{"id":15076,"date":"2023-03-02T09:20:04","date_gmt":"2023-03-02T08:20:04","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=15076"},"modified":"2023-03-02T09:20:04","modified_gmt":"2023-03-02T08:20:04","slug":"die-brexit-utopie-wird-zum-alptraum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=15076","title":{"rendered":"Die Brexit-Utopie wird zum Alptraum"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mehrere aktuelle Umfragen zeigen, dass immer mehr Menschen mit den Folgen des Brexits unzufrieden sind. Darunter finden sich vor allem jene, die damals f\u00fcr den Austritt Gro\u00dfbritanniens aus der EU gestimmt hatten. Am 28. Januar 2023 ergab eine YouGov-Umfrage, dass 41% der W\u00e4hler, die f\u00fcr den Austritt Gro\u00dfbritanniens aus der EU stimmten, nun der Ansicht waren, dass der Brexit negative Auswirkungen auf Gro\u00dfbritannien hatte. 23% sagten, der Brexit wirke sich negativ auf das Ansehen Gro\u00dfbritannien in der Welt aus, 34% meinten, er habe negative Auswirkungen auf die Wirtschaft. Etwa 41% glaubten, der Brexit habe negative Auswirkungen auf die Einwanderung. Eine Petition f\u00fcr eine \u00f6ffentliche Untersuchung des Brexit hat bereits mehr als 100.000 Unterschriften erhalten. Es fanden auch Demonstrationen f\u00fcr den Wiedereintritt Gro\u00dfbritanniens in die Europ\u00e4ische Union statt. Selbst The Telegraph, eine britische Tageszeitung die das Brexit-Referendum damals stark unterst\u00fctzt hatte, r\u00e4umte ein, dass die wirtschaftlichen Ziele des Referendums nicht erreicht wurden. Verschiedene Politiker haben sich ebenfalls besorgt \u00fcber die negativen Auswirkungen des EU-Austritts ge\u00e4u\u00dfert. Der Austritt Gro\u00dfbritanniens aus der EU, der eine Utopie versprach, verwandelte sich rasant in einen Alptraum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den Jahren vor dem Referendum wuchs in Teilen der Konservativen und Unionistischen Partei und der britischen \u00d6ffentlichkeit das Unbehagen, dass die EU zu m\u00e4chtig werden und Gro\u00dfbritannien die Kontrolle \u00fcber seine eigenen Angelegenheiten verlieren k\u00f6nnte. Politiker und Medien schilderten, dass Gro\u00dfbritannien die Kontrolle \u00fcber Einwanderung, Handel und Gesetzgebung verliere.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die \u00d6ffentlichkeit hatte das Gef\u00fchl, dass die massive Wirtschaftsmigration aus Osteuropa und der Zustrom von Fl\u00fcchtlingen aus dem Nahen Osten die \u00f6ffentlichen Dienste wie das Gesundheits- und Bildungswesen und den Wohnungsbau in unertr\u00e4glichem Ma\u00dfe belasteten. Bestimmte Politiker und die Medien verst\u00e4rkten dieses Narrativ.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Des Weiteren litt die Bev\u00f6lkerung noch unter dem wirtschaftlichen Abschwung, der sich infolge der Finanzkrise von 2008 ergab, sowie aus dem darauf folgenden Sparprogramm der Regierung. Im Brexit sahen seine Bef\u00fcrworter eine M\u00f6glichkeit, die Kontrolle \u00fcber die Wirtschaft ihres Landes zur\u00fcckzugewinnen. Um den euroskeptischen Fl\u00fcgel der Konservativen und Unionistischen Partei zu beschwichtigen, warb der damalige Parteivorsitzende David Cameron bei den Parlamentswahlen im Jahr 2015 mit dem Versprechen, \u00fcber die weitere Mitgliedschaft in der Europ\u00e4ischen Union abstimmen zu wollen. Der Sieg bei den Parlamentswahlen zwang ihn dazu, dieses Versprechen widerwillig einzul\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bef\u00fcrworter des Brexit-Referendums, angef\u00fchrt von Boris Johnson und Nigel Farage, versprachen, dass der Brexit Gro\u00dfbritannien die Kontrolle \u00fcber die Einwanderung und die Grenzen zur\u00fcckgeben, die nationale Souver\u00e4nit\u00e4t wiederherstellen und die Freiheit