{"id":18430,"date":"2026-08-23T13:38:47","date_gmt":"2026-08-23T11:38:47","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=18430"},"modified":"2026-08-23T13:38:48","modified_gmt":"2026-08-23T11:38:48","slug":"generalverdacht-islamismus-teil-i-wenn-die-meinungsfreiheit-nicht-fuer-alle-gilt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=18430","title":{"rendered":"Generalverdacht Islamismus Teil I &#8211; Wenn die Meinungsfreiheit nicht f\u00fcr alle gilt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fr\u00fcher wurden \u201eradikale\u201c Muslime als islamische Fundamentalisten bezeichnet, bevor der Ausdruck \u201eFundamentalismus\u201c vom Begriff \u201eIslamismus\u201c abgel\u00f6st wurde. In seinem 2001 ver\u00f6ffentlichten Aufsatz \u201eDer islamische Fundamentalismus heute \u2013 Strategiewechsel oder kopernikanische Wende?\u201c schreibt der Orientalist Udo Steinbach zum Begriff \u201eFundamentalismus\u201c: \u201eNur noch wenige Beobachter der vom Islam gepr\u00e4gten Welt wollen sich des Begriffs \u201aFundamentalismus\u2018 bedienen.\u201c Orientalisten und Islamwissenschaftler begannen also Abstand davon zu nehmen. Weiter hei\u00dft es: \u201eDie Alternativen waren freilich auch nicht v\u00f6llig \u00fcberzeugend. \u201aIslamismus\u2018, \u201aIntegrismus\u2018, \u201apolitischer Islam\u2018 etc. waren nur Umschreibungen der Tatsache, da\u00df der Islam selbst eine politische und eine gesellschaftliche Dimension in sich tr\u00e4gt.\u201c Inzwischen hat sich der Begriff \u201eIslamismus\u201c gegen alle anderen Bezeichnungen durchgesetzt und birgt im Vergleich zum Begriff \u201eFundamentalismus\u201c das Problem, dass das Wort \u201eIslam\u201c im Ausdruck steckt. Wenn Medien berichten, so berichten sie h\u00e4ufig nicht zu Informationszwecken \u00fcber den Islam, sondern \u00fcber Islamismus oder Islamisten. F\u00fcr die meisten ist Islam und Islamismus daher das Gleiche und deshalb auch immer gef\u00e4hrlich. Wenn sie z. B. \u00dcberschriften lesen wie \u201eIslamismus in den Sozialen Medien\u201c, so bleibt am Ende \u201eIslam in den Sozialen Medien\u201c im Bewusstsein h\u00e4ngen. Das f\u00fchrt zwangsl\u00e4ufig zu einem negativen Islambild, weil f\u00fcr die Mehrheit die Medien die wichtigste Informationsquelle sind, wenn es um das Thema \u201eIslam\u201c geht. Die \u00f6ffentliche Meinung \u00fcber den Islam wird somit fast ausschlie\u00dflich durch das Thema \u201eIslamismus\u201c in den Medien bestimmt und nat\u00fcrlich durch eine Islampolitik, die den Medien die Grundlage liefert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Islamismus ist keine Frage von Gewalt und Terror, wie es einst der Fundamentalismus war. Man muss als Muslim nicht dem IS oder al-Qaida angeh\u00f6ren, um als Islamist zu gelten. So hei\u00dft es auf der Internetseite der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung zum Thema \u201eIslamismus\u201c: \u201eBei \u201aIslamismus\u2018 denken viele nur an Terror und Gewalt. Dabei gibt es auch Islamisten, die keine Gewalt einsetzen bei der Verfolgung ihrer Ziele. Ihre Vision eines islamischen Staats verfolgen sie dennoch hartn\u00e4ckig.