{"id":10519,"date":"2020-09-09T00:00:00","date_gmt":"2020-09-08T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10519"},"modified":"2020-09-09T00:00:00","modified_gmt":"2020-09-08T22:00:00","slug":"abdulhamid-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10519","title":{"rendered":"Abdulhamid II."},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der islamische Staat nahm seinen Anfang, als der Prophet (s) 622 n.&nbsp;Chr. in Medina eintraf und die islamischen Gesetze in seiner Rolle als Staatsoberhaupt in allen Lebensbereichen anwendete. Mit diesem Ereignis beginnt die islamische Zeitrechnung, worin die Bedeutung des islamischen Staates f\u00fcr die Umma zum Ausdruck kommt. Dass es heute so viele L\u00e4nder gibt, deren Bev\u00f6lkerungsmehrheit aus Muslimen besteht, ist allein auf die Gr\u00fcndung des islamischen Staates durch den Gesandten Allahs (s) zur\u00fcckzuf\u00fchren. Wie sonst h\u00e4tte sich der Islam so erfolgreich ausbreiten und \u00fcber Generationen dauerhaft bei den Menschen verankern k\u00f6nnen? Die Muslime kannten im Grunde nie etwas anderes als das Kalifat, denn es hat seit seiner Gr\u00fcndung bis 1924 durchgehend existiert. Der Zustand ohne islamischen Staat, in dem die Muslime heute leben, ist daher nicht der islamische Normalzustand und besteht gerade einmal 96 Jahre, was ungef\u00e4hr einem Menschenleben entspricht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Kalifat hatte immer wieder H\u00f6hen und Tiefen, doch die Kalifen, die das Amt in der letzten Phase \u00fcbernahmen, hatten grunds\u00e4tzlich einen schweren Stand, weil die Rahmenbedingungen ganz andere waren als in den Jahrhunderten davor. Ein Beispiel hierf\u00fcr ist das vom Kalifen Abdulhamid II., der 1876 die Regentschaft \u00fcbernahm und bis 1909 als einer der letzten Kalifen den islamischen Staat regierte. Die Kolonialm\u00e4chte hatten das Kalifat l\u00e4ngst wie Raubtiere umzingelt und in vielen Teilen auch schon angefressen und warteten nur auf einen g\u00fcnstigen Augenblick, ihre auserkorene Beute in St\u00fccke zu rei\u00dfen. Abdulhamid II. sa\u00dfen aber nicht nur die Kolonialm\u00e4chte im Nacken. W\u00e4hrend seiner Zeit als Kalif fassten die Zionisten unter ihrem Anf\u00fchrer Theodor Herzl den Beschluss, Pal\u00e4stina zur j\u00fcdischen nationalen Heimst\u00e4tte zu machen. Als Druckmittel wollten sie die schlechte finanzielle Lage des Kalifats und den Einfluss der Kolonialm\u00e4chte nutzen, ein Problem, womit Abdulhamid II. ebenfalls zu k\u00e4mpfen hatte. Schon zu Beginn seiner Regierungszeit musste er sich au\u00dferdem mit der Balkankrise und den separatistischen Bestrebungen der Balkanv\u00f6lker und der daran gekn\u00fcpften Einmischung der europ\u00e4ischen Gro\u00dfm\u00e4chte und Russlands auseinandersetzen. Im Jahr 1877, also schon zu Beginn der Regierungszeit Abdulhamids II., brach der Russisch-Osmanische Krieg aus, nachdem Russland den Krieg erkl\u00e4rt hatte und eimarschierte. Nicht zu vergessen ist zudem die politische Bewegung der Jungt\u00fcrken, die als Instrument der Kolonialm\u00e4chte gegen das Kalifat eingesetzt wurde. Im Jahr 1908 f\u00fchrten die Jungt\u00fcrken eine Milit\u00e4rrevolte an und putschten Abdulhamid II. 1909 aus seinem Amt als Kalif.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Probleme des Kalifats, dessen Regentschaft Abdulhamid II. \u00fcbernommen hatte, hatten viel bedrohlichere Ausma\u00dfe als beispielsweise die Besetzung einiger Teile des Kalifats durch die Kreuzfahrer im Mittelalter. Die Kreuzfahrerstaaten bedrohten das Kalifat nicht unmittelbar in seiner Existenz, f\u00fcr das Kalifat waren sie nicht schicksalshaft, obwohl ihr Eindringen nat\u00fcrlich eine Katastrophe f\u00fcr die Muslime darstellte. Ihre Bek\u00e4mpfung war aber haupts\u00e4chlich eine milit\u00e4rische Angelegenheit. Der Sieg \u00fcber sie lie\u00df zwar lange auf sich warten, doch hatten sie am Ende keinerlei Einfluss auf die Muslime und ihr Denken, sondern hinterlie\u00dfen nur materielle Spuren, die heute allenfalls von historischem Interesse sind. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts hingegen nahmen die europ\u00e4ischen Gro\u00dfm\u00e4chte das Denken der Muslime ins Visier und riefen Bewegungen wie die der Jungt\u00fcrken ins Leben, die den islamischen Staat von innen heraus zerst\u00f6ren sollten. Es ging also nicht nur um die Eroberung von Gebieten des Kalifats, sondern um die Zerst\u00f6rung des Denkens der Muslime, um nicht nur den Staat, sondern den Islam als dessen Grundlage zu zersetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die rechtgeleiteten Kalifen nehmen eine besondere Stellung unter den Kalifen ein und haben Vorbildfunktion. Das Kalifat, das die Muslime anstreben und f\u00fcr dessen Entstehung sie arbeiten, ist ein rechtgeleitetes Kalifat und kein Kalifat im Zustand der Herrscherzeit Abdulhamids II. Dennoch kann Abdulhamids II. politisches Handeln eine Vorbildfunktion f\u00fcr die Muslime haben, wenn man seine \u00fcber drei\u00dfigj\u00e4hrige Regierungszeit betrachtet. Sein Anliegen war der Islam und er versuchte in der letzten Phase des islamischen Staates, das Kalifat vor den Ambitionen der europ\u00e4ischen Gro\u00dfm\u00e4chte und der Zionisten zu sch\u00fctzen. Vor dem Hintergrund der erw\u00e4hnten schwierigen und instabilen Situation des islamischen Staates \u2013 man nannte das Osmanische Reich inzwischen den kranken Mann am Bosporus \u2013 gewinnt die Reaktion Abdulhamids II. auf die Zionisten, die ihn bedr\u00e4ngten, ihnen Pal\u00e4stina zu \u00fcberlassen, an Gr\u00f6\u00dfe. Seine Weigerung, ihnen Pal\u00e4stina zu verkaufen, ist umso bedeutender, als das Kalifat zu diesem Zeitpunkt bereits um seine Zukunft f\u00fcrchten musste und die Zionisten die europ\u00e4ischen Gro\u00dfm\u00e4chte auf ihrer Seiter hatten und Geld als Druckmittel gegen das verschuldete Kalifat einsetzten. Die meisten Schulden hatte das Osmanische Reich bei den Kolonialm\u00e4chten Frankreich und Gro\u00dfbritannien, die diesen Zustand bewusst herbeigef\u00fchrt hatten, um ihren Einfluss im islamischen Staat unter anderem dadurch auszubauen, dass sie ihn wirtschaftlich kontrollieren. Die Schuldenverwaltung wurde unter ihrer Leitung von einem europ\u00e4ischen Bankenkonsortium gesteuert. Die Zionisten waren sich bewusst, dass viel Geld n\u00f6tig war, den Plan einer Heimst\u00e4tte in Pal\u00e4stina zu verwirklichen. Es musste so viel sein, dass Abdulhamid II. einwilligt, ihnen Pal\u00e4stina zu \u00fcberlassen, und es musste reichen, um den europ\u00e4ischen Einfluss auf die Finanzen des Osmanischen Reiches zu verringern. Denn die Zionisten strebten eine Selbstverwaltung in Pal\u00e4stina an, die weder unter dem Einfluss des islamischen Staates noch unter dem der Kolonialm\u00e4chte steht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Schicksal Pal\u00e4stinas hing folglich vom Schicksal des Kalifats ab. Abdulhamid II. machte deutlich, dass Pal\u00e4stina zu seinen Lebzeiten nicht an die Zionisten fallen wird. Er schloss kategorisch aus, dass dies geschieht, solange das Kalifat existiert. Theodor Herzl, dem Begr\u00fcnder des Zionismus, lie\u00df Abdulhamid II. ausrichten, er solle seine Bem\u00fchungen um Pal\u00e4stina einstellen, weil es unver\u00e4u\u00dferlicher Boden der Umma sei, auf dem ihr Blut geflossen sei. Seine Worte zeugen von seiner politischen Weitsicht, als er festhielt: \u201eDie Juden k\u00f6nnen ihre Millionen behalten. Wenn der Tag kommt, an dem das Kalifat zerf\u00e4llt, k\u00f6nnen Sie Pal\u00e4stina umsonst haben.\u201c Es ging Abdulhamid II. jedoch nicht darum, sich durch irgendwelche pathetischen Worte in den Mittelpunkt zu stellen und sich bei den Muslimen beliebt zu machen, wie man es heute von dem einen oder anderen Regenten in der islamischen Welt kennt, wenn es um Pal\u00e4stina geht. Er handelte auch, um Pal\u00e4stina zu sch\u00fctzen, indem er beispielsweise anordnete, keine Juden mehr in Pal\u00e4stina ansiedeln zu lassen. Vor allem schloss er keine Abkommen mit ihnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abdulhamid II. regierte den islamischen Staat in der schwersten Krise. Vor diesem Hintergrund muss man sein politisches Handeln bewerten. Die Abschaffung des Kalifats erlebte er jedoch nicht mehr. Er starb 1918 in Istanbul.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der islamische Staat nahm seinen Anfang, als der Prophet (s) 622 n. 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