{"id":18505,"date":"2026-10-17T18:07:00","date_gmt":"2026-10-17T16:07:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=18505"},"modified":"2026-10-18T01:19:43","modified_gmt":"2026-10-17T23:19:43","slug":"das-kopftuchverbot-als-teil-einer-assimilationspolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=18505","title":{"rendered":"Das Kopftuchverbot als Teil einer Assimilationspolitik"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Kopftuch macht die Existenz von Muslimen in der Gesellschaft erst sichtbar und l\u00e4sst erkennen, dass sie den Islam praktizieren. Je mehr muslimische Frauen in der \u00d6ffentlichkeit ein Kopftuch tragen, desto deutlicher tritt der Islam in Erscheinung. Aus diesem Grund ist die muslimische Frau mit ihrem Kopftuch die bevorzugte Zielscheibe von Islamgegnern, die mit gro\u00dfem Widerwillen beobachten, wie immer mehr junge Muslimas das Kopftuch tragen, und das in einer freiheitlich demokratischen Gesellschaft, in der ein Frauenbild vorherrscht, das von Freiz\u00fcgigkeit gepr\u00e4gt ist. Obwohl das Kopftuch nur eins von zahlreichen islamischen Geboten darstellt, wurde es zum Hauptmerkmal des Islam stilisiert und wird \u2013 gerade weil es f\u00fcr den Islam steht \u2013 seit Jahrzehnten bek\u00e4mpft. Opfer dieses Kampfes sind junge muslimische M\u00e4dchen, die man in den Schulen dem\u00fctigt, indem man sie zwingt, ihr Kopftuch gegen ihren Willen abzulegen. Die Bek\u00e4mpfung des Islam hat somit ein schlimmeres Ausma\u00df angenommen als bei einem Kopftuchverbot f\u00fcr muslimische Lehrerinnen. Denn im Gegensatz zum Kopftuchverbot f\u00fcr Lehrerinnen, die selbst entscheiden k\u00f6nnen, ob sie eine Lehrerstelle antreten, die an ein Kopftuchverbot gekn\u00fcpft ist, gilt f\u00fcr muslimische M\u00e4dchen unter 14 Jahren aufgrund der Bildungspflicht, die f\u00fcr die meisten nur durch einen Schulbesuch erf\u00fcllt werden kann, ein unumg\u00e4nglicher Enth\u00fcllungszwang. Sie k\u00f6nnen der Schule nicht einfach fernbleiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der \u00f6sterreichische Staat unterstellt allen muslimischen Eltern von M\u00e4dchen mit Kopftuch, ihre T\u00f6chter zum Tragen gezwungen zu haben. Mit seinem Gesetz zum Kopftuchverbot bek\u00e4mpft er jedoch nicht den Zwang, sondern die islamische Kleidung als Teil des Islam. Denn er differenziert nicht zwischen M\u00e4dchen, die das Kopftuch freiwillig tragen, und solchen, die es unfreiwillig anziehen. Ein pauschales Kopftuchverbot bedeutet, dass es alle muslimischen Sch\u00fclerinnen unter 14 Jahren trifft. Der Staat blendet all die vielen M\u00e4dchen aus und verleugnet ihre Existenz, die das Kopftuch aus \u00dcberzeugung tragen und aufgrund des Verbots einen Gewissenskonflikt erleben. Der Schulbesuch wird f\u00fcr diese M\u00e4dchen zu einer psychischen Tortur, die der Staat ignoriert. Die \u00d6ffentlichkeit wird mit der Behauptung get\u00e4uscht, es handle sich bei dem Kopftuchverbot um eine Befreiung muslimischer M\u00e4dchen. In Wahrheit will man sie in das westliche Frauenbild zwingen, ohne ihnen die Freiheit zu lassen, sich f\u00fcr oder gegen das Kopftuch zu entscheiden. Die Behauptung, muslimische M\u00e4dchen vor einem Kopftuchzwang sch\u00fctzen zu wollen, ist ein Widerspruch in sich, solange der Staat selbst Zwang auf die M\u00e4dchen aus\u00fcbt und sie von Lehrern und Schulleitung zwingen l\u00e4sst, das Kopftuch auszuziehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die antimuslimische Politik \u00d6sterreichs hat den Grad erreicht, dass der Staat keine Anstrengungen mehr unternimmt, seine feindliche Haltung gegen\u00fcber den Muslimen zu verbergen. Er t\u00e4uscht nicht mehr Neutralit\u00e4t und eine Gleichbehandlung aller Religionen durch Verbannung aller religi\u00f6sen Kopfbedeckungen an Schulen vor wie bei seinem fr\u00fcheren Versuch eines Kopftuchverbots. Noch im ersten Anlauf im Jahr 2018 hie\u00df es: \u201eUm die bestm\u00f6gliche Entwicklung und Entfaltung aller Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sicherzustellen, ist diesen bis zum Ende des Schuljahres, in welchem sie das 10. Lebensjahr vollenden, das Tragen weltanschaulich oder religi\u00f6s gepr\u00e4gter Bekleidung, mit der eine Verh\u00fcllung des Hauptes verbunden ist, untersagt.