{"id":9539,"date":"2014-02-23T00:00:00","date_gmt":"2014-02-22T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9539"},"modified":"2014-02-23T00:00:00","modified_gmt":"2014-02-22T23:00:00","slug":"wissenschaft-im-islamischen-staat-teil-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=9539","title":{"rendered":"Wissenschaft im Islamischen Staat &#8211; Teil I"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>I.Einleitung:<\/strong><br>Wenn wir uns mit der Fragestellung befassen, inwieweit heute muslimische Forscher in der Entwicklung und damit am Fortschritt der modernen Wissenschaften beteiligt sind, so kommen wir zu der n\u00fcchternen Erkenntnis, dass unser Beitrag weniger als nur eine Randerscheinung ist.Wie ist es historisch zu dieser Entwicklung gekommen?<br>Insbesondere nach der Franz\u00f6sischen Revolution und der damit verbundenen Emanzipation der europ\u00e4ischen Nationen von den Fesseln des Klerus hat sich die Idee des S\u00e4kularismus in s\u00e4mtlichen gesellschaftlichen Bereichen durchgesetzt.<br>Bedeutete noch im finsteren europ\u00e4ischen Mittelalter ein Denken losgel\u00f6st von den starren kirchlichen Dogmen noch Ketzerei und Gottesl\u00e4sterung, setzte sich mit der nun neuen Ideologie der kapitalistisch-demokratischen Staaten eine Lebensordnung durch, die den Menschen selbst zum Mittelpunkt und Entscheidungstr\u00e4ger \u00fcber sein eigenes Leben machte.<br>Die durch die Aufkl\u00e4rung und den damit verbundenen blutigen Kampf der franz\u00f6sischen Revolution\u00e4re erreichten Ideale von Freiheit, Gerechtigkeit, Menschenrechten, Demokratie, etc. genie\u00dfen im Kontext der eigenen negativen historischen Erfahrungen der Europ\u00e4er mit dem Machtmissbrauch der Kirche einen Universalanspruch und werden auch folglich nicht in Frage gestellt.F\u00fcr die Entwicklung der Wissenschaften bedeutete nun das Aufkommen des S\u00e4kularismus einen enormen Schub.Die entstandenen Nationalstaaten in Europa begannen fortan um Einfluss zu konkurrieren. Dabei bedeutete vor allem seit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert die funktionierende und wachsende Wirtschaft und vor allem die R\u00fcstungsindustrie eines Staates auch entsprechendes Gewicht und Bedeutung auf politischer Ebene. Beispielhaft kann hier Gro\u00dfbritannien angef\u00fchrt werden, dass im Zuge der fortschreitenden zivilisatorischen Entwicklungen im europ\u00e4ischen Kontinent mehr und mehr von seinem einstigen Ruhm als Kolonialmacht verlor und andere Staaten ihre Position ausbauten, wie z.B. Deutschland, dass bis heute als Wirtschaftsmotor Europas gilt.Die Annahme s\u00e4kularer Idee bedeutete f\u00fcr die europ\u00e4ischen Staaten vor allem einen materiellen Aufstieg und lie\u00df sie zu den f\u00fchrenden Nationen der Welt emporsteigen.<br>Der Fortschritt in den Wissenschaften, Innovation und das Aneignen von entsprechendem Know-how bedeutet im Kapitalismus daher f\u00fcr jede Nation Vorteile in der Konkurrenz mit anderen Staaten und somit einen z\u00e4hlbaren Wettbewerbsvorsprung.Privatwirtschaft und Staat generieren vor allem im Bereich von Technologie und Entwicklung unz\u00e4hlige Milliarden Euro, um marktf\u00fchrend zu bleiben oder aber zu anderen Nationen aufzuschlie\u00dfen. Der Einfluss des wissenschaftlichen Fortschrittes eines Staates \u2013 vor allem in der R\u00fcstungsindustrie &#8211; auf seine weltpolitische Bedeutung ist hinreichend untersucht und belegt, dass mit zunehmendem milit\u00e4rischen und wirtschaftlichen Potenzial entsprechend politische Macht resultiert.