\u201c Islamismus wird als Teil des Islam hingestellt, wenn von der \u201eIslamismuskompatibilit\u00e4t des Islam\u201c die Rede ist, weil \u201eIslamisten zwar nicht die einzige, aber eine m\u00f6gliche Deutung des Islam vertreten\u201c, wie es hei\u00dft. Unter Islamismus versteht der Staat aber keineswegs nur das Streben nach einem islamischen Staat, den viele Muslime ja gar nicht anstreben, geschweige denn eine Vorstellung davon haben. Die Definition von Islamismus setzt vielmehr schon beim islamischen Glaubensbekenntnis an und der Frage nach dem Stellenwert Allahs und des Koran beim Muslim. Wem steht die Souver\u00e4nit\u00e4t zu? Allah (t.) oder dem Menschen in Form der Volkssouver\u00e4nit\u00e4t? Was hat Vorrang? Der Koran oder das Grundgesetz? Wenn der Muslim sich bei diesen Fragen zu Allah (t.) und dem Koran bekennt, gilt er schon als Islamist. Um das zu vermeiden, m\u00fcsste er sich dazu bekennen, dass Allah (t.), der Sch\u00f6pfer des Universums und des Menschen, dem Menschen untergeordnet ist. Der Muslim wird sozusagen vor die Wahl gestellt, sich f\u00fcr oder gegen den Islam zu entscheiden. Hierbei geht es nur um die \u00dcberzeugung und nicht um die Frage, ob man sich an das Grundgesetz h\u00e4lt oder nicht. Als Muslim kann man sich zu hundert Prozent an das Grundgesetz halten und trotzdem ein Islamist sein, wenn man an der \u00dcberzeugung festh\u00e4lt, dass Allah (t.) der Souver\u00e4n ist, auch wenn man nicht erwartet oder anstrebt, dass in Deutschland oder einem anderen westlichen Land die Scharia eingef\u00fchrt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was Allah (t.) und Sein Gesandter (s.) missbilligen, das missbilligt auch der Muslim \u2013 f\u00fcr Muslime eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Aber genau das gilt als islamistische Haltung, weil sie zur Ablehnung von Konzepten f\u00fchrt, die in einer freiheitlichen demokratischen Gesellschaft vertreten werden, wie etwa die Vorstellung von den Geschlechtern und das LGBTQ-Konzept. Obwohl es auch unter Nichtmuslimen Gegner gibt, ist bei Muslimen die Ablehnung von LGBTQ ein Indiz f\u00fcr Radikalit\u00e4t und Islamismus. Einem Nichtmuslim steht es als Ausdruck der freien Meinungs\u00e4u\u00dferung zu, Homosexualit\u00e4t und alles, wof\u00fcr LGBTQ steht, abzulehnen. Ein Muslim hingegen darf es nicht, wenn er kein Islamist sein will. Die sogenannte Queerfeindlichkeit wird auf der Internetseite des deutschen Verfassungsschutzes ganz klar als ein Kriterium f\u00fcr Islamismus hervorgehoben. Da hei\u00dft es unter der \u00dcberschrift \u201eQueerfeindlichkeit im Islam\u201c: \u201eDie Ablehnung von sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, die in modernen demokratischen Gesellschaften zum Alltag geh\u00f6rt, insbesondere der Homosexualit\u00e4t und Transidentit\u00e4t, ist fester Bestandteil aller islamistischen Ideologien.\u201c Dass der Verfassungsschutz nicht zwischen Islam und Islamismus differenziert, geht bereits aus der \u00dcberschrift hervor, wo der Ausdruck \u201eIslam\u201c statt \u201eIslamismus\u201c gebraucht wird. Wenn es hei\u00dft \u201eQueerfeindlichkeit im Islam\u201c, dann bezieht sich der Vorwurf des Islamismus zwangsl\u00e4ufig auf alle Muslime. Hierbei geht es gar nicht darum, ob ein Muslim Propaganda gegen LGBTQ betreibt oder Gewalt gegen Personen aus dieser Szene anwendet oder dazu aufruft, sondern nur, welche Einstellung er zu diesem Thema hat. Es geht allein um das Bekenntnis. Das Thema \u201eLGBTQ\u201c ist zentral f\u00fcr die Islamismusfrage und n\u00f6tigt den Muslim, sich zwischen Allah (t.) und Seinem Gesandten (s.) auf der einen Seite und den Werten, die Menschen willk\u00fcrlich festgelegt haben, auf der anderen Seite zu entscheiden, weil der Islam eine klare und eindeutige Meinung zu diesem Thema hat. So beschreibt Allah (t.) im Koran, wie Er ein ganzes Volk vernichtet hat, weil es die Homosexualit\u00e4t eingef\u00fchrt und praktiziert hat. Welche Meinung k\u00f6nnte ein Muslim also diesbez\u00fcglich haben als die, dass er das missbilligt und verabscheut, was Allah (t.) verabscheut hat? Eine solche Ablehnung von Homosexualit\u00e4t wertet der Verfassungsschutz aber nicht als \u201eislamisch\u201c, sondern als \u201eislamistisch\u201c. Da hei\u00dft es: \u201eDamit ist islamistisch motivierte Queerfeindlichkeit f\u00fcr den Verfassungsschutz relevant.