\u201c Auch wenn das Gesetz muslimische M\u00e4dchen im Fokus hatte, waren in dieser Formulierung alle religi\u00f6sen Kopfbedeckungen verboten. Das f\u00fchrte damals zu Protesten der Sikhs, da das Verbot auch die religi\u00f6se Kopfbedeckung der Sikh-Jungen betraf. Obwohl das Gesetz von 2019 ganz allgemein von religi\u00f6s gepr\u00e4gter Kleidung sprach, hob es der \u00d6sterreichische Verfassungsgerichtshof 2020 unter anderem mit der Begr\u00fcndung auf, dass das Gesetz auf das islamische Kopftuch abziele und dadurch Muslime gegen\u00fcber anderen Religionsgemeinschaften benachteilige. Dar\u00fcber hinaus wurde die Verletzung der Religionsfreiheit und des Rechts der Eltern, ihre Kinder nach ihrer religi\u00f6sen \u00dcberzeugung zu erziehen, als Begr\u00fcndung angef\u00fchrt. Ungeachtet des Urteils aus dem Jahr 2020 hat der Staat seinen Plan zu einem Kopftuchverbot jedoch verbissen weiterverfolgt und diesmal sogar alle anderen Religionen ausgeklammert. Wenngleich Kopfbedeckungen in verschiedenen Religionen \u00fcblich sind, geht es aktuell nur noch um die islamische Kopfbedeckung \u2013 eine offensichtliche Diskriminierung der Muslime in \u00d6sterreich gegen\u00fcber anderen Religionen. Auf Nachfrage, warum andere religi\u00f6se Kopfbedeckungen weiterhin zugelassen seien, stellte die \u00f6sterreichische Kanzleramtsministerin Claudia Bauer die unbelegte Behauptung auf, dass Turban und Kippa nicht so einen gro\u00dfen Einfluss auf die Entwicklung eines Kindes h\u00e4tten wie das Kopftuch \u2013 was jeder Logik entbehrt. Damit zeigt sie umso mehr, dass der Staat nicht die Benachteiligung von Kindern aktiv bek\u00e4mpft, sondern den Islam. Im Gesetz zum Kopftuchverbot hei\u00dft es nun: \u201eUm die bestm\u00f6gliche Entwicklung und Entfaltung aller Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler im Sinne des Kindeswohls sicherzustellen und insbesondere die Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und Sichtbarkeit von M\u00e4dchen zu f\u00f6rdern, ist es Sch\u00fclerinnen bis zur Vollendung des 14. Lebensjahrs untersagt, ein Kopftuch, welches das Haupt nach islamischen Traditionen verh\u00fcllt, zu tragen.\u201c Neben der Tatsache, dass das Verbot einer Kopfbedeckung in der Schule auf muslimische M\u00e4dchen zugeschnitten und beschr\u00e4nkt wurde, wurde das Kopftuchverbot versch\u00e4rft und auf die Zeit der Pubert\u00e4t ausgeweitet. Galt es 2018 noch bis zur Vollendung des 10. Lebensjahres, wurde es auf das 14. Lebensjahr verl\u00e4ngert. Innerhalb dieser vier Jahre bekommt ein M\u00e4dchen f\u00fcr gew\u00f6hnlich ihre Periode. Ab diesem Zeitpunkt gilt islamisch die Kopftuchpflicht, von deren Einhaltung muslimische M\u00e4dchen durch staatlichen Zwang abgehalten werden. Es ist eine Ma\u00dfnahme, um Muslime von der Praktizierung des Islam abzuhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Staat begr\u00fcndet das Kopftuchverbot mit dem Kindeswohl und der F\u00f6rderung von Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und Sichtbarkeit muslimischer M\u00e4dchen \u2013 alles konstruierte Scheinargumente. Wie kann pauschal unterstellt werden, das Kindeswohl sei durch das Tragen eines Kopftuchs gef\u00e4hrdet? Ginge es tats\u00e4chlich um die Sicherstellung des Kindeswohls, d\u00fcrfte nicht das Kopftuch als religi\u00f6ses Kleidungsst\u00fcck im Mittelpunkt stehen, sondern die Frage, ob ein M\u00e4dchen durch Zwang und aus Angst vor Bestrafung durch die Eltern zum Tragen des Kopftuchs gedr\u00e4ngt wurde. Bei diesem Argument m\u00fcsste also jeder Einzelfall individuell gepr\u00fcft werden. Und warum sollte eine Kopfbedeckung das Kindeswohl muslimischer M\u00e4dchen gef\u00e4hrden, nicht aber das von Sikh-Jungen oder j\u00fcdischen Jungen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man kann zudem nicht mit Gleichberechtigung argumentieren, gleichzeitig aber muslimische M\u00e4dchen und Sikh-Jungen ungleich behandeln, indem man den M\u00e4dchen das Recht auf Religionsfreiheit entzieht, den Sikh-Jungen aber gew\u00e4hrt. Es handelt sich nicht um Gleichberechtigung, wenn der Staat ein Verbot erl\u00e4sst, um in einer bestimmten Religion f\u00fcr Gleichberechtigung zwischen Jungen und M\u00e4dchen zu sorgen, dabei aber andere Religionen wie den Sikh-Glauben oder das Judentum ausklammert, in denen es ebenfalls unterschiedliche Kleidervorschriften f\u00fcr Jungen und M\u00e4dchen gibt. Das Scheinargument der Gleichberechtigung legt offen, dass es