{"id":14531,"date":"2022-06-05T12:07:03","date_gmt":"2022-06-05T10:07:03","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=14531"},"modified":"2022-06-05T12:07:03","modified_gmt":"2022-06-05T10:07:03","slug":"westliche-doppelmoral-am-beispiel-syriens-und-der-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=14531","title":{"rendered":"Westliche Doppelmoral am Beispiel Syriens und der Ukraine"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kriege und Kriegsverbrechen rufen unterschiedliche Reaktionen hervor. Die Frage, ob ein Aggressor angeklagt und ein Krieg als unmoralisch eingestuft wird oder nicht und ob es ein internationales Engagement gibt, den Krieg zu beenden, h\u00e4ngt ausschlie\u00dflich vom Interesse westlicher Gro\u00dfm\u00e4chte ab. Der Westen ist daher nicht in der Lage, die Werte, die er lautstark propagiert, auf identische Kriegssituationen gleicherma\u00dfen anzuwenden. Seine Werte ordnen sich seinem Ma\u00dfstab unter, der nat\u00fcrlich im Nutzen besteht. Dieser Ma\u00dfstab l\u00e4sst keine absoluten Werte zu, da sie oftmals im Widerspruch zum Nutzen stehen. Das Interesse, einen Krieg anzuzetteln und zu befeuern oder sein Ende anzustreben, h\u00e4ngt nur vom Nutzen ab. Einen f\u00fcr ihn n\u00fctzlichen Krieg erh\u00e4lt der Westen mit allen ihm zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln aufrecht, w\u00e4hrend er einen Krieg zu beenden versucht, der das Gegenteil von Nutzen bedeutet und beispielsweise die Energiepreise in die H\u00f6he treibt, was die Wirtschaft behindert und die Menschen im Westen unmittelbar betrifft. Jeder Krieg steht und f\u00e4llt mit dem Nutzen, den der Westen damit hat. Je weniger ihm ein Krieg nutzt, desto moralischer gibt er sich und nennt die Kriegsverbrechen beim Namen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Europa bedeutet der Ukrainekrieg unermesslichen Schaden. Vor allem die wirtschaftlichen Nachteile lassen die Europ\u00e4er \u00e4chzen. Europa w\u00fcrde von einem Ende des Ukrainekriegs profitieren. Genau das macht den Unterschied zwischen Russlands Krieg in Syrien und Russlands Krieg in der Ukraine aus. Der Nutzen des Syrienkriegs liegt in der Aufrechterhaltung der Macht Bashar al-Assads, der die Interessen der Kolonialm\u00e4chte wahrt. Assad hat eine Aufgabe zu erf\u00fcllen und muss an der Macht bleiben. Deshalb ist der Syrienkrieg aus westlicher Sicht ein notwendiger Krieg. Anders verh\u00e4lt es sich mit dem Ukrainekrieg. Dieser hat unmittelbare negative wirtschaftliche Folgen f\u00fcr Europa. So etwas kennt die westliche Welt f\u00fcr gew\u00f6hnlich nicht, dass ein Krieg w\u00fctet und sie direkt betroffen ist und die Folgen zu sp\u00fcren bekommt. Das Motiv, den Ukrainekrieg zu beenden, liegt also weniger darin begr\u00fcndet, das Leid der Ukrainer zu beenden, als vielmehr darin, die eigenen politischen und wirtschaftlichen Interessen zu sch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Westen hat zugegeben, dass Russlands Krieg gegen die syrische Bev\u00f6lkerung und der Krieg Russlands gegen die Ukraine Parallelen aufweisen. Was die Ukrainer seit einigen Monaten an Bombardements und Kriegsverbrechen erleben, durchleben die Syrer schon seit 2015, ohne dass in dieser langen Zeit irgendein \u00f6ffentliches Interesse des Westens an den Kriegsverbrechen Russlands in Syrien bestanden h\u00e4tte. Russlands Syrienkrieg ist nur vor dem Hintergrund des Ukrainekriegs von westlichem Interesse. Er ist zwar ins \u00f6ffentliche Ged\u00e4chtnis gerufen worden, aber