{"id":10611,"date":"2021-06-01T00:00:00","date_gmt":"2021-05-31T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10611"},"modified":"2021-06-01T00:00:00","modified_gmt":"2021-05-31T22:00:00","slug":"sulaiman-al-qanuni-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10611","title":{"rendered":"Sulaim\u0101n al-Q\u0101n\u016bn\u012b (Teil 2)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das erste Ziel Sulaim\u0101ns I. als Kalif war Belgrad, dessen Er\u00f6ffnung bereits Mur\u0101d II. und nach ihm Mu\u1e25ammad al-F\u0101ti\u1e25 erfolglos versucht hatten. Sulaim\u0101n, der \u00fcber die Differenzen der europ\u00e4ischen Staaten genau Bescheid wusste und \u00fcber die politischen Zust\u00e4nde Europas im Bilde war, gelang es im Jahr 1521, Belgrad einzunehmen, das eine strategische Position an der Donau-Save-Linie hatte. Denn solange die Donau-Save-Linie in ungarischer Hand war, waren die islamischen Gebiete auf der Balkanhalbinsel ungesch\u00fctzt. Dieser Schritt war au\u00dferdem die Voraussetzung f\u00fcr den Weg nach Mitteleuropa, der bislang durch die Festung Belgrad blockiert war. Kurz nachdem er Kalif wurde, hatte Sulaim\u0101n Ungarns K\u00f6nig Ludwig II., der ein Schwager Karls V. war, den Frieden unter der Bedingung angeboten, sich dem Kalifat durch Tributzahlung unterzuordnen. Ungarn lehnte nicht nur ab, sondern verletzte auch das Gesandtschaftsrecht, indem der Gesandte des Kalifen misshandelt und get\u00f6tet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Belgrad folgte die Insel Rhodos, die 1522 an die Muslime fiel. Von Rhodos ging eine permanente Gefahr f\u00fcr die Muslime aus, denn die Insel war der Sitz der Johanniter. Der Johanniterorden war vor dem Hintergrund des Ersten Kreuzzugs entstanden. Nachdem die Kreuzfahrerstaaten gefallen waren, hatten sich die Johanniterritter auf Rhodos zur\u00fcckgezogen. Sie bedrohten immer wieder die K\u00fcstenst\u00e4dte Kleinasiens, Syrien oder \u00c4gypten. Die Ritter unternahmen nicht nur Raubz\u00fcge, sondern unterst\u00fctzten auch christliche Piraten, die auf der Insel Unterschlupf fanden und islamische St\u00e4dte angriffen. Es ging bei dem Feldzug gegen Rhodos aber auch darum, die Seeverbindung f\u00fcr Muslime zu sichern. Denn Handels- und Pilgerschiffe wurden st\u00e4ndig \u00fcberfallen. Pilger, die von Konstantinopel \u00fcber das Meer nach \u00c4gypten fuhren, um von dort aus ihre Reise nach Mekka fortzusetzen, mussten immer mit Angriffen rechnen. Sulaim\u0101n wollte diesen Zustand nicht mehr hinnehmen. Mit der Er\u00f6ffnung von Rhodos beugte Sulaim\u0101n gleichzeitig einem neuen Kreuzzug durch die Johanniter vor. Rhodos wurde belagert und die Muslime setzten hierbei erstmals in der Geschichte Bomben und Sprengs\u00e4tze ein. In einem Brief an den Gro\u00dfmeister des Johanniterordens forderte Sulaim\u0101n die \u00dcbergabe der Insel und sicherte im Gegenzug zu, dass niemand zu Schaden komme und jeder, der die Insel verlassen wolle, dies mit Familie und Eigentum tun k\u00f6nne. Wer bleiben wolle, k\u00f6nne bleiben und sein gewohntes Leben weiterf\u00fchren. Sulaim\u0101n war fest entschlossen, Rhodos einzunehmen, und ging pers\u00f6nlich auf die Insel, um seinem Entschluss Nachdruck zu verleihen. Nach gro\u00dfen Verlusten auf beiden Seiten stimmte der Gro\u00dfmeister Philippe Villiers de l\u2018Isle Adam schlie\u00dflich der Kapitulation zu und \u00fcbergab die Schl\u00fcssel. Damit war der Seeweg f\u00fcr die Muslime sicher. Rhodos blieb bis 1912 in muslimischer Hand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Europ\u00e4er mussten bereits mit dem Verlust Belgrads an die Muslime erkennen, dass Sulaim\u0101n kein Lamm war, wie sie anfangs dachten, und zudem \u00fcber die modernste und st\u00e4rkste Streitmacht verf\u00fcgte. Er machte kein Geheimnis