<br>Eine Untersuchung der 1000 weltweit f\u00fchrenden Unternehmen aus dem Jahre 2006 belegt, dass deren j\u00e4hrliche Wachstumsraten f\u00fcr die Ausgaben in Forschung und Entwicklung zu den Wachstumsraten ihrer Ums\u00e4tze aufschlossen. Allein f\u00fcr das Jahr 2006 investierten diese Unternehmen \u00fcber 447 Mrd. US$ in Forschung und Entwicklung, 95% hiervon belaufen sich dabei auf die Industriestaaten in Nordamerika, Europa und Japan.<br>Es ist daher nicht verwunderlich, wenn in der \u00d6ffentlichkeit stets die Wissenschaftler der f\u00fchrenden Industrienationen sich profilieren und symboltr\u00e4chtige Auszeichnungen und weltweite Anerkennung finden. Muslime findet man dabei wenige und wenn, dann nicht selten in der Aneignung islamfremder Ideen, wie der aus Bangladesch stammende und in den USA ausgebildete Wirtschaftswissenschaftler Muhammad Yunus, der 2006 f\u00fcr seine Mikrokredittheorie den Friedensnobelpreis \u00fcberreicht bekam.<br>Betrachten wir die historische Entwicklung in der Wissenschaftsgeschichte aber einmal genauer, so werden wir leicht feststellen, dass es gerade die Muslime gewesen sind, die in der Bl\u00fctezeit des Islamischen Staates zu den Vorreitern in s\u00e4mtlichen Wissenschaftsfeldern wurden.Von dem umfangreichen Wissen der Muslime haben vor allem die Europ\u00e4er enorm profitiert. Angetrieben durch die wissenschaftsfeindliche Haltung der Kirche im Mittelalter suchten die Philosophen und Wissenschaftler eine neue Identit\u00e4t f\u00fcr die europ\u00e4ischen V\u00f6lker. Dabei haben sie sich in Abkehr von der Kirche vornehmlich auf ihre eigene vorchristliche griechisch-r\u00f6mische Kultur zur\u00fcckbesonnen. Die Epoche der Renaissance seit dem 15. Jahrhundert n. Chr. verdeutlicht in s\u00e4mtlichen Lebensbereichen die neue geistig-politische Grundhaltung der europ\u00e4ischen Denker. Die Entstehung einer neuen s\u00e4kularen Lebensordnung f\u00fcr Europa wurde in der Zeit der Aufkl\u00e4rung v. a. in Frankreich von den Dichtern und Denkern auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse aus der Epoche der Renaissance erk\u00e4mpft.<br><strong>Wie haben nun die Europ\u00e4er genau von dem Wissen der Muslime profitiert?<\/strong><br>Mit der Ausbreitung des Christentums in Europa und der Etablierung der Kirche als Machtinstrument \u00fcber die europ\u00e4ischen V\u00f6lker schon im vierten Jahrhundert n. Chr. galten nur die Bibel und die Meinung des Papstes als Quelle der Erkenntnis. Weltliche Wissenschaften galten als Teufelswerk und wurden verdammt. Gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerungen waren Analphabeten und hatten keinen Zugang zur Bildung. Parallel bedeuteten der Aufstieg des Islamischen Staates und die damit verbundenen wissenschaftlichen Errungenschaften der Muslime eine neue Orientierung f\u00fcr die europ\u00e4ischen Denker. Sie kamen vornehmlich \u00fcber drei Wege mit dem Wissen der Muslime in Kontakt:<br>1. Durch die segensreichen islamischen Er\u00f6ffnungen (Futuhat) wurde 711 n.Chr. die iberische Halbinsel gr\u00f6\u00dftenteils dem Islamischen Staat angeschlossen. In den folgenden Jahrhunderten wurden die Wissenschaften wie im Zentrum der islamischen Welt gef\u00f6rdert und weiterentwickelt. Es entstanden bedeutende Zentren des Wissens in Andalusien, mit der Herausbildung von Schulen, Universit\u00e4ten, fortschrittlichster st\u00e4dtebaulicher Entwicklung mit Krankenh\u00e4usern, Kanalisation, Stra\u00dfenbeleuchtung