{"id":9547,"date":"2013-08-04T00:00:00","date_gmt":"2013-08-03T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9547"},"modified":"2013-08-04T00:00:00","modified_gmt":"2013-08-03T22:00:00","slug":"die-indische-philosophie-und-ihr-einfluss-auf-den-islam-teil-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9547","title":{"rendered":"Die Indische Philosophie und Ihr Einfluss auf den Islam \u2013 Teil I"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die indische Philosophie ist eine der \u00e4ltesten Philosophien des Ostens und hat ihren Ursprung in den Veden, den B\u00fcchern des Wissens; eine Sammlung geschichtlichen, naturwissenschaftlichen und religi\u00f6sen Wissens, welche 1100 v. Chr. zusammengestellt wurde. Durch die Er\u00f6ffnung Indiens durch den islamischen Staat im Jahre 712 n. Chr., kamen die Inder zum ersten Mal mit den Muslimen in Kontakt.<br>Dabei konvertierten viele Einwohner, ob Hindus, Buddhisten oder Jainisten zum Islam. Auf viele dieser neuen Muslime hatten ihre fr\u00fcheren Ideen noch so gro\u00dfen Einfluss, sodass sie versuchten, diesen unislamischen Ideen mit den neuen islamischen Ideen in Einklang zu bringen, obwohl diese dem Islam diametral widersprachen. Diese Versuche f\u00fchrten zu Uminterpretationen und Auslegungen, die viele islamische Tatsachen aus den K\u00f6pfen der Muslime entfernten und ihr Begreifen hierf\u00fcr erschwerten. Als Folge entstand ein fehlerhaftes Islamverst\u00e4ndnis.<br>Im Laufe der folgenden Jahrhunderte stellte sich die indische Philosophie als die signifikanteste \u00f6stliche Philosophie heraus, welche die Muslime in ihrem Islamverst\u00e4ndnis vergiftete und als ein Verschleierungsfaktor diente. \u00dcber die indische Philosophie ist den Muslimen bis heute nicht viel bekannt, obgleich sie nach wie vor einen enormen Einfluss auf das Islamverst\u00e4ndnis aus\u00fcbt und einen der Faktoren darstellt, die zum Untergang des islamischen Staates gef\u00fchrt haben. Nachfolgend m\u00f6chten wir aufzeigen, wie diese islamfremde Philosophie dazu beigetragen hat, die muslimische Umma von dem Weg ihrer Bestimmung abzubringen und ins Chaos zu st\u00fcrzen. Auch wird dabei erkenntlich, wie wichtig neben dem materiellen Kampf auch der Kampf der Ideen ist, der auf einer intellektuellen Ebene gef\u00fchrt werden muss, um den Menschen das wahre Verst\u00e4ndnis \u00fcber den Islam als eine Ideologie mit einem eigenen \u00dcberzeugungsfundament, einer eigenen Weltsicht und einem eigenen System vermitteln zu k\u00f6nnen.<br>Die indische Philosophie, die reich an diversen philosophischen Traditionen ist, besitzt drei Philosophien, die sowohl damals wie auch heute am meisten Einfluss auf die indische Philosophie aus\u00fcben. Dazu z\u00e4hlen die hinduistische Philosophie, die jainistische Philosophie, sowie die buddhistische Philosophie. Diese drei gro\u00dfen Schulen der indischen Philosophie wurden haupts\u00e4chlich zwischen 1000 v. Chr. und dem 2. Jahrhundert n. Chr. entwickelt. Die indischen Denker der Antike (\u00e4hnlich wie die Denker der hellenistischen Philosophie) betrachteten die Philosophie als eine praktische Notwendigkeit, die gepflegt werden m\u00fcsse, um zu verstehen, wie das Leben am besten gef\u00fchrt werden k\u00f6nne. Es wurde zu einem Brauch f\u00fcr die indischen Autoren, am Anfang einer philosophischen Arbeit zu erkl\u00e4ren, wie diese am Ende dem Menschen dienlich sein w\u00fcrde. Es ist mittlerweile bekannt, dass es einen gro\u00dfen Austausch zwischen der indischen und griechischen Philosophie w\u00e4hrend der \u00c4ra der Hellenistischen Expansion (336 v.Chr. bis 30 v.Chr.) gab. Die indische Philosophie hat also, \u00e4hnlich wie die griechische Philosophie, ein spezifisches System, dass die Fragen der Menschen auf eine f\u00fcr sie sinnergebende Art und Weise beantwortete, sodass es von der Gesellschaft akzeptiert und praktiziert wurde.