{"id":10118,"date":"2017-03-21T00:00:00","date_gmt":"2017-03-21T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10118"},"modified":"2017-03-21T00:00:00","modified_gmt":"2017-03-21T00:00:00","slug":"der-rechtsspruch-bezueglich-des-duyani-und-nisfiki-vertrages-in-afghanistan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10118","title":{"rendered":"Der Rechtsspruch bez\u00fcglich des d\u016by\u0101n\u012b- und nisfik\u012b-Vertrages in Afghanistan"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><b>Im Namen Allahs des Erbarmungsvollen des Barmherzigen<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><b>Antwort auf eine Frage<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><b>Der Rechtsspruch bez\u00fcglich des <i>d\u016by\u0101n\u012b- <\/i>und <i>nisfik\u012b-<\/i>Vertrages in Afghanistan<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><b>An \u02bfAbd al-\u011eam\u012bl Q\u0101mi\u02bf<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><b>Frage:<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><i>As-sal\u0101mu \u02bfalaikum<\/i>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unser ehrenwerter Scheich! Bei uns in Afghanistan existiert ein weit verbreitetes Gesch\u00e4ftsgebaren, wo wir nicht wissen, ob es islamrechtlich korrekt ist. Dabei handelt es sich um folgende Vereinbarung: Ein Armer nimmt ein einj\u00e4hriges oder zehn Monate altes Kalb und zieht es ein oder zwei Jahre lang auf. Ist es eine Kuh, die tr\u00e4chtig wird und geb\u00e4rt, geh\u00f6rt dem Armen ihr K\u00e4lbchen und ihre Milch. Die Kuh gibt er dem Eigent\u00fcmer zur\u00fcck, oder sie wird vor der Geburt des Kalbes verkauft, wobei jeder die H\u00e4lfte des Erl\u00f6ses erh\u00e4lt. Ist es ein Stier, so verkaufen sie ihn und teilen sich den Verkaufserl\u00f6s zu gleichen Teilen. Oder sie behalten das Tier und teilen sich den Nutzen daraus zu gleichen Teilen. Den ersten Fall bezeichnet man als <i>d\u016by\u0101n\u012b<\/i> und den zweiten als <i>ni\u1e63fik\u012b.<\/i> Ist dieser Vertrag korrekt oder mangelhaft?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">M\u00f6ge Allah dich reichlich belohnen!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><b>Antwort:<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><i>Wa \u02bfalaikum as-sal\u0101m wa ra\u1e25matull\u0101hi wa barak\u0101tuh!<\/i><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu den Bedingungen eines Arbeits- bzw. Dienstvertrages z\u00e4hlt, dass die Entlohnung &#8211; im Falle ihrer Erw\u00e4hnung &#8211; bekannt und nicht schleierhaft ist. Im Buch \u201eDas Wirtschaftssystem im Islam\u201c wird auf Seite 133 (deutsche Ausgabe) unter dem Kapitel \u201eDer Arbeitslohn &#8211; <i>al-a\u011fr<\/i>\u201c dazu ausgef\u00fchrt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eF\u00fcr den Dienstvertrag ist es eine Bedingung, dass der Arbeitslohn durch Beschreibung und Darstellung in einer Weise bekannt gemacht wird, die jede Unklarheit ausschlie\u00dft. Der Prophet (s) sagte:<\/p>\n\n\n\n<section class=\"wp-block-kommy-hadith-block\"><p class=\"hadith-block-arabic\"><span class=\"hadith-block-arabic-content\">\u00ab\u0625\u0630\u0627 \u0627\u0633\u062a\u0623\u062c\u0631 \u0623\u062d\u062f\u0643\u0645 \u0623\u062c\u064a\u0631\u0627\u064b \u0641\u0644\u064a\u0639\u0644\u0645\u0647 \u0623\u062c\u0631\u0647\u00bb<\/span><\/p><p class=\"hadith-block-trans-ref\"><span class=\"hadith-block-translation\">Wenn jemand von euch einen Dienstnehmer anheuert, so soll er ihm seinen Lohn bekanntgeben.