{"id":14849,"date":"2022-11-04T09:32:42","date_gmt":"2022-11-04T08:32:42","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=14849"},"modified":"2022-11-04T09:32:42","modified_gmt":"2022-11-04T08:32:42","slug":"putins-unzuverlaessige-verbuendete","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=14849","title":{"rendered":"Putins unzuverl\u00e4ssige Verb\u00fcndete"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Russische Regierungsvertreter k\u00fcndigten den Besuch Wladimir Putins in Teheran zu einem trilateralen Treffen mit dem iranischen Premierminister und dem t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan an, w\u00e4hrend US-Pr\u00e4sident Joe Biden im Nahen Osten zu einem Besuch in Israel und Saudi-Arabien weilte. Dieser Besuch Putins in Teheran ist erst seine zweite Auslandsreise seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar. Mit dem Treffen in Teheran wollte Putin demonstrieren, dass Russland immer noch Verb\u00fcndete hat, obgleich sie das Ziel eines westlichen Wirtschaftskriegs sind. Aller Ank\u00fcndigung und Presseberichterstattung zum Trotz ist Russland ein ebenso unzuverl\u00e4ssiger Partner, wie es der Iran und die T\u00fcrkei f\u00fcr Russland sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Putin reiste am 19. Juli zu einem trilateralen Treffen nach Teheran, um offiziell \u00fcber Syrien und die regionale Sicherheitslage zu sprechen. Dar\u00fcber hinaus traf er sich mit dem iranischen Pr\u00e4sidenten Ebrahim Raisi und dem t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan zu gesonderten Gespr\u00e4chen \u00fcber die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Der von den Vereinten Nationen unterst\u00fctzte Vorschlag zur Wiederaufnahme der ukrainischen Getreideexporte zur Linderung der weltweiten Nahrungsmittelkrise stand ebenfalls auf der Tagesordnung. Hierzu wurde am Freitag dem 22. Juli eine Einigung bekannt gegeben. Erdo\u011fan trug dazu bei, Gespr\u00e4che \u00fcber eine friedliche Beilegung des Krieges zwischen Russland und der Ukraine zu vermitteln und Verhandlungen \u00fcber die Freigabe der ukrainischen Getreideversorgung \u00fcber das Schwarze Meer zu f\u00f6rdern. Putins Treffen mit den beiden Staatsoberh\u00e4uptern sollte vor allem verdeutlichen, dass Russland sich mit anderen Angelegenheiten von strategischer Bedeutung befasst und die Kommunikation mit der NATO auch ohne die Anwesenheit Amerikas vorantreibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wankende Verb\u00fcndete<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Beziehungen zwischen dem Iran und Russland werden seit langem als Russlands politisches Machtspiel im Nahen Osten betrachtet. Da der Iran in der Region isoliert ist, hat sich die milit\u00e4rische, handelspolitische und politische Zusammenarbeit zwischen dem Iran und Russland noch weiter intensiviert. Die Beziehungen zwischen beiden Nationen schwankten im Laufe der Geschichte immer zwischen Zusammenarbeit und Rivalit\u00e4t. Beide Nationen sind durch den Kaukasus, das Kaspische Meer und Zentralasien getrennt. Diese Regionen sind f\u00fcr beide Staaten zum eigenen Schutz, zur Machtprojektion und hinsichtlich der Handelswege und der dortigen Bodensch\u00e4tze von gro\u00dfer Bedeutung. Vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1991 hatte Russland den Iran w\u00e4hrend der beiden Weltkriege besetzt und unterhielt eine feindliche Haltung gegen\u00fcber dem Land. Dies \u00e4nderte sich nach 1991, als Russland mit dem Bau