<br>Die drei Philosophien des Jainismus, Buddhismus und Hinduismus haben ihren Ursprung in der Religion des Brahmanismus, einer j\u00fcngeren Periode des Vedismus, die von 800 bis 500 v. Chr. dominierend war. Somit sind sie alle von der Idee des Brahmanismus gekennzeichnet, weshalb es diese Idee genauer zu betrachten gilt.<br>Die Brahmanen konzentrierten sich auf die These, dass es einen einheitlichen Befehl im Universum gibt, der alles durchdringt und allwissend ist. Dieser Befehl ist Brahma. Im Hinduismus ist Brahma die ultimative Realit\u00e4t, das ph\u00e4nomenale Universum und sein Verursacher. Brahman wird manchmal bezeichnet als das Absolute und als Gottheit, als Grundprinzip f\u00fcr die gesamte Existenz, innerhalb als auch au\u00dferhalb des Universums. Die Erleuchtung spielt im Konzept von Brahman eine wichtige Rolle, denn sie f\u00fchrt zur Erl\u00f6sung aus dem Kreislauf der Reinkarnation &#8211; Tod und Wiederauferstehung &#8211; und somit ins Nirvana.<br>So steht in der Veda:<br>\u201eDenen, den sich die Entit\u00e4t (Brahma) durch das vedische Wissen pr\u00e4sentiert, sie sind voll \u00fcberzeugt und sicher, und wer sich flei\u00dfig bem\u00fcht mit Hilfe der Joga des M\u00f6nchtums, wird rein in seinem Verstand. Im \u00e4u\u00dfersten Moment des letzten Weggangs, werden alle Bekanntschaft machen mit der H\u00f6chsten Unsterblichkeit, in den Welten die Brahman sind, und sie werden aus dem Kreislauf von Tod und Geburt befreit.&#8220; (Yajur Veda Mundakopanishad)<br>Das Grundverst\u00e4ndnis der indischen Philosophie, auf dem alle anderen Konzepte aufbauen, ist das Konzept von Karma. Karma ist die Grundlage des Weltbildes und das davon untrennbare Menschen- und Gesellschaftsbild der indischen Philosophie. Es ist das Konzept der \u201eHandlungen und Taten&#8220;, die den gesamten Zyklus der Kausalit\u00e4t verursachen, auch genannt Samsara. Samsara ist der sich permanent wiederholende Kreislauf von Tod und Wiedergeburt, aus welchem sich der Mensch befreien muss, um die Erl\u00f6sung &#8211; Moksha &#8211; zu erlangen und somit das Nirvana zu erreichen. Nirvana beschreibt wiederum die Befreiung vom Status des Leids nach einer langen Periode der Hingabe durch spirituelle \u00dcbungen bzw. Meditation. Nirvana ist ein Status der Erhabenheit, den man nach den subjektiven Erfahrungen der Selbstgei\u00dfelung erreicht. Dementsprechend ist mit diesem speziellen Konzept &#8211; der Erfahrung des Nirvanas &#8211; der Geist (im Buddhismus), die Seele (im Jainismus) oder der Lebenshauch (im Hinduismus) gemeint, welches seine Gleichheit mit der materiellen Erscheinungsform beendet hat und ein Gef\u00fchl des gro\u00dfen Friedens und der einzigartigen Form des Bewusstseins oder der Intelligenz erf\u00e4hrt, also des Nirvanas.