{"id":14867,"date":"2022-11-13T00:05:00","date_gmt":"2022-11-12T23:05:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=14867"},"modified":"2022-11-13T00:05:00","modified_gmt":"2022-11-12T23:05:00","slug":"entwicklungshilfe-ist-ein-instrument-des-kolonialismus-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=14867","title":{"rendered":"<strong>Entwicklungshilfe ist ein Instrument des Kolonialismus (1)<\/strong>"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt die Erste und die Dritte Welt. Letztere setzt sich zusammen aus den sogenannten Entwicklungsl\u00e4ndern. In den Entwicklungsl\u00e4ndern herrschen Armut und Hunger aufgrund eines niedrigen Pro-Kopf-Einkommens und schlechter Nahrungsmittelversorgung, eine schlechte Gesundheitsversorgung, mangelhafte Bildungsm\u00f6glichkeiten, hohe Arbeitslosigkeit und eine ungleiche Verteilung von Verm\u00f6gen und G\u00fctern. Es sind L\u00e4nder, die, gemessen an den westlichen Industriestaaten, einen geringen Entwicklungsstand aufweisen und somit als unterentwickelt gelten. Aber warum ist das Pro-Kopf-Einkommen niedrig und sind die Nahrungsmittel- und Gesundheitsversorgung sowie die Bildungsm\u00f6glichkeiten so schlecht?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entwicklungsl\u00e4nder haben sich nicht selbst diesen Namen gegeben und sie haben ihre Situation auch nicht selbst verschuldet. Beides geht auf die westlichen Industriestaaten zur\u00fcck, die \u00fcberhaupt erst durch den jahrhundertelangen Kolonialismus zu reichen Industriestaaten aufsteigen konnten und dabei eine Dritte Welt hervorgebracht haben, die bis heute den Preis des westlichen Wohlstands zahlt. Folglich ist es kein Zufall, dass ausgerechnet jene L\u00e4nder zu den Entwicklungsl\u00e4ndern z\u00e4hlen, die kolonialisiert wurden und dann haupts\u00e4chlich in den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts ihre vermeintliche Unabh\u00e4ngigkeit erhielten. Das Jahr 1960 gilt als das \u201eJahr Afrikas\u201c. Doch die scheinbare Dekolonialisierung bedeutete nicht das Ende der Ausbeutung, sondern nur den \u00dcbergang in eine neue verborgene Form des Kolonialismus. Denn die Ausbeutung wurde von den westlichen Staaten weiterhin betrieben und sogar als Entwicklungshilfe bezeichnet. Inzwischen sprechen sie sogar von \u201eEntwicklungszusammenarbeit\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die westlichen Industriestaaten, die noch immer Kolonialm\u00e4chte sind, haben n\u00e4mlich ein System und Strukturen aufgebaut, um die Entwicklungsl\u00e4nder weiterhin an sich zu ketten und zu schr\u00f6pfen. Dazu geh\u00f6rt beispielsweise die Vergabe von Krediten durch den IWF und die Weltbank oder aber durch andere Fonds und Entwicklungsbanken. Die L\u00e4nder werden nie in der Lage sein, diese Kredite zur\u00fcckzuzahlen und schuldenfrei zu werden. Hierbei sind nicht die urspr\u00fcnglichen Kredite das Problem, sondern die Zinsen, die die Staatsschulden in die H\u00f6he treiben. Dadurch entstehen eine dauerhafte Abh\u00e4ngigkeit und ein Druckmittel. Kredite gibt es nur gegen Auflagen und das Erf\u00fcllen von Bedingungen. Die Entwicklungsl\u00e4nder befinden sich in einer Schuldenfalle, aus der sie nie herauskommen werden. In Wahrheit h\u00e4lt Entwicklungshilfe in Form von Krediten, Subventionen, Zusch\u00fcssen, \u00d6ffentlicher Entwicklungszusammenarbeit \u2013 im Englischen Official Development Assistance (ODA) genannt \u2013 und \u00f6ffentlich-private Partnerschaften jenen Kolonialismus aufrecht, den man f\u00fcr \u00fcberwunden glaubte. Vor allem \u00f6ffentlich-private Partnerschaften (Public Private Partnership: PPP) saugen die Entwicklungsl\u00e4nder extrem aus. Man hat n\u00e4mlich kein echtes Interesse