nur deshalb, weil er als Testlauf Russlands f\u00fcr den Ukrainekrieg eingestuft wird und belegen soll, dass Russland eine Strategie des B\u00f6sen hat, die sich schon in vergangenen Kriegen zeigte. Der Syrienkrieg ist jedoch keine Trocken\u00fcbung, sondern ein realer Krieg mit Toten und Verletzen. Dennoch gilt er lediglich als \u201ePutins Blaupause\u201c f\u00fcr den Ukrainekrieg. Man suggeriert, dass das Motiv f\u00fcr Putins Krieg gegen die Syrer ausschlie\u00dflich in einer Vorbereitung auf den Ukrainekrieg liege. In Wahrheit ist Russlands Syrienkrieg weder ein Testlauf noch eine Blaupause, sondern ein grausames Kriegsverbrechen gegen die syrische Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn wir annehmen, dass Syrien Putins Testarena war, um sich f\u00fcr einen Krieg in der Ukraine zu r\u00fcsten, so stellt sich doch die Frage, weshalb die westliche Welt so unterschiedlich auf die Kriegsverbrechen in Syrien und in der Ukraine reagiert, zumal man 2015 gar nicht wissen konnte, dass Russland sich in Syrien auf den Ukrainekrieg vorbereitet. Russlands Syrienkrieg war weitgehend von journalistischem Desinteresse und einer ebenso desinteressierten \u00d6ffentlichkeit gepr\u00e4gt \u2013 wobei das eine das andere bedingt \u2013, w\u00e4hrend der Ukrainekrieg weltweit alle anderen Themen, die mindestens so wichtig sind, \u00fcberschattet. Es ist inzwischen sogar zum Trend geworden, als westlicher Politiker oder Prominenter in die Ukraine zu reisen, um sich solidarisch zu pr\u00e4sentieren und sich vorgeblich ein eigenes Bild von der Lage zu machen. Ein Politiker oder Promi, der etwas auf sich h\u00e4lt, muss in die Ukraine reisen und sich gemeinsam mit dem ukrainischen Pr\u00e4sidenten Selenskyj ablichten lassen. In das von Russland bombardierte Aleppo wollte hingegen keiner einen Fu\u00df setzen, um sich ein Bild vom Schicksal der Menschen zu machen und ihnen Unterst\u00fctzung anzubieten. Eins k\u00f6nnen wir in diesem Zusammenhang also festhalten: Der Syrienkrieg war definitiv keine Blaupause f\u00fcr westliche Humanit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">V\u00f6lkerrechtlich werden der Syrienkrieg und der Ukrainekrieg unterschiedlich eingestuft. Wenn ein Diktator einen anderen Diktator darum bittet, ihm beim Abschlachten seiner eigenen Bev\u00f6lkerung zu helfen, so verst\u00f6\u00dft das nach westlichem Verst\u00e4ndnis nicht gegen das V\u00f6lkerrecht. Da Syriens Pr\u00e4sident Bashar al-Assad Putin darum gebeten hatte, ihn im Krieg gegen sein eigenes syrisches Volk zu unterst\u00fctzen, gilt Russlands Syrienkrieg als \u201eIntervention auf Einladung\u201c. In der Bewertung der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages hei\u00dft es deshalb: \u201eVor diesem Hintergrund wird die russische Pr\u00e4senz in Syrien in der V\u00f6lkerrechtswissenschaft als zul\u00e4ssig erachtet.\u201c Da Russland nicht das Assad-Regime bombardiert, sondern die syrische Zivilbev\u00f6lkerung, liegt kein Versto\u00df gegen das V\u00f6lkerrecht vor. Erst wenn Russlands Bomben sich gegen den Diktator Assad richten w\u00fcrden und nicht gegen das Volk, h\u00e4tte Russland gegen das V\u00f6lkerrecht versto\u00dfen. Russlands Krieg gegen die syrische Bev\u00f6lkerung ist also absolut v\u00f6lkerrechtskonform. Nach diesem V\u00f6lkerrechtsverst\u00e4ndnis darf ein Diktator einen anderen Diktator also ohne Weiteres dazu einladen, ihn bei der Unterdr\u00fcckung seines Volkes zu unterst\u00fctzen, um sich gegen den Volkswillen an der Macht