geben w\u00fcrde, weltweit bessere Handelsabkommen zu schlie\u00dfen, was wiederum die Wirtschaft des Landes verbessern und den Druck auf die \u00f6ffentlichen Dienste verringern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die versprochene Utopie blieb aus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sechs Jahre nach dem Referendum erweisen sich Handelsabkommen als schwierig, globale Investitionen in Gro\u00dfbritannien geraten ins Stocken, \u00f6ffentliche Dienstleistungen wie der Nationale Gesundheitsdienst und die Sozialf\u00fcrsorge scheinen sich immer mehr zu verschlechtern. Die Folge sind Massenstreiks. Auch die Einwanderungssituation scheint au\u00dfer Kontrolle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Handelsgespr\u00e4che mit den USA scheiterten an der Lebensmittelsicherheit, der Zulassung von Medikamenten, der Verwendung von Hormonen und gentechnisch ver\u00e4nderten Organismen (\u201eGVOs\u201c) in der Landwirtschaft und dem Zugang zu den britischen M\u00e4rkten f\u00fcr die dortigen Pharma- und Medizinunternehmen. Das abgeschlossene Handelsabkommen mit Australien l\u00e4sst britische Landwirte f\u00fcrchten, dass die Preise f\u00fcr Lamm- und Rindfleisch von den australischen Preisen unterboten werden k\u00f6nnten. Der ehemalige britische Umweltminister George Eustice kritisierte: <em>\u201eWenn wir die Fehler, die das Ministerium f\u00fcr internationalen Handel bei den Verhandlungen mit Australien gemacht hat, nicht anerkennen, werden wir nicht in der Lage sein, daraus Lehren f\u00fcr k\u00fcnftige Verhandlungen zu ziehen.\u201c<\/em> Der Verlust des britischen Zugangs zum EU-Binnenmarkt hat sich auf die weltweiten Investitionen ausgewirkt. Zu den Nachrichten \u00fcber den Zusammenbruch des bekannten Batterieherstellers BritishVolt sagte der britische Politiker und ehemaliger Au\u00dfenminister Gro\u00dfbritanniens, William Hague: <em>\u201eWenn man mit Batterien erfolgreich sein will, muss man gro\u00dfe Hersteller auf demselben Markt haben, die diese Batterien verwenden. Das ist also ein Teil des Schadens, der durch den Austritt aus der EU entstanden ist.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verringerung der Zuwanderung aus der Europ\u00e4ischen Union hat in britischen Sektoren wie der Sozialf\u00fcrsorge, der Landwirtschaft und im Baugewerbe zu einem Arbeitskr\u00e4ftemangel gef\u00fchrt. Jedoch hat sich die Gesamtzahl der Einwanderer nicht verringert. So hat das Amt f\u00fcr nationale Statistiken die h\u00f6chste Nettozuwanderung seit dem Zweiten Weltkrieg festgestellt. Die Zuwanderung wurde durch ausl\u00e4ndische Studenten, den Afghanistankrieg und den Ukrainekrieg zus\u00e4tzlich angeheizt. Dar\u00fcber hinaus ist die Zahl illegaler Einwanderer in Gro\u00dfbritannien nach wie vor hoch. Statistiken zur \u201eirregul\u00e4ren Migration\u201c bis Juni 2022 zeigen, dass seit Anfang 2018 mehr als 100.000 Menschen illegal nach Gro\u00dfbritannien gekommen sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weiterhin ist das zentrale Versprechen des Brexits, dass n\u00e4mlich durch den Austritt Gro\u00dfbritanniens aus der EU ganze 350 Millionen britische Pfund pro Woche f\u00fcr den Nationalen Gesundheitsdienst frei werden w\u00fcrden, ist nicht eingetreten. Stattdessen sieht sich der Nationale Gesundheitsdienst mit einer Finanzierungskrise, weit verbreiteten Massenstreiks, einem Mangel an verf\u00fcgbaren Krankenbetten, historisch langen Wartezeiten und einer mangelhaften Servicequalit\u00e4t konfrontiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als w\u00e4re all dies nicht genug, hat der Brexit die Unabh\u00e4ngigkeitsdebatte in Schottland sowie die Forderung nach einer Wiedervereinigung Nordirlands mit der Republik Irland neu belebt. Schottland