etc. Zwangsl\u00e4ufig kamen die Europ\u00e4er mit dieser neuen Kultur und ihren Errungenschaften in Kontakt und lernten auf vielen Gebieten der Naturwissenschaften von den Muslimen. Die grausame Eroberung Spaniens im Jahre 1492 n. Chr. durch die Katholiken bedeutete die nahezu v\u00f6llige Ausl\u00f6schung muslimischen Lebens in Spanien. Nicht nur die Muslime, sondern viele ihrer wissenschaftlichen Schriften wurden auf Scheiterhaufen verbrannt. Es wird berichtet, dass allein die Universit\u00e4t von Cordoba mehr als 1.000.000 B\u00fccher beherbergte \u2013 f\u00fcr Europa eine unvorstellbare Gr\u00f6\u00dfe, denn so viele B\u00fccher gab es bei weitem nicht zusammengenommen auf dem ganzen Kontinent! Etwa 400.000 Werke wurden von den Katholiken als Kriegsbeute entwendet. Weil eben die Europ\u00e4er keine Wissenschaftskultur besa\u00dfen und eben die Kirche das Volk in Dunkelheit belie\u00df, griffen in der Renaissance die Denker auf eben dieses muslimische Wissen zur\u00fcck. Denn die Muslime waren es, die sich auch mit den Schriften der griechisch-r\u00f6mischen Antike besch\u00e4ftigt hatten. Sie haben die philosophischen und wissenschaftlichen Werke der Antike nicht nur ins Arabische \u00fcbersetzt, sondern auch kommentiert und weiterentwickelt. Dadurch gelang es sp\u00e4ter den Europ\u00e4ern auf f\u00fcr sie l\u00e4ngst verloren gegangenes Wissen ihrer eigenen Geschichte zur\u00fcckzugreifen.<br>2. Durch die islamische Er\u00f6ffnung von Sizilien und S\u00fcditalien im 9. Jahrhundert n.Chr. erreichte die gesamte Region ein hohes kulturelles und soziales Niveau. \u00dcber 250 Jahre pr\u00e4gten die Muslime direkt die Zivilisation S\u00fcditaliens. Krankenh\u00e4user, Universit\u00e4ten, Astronomie, Kartographie, Handwerk, Textilindustrie, Kriegskunst u.v.m. bereicherten diese Gebiete. Von hier aus bildeten sich Seebr\u00fccken nach Syrien, Jerusalem, \u00c4gypten und andere Kerngebiete des Islamischen Staates. Dies bildete die Grundlage f\u00fcr einen einseitigen Wissenstransfer nach Europa. Die Kreuzz\u00fcgler nutzten dann sp\u00e4ter diese Verbindung, um Jerusalem und andere Gebiete des Islamischen Staates barbarisch zu \u00fcberfallen. Ihre hasserf\u00fcllte Gesinnung den Muslimen gegen\u00fcber bedarf hier keiner weiteren Er\u00f6rterung.<br>3. Das Zentrum und der Osten des Islamischen Staates befanden sich in geografischer N\u00e4he zu Byzanz. Die Byzantiner profitierten von der Gelehrsamkeit der Muslime an ihren \u00f6stlichen Grenzen. Besonders die Grenzstadt Tabriz entwickelte sich zu einem bedeutenden Zentrum des Handwerks und der Wissenschaften. An den dortigen Universit\u00e4ten studierten mehr als 7.000 Studenten, w\u00e4hrend mehr als 400 Wissenschaftler eigene Forschungsquartiere bezogen. Die kostenlose Ausbildung und Forschung wurde durch den Staat unterst\u00fctzt. Von dieser Atmosph\u00e4re profitierten auch viele Byzantiner, Griechen, Georgier, Armenier, Inder, Russen, Afrikaner und andere, die sich zum Zwecke des Wissenserwerbes dort ansiedelten. Durch die Er\u00f6ffnung Konstantinopels im Jahre 1453 n.Chr. durch die Osmanen wanderten auch viele Byzantiner, die von den muslimischen Wissenschaften profitiert hatten, vornehmlich nach Italien aus und gr\u00fcndeten im Verlauf Universit\u00e4ten und andere Einrichtungen, die die sogenannte naturwissenschaftliche Revolution in Europa vom 14.-16-Jahrhundert n. Chr. einleiteten.