halten zu k\u00f6nnen. Daran erkennt man, dass V\u00f6lkerrecht und Menschenrechte keine absoluten Werte darstellen. Sie liegen im Auge des westlichen Betrachters. Wenn der Krieg Russlands in Syrien v\u00f6lkerrechtskonform ist, ist das ein Armutszeugnis f\u00fcr den Westen und sein sogenanntes V\u00f6lkerrecht. Es legt seine Doppelmoral offen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend die Welt sich dar\u00fcber einig ist, dass Russland die Ukraine widerrechtlich angegriffen hat und die Ukraine unterst\u00fctzt werden muss im Krieg gegen Putin, war sich die westliche Welt im Gegensatz dazu einig dar\u00fcber, dass Russland unbedingt einen Krieg in Syrien f\u00fchren sollte. Der Syrienkrieg war kein Alleingang Russlands. Denn die gesamte westliche Welt hat ein Interesse daran, den Diktator Bashar al-Assad an der Macht zu halten und ihm daf\u00fcr jede Unterst\u00fctzung zukommen zu lassen im Kampf gegen die Muslime, selbst wenn es bedeutet, einen Diktator wie Putin in die syrische Kampfarena zu schicken. Ohne die st\u00e4ndige Einmischung fremder M\u00e4chte w\u00e4re Bashar al-Assad im Grunde schon seit 2012 Geschichte. Aber er konnte durch die Unterst\u00fctzung der Kolonialm\u00e4chte und vor allem der USA weiter regieren. Im Jahr 2015 befanden sich trotz der milit\u00e4rischen Unterst\u00fctzung des syrischen Regimes durch die Kolonialm\u00e4chte die meisten Gebiete Syriens nicht mehr unter Assads Kontrolle. Ihm unterstanden gerade einmal zehn Prozent. Das erkl\u00e4rt den Zeitpunkt des Beginns von Russlands Syrienkrieg im September 2015. Der Zeitpunkt war also nicht zuf\u00e4llig gew\u00e4hlt, um in den Syrienkrieg einzusteigen. Wieder einmal galt es, Assads Herrschaft aufrechtzuerhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kein Staat gibt zu, aus niederen Beweggr\u00fcnden einen Krieg zu f\u00fchren. So behauptet Russland, dass das Motiv f\u00fcr den Ukrainekrieg eine Entnazifizierung der Ukraine sei. Nat\u00fcrlich glaubt niemand Putin, dass es ihm um die Entnazifizierung der Ukraine geht und der Krieg ein Kampf gegen die Nazis sei. Im Gegensatz dazu nahm ihm die Welt aber sein vorgegebenes Motiv f\u00fcr den Syrienkrieg ab, das in der \u201eBek\u00e4mpfung des Terrorismus\u201c bestehe. Russland gab, wie alle anderen Staaten auch, vor, den IS zu bek\u00e4mpfen. Diese L\u00fcge zweifelte niemand an, und so lie\u00df man Russland in Syrien unbehelligt w\u00fcten, seine Bomben auf die syrische Bev\u00f6lkerung abwerfen und seine S\u00f6ldner, unter ihnen die ber\u00fcchtigte Gruppe Wagner, die Menschen terrorisieren. W\u00e4hrend man Putins Absichten f\u00fcr den Ukrainekrieg in Zweifel zieht, wurde seine Begr\u00fcndung f\u00fcr den Syrienkrieg von allen anerkannt und gest\u00fctzt, auch wenn der Verlauf des Krieges deutlich macht, dass er nicht der Bek\u00e4mpfung des IS galt, sondern des syrischen Volkes, das sich ohne westliches Einverst\u00e4ndnis des Diktators Assad entledigen wollte. Um das zu verhindern, tat der Westen einfach so, als h\u00e4tte Russland tats\u00e4chlich den IS bek\u00e4mpfen wollen. Als es um den Syrienkrieg ging, galt Russland noch als glaubw\u00fcrdiger Vertreter und Verteidiger westlicher Werte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie wenig es Russland tats\u00e4chlich um Terrorbek\u00e4mpfung und um Bek\u00e4mpfung des IS in Syrien ging, zeigt sich an den Gebieten, die von Russland permanent angegriffen wurden. Die Nachrichtenagentur Reuters stellte fest, dass 80 Prozent der Ziele russischer