<\/span><\/p><\/section>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entlohnung f\u00fcr die Arbeit kann entweder in Geld oder in etwas Anderem erfolgen. Sie kann aus G\u00fctern oder einem Nutzen bestehen. Denn alles, was als Preis zul\u00e4ssig ist, ist es auch als Entgelt. Bedingung ist jedoch, dass der Lohn beiden Vertragspartnern bekannt ist. Es w\u00e4re unzul\u00e4ssig, wenn er unbekannt bleibt. Wird z. B. jemand zur Einbringung der Ernte f\u00fcr einen unbekannten Teil des Ernteertrages angeheuert, so ist es wegen der existierenden Unklarheit nicht zul\u00e4ssig. Anders verh\u00e4lt es sich, wenn man ihn f\u00fcr einen <i>\u1e63\u0101\u02bf<\/i> (arabisches Hohlma\u00df, bei Weizen ergibt es ein Gewicht von 2176g) oder einen <i>mudd<\/i> (Hohlma\u00df, bei Weizen ergibt es 544g) anheuert. Das w\u00e4re erlaubt. Auch ist es zul\u00e4ssig, einen Dienstnehmer f\u00fcr Kost und Kleidung anzuheuern oder ihm zus\u00e4tzlich zu Kost und Kleidung einen Lohn festzulegen, da dies f\u00fcr die Stillende erlaubt ist. Der Erhabene sagt:<\/p>\n\n\n\n<section class=\"wp-block-kommy-quran-block\"><p class=\"quran-block-arabic\"><span>\ufd3f<\/span><span class=\"quran-block-arabic-content\">\u0648\u064e\u0639\u064e\u0644\u064e\u0649 \u0627\u0644\u0652\u0645\u064e\u0648\u0652\u0644\u064f\u0648\u062f\u0650 \u0644\u064e\u0647\u064f \u0631\u0650\u0632\u0652\u0642\u064f\u0647\u064f\u0646\u064e\u0651 \u0648\u064e\u0643\u0650\u0633\u0652\u0648\u064e\u062a\u064f\u0647\u064f\u0646\u064e\u0651 \u0628\u0650\u0627\u0644\u0652\u0645\u064e\u0639\u0652\u0631\u064f\u0648\u0641\u0650<\/span><span>\ufd3e<\/span><\/p><p class=\"quran-block-trans-ref\"><span class=\"quran-block-translation\">Und dem Vater soll ihre (der Stillenden) Versorgung und Kleidung nach Billigkeit obliegen.<\/span><span class=\"quran-block-reference\"><span>[<\/span><span class=\"quran-block-reference-content\">2:233<\/span><span>]<\/span><\/span><\/p><\/section>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So hat Er ihnen Versorgung und Kleidung im Gegenzug f\u00fcr das Stillen zugesprochen. Wenn das f\u00fcr die Stillende gilt, dann gilt es auch bei anderen T\u00e4tigkeiten, da es sich in allen F\u00e4llen um einen Dienstvertrag handelt. Es ist also eine Frage des Miet- und Dienstnehmerrechts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Lohn muss also in einer Weise bekannt gemacht werden, die jede Unklarheit ausschlie\u00dft, damit ihn der Dienstnehmer ohne Streitigkeit einfordern kann. Denn s\u00e4mtliche Vertr\u00e4ge haben grunds\u00e4tzlich den Zweck, Streitigkeiten unter den Menschen auszuschlie\u00dfen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb stellt es eine Bedingung dar, dass der Arbeitslohn bekannt ist, aufgrund der Aussage des Gesandten (s):<\/p>\n\n\n\n<section class=\"wp-block-kommy-hadith-block\"><p class=\"hadith-block-arabic\"><span class=\"hadith-block-arabic-content\">\u00ab\u200e\u0625\u0630\u0627 \u0627\u0633\u062a\u0623\u062c\u0631 \u0623\u062d\u062f\u0643\u0645 \u0623\u062c\u064a\u0631\u0627\u064b \u0641\u0644\u064a\u0639\u0644\u0645\u0647 \u0623\u062c\u0631\u0647\u00bb<\/span><\/p><p class=\"hadith-block-trans-ref\"><span class=\"hadith-block-translation\">Wenn jemand von euch einen Dienstnehmer anheuert, so soll er ihm seinen Lohn bekanntgeben.