des iranischen Atomreaktors in Busheir begann. Seitdem hat Russland den Iran in erheblichem Umfang verbal unterst\u00fctzt, insbesondere als die USA die Sanktionen gegen den Iran wegen seines Atomprogramms versch\u00e4rften. Russland war f\u00fcr den Iran stets ein unzuverl\u00e4ssiger Partner, da sich der russische Staat nie gegen die UN-Sanktionen und -Resolutionen gegen den Iran aussprach und den iranischen Staat mehr als nur einmal benutzte, um Zugest\u00e4ndnisse von den USA zu erhalten. Aus iranischer Perspektive hat Russland wenig zur St\u00e4rkung des Iran in der Region beigetragen, so dass der Iran seine Verhandlungen mit den USA stets als wichtiger erachtet hat als seine Beziehungen zu Russland. In \u00e4hnlicher Weise betrachtet Russland seine Beziehungen zum Westen als bedeutender als seine Beziehungen zum Iran. Obwohl sowohl Russland als auch der Iran ihre Beziehungen als ein B\u00fcndnis darstellen, sind sie in der Realit\u00e4t weit davon entfernt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Eine Geschichte des Wettkampfes<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die T\u00fcrkei und Russland sind durch den Balkan, das Schwarze Meer und den Kaukasus voneinander getrennt, weshalb diese Regionen ein st\u00e4ndiger Schauplatz der Konkurrenz und des Kriegs zwischen den beiden Nationen waren. Der Aufstieg der T\u00fcrkei verlief parallel zum Aufstieg von Recep Tayyib Erdo\u011fan. Bereits in den ersten Tagen seiner Amtszeit verb\u00fcndete sich der t\u00fcrkische Pr\u00e4sident mit den USA. Dies sollte der St\u00e4rkung seiner AKP (Partei f\u00fcr Gerechtigkeit und Entwicklung) gegen\u00fcber den Kemalisten dienen. Im Jahr 2006 unterzeichneten Condoleezza Rice als US-Au\u00dfenministerin und Abdullah G\u00fcl als t\u00fcrkischer Pr\u00e4sident ein Dokument mit einer gemeinsamen Vision, in dem sie ihre regionale Agenda aufeinander abstimmten. In Wahrheit haben die USA den strategischen Plan f\u00fcr die Zwei-Staaten-L\u00f6sung, Afghanistan, das Schwarze Meer, die NATO und den Terrorismus entwickelt und ihn von der T\u00fcrkei umsetzen lassen. In dieser Funktion ist Erdo\u011fan inzwischen zu weltweiter Prominenz aufgestiegen und rechtfertigt sein Vorgehen mit dem Streben nach Frieden und Stabilit\u00e4t sowie den nationalen Interessen seines Landes. Die T\u00fcrkei hat die strategische Agenda der USA im Nahen Osten und dar\u00fcber hinaus sehr effektiv durchgesetzt. Erm\u00f6glicht wurde dieses Vorgehen dadurch, dass Erdo\u011fan eher sein pers\u00f6nliches Prestige als eine gro\u00dfe strategische Agenda verfolgt und die Zusammenarbeit mit den USA nutzt um sein Ansehen zu steigern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn die T\u00fcrkei und Russland in Syrien intensiv zusammengearbeitet haben, verf\u00fcgten beide \u00fcber Truppen und Luftstreitkr\u00e4fte vor Ort, so dass ein gewisses Ma\u00df an Interaktion erforderlich war, da sie auf demselben Kriegsschauplatz agierten. Von Sotschi \u00fcber Teheran und Astana bis Istanbul fanden zahlreiche Treffen, Konferenzen und Gipfeltreffen zu Deeskalationszonen, Rebellengruppen und der Zukunft Syriens statt. Russland stellte dies so dar, als sei die T\u00fcrkei ein Verb\u00fcndeter Russlands und br\u00e4uchte die USA nicht. Erdo\u011fan und viele seiner Regierungsvertreter nutzten die Treffen mit Russland zudem, um ein Bild der St\u00e4rke zu zeichnen. In Libyen allerdings stehen sich Russland und die T\u00fcrkei auf gegnerischen Seiten gegen\u00fcber. Dar\u00fcber