daran, den Zustand eines Entwicklungslandes so zu verbessern, dass es nicht mehr auf die Hilfe anderer Staaten angewiesen ist. Das Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis will man also gar nicht aufgeben, sondern vertiefen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn man an Entwicklungsl\u00e4nder denkt, ist Afrika die erste Assoziation, die man hat. Vor allem den afrikanischen Kontinent verbinden wir mit Armut, Hunger und Unterern\u00e4hrung. Diese Vorstellung steht aber im Widerspruch zu der Tatsache, dass Afrika ein reicher Kontinent ist. Doch die Menschen profitieren nicht von diesem Reichtum, weil der Westen die Rohstoffe Afrikas begehrt und einen Weg gefunden hat, wie er sich schamlos an den Reicht\u00fcmern bedienen kann. Das Problem der Entwicklungsl\u00e4nder besteht folglich nicht darin, dass keine Bodensch\u00e4tze oder fruchtbarer Boden vorhanden w\u00e4ren. Das Gegenteil ist vielmehr der Fall. Doch die westlichen Industriestaaten hindern die Menschen daran, die nat\u00fcrlichen Reicht\u00fcmer ihres Kontinents zu nutzen, da sie diese wie selbstverst\u00e4ndlich f\u00fcr sich beanspruchen. W\u00fcrden die westlichen Industriestaaten ihre kapitalistischen Tentakel von Afrika l\u00f6sen, k\u00f6nnten sich die afrikanischen L\u00e4nder entwickeln und wirtschaftlich wachsen. Aber ein wesentlicher Hinderungsgrund ist eben die Entwicklungshilfe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entwicklungshilfe soll, wie der Name schon sagt, die Entwicklung eines Landes f\u00f6rdern, das diese Hilfe empf\u00e4ngt. Obwohl es schon lange Entwicklungshilfe gibt, konnte bisher aber dahingehend kein Effekt festgestellt werden. Ein direkter Zusammenhang zwischen Entwicklungshilfe auf der einen Seite und Wirtschaftswachstum und Reduzierung der Armut auf der anderen Seite ist nicht vorhanden. Wie viel Geld hat der afrikanische Kontinent seit den F\u00fcnfziger- und Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts bis heute an Entwicklungshilfe erhalten und wie viel Erfolg hat es gebracht? Man kann sogar sagen, dass es Afrika nach jahrzehntelanger Entwicklungshilfe deutlich schlechter geht. Das liegt durchaus im Interesse der westlichen Industriestaaten, denn w\u00fcrde die Entwicklungshilfe halten, was sie verspricht, h\u00e4tten die Industriestaaten ein ernsthaftes Problem. Ein entwickeltes und unabh\u00e4ngiges Afrika w\u00e4re nicht mehr so leicht auszubeuten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Wahrheit helfen die Geberl\u00e4nder mit ihrer Entwicklungshilfe nur sich selbst. Ihre Entwicklungshilfe orientiert sich nicht am Bedarf der L\u00e4nder, die als entwicklungshilfebed\u00fcrftig eingestuft werden, sondern nur am eigenen Interesse. Das Beispiel Syriens verdeutlicht es. Seit dem Beginn des Krieges in Syrien war die Zahl der Fl\u00fcchtlinge sehr hoch, was aber zun\u00e4chst niemanden interessierte. Doch in dem Augenblick, als die Menschen begannen, nach Europa zu fliehen, stockte Deutschland die Entwicklungshilfe auf, um die Fl\u00fcchtlinge von Deutschland fernzuhalten. Ziel der Entwicklungshilfe ist hier also keineswegs, die Entwicklung eines Entwicklungslandes zu unterst\u00fctzen. Deutschland verbuchte sogar die Ausgaben der Fl\u00fcchtlingshilfe in Deutschland als Entwicklungshilfe, wie z. B. die Kosten f\u00fcr Notunterk\u00fcnfte. Das ist laut Ausschuss f\u00fcr Entwicklungshilfe der Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) durchaus legitim. Man muss aber kein Experte sein, um zu erkennen, dass Fl\u00fcchtlingshilfe in Deutschland keine Entwicklungshilfe f\u00fcr die Herkunftsl\u00e4nder darstellt. Mit dem, was Deutschland hier als Entwicklungshilfe deklariert, werden ausschlie\u00dflich deutsche