<br><strong>II. Wissenschaftliche Erfolge der Muslime:<\/strong><br>Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass die Muslime aufgrund ihrer ideologischen F\u00fchrung durch die mit der menschlichen Natur in Harmonie verbundenen Lebensordnung des Islam auch in den Wissenschaften zu H\u00f6chstleistungen aufgestiegen sind. Durch ihren Forschungsdrang und Entwicklungsgeist haben sie nicht nur in den Naturwissenschaften neue Ma\u00dfst\u00e4be gesetzt, sondern auch in den Wirtschafts- und Geisteswissenschaften, der Baukunst, der Medizin, der Kriegstechnik, dem Verwaltungswesen des Staates und auf allen anderen Gebieten, die zivilisatorisch von Belang sind. Wenn wir hier versuchen w\u00fcrden, auf all die hervorragenden Leistungen der muslimischen Wissenschaftler einzugehen, so w\u00fcrden wir sicherlich bei weitem den Rahmen dieses Textes sprengen und nicht mehr aus dem Staunen heraus kommen.Um dennoch einen \u00dcberblick \u00fcber die nach Perfektion strebenden Muslime zu geben, wurden hier einige Beispiele zum besseren Verst\u00e4ndnis ausgew\u00e4hlt.<br>Schon fr\u00fch errichteten die Muslime Krankenh\u00e4user auf einem konzeptionellen Hintergrund, dass sogar heute nicht die besseren Krankenh\u00e4user im Westen aufweisen. S\u00e4mtliche Gro\u00dfst\u00e4dte des islamischen Staates verf\u00fcgten \u00fcber Krankenh\u00e4user mit angeschlossenen Universit\u00e4ten f\u00fcr die Medizinstudenten. Eines der \u00e4ltesten Krankenh\u00e4user geht auf den Kalifen Harun Ar-Raschid zur\u00fcck, der in Bagdad im Jahre 786 n. Chr. das sogenannte \u201ealte Krankenhaus&#8220; erbauen lie\u00df. Dietrich Brandenburg hat in seinem Buch \u201eDie \u00c4rzte des Propheten&#8220; f\u00fcr uns wertvolle Berichte \u00fcber die Ausbildung der \u00c4rzte und den Bau von Krankenh\u00e4usern im Islamischen Staat festgehalten. So berichtet er u.a. \u00fcber die Krankenh\u00e4user zu Bagdad, Damaskus und Kairo folgendes: \u201eRelativ schnell entstanden bald in allen gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten Krankenh\u00e4user. Ihnen waren oftmals Bibliotheken angegliedert, so dass die Studenten erste praktische Kenntnisse und Erfahrungen insbesondere im Diagnostizieren sammeln und gleichzeitig ihre theoretischen Studien fortf\u00fchren konnten. Die \u00c4rzte zogen sogar mit beweglichen Krankenstationen in die abgelegenen Landesteile, bauten dort ihre Zelte auf, untersuchten, behandelten und versorgten die Menschen mit den n\u00f6tigen Arzneimitteln. Zumeist waren den Krankenh\u00e4usern auch Apotheken angeschlossen.&#8220; Die Erbauer der Krankenh\u00e4user achteten meistens auch auf eine entsprechende Umgebung beim Bau des Krankenhauses, so dass die Patienten gleichfalls w\u00e4hrend ihres Aufenthaltes entspannen konnten, wie das Beispiel des heute noch erhaltenen Krankenhauses \u201aBimaristan al-Qaymari&#8217;in Damaskus, welches in den Jahren 1248 \u2013 1257 gebaut wurde, verdeutlicht :\u201eDie Klinik lag in der Vorstadt As-Salihiya an einem Abhang mit h\u00fcbschem Blick auf die Baumg\u00e4rten und die eigentliche Stadt. Das Hospital verf\u00fcgte \u00fcber eine Poliklinik; die Behandlung einschlie\u00dflich der Medikamente war kostenfrei. Das Personal setzte sich wie folgt zusammen (in Klammern die Bez\u00fcge monatlich in Dirhams): drei \u00c4rzte (60\u201370), ein Augenarzt (45), ein Aufseher (40), drei m\u00e4nnliche Gehilfen (13), weibliche Hilfskr\u00e4fte (10), je ein Apotheker (26), Oberaufseher der Stiftungen (60), Imam = Vorbeter (40), Maurer(13) und Pf\u00f6rtner (8); zu den Bez\u00fcgen in Bargeld kam ein Deputat in Weizen.