\u201c Queerfeindlichkeit bedeutet hier nicht, dass sie mit Gewalt verbunden ist, sondern meint bereits die grunds\u00e4tzliche Ablehnung. An Fragen wie diesen wird deutlich, dass Muslime gezwungen werden sollen, sich vom Islam zu distanzieren und sich zu assimilieren. Denn die Antwort, die einem Muslim abverlangt wird, besteht in einer Entscheidung zwischen Halal und Haram. Er soll trotz des klaren Verbots im Islam Homosexualit\u00e4t guthei\u00dfen und bef\u00fcrworten. Der Begriff \u201eIslamismus\u201c ist deshalb auch ein Instrument, um Muslime zur Assimilation zu zwingen \u2013 denn wer m\u00f6chte schon als Islamist gelten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Islamist gilt im Grunde jeder Muslim, der sich der Meinungsfreiheit bedient und eine Meinung \u00e4u\u00dfert, die der allgemein propagierten widerspricht. Das Paradoxe daran ist, dass man ihm keine eigene Meinung zugesteht und er bei jeder nichtkonformen Meinungs\u00e4u\u00dferung Gefahr l\u00e4uft, als Islamist stigmatisiert zu werden. Es ist eine klare Form der Einsch\u00fcchterung von Muslimen, ihre Meinung frei zu \u00e4u\u00dfern, wie es beim Thema Homosexualit\u00e4t er Fall ist. Dieser Umstand f\u00fchrt die Idee der Meinungsfreiheit ad absurdum. Denn Meinungsfreiheit gilt nur so lange, wie die Meinung, die man vertritt, zur freiheitlichen demokratischen Gesellschaft passt. Alles andere wird als Bedrohung gesehen und unerbittlich bek\u00e4mpft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der weltweite Kampf gegen den Islam ist offenkundig, aber er wird nicht unter dieser Bezeichnung gef\u00fchrt. Daf\u00fcr hat man den Begriff \u201eIslamismus\u201c eingef\u00fchrt. Jede Ma\u00dfnahme und jeder Krieg gegen Muslime wird der \u00d6ffentlichkeit als Kampf gegen den Islamismus verkauft. Man gehe also nicht gegen die Muslime und den Islam vor, sondern nur gegen Islamisten. Damit suggeriert man den Muslimen zwar, dass der Kampf sich nicht gegen sie richte \u2013 denn kein Muslim versteht sich als Islamist \u2013, konfrontiert sie aber mit einer Definition f\u00fcr Islamismus, die zwangsl\u00e4ufig jeden Muslim zum Islamisten erkl\u00e4rt. Somit stellt der vermeintliche Kampf gegen den Islamismus letztlich einen Kampf gegen den Islam und die Muslime dar \u2013 f\u00fcr Muslime keine neue Erkenntnis.<\/p>\n","protected":false},"author":92,"featured_media":18438,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[23],"tags":[],"class_list":["post-18430","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-westliche-konzeptionen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18430","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/92"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=18430"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18430\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18447,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18430\/revisions\/18447"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/18438"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=18430"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=18430"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=18430"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}