<\/span><\/p><\/section>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei ad-D\u0101raqu\u1e6dn\u012b von ibn Mas\u02bf\u016bd tradiert. Auch berichtet A\u1e25mad von Ab\u016b Sa\u02bf\u012bd, dass der Gesandte (s) es untersagte, einen Dienstnehmer anzuheuern, ehe man ihm seinen Lohn bekannt gibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn der Lohn jedoch nicht bekannt gemacht wurde, gilt der Dienstvertrag trotzdem als abgeschlossen und ist (f\u00fcr sich gesehen) islamrechtlich korrekt. Bei Streitigkeit \u00fcber seine H\u00f6he wird der Standardlohn f\u00fcr die gleichwertige T\u00e4tigkeit herangezogen. Das gesamte Thema ist im Buch \u201eDas Wirtschaftssystem im Islam\u201c bei der Behandlung des Dienstvertrages ausf\u00fchrlich dargelegt worden. Es kann dort nachgelesen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Lichte dessen ist deine Frage, wie ich sie verstanden habe, die folgende:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Arme nimmt ein einj\u00e4hriges oder zehn Monate altes Kalb, versorgt es und zieht es f\u00fcr die Dauer von ein oder zwei Jahren auf. Sein Lohn ergibt sich wie folgt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8211; Handelt es sich beim Kalb um ein weibliches Tier und zieht er es auf, bis es zu einer Kuh wird, dann gilt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">a) Geb\u00e4rt sie w\u00e4hrend ihrer Aufzuchtzeit ein Kalb, dann bilden das Kalb und die Milch der Kuh den Arbeitslohn f\u00fcr den Armen. Die Kuh gibt er in diesem Falle ihrem Eigent\u00fcmer zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">b) Oder er erh\u00e4lt den halben Kaufpreis der Kuh, wenn sie vor Geburt ihres Kalbes verkauft wird, als Entlohnung f\u00fcr die Aufzucht des Tieres.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8211; Handelt es sich beim Kalb, das er zur Aufzucht und Betreuung \u00fcbernommen hat, um ein m\u00e4nnliches Tier, so ist sein Arbeitslohn nach ein oder zwei Jahren Aufzuchtzeit der folgende:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">c) Das Tier wird verkauft und der Verkaufserl\u00f6s zu gleichen Teilen unter ihnen aufgeteilt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">d) Oder sie behalten es und teilen sich den Nutzen aus dem Tier zu gleichen Teilen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn mein o. a. Verst\u00e4ndnis richtig ist, dann h\u00e4ngt der islamische Rechtsspruch in diesem Falle davon ab, ob der Arbeitslohn bekannt ist oder nicht. Auch muss die Aufzucht- und Betreuungsfrist bekannt und festgelegt sein. Somit ergeht die Antwort wie folgt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8211; Der Fall a) ist vertraglich unzul\u00e4ssig, da der Arbeitslohn als das vereinbart wurde, was die Kuh geb\u00e4ren k\u00f6nnte. Und dies ist (zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses) unbekannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8211; Im Fall b) ist der Arbeitslohn bekannt, da es der halbe Verkaufspreis der Kuh nach einer vereinbarten Aufzuchtfrist ist. Somit ist es zul\u00e4ssig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8211; Im Fall c) ist der Arbeitslohn der halbe Verkaufspreis des Kalbes nach einer vereinbarten Aufzuchtfrist, was ebenfalls zul\u00e4ssig ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8211; Im Fall d) muss der m\u00f6gliche Nutzen aus dem Tier festgelegt werden, der zu gleichen Teilen zwischen beiden aufgeteilt werden soll, sodass er klar bekannt ist. Dann w\u00e4re es zul\u00e4ssig, ansonsten nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><b>3. \u011eum\u0101d\u0101 a\u1e6f-\u1e6e\u0101niya 1438 n. H.<\/b><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><b>02.03.2017<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frage: Bei uns in Afghanistan existiert ein weit verbreitetes Gesch\u00e4ftsgebaren, wo wir nicht wissen, ob es islamrechtlich korrekt ist. 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