hat beim Referendum im Jahr 2016 f\u00fcr den Verbleib in der EU gestimmt. Seit dem Brexit setzt sich die Schottische Nationalpartei (SNP) daf\u00fcr ein, dass Schottland das Recht hat, \u00fcber seine Zukunft selbst zu bestimmen und der Europ\u00e4ischen Union als unabh\u00e4ngige Nation wieder beizutreten. Nordirland war vor dem Brexit ein gro\u00dfer Profiteur von den Vorteilen der EU-Mitgliedschaft Gro\u00dfbritanniens. Nach dem Brexit steht Nordirland jedoch vor neuen wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten. Darunter f\u00e4llt beispielsweise die Tatsache, dass Nordirland weiterhin mit dem Zollgebiet des Vereinigten K\u00f6nigreichs verbunden ist und gleichzeitig die Vorschriften der EU f\u00fcr Waren einzuhalten hat. Dies hat zu einem erneuten Vorsto\u00df der Sinn F\u00e9in f\u00fcr eine Wiedervereinigung Nordirlands mit der Republik Irland gef\u00fchrt, um die EU-Mitgliedschaft wiederzuerlangen und sich die damit verbundenen Vorteile zu sichern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der ehemalige britische Premierminister John Major mischte sich k\u00fcrzlich in die Debatte ein, indem er Boris Johnsons Umgang mit dem Brexit scharf kritisierte und sagte, seine Regierung habe dem Nordirland-Protokoll zugestimmt, obwohl sie gewusst habe, dass es nicht umsetzbar sei. <em>\u201eDas muss das erste Abkommen in der Geschichte sein, welches von Leuten unterzeichnet wurde, die von vornherein wussten, dass es nutzlos ist.\u201c<\/em>, sagte Major vor einem Ausschuss in Westminster. Der ehemalige Premierminister aus der Konservativen Partei zeigte sich erstaunt \u00fcber die Akzeptanz des Protokolls, das Johnson nutzte, um bei den Wahlen 2019 f\u00fcr einen \u201eofenfertigen\u201c Brexit-Deal zu werben. Er sagte, der Austritt Gro\u00dfbritanniens aus der EU sei ein <em>\u201ekolossaler Fehler, der das Vereinigte K\u00f6nigreich aus den drei wichtigsten Machtbl\u00f6cken der Welt herausgerissen hat.\u201c<\/em> Weiterhin sagte er: <em>\u201eEs gibt Amerika, es gibt China und es gibt die Europ\u00e4ische Union. Wir sollten in Europa sein.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass die Probleme Gro\u00dfbritanniens viel umfassender und tiefgreifender sind. Diese resultierten mitnichten nur aus der Mitgliedschaft in der Europ\u00e4ischen Union. Der Austritt aus der EU hat nicht die erwarteten Ver\u00e4nderungen gebracht, die sich die Brexiteers erhofft und versprochen hatten, und in mancherlei Hinsicht hat sich die Situation sogar noch verschlimmert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quelle: <a href=\"https:\/\/thegeopolity.com\/2023\/02\/09\/brexit-utopia-turning-into-nightmare\/\">https:\/\/thegeopolity.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit dem Austritt Gro\u00dfbritanniens aus der Europ\u00e4ischen Union sind nun drei Jahre vergangen, doch aus der Utopie, die man sich versprochen hatte, wurde mehr und mehr ein Alptraum.<\/p>\n","protected":false},"author":115,"featured_media":15075,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[25],"tags":[481,610,800,2637],"class_list":["post-15076","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ausland","tag-brexit","tag-demonstrationen","tag-eu","tag-umfrage"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15076","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/115"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15076"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15076\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/15075"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15076"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15076"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15076"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}