Interessen verwirklicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwischen dem, was das Bundesministerium f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) als Entwicklungszusammenarbeit definiert, und der Realit\u00e4t von Entwicklungshilfe liegen Welten. So kann man auf der Homepage des BMZ lesen: \u201eEntwicklungszusammenarbeit (EZ) hat die Aufgabe, den Menschen die Freiheit zu geben, ohne materielle Not selbstbestimmt und eigenverantwortlich ihr Leben zu gestalten und ihren Kindern eine gute Zukunft zu erm\u00f6glichen. Sie leistet Beitr\u00e4ge zur nachhaltigen Verbesserung der weltweiten wirtschaftlichen, sozialen, \u00f6kologischen und politischen Verh\u00e4ltnisse. Sie bek\u00e4mpft die Armut und f\u00f6rdert Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Entwicklungszusammenarbeit tr\u00e4gt zur Pr\u00e4vention von Krisen und gewaltt\u00e4tigen Konflikten bei. Sie f\u00f6rdert eine sozial gerechte, \u00f6kologisch tragf\u00e4hige und damit nachhaltige Gestaltung der Globalisierung.\u201c Inzwischen sprechen die Geberl\u00e4nder nicht mehr von Entwicklungshilfe, sondern von Entwicklungszusammenarbeit und suggerieren damit, Entwicklungsl\u00e4nder als gleichberechtigte Partner auf Augenh\u00f6he zu behandeln. Vom BMZ hei\u00dft es: \u201eDie deutsche Regierung betrachtet die L\u00e4nder und Organisationen, mit denen sie entwicklungspolitisch zusammenarbeitet, nicht als Empf\u00e4nger von Hilfsleistungen, sondern als gleichberechtigte Partner. Die Ziele der Zusammenarbeit werden gemeinsam festgelegt, die Ma\u00dfnahmen werden gemeinsam geplant und verwirklicht und auch die Verantwortung f\u00fcr Erfolge und Misserfolge wird gemeinsam getragen.\u201c Aber der eigentlich entscheidende Satz des BMZ, der die wahren Absichten offenlegt, lautet: \u201eDar\u00fcber hinaus profitieren Deutschland und die anderen Geberstaaten auch selbst von Entwicklungszusammenarbeit.\u201c Genau darum geht es: von der Entwicklungszusammenarbeit zu profitieren. Und nur darum geht es den sogenannten Geberl\u00e4ndern. Das ganze Gerede von Bek\u00e4mpfung der Armut und Hunger, Verbesserung der Lebensbedingungen, Selbstbestimmung und dergleichen soll die wahren Motive der Geberl\u00e4nder vertuschen, die im Profit liegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle Staaten, die Entwicklungshilfe leisten, sind kapitalistische Staaten. Selbstlose Entwicklungshilfe, die nur den Entwicklungsl\u00e4ndern zugutekommt, existiert im kapitalistischen System nicht, weil sie dem Handlungsma\u00dfstab von Profit und Nutzen widerspricht. Deshalb ist die Entwicklungshilfe, die die reichen Industriestaaten leisten, ebenfalls diesem Handlungsma\u00dfstab unterworfen. Hierbei verteilt sich der Nutzen der Entwicklungshilfe nicht zu gleichen Teilen auf die Geberl\u00e4nder und die Entwicklungsl\u00e4nder, sondern kommt ausschlie\u00dflich den Geberl\u00e4ndern zugute.<\/p>\n","protected":false},"author":43,"featured_media":14866,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[23],"tags":[],"class_list":["post-14867","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-westliche-konzeptionen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14867","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/43"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14867"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14867\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/14866"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14867"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14867"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kalifat1.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14867"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}