Philosophie und Ihr Einfluss auf den Islam \u2013 Teil II"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es war gerade diese Konzeption des Dualismus, die dem Brahmanismus entspringt und die Muslime stark in ihrer Denk- und Handlungsweise beeinflusste. Die rapide Ausbreitung des Sufismus in der islamischen Ummah war eine der folgenschwersten Auswirkungen dieser \u00f6stlichen Philosophie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Der Sufismus begann als ein Aufruf an die Muslime, sich selbst von den weltlichen Belangen, wie politische und finanzielle Themen und Gen\u00fcsse, zu trennen und sich ausschlie\u00dflich auf das Jenseits zu konzentrieren. Seither hat sich der Sufismus von einem Aufruf an die Menschen, sich vom Irdischen abzuwenden, zu einer umfassenden Philosophie mit einer spezifischen Idee und Denkweise entwickelt; mit einer eigenen Literatur und Dichtkunst. Die Idee des Sufismus wurde in ihrem Gebrauch durch klare Symbole und Stile der Kommunikation differenziert, die niemand au\u00dfer den Sufis selbst verstehen konnte. Zum Beispiel behaupteten die Sufis, dass jede Aya und jeder Hadith zwei Bedeutungen h\u00e4tten: eine, die von den gew\u00f6hnlichen Menschen verstanden wird (die oberfl\u00e4chliche Bedeutung) und auf der anderen Seite die Batini-Bedeutung (versteckte Bedeutung), welche nur die Sufis selbst verstehen k\u00f6nnten. Sie rechtfertigten diese Haltung auf der Grundlage, dass sich ihnen alles enth\u00fcllt habe, als ein Resultat gewisser Praktiken und Taten der Ergebenheit, z.B. die Selbstgei\u00dfelung, welche sie durchgef\u00fchrt h\u00e4tten. Die Verwandtschaft dieser Denkweise mit der Idee des Nirvana l\u00e4sst sich unschwer erkennen, da auch die Sufis der Ansicht waren, dass das Resultat ihrer Hervorhebung der Spiritualit\u00e4t die Offenbarung geheimen Wissens zur Folge habe. Im Folgenden sind einige Beispiele von angeblich versteckten Aussagen in Ayat angef\u00fchrt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><strong>\u201eEr hat den beiden Gew\u00e4ssern, die einander begegnen, freien Lauf gelassen. Zwischen ihnen steht eine Scheidewand, so dass sie nicht ineinander \u00fcbergreifen&#8220;<\/strong> (Sura 55, Aya 19-20)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Ibn Arabi, ein prominenter Sufi, behauptete bez\u00fcglich dieser Qur&#8217;an-Verse: \u201eDie zwei Meere (S\u00fc\u00dfwassermeer und das Salzwassermeer) beziehen sich jeweils auf den materiellen K\u00f6rper und die Seele, und sie treffen sich in der menschlichen Existenz. Die Barriere spielt auf den animalischen Aspekt des Menschen an, welcher verhindert, dass einer der beiden Komponenten (der materielle K\u00f6rper und die Seele) die andere \u00fcberwindet.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><strong>\u201eWahrlich, das erste Haus, das f\u00fcr die Menschen gegr\u00fcndet wurde, ist das in Bakka &#8211; ein gesegnetes und eine Leitung f\u00fcr die Welten&#8220;<\/strong> (Sura 3, Aya 96)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Dem sufistischen Verst\u00e4ndnis zufolge ist die offensichtliche Bedeutung des Hauses die Kaaba, w\u00e4hrend die versteckte Bedeutung der Prophet Muhammad (s.a.s.) ist.<br>Der Sufismus hat sp\u00e4ter viele weitere Ideen der indischen Philosophie adaptiert, genannt sei hier beispielsweise die Inkarnation (die Vergegenst\u00e4ndlichung bzw. Menschwerdung Gottes). Auch diese Idee findet ihren Ursprung im Brahmanismus, der besagt, dass der oberste Gott, Brahma, alles durchdringt und in allen Teilen des Universums enthalten ist. So schrieb Ibn Arabi in einem seiner Werke: \u201eGott hat bei der Erschaffung Adams seine beiden H\u00e4nde nur deshalb vereint, um ihn zu erh\u00f6hen (&#8230;) Und diese Sch\u00f6pfung und Ehrung ist nichts anderes als die Wesenheit der Vereinigung der zwei Erscheinungsformen, n\u00e4mlich der Erscheinungsform der Welt und der Erscheinungsform Gottes.&#8220;<br>Die Welt, mitunter der Mensch, ist ihm zufolge nach dem Ebenbild des Allbarmherzigen geschaffen, weil die gesamte Welt aus der \u201eAusatmung des Allbarmherzigen&#8220; entstanden sei. Ferner besitze der Mensch den g\u00f6ttlichen Geist, was auf die missbr\u00e4uchliche Fehlinterpretation folgender Aya zur\u00fcckzuf\u00fchren ist:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><strong>\u201eWenn Ich ihn nun vollkommen geformt und ihm Meinen Geist eingehaucht habe, dann werft euch vor ihm nieder&#8220;<\/strong> (Sura 15, Aya 29)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Das ist das Innere des Menschen, das Ibn Arabi immer wieder als das G\u00f6ttliche im Menschen bezeichnet, indem er beispielsweise sagt: \u201e(&#8230;) Gott hat ihn nach seinem Ebenbild erschaffen oder vielmehr ist er identisch mit seiner Identit\u00e4t und seiner realen Wesenheit.