{"id":10003,"date":"2015-09-04T00:00:00","date_gmt":"2015-09-03T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10003"},"modified":"2015-09-04T00:00:00","modified_gmt":"2015-09-03T22:00:00","slug":"der-kampf-der-kolonialmaechte-im-jemen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kalifat1.com\/?p=10003","title":{"rendered":"Der Kampf der Kolonialm\u00e4chte im Jemen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Je undurchsichtiger ein Konflikt erscheint und je mehr der \u00dcberblick fehlt, wie viele Parteien daran beteiligt sind, in welcher Beziehung sie zueinander stehen und welche Ziele sie verfolgen, desto gr\u00f6\u00dfer ist die politische Bedeutung des betreffenden Landes f\u00fcr den Westen. Bringt man erst einmal Ordnung in das vermeintliche Chaos, kristallisieren sich die Hauptakteure heraus, die ihre Spielfiguren im Konflikt strategisch platziert haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Jemen ist ein solches Land, dessen politische Lage auf den ersten Blick undurchsichtig erscheint. F\u00fcr die Menschen ist die Lage inzwischen ebenso schlimm wie in Syrien, ohne dass man zun\u00e4chst versteht, wie es \u00fcberhaupt dazu kam. Die Jemeniten befinden sich mitten in einer humanit\u00e4ren Katastrophe, deren Ende nicht abzusehen ist, weil sich bei dem politischen Tauziehen kein klarer Sieger abzeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zweifelsfrei sind es Machtk\u00e4mpfe, die das Land in die Krise gest\u00fcrzt haben. Die Frage ist nur, welche M\u00e4chte gerade ihren Kampf auf jemenitischem Boden austragen. Selbst wenn man die aktuellen Machtverh\u00e4ltnisse nicht durchschaut, wei\u00df man aus der Geschichte, dass der Jemen seit jeher ein begehrtes Land ist. Wer den Jemen kontrolliert, kontrolliert beispielsweise auch den Golf von Aden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Vergangenheit fiel der Jemen, nachdem er Teil des islamischen Staates war, wie so viele andere Gebiete des Kalifats dem britischen Kolonialismus zum Opfer. Jedoch konkurriert Gro\u00dfbritannien mit den USA um den politischen Einfluss im Jemen, die schon seit langem versuchen, Gro\u00dfbritannien aus der Region zu verdr\u00e4ngen. Aus dieser Konkurrenz der Kolonialm\u00e4chte erkl\u00e4rt sich die politische Situation im Jemen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als 2011 der sogenannte Arabische Fr\u00fchling auch den Jemen erreichte, sahen die USA die Gelegenheit gekommen, den britischen Vasallen Ali Abdallah Salih loszuwerden und den eigenen Einfluss im Jemen auszubauen. Salih war ein sicheres Pferd, auf das die Briten gesetzt hatten. Mehr als drei Jahrzehnte hielt er die Stellung und setzte die Interessen Gro\u00dfbritanniens um. Seit 1978 regierte er den Nordjemen und von 1990 bis 2012 den vereinigten Jemen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die USA versuchten die Wiedervereinigung zu torpedieren, indem sie Ali Salim al-Beidh einbrachten, der die Spaltung des Jemen umsetzen sollte, indem er die Unabh\u00e4ngigkeit des S\u00fcdjemen forderte. Dies l\u00f6ste 1994 einen erbitterten B\u00fcrgerkrieg aus, der in Wahrheit ein Stellvertreterkrieg zwischen den USA und Gro\u00dfbritannien war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der US-amerikanische Versuch, den Jemen zu spalten, misslang, was jedoch nicht bedeutet, dass die USA ihre Bestrebungen im Jemen aufgaben. Sie instrumentalisierten die Huthi-Bewegung f\u00fcr ihre Zwecke, deren Ursprung auf das Jahr 1994 zur\u00fcckgeht. Zwar gab die Bewegung vor, antiamerikanisch zu sein, und die USA warfen dem Iran vor, die Huthi-Bewegung zu unterst\u00fctzen, jedoch hat sich gezeigt, dass die Huthi-Bewegung Teil der US-amerikanischen Strategie im Jemen ist. Das zeigt sich bereits daran, dass die USA die Huthi-Bewegung nicht als terroristische Organisation einstufen, sondern als politische Bewegung betrachten, was Matthew Tauler, US-Botschafter im Jemen, am 18. September 2014 in einer Pressekonferenz betonte. Was den Iran angeht, so war die Feindschaft zwischen den USA und dem Iran reine Fassade, so dass die Unterst\u00fctzung der Huthi-Bewegung durch den Iran durchaus plausibel ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 