{"id":10655,"date":"2021-11-01T00:00:00","date_gmt":"2021-10-31T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10655"},"modified":"2021-11-01T00:00:00","modified_gmt":"2021-10-31T23:00:00","slug":"die-impfstoffungerechtigkeit-haelt-die-pandemie-aufrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10655","title":{"rendered":"Die Impfstoffungerechtigkeit h\u00e4lt die Pandemie aufrecht"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerechtigkeit ist keine Frage der pers\u00f6nlichen Einstellung, sondern des Systems. Ist das System ungerecht, n\u00fctzt der individuelle Gerechtigkeitssinn des Einzelnen nichts und kann eine systembedingte Ungerechtigkeit nicht beseitigen. Deshalb kann die Ungerechtigkeit des kapitalistischen Systems nicht ver\u00e4ndert werden, ohne das ganze System zu ersetzen. Die Verteilung des Coronaimpfstoffes hat in Erinnerung gerufen, dass der Kapitalismus ein durchweg ungerechtes System ist. Die Welt teilt sich zwar die Coronakrise, nicht aber den Impfstoff.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor ein Impfstoff gegen das Coronavirus entwickelt und zugelassen wurde, schien die Grenze zwischen der Ersten und der Dritten Welt aufgehoben zu sein. Oberfl\u00e4chlich betrachtet, teilten die Menschen weltweit das gleiche Schicksal. Ein genauer Blick zeigt nat\u00fcrlich, dass es auch vor der Entwicklung eines Impfstoffes einen Unterschied machte, ob man in der Ersten oder in der Dritten Welt lebte oder erkrankte. Der globale Stillstand der Wirtschaft und vieler Bereiche des Lebens suggerierte nur, dass alle Menschen gleich betroffen sind. Der wirtschaftliche Stillstand in einem Land wie Bangladesch, wo N\u00e4herinnen nicht mehr arbeiten konnten und keine staatlichen Hilfen bekamen, war verheerender und existenzbedrohender als beispielsweise in einem europ\u00e4ischen Land, wo die Menschen zumindest teilweise vom Staat finanziell aufgefangen wurden. F\u00fcr die meisten aber schienen die Menschen von der Pandemie gleich betroffen zu sein. Der Coronaimpfstoff, genauer gesagt dessen Vorenthaltung, machte die Ungerechtigkeit des Kapitalismus aber wieder vollst\u00e4ndig sichtbar. Mehr noch, das kapitalistische System stellte sich als noch ungerechter und skrupelloser heraus, als man es ohnehin schon von ihm kannte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie sieht es in der westlichen Welt mit dem Impfstoff aus? Nachdem er anfangs nur in geringen Mengen verf\u00fcgbar war und zun\u00e4chst nur Menschen mit erh\u00f6htem Gesundheitsrisiko damit geimpft werden konnten, war er rechtzeitig vor dem Sommerurlaub in ausreichender Menge vorhanden, so dass die Priorisierung bestimmter Gruppen aufgehoben wurde. Heute ist nicht der Impfstoff knapp, sondern die Impfwilligkeit. Nat\u00fcrlich kann jeder selbst entscheiden, ob er geimpft werden will oder nicht. Aber im Westen haben die Menschen die Wahl, ob sie sich impfen lassen. Es ist sozusagen ein Luxus, ein Impfgegner sein zu k\u00f6nnen. Anders sieht es in der Dritten Welt aus. Da spielt es gar keine Rolle, ob man ein Impfbef\u00fcrworter oder ein Impfgegner ist. Denn trotz anf\u00e4nglicher Beteuerungen des Westens, dass der Impfstoff gerecht verteilt und auch den armen L\u00e4ndern zur Verf\u00fcgung gestellt werden solle, haben die Entwicklungsl\u00e4nder so wenig Impfstoff erhalten, dass der Anteil der Geimpften nicht ins Gewicht f\u00e4llt und die Coronalage dem Zustand ohne Impfstoff gleichkommt. Es gibt L\u00e4nder in Afrika, in denen nicht einmal ein Prozent der Bev\u00f6lkerung eine Erstimpfung erhalten haben. Die meisten liegen allein bei den Erstimpfungen unter f\u00fcnf Prozent. Von einer zweistelligen Prozentzahl k\u00f6nnen die meisten nur tr\u00e4umen. In den Industriel\u00e4ndern wirbt man schon seit l\u00e4ngerem f\u00fcr die dritte Impfung, w\u00e4hrend die Mehrheit der Menschen in den Entwicklungsl\u00e4ndern noch gar keine Impfung erhalten hat. Und es sieht nicht danach aus, als w\u00fcrde sich das \u00e4ndern. Afrika war anfangs nur gut genug, um den neuen Impfstoff vor seiner Zulassung an den Menschen dort zu testen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die reichen Industriel\u00e4nder m\u00fcssen dennoch irgendwie daf\u00fcr sorgen, dass auch die Bev\u00f6lkerung