hinaus wurde im Krieg zwischen Aserbaidschan und Armenien im Jahr 2020 das von der T\u00fcrkei unterst\u00fctzte Aserbaidschan von dem von Russland unterst\u00fctzten Armenien besiegt. Die russisch-t\u00fcrkischen Beziehungen beruhen auf begrenzten Annehmlichkeiten, wohingegen die Beziehungen zwischen den USA und der T\u00fcrkei trotz Putins Auftritt in Teheran viel tiefgreifender sind als es die russisch-t\u00fcrkischen Beziehungen jemals sein werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion war Russland darum bem\u00fcht eine B\u00fcndnisstruktur aufzubauen, die der Nation in Zeiten der Not gegen den Westen beistehen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Juni 2022 versuchte Putin in \u00e4hnlicher Weise, den BRICS-Block, dem Brasilien, Russland, Indien, China und S\u00fcdafrika angeh\u00f6ren, als Verb\u00fcndeten Russlands im Angesicht des Ungl\u00fccks zu pr\u00e4sentieren. Aber die j\u00fcngste Kameradschaft beruht weitgehend auf der verg\u00fcnstigten Energie, die daf\u00fcr gesorgt hat, dass Russland ihre Unterst\u00fctzung gewinnen konnte. Der russische Staat ist zudem neuerdings der gr\u00f6\u00dfte Energielieferant Chinas. Indien steigerte seine Einfuhren von russischem \u00d6l, wodurch Russland zu ihrem zweitgr\u00f6\u00dften \u00d6llieferanten wurde. Ferner hat sich Brasilien dazu bereit erkl\u00e4rt, Dieselkraftstoff aus Russland zu niedrigeren Preisen zu beziehen. Diese drei L\u00e4nder verf\u00fcgen \u00fcber gro\u00dfe Volkswirtschaften, deren Neutralit\u00e4t in Bezug auf den Krieg &#8211; wenn nicht sogar deren Unterst\u00fctzung &#8211; Russland einen diplomatischen Vorteil verschafft. Offenbar sind Gespr\u00e4che im Gange, um die BRICS um Argentinien, \u00c4gypten, Iran, Nigeria, Saudi-Arabien und die T\u00fcrkei zu erweitern. Die BRICS-Staaten k\u00f6nnten die Grundlage f\u00fcr ein B\u00fcndnis bilden, welches Russland langfristig gegen die Sanktionen wappnen k\u00f6nnte. Grunds\u00e4tzlich ist jedoch die Beziehung der einzelnen BRICS-Staaten zu den USA &#8211; der Supermacht der Welt &#8211; stark genug, um einen Keil zwischen jedes der Mitglieder und die \u00fcbrigen zu treiben. Jede Nation unterh\u00e4lt dar\u00fcber hinaus ihre eigenen bilateralen Beziehungen zu den USA, wodurch der Block weiter geschw\u00e4cht wird. Dieser Block erm\u00f6glicht es jedoch jeder Nation, mit allen anderen Nationen au\u00dferhalb der internationalen Ordnung zu verhandeln. So wird der Anschein einer neuen Koalition von Nationen erweckt, die sich von den USA und dem Westen abgrenzen. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion war Russland darum bem\u00fcht eine B\u00fcndnisstruktur aufzubauen, die der Nation in Zeiten der Not gegen den Westen beistehen w\u00fcrde. So mussten sie schon immer Anreize bieten um andere Nationen anzulocken. Das Problem hierbei besteht allerdings darin, dass der Konkurrent immer mehr Anreize bieten kann und solche Angebote in der Regel kurzfristiger Natur sind. Trotz aller Inszenierungen und Medienberichte sind der Iran und die T\u00fcrkei keine verl\u00e4sslichen Partner f\u00fcr Russland. Putin wei\u00df das wahrscheinlich und benutzt sie, um kurzfristig ein Bild der Einheit zu vermitteln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Putins j\u00fcngste Reise in den Iran war eine Demonstration der Macht die aufzeigen sollte, dass Russland trotz des westlichen Wirtschaftskriegs immer noch Verb\u00fcndete hat. 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