dem \u00f6sterreichischen Staat um eine gezielte Bek\u00e4mpfung des Islam geht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Begr\u00fcndungen zum Kopftuchverbot m\u00f6gen f\u00fcr den einen oder anderen plausibel erscheinen, jedoch nur, weil der Staat sich die \u00fcblichen Vorurteile gegen den Islam zunutze macht und zur Grundannahme erhebt, n\u00e4mlich dass alle muslimischen M\u00e4dchen zum Kopftuch gezwungen werden. Nur so kann er sein Argument der Selbstbestimmung einbringen. Entgegen diesem Klischee tragen zahlreiche muslimische M\u00e4dchen das Kopftuch jedoch freiwillig und weigern sich, es trotz des Kopftuchverbots auszuziehen. Indem sie sich dem Verbot widersetzen, zeigen sie, dass der Staat mit seiner vorurteilsbehafteten Grundannahme unrecht hat. Das Kopftuchverbot f\u00f6rdert in Wahrheit nicht die Selbstbestimmung, sondern entzieht allen M\u00e4dchen die M\u00f6glichkeit, selbst zu entscheiden. Verbot und Selbstbestimmung stehen in einem klaren Widerspruch, denn ein Verbot bedeutet, dass kein M\u00e4dchen unter 14 Jahren noch selbst bestimmen darf. Vielmehr ist es der Entzug von Selbstbestimmung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn der Staat dar\u00fcber hinaus mit der F\u00f6rderung der Sichtbarkeit von muslimischen M\u00e4dchen argumentiert, so wird damit das Kopftuchverbot als Teil einer Assimilationspolitik entlarvt. Muslimische M\u00e4dchen sollen sich optisch der Mehrheitsgesellschaft anpassen und nicht als Muslimas in Erscheinung treten, um in der Gesellschaft \u201esichtbar\u201c sein und am Leben teilhaben zu k\u00f6nnen. Das Kopftuchverbot baut ausschlie\u00dflich auf dem Klischee der unterdr\u00fcckten muslimischen Frau auf. Die Realit\u00e4t widerspricht jedoch dem Bild, dass der Staat von Muslimas entwirft. W\u00e4ren muslimische M\u00e4dchen mit Kopftuch an Schulen nicht \u201esichtbar\u201c, w\u00e4ren muslimische Frauen mit Kopftuch nicht so zahlreich in der Berufswelt vertreten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle Muslime \u2013 nicht nur in \u00d6sterreich \u2013 d\u00fcrfen keinesfalls schweigen oder das Kopftuchverbot zur Normalit\u00e4t werden lassen, an das sich Muslime gew\u00f6hnen. Wir m\u00fcssen uns bewusst sein, dass die Konsequenzen des Kopftuchverbots weitreichend sind. Es verbietet muslimischen M\u00e4dchen explizit, den Islam zu praktizieren. Dar\u00fcber hinaus versetzt es praktizierende muslimische Lehrer in die Situation, muslimische M\u00e4dchen aufzufordern, das Kopftuch auszuziehen. Eine muslimische Lehrerin mit Kopftuch w\u00e4re dann gezwungen, ein muslimisches M\u00e4dchen zu ermahnen, sein Kopftuch abzulegen \u2013 eine paradoxe Vorstellung. Das Kopftuchverbot ist in jeglicher Hinsicht ein Angriff auf die Muslime und den Islam. Die Sorge des Staates um muslimische M\u00e4dchen ist nur ein Vorwand, um letztlich bessere Voraussetzungen f\u00fcr ihre Assimilation zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit dem 1. September 2026 gilt in \u00d6sterreich f\u00fcr muslimische M\u00e4dchen unter 14 Jahren ein Kopftuchverbot an Schulen. F\u00fcr den Fall, dass muslimische Sch\u00fclerinnen sich widersetzen, sieht Paragraph 43a des Schulunterrichtsgesetzes neben hohen Bu\u00dfgeldern auch eine Ersatzfreiheitsstrafe f\u00fcr Eltern von bis zu zwei Wochen vor. Der Staat verfolgt damit die widerspr\u00fcchliche Strategie, einen \u201eKopftuchzwang\u201c mit Zwang zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n","protected":false},"author":92,"featured_media":18506,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[23],"tags":[],"class_list":["post-18505","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-westliche-konzeptionen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18505","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/92"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=18505"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18505\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18507,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18505\/revisions\/18507"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/18506"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=18505"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=18505"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=18505"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}