<br><strong>Der Handlungsma\u00dfstab<\/strong><br>Jeder Mensch nimmt durch seine Handlungen, ob gut oder schlecht, Einfluss auf die Form seiner Wiedergeburt im n\u00e4chsten Leben. Dabei definiert das Kastensystem der indischen Philosophie, welche Taten gut, d.h. Dharma, sind oder schlecht, Adharma. Grundsatz der Kastenordnung ist, dass die Lebewesen von Geburt an nach Aufgaben, Rechten, Pflichten und F\u00e4higkeiten streng voneinander getrennt sind. F\u00fcr die einzelnen Kasten, die Varnas, gibt es unterschiedliche spezielle religi\u00f6se und kultische Vorschriften, die sich in allen Bereichen des Lebens \u00e4u\u00dfern. Die Durchf\u00fchrung der Pflichten, die jeder Kaste in ihrem spezifischen Lebensstadium obliegt, ist ihre unbedingte Pflicht (Dharma). \u00dcbertretungen werden als Vers\u00e4umnis der Pflichten und folglich als Adharma angesehen. Was von jedem Menschen erwartet wurde, ist die Erf\u00fcllung seiner spezifischen Pflichten seiner Kaste. Aus den Kasten und den ihnen zugetragenen Aufgaben und Pflichten ergab sich somit der jeweilige Handlungsma\u00dfstab. Das Kastensystem bestand aus vier bzw. f\u00fcnf Kasten:<br>1. Die Brahmanen<br>Sie studierten die heiligen Schriften der Veden, erteilten die geistliche Unterweisung und f\u00fchrten die rituellen Opfer aus.<br>2. Die Kshatriyas<br>Sie bildeten die Kriegerkaste, welche die Aufgabe innehatte, die Schwachen zu sch\u00fctzen, als K\u00f6nige gerecht zu regieren und den Brahmanen Schutz und Ermunterung bei ihren gelehrten und priesterlichen Arbeiten zu gew\u00e4hren.<br>3. Die Vaishyas<br>Sie bildeten die Kaste der H\u00e4ndler und Hirten, welche den Reichtum des Landes durch Handel und Landwirtschaft vermehren sollten.<br>4. Die Shudras<br>Sie waren die Dienerkaste, die sich aus der Bev\u00f6lkerung der Nicht-Aryas zusammensetzte und als Bedienstete f\u00fcr die Brahmanen, Kshatriyas und Vaishyas arbeiteten.<br>Unterhalb dieser vier Kasten existierte noch eine weitere Kaste, die als Dalits (Unantastbare) bezeichnet wurden, zu welcher diejenigen geh\u00f6rten, die f\u00fcr die \u201eminderwertigen&#8220; Arbeiten, wie Toilettenreinigen und Stra\u00dfenkehren, zust\u00e4ndig waren.<br>Prim\u00e4r f\u00fchrte also das Konzept des Brahmanismus und die darauf aufbauenden, ineinander \u00fcbergehenden Konzeptionen von Moksha, Nirvana und Karma, bei dem nur das Ausf\u00fchren der kastenspezifischen Aufgaben und Pflichten eine spirituelle Erhebung zur Folge hatte, bei allen Anh\u00e4ngern der indischen Philosophie zu einer starken Betonung der Spiritualit\u00e4t im t\u00e4glichen Leben. Hinzu kommt die f\u00fcr die Erl\u00f6sung wichtige Aus\u00fcbung der Meditation des M\u00f6nchtums. Diese Denkweise f\u00fchrte letztendlich zum Dualismus, der besagt, dass der Mensch aus einem spirituellen Teil und einem materiellen Teil besteht. Dabei wurde der spirituellen Seite ein h\u00f6herer Wert beigemessen, da er grundlegend f\u00fcr die Erlangung des Nirvanas ist. Es kam zu einer Unterscheidung zwischen Geist und Materie, welche antagonistisch zueinander seien, wobei alles Geistliche, Spirituelle und die Enthaltung von dem Materiellem als gut galt und alles Gegenteilige als schlecht.<br>Der Brahmanismus besagt letztendlich, dass sich der Mensch aus zwei antagonistischen Elementen zusammensetzt: der materiellen und der spirituellen Komponente. Da sie antagonistisch &#8211; sprich gegens\u00e4tzlich &#8211; sind, muss man sich dem Materiellem entziehen, um sich selbst spirituell zu erheben, bis man den Status der spirituellen Perfektion erreicht, welches die Anh\u00e4nger des Brahmanismus als den Zustand des Nirvana beschreiben und bei dem man selbst zu Brahman wird.<br>(Shoaib Khalid)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die indische Philosophie ist eine der \u00e4ltesten Philosophien des Ostens und hat ihren Ursprung in den Veden, den B\u00fcchern des Wissens; eine Sammlung geschichtlichen, naturwissenschaftlichen und religi\u00f6sen Wissens, welche 1100 v. 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