{"id":10039,"date":"2016-04-30T00:00:00","date_gmt":"2016-04-29T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10039"},"modified":"2016-04-30T00:00:00","modified_gmt":"2016-04-29T22:00:00","slug":"kein-verbot-sexistischer-werbung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10039","title":{"rendered":"(K)ein Verbot sexistischer Werbung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das westliche Verst\u00e4ndnis von Frauenrechten scheint im Wesentlichen darin zu bestehen, dass die Frau das Recht hat, sich erniedrigen zu lassen. An diesem Recht auf Erniedrigung h\u00e4lt die westliche Frau hartn\u00e4ckig fest. Was also hat sich Bundesjustizminister Heiko Maas nur dabei gedacht, sexistische Werbung in Deutschland gesetzlich verbieten und der Frau das Recht auf Erniedrigung nehmen zu wollen?<br>Nichts pr\u00e4gt das Frauenbild in der Gesellschaft so sehr wie die Werbung. Die Werbung gibt vor, wie die Frau sowohl in physischer als auch in intellektueller Hinsicht wahrgenommen wird. Hierbei geht es nicht nur darum, wie sie von anderen wahrgenommen wird, sondern wie die Selbstwahrnehmung der Frau ist, die tagt\u00e4glich mit diesem Frauenbild konfrontiert wird. Sp\u00e4testens dann, wenn die Selbstwahrnehmung sich mit dem Frauenbild aus der Werbung deckt, besteht akuter Handlungsbedarf. Deshalb ist der Ansatz von Maas gar nicht so verkehrt, sexistische Werbung verbieten zu wollen, wobei diese im Grunde nur ein kapitalistisches Symptom darstellt und ein solches Verbot die Ursache selbst nicht behebt. Mit der Bek\u00e4mpfung der Ursache w\u00e4re der Bundesjustizminister ohnehin sowohl intellektuell als auch politisch \u00fcberfordert.<br>Maas hat mit seinem Vorhaben, sexistische Werbung verbieten zu wollen, jedoch nicht mit der \u00dcbermacht der Idee von der Freiheit gerechnet. Heutzutage betrachtet die Frau n\u00e4mlich die Freiheit, ihren K\u00f6rper zur Schau zu stellen und zu verkaufen, als emanzipatorische Errungenschaft, welche negativen Konsequenzen das auch immer f\u00fcr sie haben mag. Dagegen ist die Idee von der Unantastbarkeit der W\u00fcrde des Menschen machtlos. Es geht hier um nichts Geringeres als um das Prinzip der Freiheit, selbst wenn es die Freiheit auf Ausbeutung und Erniedrigung in der Werbung ist. Denn alles, was in der kapitalistischen Gesellschaft den Stempel Freiheit aufgedr\u00fcckt bekommt, wird unreflektiert absorbiert und f\u00fcr gut befunden. Freiheit kann, so der allgemeine Konsens, niemals falsch sein und ist \u00fcber jeden Zweifel erhaben.<br>Das heutige Frauenbild ist auf einem Tiefststand. Es ist keinesfalls besser als das fr\u00fchere Frauenbild, sondern bestenfalls anders. Dass die Frau nicht mehr als Hausfrau wahrgenommen wird, die ihren Haushalt gut f\u00fchren, f\u00fcr die Familie kochen, ihrem berufst\u00e4tigen Mann die Hemden b\u00fcgeln und sich f\u00fcr ihn h\u00fcbsch machen soll, bedeutet in Wirklichkeit nicht, dass wir uns heute mit einem v\u00f6llig anderen Frauenbild konfrontiert sehen. F\u00fcr die Frau hei\u00dft es heute, einen Beruf auszu\u00fcben und nebenbei noch all die Aufgaben zu erledigen, f\u00fcr die sie schon fr\u00fcher zust\u00e4ndig war, nur mit dem Unterschied, dass sie keine Hausfrau mehr ist. Allenfalls das B\u00fcgeln der Hemden des Mannes f\u00e4llt weg, weil es inzwischen zahlreiche alleinerziehende M\u00fctter gibt, die sich dann mit dem emanzipatorischen Gedanken tr\u00f6sten k\u00f6nnen, dass sie Haushalt, Kinder und Beruf ganz ohne Mann managen k\u00f6nnen.<br>Hierbei geht es gar nicht so sehr um die Rechte der Frau, sondern darum, blo\u00df nicht als Hausfrau abgestempelt zu werden. Emanzipation hei\u00dft n\u00e4mlich auch, das Hausfrauendasein zu verteufeln. Die Emanzipation hat dazu gef\u00fchrt, dass die Wertsch\u00e4tzung der Hausfrau verlorengegangen ist und die Frau sich ausschlie\u00dflich mit dem Zusatz \u201enur\u201c als Hausfrau outen darf.<br>Wer meint, es gehe heute mehr um die Kompetenzen der Frau als um ihr \u00c4u\u00dferes, unterliegt dem feministischen Wunschdenken. Das Gegenteil ist der Fall, denn die moderne Frau muss inzwischen aus jedem Winkel \u201eselfie-ready\u201c sein, wie es beispielsweise die Kosmetikwerbung suggeriert. Es geht insgesamt nicht mehr nur darum, gut auszusehen, sondern perfekt zu sein wie das Photoshop-Model aus der Werbung. Die Frau wird also mehr denn je auf ihr \u00c4u\u00dferes reduziert, w\u00e4hrend sie sich dabei auch noch selbstbestimmt und frei f\u00fchlt. Nur deshalb funktioniert ihre Ausbeutung \u00fcberhaupt. Auf diese Art leistet sie keinen Widerstand und blickt sogar noch mit Verachtung auf jene Frauen, die nicht dem westlichen Frauenbild entsprechen und nicht auf dieses Freiheitsgeschwafel hereinfallen.<br>Mal ganz ehrlich, wie emanzipiert ist die Frau, wenn sie sich in der Werbung als Kaufs\u00fcchtige abstempeln l\u00e4sst, die Regale voller Schuhe besitzen muss in m\u00f6glichst allen Formen und Farben? Die Werbung hat es quasi geschafft, Frau und Schuh zu einem Begriffspaar zusammenzuf\u00fcgen und eine Wortfamilie daraus zu machen. Erschreckenderweise versucht die Frau inzwischen sogar, diesem Bild zu entsprechen, und nimmt es als ihre vermeintlich weibliche Seite hin: die \u201eselbstbewusste\u201c Frau, die gerne Schuhe und Taschen kauft und diese als Statussymbole pr\u00e4sentiert.<br>Im kapitalistischen System ist es schlichtweg unm\u00f6glich, die W\u00fcrde der Frau aufrechtzuerhalten und ein positives Frauenbild zu zeichnen. Denn die Frau ist aus kapitalistischer Sicht viel zu profittr\u00e4chtig, als dass man auf den Gewinn aus ihrem K\u00f6rper und ihrem Konsumverhalten verzichten m\u00f6chte. Wer diese Realit\u00e4t leugnet und hartn\u00e4ckig an der Meinung festh\u00e4lt, die Emanzipation habe sich positiv auf die Frau und das Frauenbild ausgewirkt, sollte sich einer ganzen Staffel \u201eGermany\u2018s next Topmodel\u201c aussetzen und sich dann die Frage stellen: Welchen Wert hat die Frau in der kapitalistischen Gesellschaft?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frauenrechten scheint im Wesentlichen darin zu bestehen, dass die Frau das Recht hat, sich erniedrigen zu lassen. An diesem Recht auf Erniedrigung h\u00e4lt die westliche Frau hartn\u00e4ckig fest. 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