Luftangriffe keine IS-Gebiete waren. In Wahrheit galten die russischen Angriffe zivilen Zielen, denn immerhin ist es die Zivilbev\u00f6lkerung, die ihren Diktator Assad loswerden will. Nachweislich wurden Krankenh\u00e4user, Schulen und M\u00e4rkte bombardiert und tausende von Zivilisten get\u00f6tet. Jetzt, da Russland das gleiche Vorgehen in der Ukraine zeigt, ist der Westen geneigt, die Berichte aus Syrien zu glauben, die auf diese Kriegsverbrechen hinwiesen. Immer wieder hat der Westen die Berichte von russischen Kriegsverbrechen in Syrien ignoriert oder f\u00fcr unwahr erkl\u00e4rt und an die L\u00fcge von chirurgischer Pr\u00e4zision russischer Schl\u00e4ge gegen den IS geglaubt bzw. glauben wollen. Westliche Medien haben Russlands Darstellungen unreflektiert \u00fcbernommen. Erst durch den Ukrainekrieg, der nun an den Syrienkrieg erinnert, br\u00f6ckelt dieses Bild, das ausschlie\u00dflich von russischer Propaganda stammt. Zu offensichtlich sind die Parallelen in der Kriegsstrategie Russlands. Amnesty International stellte fest, dass Angriffe auf Krankenh\u00e4user und die Zerst\u00f6rung der medizinischen Infrastruktur in Syrien zur russischen Milit\u00e4rstrategie geh\u00f6rten. Es ist offensichtlich, dass Russlands Syrienkrieg sich nicht gegen den IS richtete, sondern gegen die Zivilisten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Westlichen Staaten war es egal, dass Russland Krankenh\u00e4user und Schulen in Syrien gezielt bombardierte. Es war ihnen genauso egal, dass Streubomben eingesetzt wurden, die im Falle der Ukraine jedoch f\u00fcr Emp\u00f6rung sorgen. Russland gab sogar zu, seine neue Waffentechnik in Syrien zu erproben. In der Ukraine tut Russland nun genau das Gleiche, doch erst jetzt sieht man eine Gefahr in Russlands neuer Waffentechnik. Erst vor dem Hintergrund des Ukrainekriegs fragt sich der Westen, \u00fcber welche Waffen Russland verf\u00fcgt und welche Waffen zum Einsatz kommen. Im Syrienkrieg spielte es keine Rolle, mit welchen Waffen die Menschen get\u00f6tet wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Welt zeigte vollstes Verst\u00e4ndnis, dass die Menschen vor dem Ukrainekrieg fl\u00fcchten mussten. Man \u00f6ffnete den Gefl\u00fcchteten T\u00fcr und Tor. Dieses Verst\u00e4ndnis fehlte im Falle des Syrienkriegs v\u00f6llig. Es st\u00f6rte den Westen lediglich, dass Russland durch seine Luftangriffe auf Aleppo im Jahr 2016 die sogenannte Fl\u00fcchtlingskrise versch\u00e4rfen w\u00fcrde. Zehntausende mussten vor den russischen Bomben aus Aleppo fliehen. Nur deshalb kritisierten europ\u00e4ische Staaten das Vorgehen Russlands gegen die Zivilbev\u00f6lkerung, die nicht nur vor den Luftangriffen fliehen musste, sondern auch vor russischen S\u00f6ldnern, die Zivilisten folterten und t\u00f6teten. Das hei\u00dft, nur die Furcht, dass der Krieg die Syrer wieder in eine Massenflucht nach Europa treiben k\u00f6nnte, veranlasste den Westen dazu, Russlands Kriegstreiben in Syrien zu kritisieren. H\u00e4tten die europ\u00e4ischen Staaten die Garantie gehabt, dass kein einziger syrischer Fl\u00fcchtling es bis nach Europa schaffen w\u00fcrde, h\u00e4tten sie Putin wahrscheinlich angespornt, seine Luftangriffe zu intensivieren, um den Willen der Syrer endg\u00fcltig zu brechen und sich der Diktatur Assads zu f\u00fcgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Gegen\u00fcberstellung des Syrienkrieges und des Ukrainekrieges sagt vieles \u00fcber Russland aus. 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