Afrikas die Coronakrise so weit \u00fcbersteht, dass die globale Wirtschaft nicht vollkommen zusammenbricht und die kapitalistischen Bed\u00fcrfnisse der Ersten Welt weiterhin bedient werden. So ist die Autoindustrie auf die Ressourcen des Kongo und auf die Kinderarbeit dort angewiesen, um beispielsweise das ben\u00f6tigte Kobalt zu f\u00f6rdern. Deshalb sorgten die reichen Industriestaaten daf\u00fcr, dass die armen L\u00e4nder zumindest ein bisschen Impfstoff erhielten. Hierbei trat ihre kapitalistische Fratze offen zutage. So spendete die EU den Impfstoff Covshield \u201egro\u00dfz\u00fcgig\u201c nach Afrika. Dieser Impfstoff ist mit dem AstraZeneca-Impfstoff identisch, welcher nach Bekanntwerden des Thromboserisikos von den meisten Menschen in der westlichen Welt abgelehnt wurde. Das war aber nicht der einzige Haken an dieser Impfstoffspende. Denn Covshield ist im Gegensatz zu AstraZeneca nicht einmal in der EU anerkannt, weil er in Indien produziert wurde. Dort hatte ihn die EU billig eingekauft und dann gespendet. Wer also in Afrika mit dem von der EU gekauften und gespendeten Covshield geimpft wurde, gilt in der EU als nicht geimpft. Alle AstraZeneca-Lizenznehmer ben\u00f6tigen bei der Europ\u00e4ischen Arzneimittelbeh\u00f6rde (EMA) n\u00e4mlich eine eigene Anerkennung, auch wenn Covshield identisch mit dem in der EU anerkannten AstraZeneca-Impfstoff ist. Die kapitalistische Logik lautet also wie folgt: Man kauft einen Impfstoff billig in Indien ein, spendet ihn nach Afrika und erkennt die Impfung mit diesem Impfstoff nicht an. Auf diese Weise h\u00e4lt die EU einen Unterschied zwischen einem geimpften Europ\u00e4er und einem geimpften Afrikaner aufrecht, auch wenn beide mit einem identischen Impfstoff geimpft wurden. Gleichzeitig h\u00e4lt die EU sich so Menschen aus Afrika vom Leib, da sie mit der Begr\u00fcndung, nicht geimpft zu sein, nicht einreisen d\u00fcrfen. Denn jeder, der mit einem nicht in der EU zugelassenen Impfstoff geimpft wurde, gilt als nicht geimpft. Auch wenn die Person real mit einem wirkenden Impfstoff geimpft wurde, sieht es in der kapitalistischen Wirklichkeit anders aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Impfungerechtigkeit spiegelt sich nicht nur in einem Impfstoffmangel in den Entwicklungsl\u00e4ndern wider oder darin, dass dort vor allem Impfstoffe gespritzt werden, die man in den reichen Industriestaaten nicht will oder die dort nicht anerkannt sind, sondern auch in den Lizenzen, die eine ausgedehnte und g\u00fcnstige Produktion von Impfstoff blockieren. Das kapitalistische Patentsystem behindert ein Ende der Pandemie, indem der Patentinhaber eines Impfstoffes dar\u00fcber verf\u00fcgen darf, ob andere seinen Impfstoff produzieren d\u00fcrfen. Der Patentinhaber m\u00fcsste eine Lizenz geben, damit der Impfstoff von anderen hergestellt werden darf. Es ist also keine Frage der technischen M\u00f6glichkeit, sondern ausschlie\u00dflich der Lizenz. Selbst wenn die gesamte Menschheit an der Pandemie zugrunde gehen sollte, h\u00e4lt der Kapitalismus an seinem profitorientierten Patentsystem fest. Daran kann auch eine globale Notlage wie die Coronakrise nichts \u00e4ndern. Alles ist dem Profit untergeordnet. Die westlichen Staaten haben das Patentsystem nicht einmal f\u00fcr ihre eigenen Bev\u00f6lkerungen aufgehoben. Da werden sie es erst recht nicht f\u00fcr die Menschen in den Entwicklungsl\u00e4ndern tun.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es w\u00e4re zu sch\u00f6n gewesen um wahr zu sein, dass die Menschen in der Pandemie eine Gleichbehandlung erfahren. Die Sorge, die sich die westliche Welt um die niedrige Impfquote vor allem in Afrika macht, dreht sich nicht um die Menschen. Vielmehr ist es die Sorge, dass durch die steigenden Infektionszahlen neue Virusvarianten auftreten, die sich in den westlichen L\u00e4ndern ausbreiten k\u00f6nnen und gegen die die aktuellen Impfstoffe nicht wirken. Denn das Coronavirus kennt keine nationalen Grenzen und breitet sich \u201egerecht\u201c aus. Es profitiert von der ungerechten Verteilung des Impfstoffes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerechtigkeit ist keine Frage der pers\u00f6nlichen Einstellung, sondern des Systems. 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