&#8220; Wie die Patienten aufgenommen, behandelt und wieder entlassen wurden, zeigt das Beispiel des Geschichtsschreibers al-Kindi anhand des \u00e4ltesten Krankenhauses von \u00c4gypten, \u201eBimaristan&#8220;, das der Abbasidenstatthalter (Amir) Ahmad ibn Tulun 873 n. Chr. in Al-Qata&#8217;i, einer fr\u00fcheren Vorstadt des heutigen Kairo errichten lie\u00df: \u201eDer Amir setzte es (874\/875) im Viertel der Flickschuster, der Markthalle und des Sklavenbasars in Betrieb. Und er bestimmte, dass darin weder Sklaven noch Soldaten behandelt werden sollten; er baute darin zwei B\u00e4der, eines f\u00fcr M\u00e4nner und eines f\u00fcr Frauen. Er ordnete an, dass dem Kranken bei seiner Ankunft die Kleider und das Geld abgenommen und von einem Beamten des Bimaristan verwahrt werden sollten; dann solle man ihn ankleiden, ihm ein Lager bereiten, ihn speisen und ihm beistehen mit Heilmitteln, Nahrung und \u00c4rzten bis er genesen sei. Und wenn er H\u00fchnchen und Kuchen a\u00df, wurde er entlassen und ihm seine Habe und seine Kleider zur\u00fcckgegeben&#8230; (Der Amir) pflegte jeden Freitag hinzureiten, um die Vorratskammern des Bimaristan und ihren Inhalt und die \u00c4rzte zu kontrollieren; er schaute nach den Kranken, den \u00fcbrigen Invaliden und den eingeschlossenen Irrsinnigen.&#8220;<br><strong>Im Folgenden einige weitere kurze exemplarische Beispiele f\u00fcr die Errungenschaften der Muslime:<\/strong><br>\u2022 Jabir ibn Hayyan (lateinisiert: Geber, gest. 803 n. Chr.), bekannt als \u201eVater der Chemie&#8220;: Er hat mehr als 100 B\u00fccher geschrieben, von denen 22 dem Gebiet der Chemie gewidmet waren wovon das Bekannteste \u201eKitab Al-Kimya'&#8220; (Buch der Chemie) ist. Diverse Ausdr\u00fccke, die er verwendete, wie z.B. Alkali, sind heute noch in der Chemie in vielen Sprachen gebr\u00e4uchlich. Ferner entwickelte er verschiedene chemische Techniken, wie z.B. Destillation, Calcination, Sublimation und Kristallisierung und erfand neue Apparaturen, wie z.B. den Destillierhelm oder den Sublimationstrichter.<br>\u2022 Al Khawarizmi (lateinisiert: Algorizm, 770\u2013840 n. Chr.), bekannt als \u201eVater der Algebra und des Algorithmus&#8220;: Er hat das Rechnen mit Dezimalzahlen entwickelt, das Dividieren beschrieben und Tabellen mit der Sinusfunktion aufgestellt. Auch die Formeln f\u00fcr die Berechnung der Fl\u00e4che des Kreises, des Halbkreises, der Kugel, der Pyramide und des Kegels gehen auf ihn zur\u00fcck, wie auch die Berechnung der Konstanten Pi. Er hinterlie\u00df zahlreiche Enzyklop\u00e4dien und andere Werke, in denen er u. a. das Berechnen der Gleichung mittels quadratischer Erg\u00e4nzung und \u00c4quivalenzumformung oder geographische Erkenntnisse und die Funktion von Uhren und Sonnenuhren veranschaulichte.<br>\u2022 Ibn Al Haitham (lateinisiert: Alhazen, 965\u20131040 n. Chr.), bekannt als Physiker: Er widmete sich z.B. dem Lichtstrahl und dem Sehvorgang, beschrieb die Reizschwelle und berechnete die H\u00f6he unserer Atmosph\u00e4re. Ferner befasste er sich mit der Katoptrik und Dioptrik und optischen Linsen. Die Erfindung der \u201ecamera obscura&#8220; geht auf ihn zur\u00fcck. Eines seiner bekanntesten Werke ist das Kitab al-Manazir (Buch des Sehens).