aus seinen Pl\u00e4nen f\u00fcr Europa und die europ\u00e4ischen M\u00e4chte wussten, dass er mindestens 200 Kanonen in Belgrad zur\u00fcckgelassen hatte, die nicht nur dazu dienten, Belgrad zu halten. Dennoch glaubten sie nicht daran, dass Sulaim\u0101n I. tats\u00e4chlich Krieg gegen das m\u00e4chtige K\u00f6nigreich Ungarn f\u00fchren w\u00fcrde, auch wenn er 1524 Ludwig II. wissen lie\u00df, dass er pers\u00f6nlich an die Donau kommen werde, um Buda, die damalige Hauptstadt des ungarischen Reichs, einzunehmen. Ludwig II. erwiderte, Sulaim\u0101n solle nur kommen. Zwischen Belgrad und Buda gab es nicht mehr viele gr\u00f6\u00dfere Festungen. Im April 1526 brach Sulaim\u0101n schlie\u00dflich mit seinem Gro\u00dfwesir Ibr\u0101h\u012bm Pascha von Konstantinopel Richtung Donau auf und f\u00fchrte den Feldzug gegen Ungarn an. Am 29. August 1526 traf die schlagkr\u00e4ftige islamische Armee bei Moh\u00e1cs auf das ungarische Heer. Die Schlacht von Moh\u00e1cs war von historischem Ausma\u00df, denn der schnelle Sieg der Muslime besiegelte das Schicksal Ungarns, das zum gr\u00f6\u00dften Teil unter islamische Herrschaft fiel. Lediglich ein kleiner Teil ging an die Habsburger, die erbberechtigt waren, nachdem Ludwig II. auf der Flucht ertrunken war und keine Nachkommen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Muslime setzten ihren Weg Richtung Buda fort. Als die Menschen dort erfuhren, dass die Muslime sich ihrer Stadt n\u00e4herten, flohen viele wohlhabende Bewohner. Die einfache Bev\u00f6lkerung blieb hingegen und \u00fcbergab schlie\u00dflich den Schl\u00fcssel an Ibr\u0101h\u012bm Pascha vor den Stadtmauern, der ihn Sulaim\u0101n \u00fcberreichte. Viele Handwerker und Kaufleute baten darum, sich unter den Schutz des Kalifen stellen und nach Konstantinopel auswandern zu d\u00fcrfen. Ihrem Wunsch wurde entsprochen. Sulaim\u0101n und seine Armee blieben jedoch nicht in Buda.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Osmanische Reich unter der Regentschaft Sulaim\u0101ns beeinflusste die Politik der europ\u00e4ischen M\u00e4chte in hohem Ma\u00dfe. Nach dem Tod des ungarischen K\u00f6nigs am Tag der Schlacht von Moh\u00e1cs brachen Rivalit\u00e4ten aus, wer den Platz Ludwigs einnehmen sollte. Neben dem Woiwoden von Siebenb\u00fcrgen Johann Z\u00e1polya machte der Habsburger Ferdinand I., Erzherzog von \u00d6sterreich und Bruder Karls V, Anspruch auf die Herrschaft. Es kam zur Doppelwahl und Ferdinand I. vertrieb Z\u00e1polya aus Buda, woraufhin sich Z\u00e1polya an das Kalifat wandte und um seine Anerkennung als K\u00f6nig von Ungarn und um Unterst\u00fctzung gegen Ferdinand I. bat. Sulaim\u0101n war bestens informiert \u00fcber die Streitigkeiten und die Anspr\u00fcche, die die beiden Kontrahenten machten. Ibr\u0101h\u012bm Pascha machte dem Gesandten Z\u00e1polyas deutlich, dass das ungarische Reich den Muslimen unterstehe. Sulaim\u0101n willigte schlie\u00dflich ein, Z\u00e1polya, dem Bedingungen auferlegt wurden, gegen Ferdinand I. zu unterst\u00fctzen, denn die Habsburger stellten f\u00fcr das Kalifat die gr\u00f6\u00dfte Gefahr dar, der Sulaim\u0101n entgegentreten musste. Hierbei war Ungarn ein wichtiger Faktor. Als Ferdinand I. von dem Erfolg Z\u00e1polyas h\u00f6rte, schickte auch er Gesandte nach Konstantinopel. Er forderte nicht nur seine Anerkennung als K\u00f6nig, sondern auch die R\u00fcckgabe von Gebieten und Festungen, wie etwa Belgrad. Sulaim\u0101n war ver\u00e4rgert \u00fcber diese Forderung und teilte den beiden Gesandten mit: \u201eEuer Herr hat seither unsere Freundschaft und Nachbarschaft nicht erfahren, er wird sie aber fortan erfahren, und das k\u00f6nnet ihr offen eurem Herrn sagen, dass ich pers\u00f6nlich zu ihm kommen werde mit aller Gewalt und Macht, und in eigener Person seiner Person die Festungen zur\u00fcckstellen werde, welche er von mir begehrt hat. Erinnert ihn also, dass er alles zubereite und ausr\u00fcste, um uns gut empfangen zu k\u00f6nnen.