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br>Diese Aussagen zeugen davon, inwieweit einige Muslime vom Gedankengut der indischen Philosophie beeinflusst wurden. Erw\u00e4hnenswert ist, dass die meisten sufitischen Str\u00f6mungen zun\u00e4chst nicht in der arabischen Region Verbreitung fanden, sondern eher in der \u00f6stlichen Region des damaligen Kalifats. Dies war ein nat\u00fcrliches Resultat der engen Nachbarschaft dieser Regionen zu den Zentren der indischen und persischen Philosophie. Ebenso hat die Entstehung des safawidischen Reiches dazu beigetragen, dass die Muslime in Indien und Asien von den Muslimen im Irak, in Gro\u00df-Syrien, \u00c4gypten und anderen Territorien westlich von Persien isoliert wurden. Dieser Staat diente als eine starke intellektuelle Barriere, welche die zwei H\u00e4lften der islamischen Welt voneinander trennte.<br>Folglich hat der Sufismus vor allem einen enormen Einfluss auf die Ideen der Muslime in Indien und Zentralasien ausge\u00fcbt. Sahrourdi und Ghazali f\u00f6rderten die Propagierung dieser Ideen durch ihre regelm\u00e4\u00dfigen Reisen in die verschiedensten Gegenden der islamischen Welt. Im Zentrum der islamischen Welt jedoch, das aus dem Irak, Gro\u00df-Syrien, \u00c4gypten und der arabischen Halbinsel bestand, wurde den Sufis starker Wiederstand geleistet.<br>Die Situation blieb relativ unver\u00e4ndert, bis V\u00f6lker wie die Mongolen und die seldschukischen T\u00fcrken von Zentralasien in diese Regionen eingewandert sind. Ihr Gedankengut fand Verbreitung, sodass im 11. Jahrhundert nach der Hijrah der gr\u00f6\u00dfte Teil der islamischen Welt unter dem Einfluss sufitischer Ideen stand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Muslime wurden also in ihrem Islamverst\u00e4ndnis durch den im Laufe der Zeit wachsenden Einfluss des sufistischen Gedankenguts in der islamischen Welt, der seine Wurzeln in der indischen Philosophie hat, unmittelbar beeinflusst. Die \u00dcbernahme der Idee des Dualismus war einer der gr\u00f6\u00dften Schw\u00e4chungen und R\u00fcckschl\u00e4ge f\u00fcr die Ummah, denn sie f\u00fchrte dazu, dass von nun an zwischen Spirituellem und Materiellem getrennt wurde und der Spiritualit\u00e4t der Vorzug gegeben wurde. Dies, obwohl der Islam die einzige Lebensordnung auf der Welt ist, bei der die spirituelle und materielle Komponente miteinander harmonisch verschmelzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Muslime betrachteten den Islam von nun an nicht mehr intellektuell, politisch und rechtlich \u2013 dem Stellenwert des Islam als umfassende Lebensordnung geb\u00fchrend -, sondern erachteten ihn als etwas rein Spirituelles; als eine Religion, welche lediglich die Beziehung zwischen Sch\u00f6pfer und Gesch\u00f6pf regelt und sich nur auf die Belange des Jenseits beschr\u00e4nkt. So sollte man sich nun den weltlichen Dingen gegen\u00fcber enthaltsam zeigen und nur nach dem Jenseits streben, welches man durch Selbstkasteiung und k\u00f6rperliche Gei\u00dfelung erreiche. Somit kehrte eine bedeutende Mehrheit der Muslime den Freuden des Lebens und dem weltlichen Dasein den R\u00fccken. Die Folge dessen war, dass viele dieser Muslime dem islamischen Staat nicht mehr aktiv zur Seite standen und im Alltagsleben passiv blieben. Sie vernachl\u00e4ssigten durch das dualistische Verst\u00e4ndnis den materiellen und politischen Aspekt des Islams im Laufe der Zeit zunehmend. Somit fehlten dem Islamischen Staat viele Kr\u00e4fte aus der Ummah, die sie in den Dienst der Dawa und der Politik h\u00e4tten stellen k\u00f6nnen, anstatt sie an die k\u00f6rperliche Selbstgei\u00dfelung zu vergeuden. Der Sufismus hat somit den Denkprozess in der islamischen Ummah durch die Verbreitung von Passivit\u00e4t, Unachtsamkeit, Unwissenheit und oberfl\u00e4chlichem Denken unter den Muslimen blockiert. Falsche Verst\u00e4ndnisse wie etwa die vermeintliche Abh\u00e4ngigkeit von anderen Personen (z. B. Anh\u00e4nger von Sufi-Orden gegen\u00fcber ihren Sufi-Oberh\u00e4uptern) und die Heiligsprechung von Personen bzw. der Personenkult sind nur einige der fatalen Ausw\u00fcchse des Sufismus, die in ihrer Summe zur Stagnation des Denkens in der Ummah f\u00fchrten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war gerade diese Konzeption des Dualismus, die dem Brahmanismus entspringt und die Muslime stark in ihrer Denk- und Handlungsweise beeinflusste. 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