<br>\u2022 Al Biruni (973\u20131048 n. Chr.), gilt als \u201eUniversalgenie&#8220;: Als Mathematiker beschrieb er die geometrische Trigonometrie, in der Geographie berechnete er genauestens den \u00c4quatorumfang und fertigte einen Globus an mit pr\u00e4zisen Orts- und Entfernungsberechnungen, als Astronom berechnete er die Entfernung einiger Sterne sehr genau, als Physiker berechnete er das spezifische Gewicht verschiedener Substanzen sehr genau und als Philosoph befasste er sich mit der aristotelischen Logik, w\u00e4hrend sein Gedankenaustausch mit \u201eIbn Sina&#8220; f\u00fcr die Entwicklung des dialektischen Denkens sehr bedeutend gewesen ist. Allein das Verzeichnis seiner Werke umfasst 60 Seiten. Er besch\u00e4ftigte sich dabei z. B. im Kitab al-Hind (Das Buch \u00fcber Indien) mit der indischen Kultur und Religion, was sogar heutigen Indienhistorikern als Standardwerk gilt, in einem anderen Werk mit der Geschichte des Altertums und im Kitab as-Saidala (Buch der Apotheke) mit der Pharmakologie.<br>\u2022 Ibn Ruschd (lateinisiert: Averroes, 1128\u20131198 n. Chr.), \u201eder als Aristoteles-Kommentator die westliche Philosophieentwicklung ma\u00dfgeblich beeinflusst hat&#8220;, w\u00e4hrend sein dialektisch theologischer Averroismus nicht nur islamisches Denken, sondern auch die Entwicklung der europ\u00e4ischen Zivilisation pr\u00e4gte und er deutlichen Einfluss auf z.B. Thomas von Aquin und Albertus Magnus hatte.<br>\u2022 Ibn Khaldun (1332\u20131395 n. Chr.) gilt als bedeutender Geschichtsphilosoph und Wegbereiter politischer Wissenschaften. Ferner ist er der erste Autor, der bei der Analyse historischer Prozesse soziologisch\u2013wissenschaftliche Methoden anwendete. Weiterhin analysierte er systematisch den Aufstieg und Zerfall von Dynastien und Zivilisationen und besch\u00e4ftigte sich mit dem Ph\u00e4nomen der Gruppendynamik, die durch emotionale Gef\u00fchle der Zugeh\u00f6rigkeit, wie z.B. Fanatismus, Patriotismus oder Gemeinschaftssinn, dazu f\u00fchren, dass sich eine neue Zivilisation oder neue politische Machtverh\u00e4ltnisse etablieren. Seiner Ansicht nach sollten Historiker immer vier Grund\u00fcberlegungen beachten, n\u00e4mlich das Ereignisse einander bestimmen und als Ursache und Wirkung zu begreifen sind, dass eine Analogie zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart bestehe und dass die Umweltbedingungen zu erforschen sowie gesellschaftliche Verbote und \u00f6konomische Bedingungen zu beachten seien. Seine Beobachtungen und Erkl\u00e4rungen haben auch heute noch G\u00fcltigkeit. Eines seiner bekanntesten Werke ist das Kitab al-Ibar (Das Buch der geschichtlichen Lektionen).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn wir uns mit der Fragestellung befassen, inwieweit heute muslimische Forscher in der Entwicklung und damit am Fortschritt der modernen Wissenschaften beteiligt sind, so kommen wir zu der n\u00fcchternen Erkenntnis, dass unser Beitrag weniger als nur eine Randerscheinung ist<\/p>\n","protected":false},"author":20,"featured_media":2948,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29],"tags":[1332,2898],"class_list":["post-9539","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte","tag-islamische-staat","tag-wissenschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9539","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/20"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9539"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9539\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2948"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9539"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9539"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9539"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}