2004 flammte der B\u00fcrgerkrieg wieder auf, ohne dass Ali Abdallah Salih aus seinem Thron gehebelt werden konnte. Erst die Revolution im Jemen brachte ihn zu Fall. Gro\u00dfbritannien lie\u00df sich jedoch nicht verdr\u00e4ngen, sondern brachte mit Abed Rabbo Mansur Hadi einen Kandidaten ins Spiel, der die USA ruhigstellen sollte. F\u00fcr die USA schien er zug\u00e4nglicher zu sein als sein Vorg\u00e4nger. Dies konnte jedoch nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass Hadi ein britisches Instrument ist, zu dessen Rolle es geh\u00f6rt, den USA nicht allzu offensichtlich die Stirn zu bieten, womit sich die USA aber nicht zufriedengaben. Daraus erkl\u00e4ren sich der heftige Kampf der Huthi-Rebellen gegen ihn und der Ausbau ihrer Macht im Jemen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Huthi-Bewegung ist n\u00e4mlich neben der s\u00fcdjemenitischen Unabh\u00e4ngigkeitsbewegung al-Harak Teil des US-amerikanischen Plans, mehr Einfluss im Jemen zu gewinnen und die alte Kolonialmacht Gro\u00dfbritannien zu verdr\u00e4ngen. Gleichzeitig nutzen die USA den vermeintlichen al-Qaida-Ableger im Jemen als Vorwand zur milit\u00e4rischen Intervention.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um der wachsenden Macht der vom Iran gest\u00fctzten Huthi-Rebellen entgegenzuwirken, zauberte Gro\u00dfbritannien 2014 wieder Ali Abdallah Salih aus dem Zylinder, indem er vorgab, sich Hadi, mit dem er in Wahrheit auf der gleichen britischen Welle schwimmt, entgegenzustellen. Er schlug sich auf die Seite der Huthi-Bewegung. Gleichzeitig schlossen sich Anh\u00e4nger von Salih der Huthi-Bewegung an, um den USA nicht das jemenitische Feld zu \u00fcberlassen. Sollte sich Hadi nicht halten k\u00f6nnen, hatte Gro\u00dfbritannien zumindest seinen alten Vasallen Salih an die Huthi-Bewegung gebunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor diesem Hintergrund handelt es sich im Jemen um einen Machtkampf der Kolonialm\u00e4chte Gro\u00dfbritannien und USA. Die Bombardierung des Jemen durch Saudi-Arabien und seine Verb\u00fcndeten seit dem 26. M\u00e4rz dieses Jahres mit dem Vorwand, dem Aufruf Hadis zu folgen und das jemenitische Volk vor der Aggression der Huthi-Rebellen zu sch\u00fctzen, ist nur ein weiterer Ausdruck dieses kolonialen Machtkampfes. Die milit\u00e4rische Intervention Saudi-Arabiens hatte den Zweck, das Versagen der Huthi-Rebellen zu kompensieren. Denn die Huthi-Rebellen vermochten nicht, die Herrschaft im Jemen an sich zu rei\u00dfen, auch wenn sie sich ausbreiten konnten. Vielmehr wurden sie als Aggressoren betrachtet und steckten in einer Sackgasse. Die milit\u00e4rischen Angriffe auf Stellungen der Huthi-Rebellen durch Saudi-Arabien und andere US-amerikanische Vasallen wie \u00c4gypten sollten sie quasi aus dieser festgefahrenen Lage retten. Gleichzeitig sollte der Rahmen f\u00fcr Verhandlungen geschaffen werden, um zumindest eine Kompromissl\u00f6sung herbeizuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den Jemen hei\u00dft das, dass jedes Mal, wenn eine der beiden Kolonialm\u00e4chte eine ihrer Schachfiguren bewegt, das Blut des jemenitischen Volkes flie\u00dft. Sowohl den USA als auch Gro\u00dfbritannien sind diese Opfer gleichg\u00fcltig. Diese Gleichg\u00fcltigkeit darf jedoch nicht die Muslime erfassen, denn es ist das Blut ihrer Geschwister, das vergossen wird. Es wird vergossen durch die Hand anderer Muslime, die sich kaufen lie\u00dfen. Dieser Zustand betrifft nicht nur den Jemen, sondern die gesamte islamische Welt, die unter dem kolonialen Einfluss des Westens steht. Kein islamisches Land ist davor gefeit, ein \u00e4hnliches Schicksal zu erleiden, sofern die Muslime dem nicht Einhalt mit dem islamischen System gebieten, das den Einfluss der Kolonialm\u00e4chte vollst\u00e4ndig aufhebt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Je undurchsichtiger ein Konflikt erscheint und je mehr der \u00dcberblick fehlt, wie viele Parteien daran beteiligt sind, in welcher Beziehung sie zueinander stehen und welche Ziele sie verfolgen, desto gr\u00f6\u00dfer ist die politische Bedeutung des betreffenden Landes f\u00fcr den Westen. 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