\u201c Die Gesandten erwiderten darauf, dass Ferdinand ihn auch als Feind zu empfangen wisse. \u00d6sterreich betrachtete sich als Bollwerk gegen die Muslime.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sulaim\u0101n brach am 10. Mai 1529 mit seinem Heer Richtung Wien auf. Der Feldzug war beschwerlicher als die Feldz\u00fcge zuvor, denn er f\u00fchrte weit in Europa hinein. Z\u00e1polya erhielt seine Befehle vom Kalifen und traf im August desselben Jahres bei Moh\u00e1cs auf ihn. W\u00e4hrend er mit seinen Truppen Richtung Pest zog, f\u00fchrte Sulaim\u0101ns Weg nach Buda, das von den Muslimen erneut eingenommen wurde. Das eigentliche Ziel war jedoch Wien, der Regierungssitz der Habsburger. Der Kalif und seine Armee trafen am 27. September vor Wien ein. Sulaim\u0101n forderte auch diesmal die freiwillige \u00dcbergabe der Stadt und sicherte im Gegenzug zu, dass kein muslimischer Soldat die Stadt betreten werde und der Vertrag vor den Stadttoren unterschrieben werden solle. Da die Stadt nicht \u00fcbergeben wurde, versuchte man die Stadtmauer zu durchbrechen, was ein schwieriges Unterfangen war. Aufgrund der gro\u00dfen Distanz konnte das islamische Heer keine gro\u00dfen Gesch\u00fctze mit sich f\u00fchren. Die Soldaten versuchten, die Mauer mit Minen zu sprengen. Sie erhielten auch den Befehl, die Stadtmauer zu untergraben. Zwar gelang es am 12. Oktober, Breschen in die Mauer zu schlagen, aber es gelang nicht, die Stadt erfolgreich zu st\u00fcrmen. Wien blieb weiterhin unter Beschuss, aber am Ende musste Sulaim\u0101n die Belagerung abbrechen. Es werden unterschiedliche Gr\u00fcnde angef\u00fchrt, dass der Kalif zum ersten Mal eine Belagerung abbrechen musste. Da ist zum einen das Problem, dass die schweren Kanonen nicht mitgef\u00fchrt werden konnten. Zum anderen war der Nachschub von Proviant und Soldaten aufgrund der gro\u00dfen Entfernung nicht gesichert. Aus historischen \u00dcberlieferungen geht zudem hervor, dass vor allem das au\u00dfergew\u00f6hnlich schlechte Wetter den muslimischen Soldaten zusetzte und eine erfolgreiche Erst\u00fcrmung unm\u00f6glich machte. Es lag also weniger an den Habsburgern als vielmehr an \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 15. Oktober zogen die Muslime wieder ab, doch ihr Abzug bedeutete nicht, dass die Habsburger den Sieg davontrugen. Sie waren trotz allem nicht stark genug, sich Ungarns zu bem\u00e4chtigen, und gezwungen, Verhandlungen mit dem islamischen Staat zu f\u00fchren, den sie als ebenb\u00fcrtige Macht anerkennen mussten. Sulaim\u0101n nahm immer wieder den Kampf gegen die Habsburger auf, zumal Karl V. seine Feindschaft zum Islam immer wieder \u00f6ffentlich erkl\u00e4rte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl Sulaim\u0101n 46 Jahre lang regierte und fast ganz Ungarn unter islamische Herrschaft brachte \u2013 als Buda im Jahr 1541 erneut von Sulaim\u0101n eingenommen wurde, gab es Ungarn praktisch nicht mehr \u2013, bleibt vor allem die Belagerung von Wien im Ged\u00e4chtnis, die sich 1683 sogar wiederholen sollte. Der Schrecken sitzt den Europ\u00e4ern bis jetzt so tief in den Knochen, dass ihr Umgang mit den Muslimen noch heute von diesem Ereignis gepr\u00e4gt ist, etwa die Islampolitik \u00d6sterreichs. Die T\u00fcrken vor Wien sind das Schreckgespenst Europas, das sie mithilfe der Unterdr\u00fcckung der Muslime vertreiben wollen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das erste Ziel Sulaim\u0101ns I. als Kalif war Belgrad, dessen Er\u00f6ffnung bereits Mur\u0101d II. und nach ihm Mu\u1e25ammad al-F\u0101ti\u1e25 erfolglos versucht hatten. 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